Dagmar von Gersdorff

 4,1 Sterne bei 23 Bewertungen
Autor*in von Die Erde ist mir Heimat nicht geworden, Goethes Mutter und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Dagmar von Gersdorff

Dagmar von Gersdorff, geb. von Forell, stammt aus Trier/Mosel. Sie lebt heute als Literaturwissenschaftlerin und Biographin in Berlin. Verheiratet, drei Kinder. Studium der Germanistik und Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin. Ihre Promotion schrieb sie über den Einfluss der deutschen Romantik auf Thomas Mann. Für die Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz verfaßte sie drei Text-Bild-Bände. Bekannt wurde sie durch ihre Biographien über bedeutende literarische und historische Persönlichkeiten: Marie Luise Kaschnitz, Bettina und Achim von Arnim, Goethes Mutter, Caroline von Günderrode, Goethes Enkel, Prinz Wilhelm von Preußen und Elisa Radziwill, Caroline von Humboldt. Ihr Werk wurde mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet. Sie ist Mitglied des Verbandes deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller sowie Mitglied des internationalen PEN.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Dagmar von Gersdorff

Cover des Buches Die Erde ist mir Heimat nicht geworden (ISBN: 9783458732570)

Die Erde ist mir Heimat nicht geworden

 (5)
Erschienen am 20.01.2014
Cover des Buches Goethes Mutter (ISBN: 9783458171348)

Goethes Mutter

 (3)
Erschienen am 13.08.2008
Cover des Buches Caroline von Humboldt (ISBN: 9783458358589)

Caroline von Humboldt

 (2)
Erschienen am 21.10.2012
Cover des Buches Wohin denn ich (ISBN: 9783546000284)

Wohin denn ich

 (3)
Erschienen am 01.09.1999
Cover des Buches Goethes Enkel (ISBN: 9783458732549)

Goethes Enkel

 (2)
Erschienen am 15.04.2013
Cover des Buches Königin Luise und Friedrich Wilhelm III. (ISBN: 9783499331923)

Königin Luise und Friedrich Wilhelm III.

 (2)
Erschienen am 02.12.2002
Cover des Buches Marianne von Willemer und Goethe (ISBN: 9783458357599)

Marianne von Willemer und Goethe

 (1)
Erschienen am 14.11.2011

Neue Rezensionen zu Dagmar von Gersdorff

Cover des Buches Julia Mann, die Mutter von Heinrich und Thomas Mann (ISBN: 9783458364597)
bineiras avatar

Rezension zu "Julia Mann, die Mutter von Heinrich und Thomas Mann" von Dagmar von Gersdorff

Gelungene Darstellung eines ereignisreichen Lebens
bineiravor 2 Monaten


Julia da Silva-Bruhns, verheiratete Mann, wurde am 14. August 1851 in Paraty, Brasilien in wohlhabende Verhältnisse hineingeboren und starb am 11. März 1923 verarmt in einem Pensionszimmer in Weßling bei München.


Sie war die Tochter eines aus Lübeck eingewanderten Farmers und einer Brasilianerin portugiesicher Herkunft. Ihre ersten Lebensjahre verbrachte Julia auf den Zuckerrohrplantagen der Eltern. Als sie fünf Jahre alt war, starb ihre junge Mutter bei der Geburt ihres sechsten Kindes. Der Vater brachte die Kinder, die kein Wort Deutsch sprachen, zu seinen Verwandten nach Lübeck. Julia wurde von ihren drei Brüdern getrennt und wuchs mit ihrer Schwester in einem Internat und bei der Familie ihres Onkels auf. Sie hat diese Entwurzelung nie verwunden und blieb in Lübeck immer die schöne Exotin. 


Mit 18 verliebte sie sich unstandesgemäß. Der Verehrer wurde  zur Ausbildung weit weggeschickt und Julia von ihrer Familie zur Heirat mit dem elf Jahre älteren Kaufmann und späteren Senator Thomas Johann Heinrich Mann gedrängt. Mit ihm hatte sie fünf Kinder: Heinrich, Thomas, Julia, Carla und Viktor.


Julia Mann war musisch sehr begabt; sie spielte hervorragend Klavier, komponierte selbst, außerdem schrieb sie Gedichte und kleine Erzählungen. Für ihren Mann waren diese Talente ein nutzloser Zeitvertreib, so dass sie ihnen während ihrer Ehe nur eingeschränkt nachgehen konnte.


Als Mutter hatte sie nur das Wohl ihrer Kinder im Sinn, sie verteidigte den Wunsch der ältesten Söhne, Schriftsteller und den der jüngsten Tochter, Schauspielerin zu werden und unterstützte sie, solange sie das konnte. In den Augen ihres Mannes war sie zu nachgiebig und nicht konsequent genug in der Erziehung ihrer Kinder. Bevor er 1891 starb, hatte er verbittert und enttäuscht verfügt, dass das feudale Wohnhaus der Manns verkauft und die Firma aufgelöst wurden. Ein Testamentsvollstrecker überwies der Witwe und den Kindern fortan monatlich die Zinsen aus ihrem Vermögen, das viel kleiner war, als der Senator angenommen hatte. Die Familie musste sich einschränken und zog in ein Haus vor den Toren Lübecks. Endlich konnte Julia Mann ihre Leidenschaft für Musik und Literatur ausleben. Sie veranstaltete Hauskonzerte und lud Schriftsteller und Musiker ein. Dieses freizügige Treiben der schönen Frau heizte die Gerüchteküche in Lübeck an, und als Freunde der Familie nach München zogen, folgte Julia Mann ihnen mit den Kindern.


Auch in München versammelte sie zunächste viele Künstler*innen um sich. Als die Zinserträge weniger wurden, suchte sie sich eine günstigere Bleibe auf dem Land. Mit dem Wegzug aus München wurde es einsam um Julia Mann. Während des ersten Weltkrieges nutzte sie ihre räumliche Nähe zu den Bauern, um die Kinder und Enkel*innen in München mit Lebensmitteln zu versorgen.


Sie war die erste Leserin der Werke ihrer Söhne und stand in regem Austausch mit ihnen. Zu Ihren Töchtern fand sie dagegen keinen Zugang. Die Ältere lebte in einer unglücklichen Ehe und war nicht ansprechbar, die Jüngere brachte sich 29jährig im Besein der Mutter mit Zyankali um. 


Mit keiner ihrer Schwiegertöchter hatte Julia Mann ein gutes Verhältnis. Die gegenseitige Haltung reichte von kühl bis feindselig.


Nach dem Krieg musste sie aus Geldmangel immer öfter in immer preiswertere Unterkünfte umziehen. Auch verkaufte sie Erbstücke an Heinrich Mann. Ob ihre Kinder ihr nicht helfen wollten oder sie keine Hilfe annahm, geht aus den Briefen nicht eindeutig hervor; ihr Ende hat sie jedenfalls unterernährt und ungepflegt erlebt. Einen Tag vor ihrem Tod bestellte sie ihre Kinder in die Pension, in der sie lebte und verabschiedete sich von ihnen.


Meine Meinung zu dem Buch:
Die Biografie liest sich fast so spannend wie ein Roman. Ich habe viel Persönliches aus dem Leben der Familie Mann erfahren und verstehe dadurch so manche "unliebsame Macke" des von mir als Schriftsteller verehrten Thomas Mann besser. Einige der nicht wenigen Zitate aus Briefen habe ich nur überflogen, wenn sie meinen Lesefluss zu sehr gestört haben. Das Personal ist nicht ganz so zahlreich wie bei Frau Goethe, das machte es einfacher, sich die Namen zu merken. Am Ende war ich sehr traurig über das Schicksal von Julia Mann. Sie hat alles - und ich meine nicht nur Materielles - für ihre Kinder gegeben, und es kam so wenig zurück. Ich empfehle das Buch gern weiter.


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Cover des Buches Julia Mann, die Mutter von Heinrich und Thomas Mann (ISBN: 9783458177708)
Sikals avatar

Rezension zu "Julia Mann, die Mutter von Heinrich und Thomas Mann" von Dagmar von Gersdorff

Informative Biographie über Julia Mann
Sikalvor 4 Jahren

Die Autorin Dagmar von Gersdorff, Literaturwissenschaftlerin und Biographin, hat eine interessante Biographie über die Mutter von Heinrich und Thomas Mann geschrieben, die sehr angenehm und anregend zu lesen ist.

 

Julia Mann (1851 – 1923) wurde in Brasilien geboren und wuchs auf einer Zuckerrohrplantage auf bevor sie nach Deutschland kam, wohin sie ihr Vater abschob und womit sie zeitlebens zu kämpfen hatte. Sie heiratete in die Lübecker Kaufmannsfamilie der Manns ein und galt zu ihrer Zeit als schönste Frau der Stadt. Als Mutter ging ihr das Wohl ihrer fünf Kinder über alles – oft zum Leidwesen ihres Mannes, der die Zukunft seiner Söhne eher darin sah, die Familientradition und somit das Geschäft fortzuführen. Doch Julia – selbst musisch begabt – förderte und unterstützte die literarischen Versuche Heinrichs und Thomas‘. Erst nach dem Tod ihres Mannes bekam sie die Gelegenheit, sich selbst vermehrt der Kunst und Kultur zu widmen. Für Senator Heinrich Mann war Musik und Literatur eher ein Zeitvertreib, ein Hobby, nett aber nutzlos. Er forderte für seine Kinder Konsequenz und Disziplin – auch über seinen Tod hinaus, gab er noch Anweisungen für die Erziehung der Kinder…

 

Bereits früh erzählte sie ihren Kindern immer wieder exotische und spannende Geschichten aus Südamerika. „Zwischen Affen und Papageien“ sei sie geboren und so manch fremde und interessante Anekdote aus ihrem Leben zog ein in die Bücher ihrer Söhne. Familienmitglieder, Bekannte und Verwandte wurden in den Kontext der Geschichten eingebettet – nicht immer zu deren Freude. Oft mussten die beiden Schriftsteller Kritik ertragen und wurden auch von ihrer Mutter deswegen getadelt. Die Rivalitäten der beiden wurden immer ärger und irgendwann konnte auch die Mutter nicht mehr ausgleichend agieren und so kam es für viele Jahre zum Bruch der beiden. Für Julia Mann war der Konflikt zwischen ihren Kindern sehr schlimm, sie versuchte durch Diplomatie zu beruhigen, was ihr nicht immer gelang. Doch sie hatte auch mit ihrem eigenen Leben genug zu tun – finanzielle Engpässe, ihre Entwurzelung, der Selbstmord ihrer jüngsten Tochter und letztendlich ihre eigene Verzweiflung, ohne die Unterstützung der berühmten Söhne das Leben bestreiten zu müssen, machten ihr zu schaffen.

 

Die Autorin gibt nicht nur Einblicke in das Leben der Manns, sondern verbindet auch die Ereignisse in der Familie mit den Geschichten von Heinrich und Thomas. Viel Interessantes konnte ich hier entdecken und ich werde bestimmt noch öfter in diesem Buch blättern. Einige Fotos sowie ein Stammbaum am Ende des Buches ergänzen diese gelungene Biographie.

 

Man merkt, dass die Autorin gut und umfassend recherchiert hat, aus bisher verborgenen Koffern tauchten Briefe und private Fotos auf, die ihr diese Lebensbeschreibung möglich machten.

Julia Mann – eine interessante, moderne Frau, die ihre Eigenständigkeit über alles stellte und durch ihre Vielseitigkeit fasziniert. Eine tolle Biographie, der ich gerne 5 Sterne gebe.

 

 

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Cover des Buches Die Erde ist mir Heimat nicht geworden (ISBN: 9783458173021)
Dannys avatar

Rezension zu "Die Erde ist mir Heimat nicht geworden" von Dagmar von Gersdorff

Rezension zu "Die Erde ist mir Heimat nicht geworden" von Dagmar von Gersdorff
Dannyvor 13 Jahren

Eine ganz wundervolle Biographie über eine der größten deutschen Dichterinnen. Wunderschön und einfühlsam geschrieben, mit vielen Zeitzeugnissen.

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