Dalia Grinkevičiūtė

 4,8 Sterne bei 6 Bewertungen

Lebenslauf

Dalia Grinkevičiūtė wurde 1927 in Kaunas, der provisorischen Hauptstadt Litauens, als Tochter eines hohen Beamten der Nationalbank geboren. 1941 wird sie mit Mutter und Bruder an die Lenamündung in Sibirien verbannt. 1949 flieht se mit ihrer Mutter aus der verbannung und verbingt 1949-1950 illegal in Kaunas, bevor sie erneut deportiert wird. 1954 erfolgt die Entlassung. Nach einem Medizinstudium arbeitet sie ab 1960 als Ärztin, von 1974 an darf sie allerdings nicht mehr praktizieren. Ihr Antrag auf Emigration nach Frankreich wird 1977 abgelehnt. 1987 stirbt Dalia Grinkevičiūtė in Kaunas.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Dalia Grinkevičiūtė

Cover des Buches Aber der Himmel - grandios (ISBN: 9783442714285)

Aber der Himmel - grandios

(6)
Erschienen am 11.10.2016

Neue Rezensionen zu Dalia Grinkevičiūtė

Cover des Buches Aber der Himmel - grandios (ISBN: 9783442714285)
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Rezension zu "Aber der Himmel - grandios" von Dalia Grinkevičiūtė

usum56
Gestohlene Jugend, gestohlene Heimat

Dieses Buch fand ich zufällig in einem Bücherschrank, Titel und Cover sprachen mich sofort an und der Inhalt hat mich nachher tief bewegt. So wenig wusste ich über die Geschichte der baltischen Staaten!

Es handelt sich um ein Zeitzeugnis aus den Jahren 1941-43 als weite Teile der litauischen Bevölkerung, vor allem die intellektuelle und wirtschaftliche Oberschicht, unter der Herrschaft Stalins deportiert und in Verbannung geschickt wurde. Und dies an einen besonders menschenfeindlichen Ort, an der Laptewsee, der Küste der Arktis. Dalia Grinkevičiūtė ist erst 14 Jahre alt als sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder abgeholt werden. Sie kommen nicht in ein Lager, sondern müssen nach einer zermürbenden Fahrt ihre Unterkunft in der öden Tundra noch vor Anbruch des langen Polarwinters selbst bauen und auch danach jeden Tag schwerste Arbeit verrichten. Viele überleben diese Zeit im Gulag nicht. Als Dalia Grinkevičiūtė mit anfangs 20 die Flucht gelingt schreibt sie ihre Erinnerungen hastig auf und versteckt sie bevor sie dann wieder verhaftet wird. Deswegen vielleicht enden die Erinnerungen auch aprupt, denn der Leidensweg ist noch keinesfalls zu Ende. Diese Erinnerungen, aufgeschrieben auf losen Blättern und vergraben, werden erst 1991 zufällig entdeckt. Heute liegen sie im Museum, und die Geschichte von Dalia Grinkeviciute gehört zum litauischen Nationalerbe.

Trotz des geschilderten Schreckens, Demütigungen und menschlicher Grausamkeiten, liest sich das Buch ‘gut’. Es sind genaue Beobachtungen und lebendige Schilderungen in einer fast literarischen Sprache. Dazu hat bestimmt auch die Herausgeberin und Übersetzerin Vytenė Muschick beigetragen. Im Buch finden sich zudem auch Fotos der Familie aus Litauen und aus dem Verbannungsort Trofimowsk. Ein wichtiges historisches Dokument, von denen es nur sehr wenige gibt, und deshalb heute auch litauische Schullektüre. Eigentlich ein wichtiges Dokument für uns alle und es hat mir wieder einmal vor Augen geführt, an welch privilegiertem Fleckchen Erde wir in der Schweiz/Deutschland/Österreich heute leben.

Jeden Tag schleppen die Deportierten Stämme hoch zu einem Hügel. Diesen Hügel nennt Dalia Grinkevičiūtė ihr persönliches Golgatha: "Und hier, mit diesem ewigen Seil an der Schulter, auf allen Vieren mit meiner schweren Last, fast am Boden, hier habe ich, Golgatha, stummen Hass und stumme Rache gefühlt gegen alles, was einen Menschen in ein Tier verwandelt, was seine Würde zertrampelt."

Cover des Buches Aber der Himmel - grandios (ISBN: 9783442714285)
HEIDIZs avatar

Rezension zu "Aber der Himmel - grandios" von Dalia Grinkevičiūtė

HEIDIZ
Sollte zur Schullektüre gehören

Dieses Büchlein hat es in sich, ich finde, es gehört unbedingt gelesen, sogar in der Schule könnte man es als Literatur zur Geschichte nutzen.

Das Büchlein erzählt die Geschichte der 14-jährigen Dalia aus Litauen, die nach dem Einmarsch der Sowjets mit ihrer Mutter und ihrem Bruder in die Verbannung nach Sibirien geschickt wurde.

Sie kann nach 7 Jahren Verbannung in einem Gulag in der Arktis flüchten - schreibt, nachdem sie sich zurückgekehrt verstecken muss - schnell ihre Erinnerungen auf Blätter und vergräbt diese in einem Einweckglas im Garten - der KGB verhaftet sie und sie wird erneut deportiert. Nach ihrem Tod findet man diese Blätter ... und nun zeugen sie vom Schicksal dieses Mädchens.

Leseprobe:
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Eine Brigade der Astrachan Kosaken, die von Tumin geleitet wird, gräbt seit drei Tagen ununterbrochen eine Grube für den Leichenberg. Es ist schwere Arbeit. Die Spitzhacken stumpfen durch das Eis und den harten Grund schnell ab. Die Kosaken fluchen wie die Kesselflicker. Bei unserer Leitung hat sich eine Kommission angekündigt ...

Sehr lebendig liest sich diese Geschichte, die von den Schrecknissen berichtet, welche Dalia Grinkeviciute erdulden muss.

Ein kleines Buch mit großem Inhalt, sehr ans Herz gehend, sehr emotional, aber unbedingt auch sachlich informierend. Hat mich beeindruckt in seiner Klarheit und den Erinnerungen, die Zeugnis geben über diese Zeit. Sprachgewaltig und eindrucksvoll geschrieben erzählt dieses Büchlein von der erbarmungslosen Diktatur und dem, was die Menschen einst durchstehen mussten - physisch und psychisch - und all das vor dem historischen Hintergrund, der einfach nicht in Vergessenheit geraten darf.

Cover des Buches Aber der Himmel - grandios (ISBN: 9783442714285)

Rezension zu "Aber der Himmel - grandios" von Dalia Grinkevičiūtė

Ein LovelyBooks-Nutzer
In der sibirischen Verbannung


1941: Mit gerade einmal 14 Jahren wird Dalia Grinkevičiūtė mit ihrer Familie aus Litauen nach Sibirien deportiert. Nach einer langen und erschöpfenden Reise, die schon erste Opfer fordert, kommen sie auf der Insel Trofimowsk an und müssen dort ein Lager für sich errichten. Doch ihre Baracken schützen nicht vor der Kälte des sibirischen Winters und trotz mangelnder Nahrung verrichten sie jeden Tag Schwerstarbeit.
Dalia Grinkevičiūtė hat die Verbannung überlebt und heimlich ihre Erinnerungen auf losen Blättern festgehalten und in einem Glas im Garten vergraben. Ihre Aufzeichnungen zeugen von dem Grauen, welche die Litauer und die anderen Verbannten tagtäglich erleben mussten und von ihrem starken Überlebenswillen.
Mich haben die Erinnerungen von Dalia sehr erschüttert. Ihr ist es gelungen, die Schrecken des Lagers schriftlich festzuhalten und uns Lesern vor Augen zu führen. Sehr genau beschreibt sie, wie es sich anfühlt, wenn man mit Sommerkleidung und um die Beine gebundende Stofffetzen mitten im sibirischen Winter schwere Baumstämme befördern muss und nachts vor lauter Hunger von einem kleinen Stück Brot träumt. 
Teilweise habe ich beim lesen das Buch an die Seite gelegt und musste erst mal tief durchatmen, weil mich ihre Erlebnisse sehr mitgenommen haben. Es ist mir immer noch unverständlich, wie man mit Menschen so grausam umgehen kann.
Was mich jedoch beeindruckt hat, ist Dalias unglaublicher Lebenswille, mit dem sie den Lagerumständen und ihren Unterdrückern trotzt. Sie ist zwar noch ein junges Mädchen, aber lässt sich nicht brechen und tut alles notwendige, damit ihre Baracke und ihre Mutter überleben können.
Ihr Schreibstil ist sehr bildhaft , so dass man wirklich eine Vorstellung von dem Gulag und den Zuständen dort entwickelt. Manchmal springt sie jedoch ziemlich schnell von einer Situation in die andere, so dass man ihr nicht immer ganz folgen kann.
Insgesamt hat Dalia hier ein beeindruckendes Zeugnis über ihre sibirische Verbannung abgelegt. So hat sie dem Regime sogar nach ihrer Zeit im Gulag noch getrotzt, indem sie ihre Erlebnisse schriftlich festgehalten hat. Insgesamt kann ich das Buch jedem weiterempfehlen.

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