Cover
Das Cover ist mir bereits auf der Frankfurter Buchmesse sofort aufgefallen. Die kleine Fee Dalia verzaubert auf Anhieb durch den einzigartigen Zeichenstil, aber auch die roséfarben angehauchte Blüte mit ihrer wässernen Oberfläche zieht den Blick auf sich. Alle Elemente wirken aufeinander abgestimmt, die Farben mit Bedacht gewählt. Folglich ist das Cover weder überladen noch zu farbintensiv. Die Fee vermag so mit Sicherheit auch die Neugier eines Kindes zu wecken.
Meine Meinung
Wichtig: Bei diesem Titel handelt es sich um ein Rezensionsexemplar. Ich bedanke mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Dalia Lane für die Bereitstellung. Einen Einfluss auf meine Meinung nimmt das natürlich nicht.
Neben dem Cover hat mich das spezielle Konzept auf diesen Verlag aufmerksam werden lassen, denn ein solches ist mir bislang noch nicht auf dem Kinderbuchmarkt aufgefallen. Die Marke Dalia Lane Creations wurde dieses Jahr gegründet. Sie hat sich auf die Förderung bzw. Schulung der inneren Ausgeglichenheit, Achtsamkeit und Harmonie mittels fabelhafter Geschichten spezialisiert. Die Serie über die kleine Fee Dalia richtet sich dabei sowohl an Kinder als auch Erwachsene. Mit ihren Kinderbüchern möchte die Autorin den Fokus altersübergreifend auf die Fähigkeit lenken, mit der Seele zu sehen und zu hören. So soll der Mensch wieder in Einklang mit seiner Umwelt agieren, d. h. friedvoll, bedacht und mit sich selbst im Reinen. Weitere Informationen erhaltet ihr auf der Homepage fairydalia.com. Den Teaser finde ich im Übrigen wirklich fabelhaft gelungen, die Animationen und Melodie harmonisieren auf eine beruhigend-schöne Weise miteinander.
Die Geschichte beginnt in einem verzauberten Wald, in dem sich die Bewohner auf einer Lichtung versammelt haben. Alle beobachten versunken eine Blüte; sie spüren, dass ein besonderer Moment naht. Das kann der kleine, rote Schmetterling zunächst nicht nachvollziehen. Weshalb tun sie das? Und warum verhalten sie sich so seltsam? Noch während seine Mutter ihm den Grund erklärt, öffnet sich die Blüte und eine Fee erblickt das Licht der Welt. Doch sie ist keine gewöhnliche Fee, denn Dalia hört und sieht das Leben mit ihrer Seele …
Das Buch wird in einem schlichten, aber durchaus hübschen Schutzkarton verschickt. Mit 25,2 x 25,6 cm ist es recht großformatig und bietet somit genügend Platz für eine kindgerechte Aufarbeitung der Thematik. Auch die Schrift ist nicht zu klein. In jedem Buch steht ein philosophisches Konzept im Fokus der Geschichte, das der Leser sich aneignen soll, so in diesem das sog. Kontemplieren (etwas konzentriert betrachten, sich in etwas vertiefen). Darüber hinaus bietet jedes Buch für Erwachse Meditationsmethoden und Yoga-Positionen an. Die Fee Dalia ist somit keineswegs eine Geschichte, die übereilt gelesen werden kann, wenn man von diesem Angebot etwas mitnehmen möchte. Man benötigt Zeit, um sich in Ruhe damit auseinanderzusetzen.
Das habe ich auch getan – und war von den Illustrationen von Beginn an fasziniert. Man taucht in eine magische Welt voller vertrauter und fremder Geschöpfe ein und erlebt die Geburt der besonderen Fee Dalia. Die Charaktere und Umgebung wurden mit viel Liebe zum Detail aufbereitet, sodass es gerade für Kinder genügend zu entdecken gibt. Die Zeichnungen ziehen einen jedoch auch als Erwachsenen in den Bann. Alles ist farbenfroh, ohne zu überspitzen, und sehr idyllisch.
Der Erzählstil ist in erster Linie metaphorisch gehalten. Das liegt der Idee zugrunde, so zur gemeinsamen Diskussion mit dem Kind anzuregen. Abstrakte Begriffe, sog. Visualisierungen, werden in einem Glossar im hinteren Teil des Buches aufgelistet und erklärt. Allerdings muss ich gestehen, dass ich nicht sicher bin, ob z. B. ein Achtjähriger ganz nachvollziehen kann, worum es genau geht. Selbst ich habe die Geschichte mehrmals lesen müssen und bin stellenweise sehr ins Grübeln geraten, ohne zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen zu sein.
Hier ein Beispiel:
„Kontemplieren bedeutet, die Welt aus der Tiefe des Ozeans durch die kleinen Seen zu betrachten, die nur den Himmel reflektieren.“
Die Fee Dalia, Band 1, S. 31.
Diese Aussage zu interpretieren, könnte für das ein oder andere Kind zu anspruchsvoll sein. Jedoch soll dieses Buch zum Nachdenken und gemeinsamen Besprechen anregen, weshalb es bewusst derart kryptisch gehalten wird. Deshalb bin ich einerseits als Poesieliebhaberin begeistert von diesem Stil, andererseits unschlüssig darüber, wie kindgerecht dieser zu bewerten ist. Hier hilft nur, mit seinem Kind durch die praktische Anwendung herauszufinden, ob trotz des hohen Niveaus ein fruchtbares Gespräch zustande kommt. Ich bin aber davon überzeugt, dass dieses Buch seine Zielgruppe findet, da das Gesamtbild durch seine Einzigartigkeit überzeugt. Dieses Buch ist Balsam für Körper und Geist, ein absolut wundervolles Projekt!
Fazit
Band 1 der Serie Die Fee Dalia empfehle ich solchen Lesern und Eltern, die bereit sind, sich auf eine Geschichte der besonderen Art einzulassen. Man erhält ein Kinder-, Kunst- und Philosophiebuch in einem. Es beeindruckt durch detailreiche Illustrationen, herzerwärmende Charaktere und eine Lektion, die zum Nachdenken über sich selbst und sein Handeln im Alltag anregt. In der heutigen Zeit, in der es meist viel zu hektisch vorgeht, ist das ein wertvoller Beitrag der Rückbesinnung. Allerdings darf man keine klaren Antworten wie auf dem Präsentierteller erwarten, sondern muss sich diese erarbeiten. Das kann aufgrund des bildhaften Schreibstils nicht jedermanns Geschmack sein. Ich vergebe deshalb vier Sterne.