Dieses Buch hat mich sehr positiv überrascht. Die Autorin hat die Figuren mit Ihren Charakterzügen sehr glaubhaft dargestellt, dadurch hat sie es geschafft, die Personen viel greifbarer und realer erscheinen zu lassen. Ich fand sehr interessant, dass man am Anfang auch noch etwas von der Kindheit von Jakob und Esau mitbekommen hat, sowie von Ihrem guten Verhältnis zu Ihrem Großvater Abraham und wie sie dadurch in ihrem späteren Leben geprägt wurden.
Bei so einem dicken Buch habe ich Anfangs gedacht, dass bestimmt sehr viel "zugedichtet" wurde, aber ich war erstaunt, wie nah die Autorin am Bibeltext geblieben ist und wie viel sie aus den relativ kurzen Bibelstellen rausholen konnte. Vieles davon war mir vorher selbst nie wirklich bewusst, bzw. man hat es beim Lesen der Verse nie wirklich bewusst wahrgenommen, daher konnte ich durch die Recherche der Autorin noch einiges lernen, das hat mit sehr gut gefallen. An einigen Stellen in der Geschichte Esaus hat die Autorin sich einige Freiheiten erlaubt, doch sie hat stets darauf geachtet, dass die Handlung nie im Konflikt mit der Bibel steht, und die historischen Ereignisse tatsächlich so passiert sind. Außerdem wurde am Ende des Buches explizit darauf hingewiesen, welche Teile der Geschichte erfunden wurden.
Das Verhalten der Personen und die Gesprächsabläufe haben sehr gut zu den Figuren gepasst und hätten tatsächlich so passiert sein können. Dadurch wurden die verschiedenen Charakterarten sehr gut hervorgehoben und man hat sehr schnell gemerkt, welche Personen liebenswürdig sind und welche nicht. Besonders die Dreistigkeit und Manipulationen von Laban wurden wunderbar dargestellt und haben an der ein oder anderen Stelle zu einem erhöhten Puls geführt.
Die Emotionen von Lea und Rahel waren auch sehr authentisch und besonders Lea hat mich sehr berührt, zuerst durch ihr schreckliches Schicksal, das Gefühl von keinem geliebt zu werden und anschließend durch ihren wunderbaren Glaubensweg, den sie später auch mit Rahel geteilt hat.
Es war auch sehr schön mit anzusehen, wie Jakob lernt auf den Herrn zu vertrauen und sich von Ihm leiten zu lassen und nicht mehr das Steuer selbst in die Hand zu nehmen.
Die Zwillinge Jaden und Artis sind mir auch sehr ans Herz gewachsen, obwohl sie frei erfunden waren. Durch ihre Freundschaft zu Esau konnten sie ihm dabei helfen, seinen Groll auf Jakob zu bändigen und in ihm die Liebe zu seinem Zwillingsbruder erneut zu wecken. Esaus Wandlung am Ende des Buches war auch sehr emotional.
Ein sehr positiver Punkt war für mich, dass die Autorin vor den jeweilige Abschnitten im Buch immer die Bibelverse angegeben hat, wo die wahre Geschichte nachgelesen werden kann.
Der einzige Punkt der mich an dem Buch etwas gestört hat, war die moderne Ausdrucksweise der Personen. Es wurden Worte und Phrasen verwendet, die in der heutigen Umgangssprache verwendet werden, besonders, wenn die Figuren wütend waren und geflucht haben. Wenn man bedenkt, dass die Charaktere viele hundert Jahre vor Christus gelebt haben, schien mir die Sprache in dem Buch zu modern zu sein. Außerdem kam mir an manchen Stellen das Verhältnis zwischen den Figuren, beispielsweise einem Sklaven und seinem Herrn, zu vertraut und freundschaftlich vor, das hat meiner Meinung nach an manchen Stellen auch nicht sehr gut zu der damaligen Zeit gepasst.
Aber trotzdem hat mir das Buch insgesamt sehr gut gefallen, es war spannend, emotional und einfach sehr packend geschrieben und ich würde es definitiv empfehlen, auch für Leute, die die Geschichte von Esau und Jakob interessant finden, aber sonst mit dem Glauben vielleicht nicht sehr viele Berührungspunkte hatten, denn man kann aus dem Buch echt sehr viel mitnehmen.