Damon Galgut

 3.7 Sterne bei 27 Bewertungen
Autor von Der gute Doktor, Der Betrüger und weiteren Büchern.
Damon Galgut

Lebenslauf von Damon Galgut

Damon Galgut wurde im November 1963 in der Hauptstadt Südafrikas geboren. Nach einer schweren Kindheit - im Alter von sechs Jahren wurde bei ihm die Diagnose Krebs gestellt - entschied er sich, an der Universität in Kapstadt Drama zu studieren. Mit nur 17 Jahren gelang es ihm, sein Debüt "A Sinless Season" zu veröffentlichen. Weitere Bücher folgten in denen er unter anderem die Erfahrungen während seiner Krebserkrankung verarbeitete. International bekannt wurde er allerdings erst einige Jahre später, als 2003 sein Roman "The Good Doctor" publiziert wurde. Damon Galgut wurde mit dem CNA Prize ausgezeichnet, einem wichtigen südafrikanischen Literaturpreis.

Alle Bücher von Damon Galgut

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Der gute Doktor

Der gute Doktor

 (7)
Erschienen am 09.10.2006
Der Betrüger

Der Betrüger

 (4)
Erschienen am 01.12.2010
Das Sündenopfer

Das Sündenopfer

 (4)
Erschienen am 10.09.2007
Arktischer Sommer

Arktischer Sommer

 (2)
Erschienen am 08.12.2014
In fremden Räumen

In fremden Räumen

 (1)
Erschienen am 12.10.2010
In a Strange Room

In a Strange Room

 (4)
Erschienen am 03.08.2010
SMALL CIRCLE OF BEINGS

SMALL CIRCLE OF BEINGS

 (2)
Erschienen am 12.05.2005
The Impostor

The Impostor

 (2)
Erschienen am 01.06.2008

Neue Rezensionen zu Damon Galgut

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savannas avatar

Rezension zu "In fremden Räumen" von Damon Galgut

Rezension zu "In fremden Räumen" von Damon Galgut
savannavor 8 Jahren

Es ist nicht ganz einfach zu erkennen, wie hoch der autobiographische Anteil dieses Buches sein mag. Dass sich die Hauptperson der drei Erzählungen der Neuerscheinung „In fremden Räumen“ ebenfalls Damon nennt, lässt zumindest auf einen authentischen Erfahrungshintergrund schließen. Allerdings verwirrt der südafrikanische Autor Damon Galgut seine Leser mit unterschiedlichen Erzählperspektiven, da er zwischen Ich-Erzählungen und Beobachterperspektiven häufig – und vor allem häufig unerwartet – hin und her springt.

Der junge Mann namens Damon ist während drei sehr prägender Reiseerlebnisse in 'fremden Räumen' und in unterschiedlichsten Rollen anzutreffen: Als 'Begleiter' entscheidet er sich für einen konfliktreichen Wanderurlaub mit einem Deutschen, den er just auf einer Europa-Reise kennen gelernt hat. Als 'Liebender' verlässt er erwartungsvoll sein südliches Afrika, um einem attraktiven Schweizer bis nach Genf zu folgen. Und als 'Beschützer' schließlich stimmt er einem gemeinsamen Indien-Aufenthalt mit einer alten Freundin zu, der dramatisch endet.

Der Drang nach geografischer Ferne und der Wunsch nach zwischenmenschlicher Nähe scheinen Damon zu zerreißen. Er sucht ganz offensichtlich nach Mitteln und Wegen, um nicht von seiner inneren Unruhe aufgefressen zu werden. Vielleicht ist es seine unterdrückte Homosexualität, vielleicht sind es Erfahrungen aus seinem Elternhaus, die ihn immer wieder vorwärts treiben. Er beschreibt sich selbst als einen Wanderer, der ohne festen Wohnsitz überall zu Hause sein könnte.

Das Bedürfnis zu Reisen ist für Damon wie ein Zwang – es ist gleichzeitig eine Flucht vor dem Alten und eine Suche nach dem Neuem. Ein fast fühlbares Fernweh und eine Art sanfter Melancholie schwingen daher auf allen Seiten dieses Buches mit.

„In fremden Räumen“ ist insgesamt ein Buch, das Ruhe ausstrahlt, auch wenn jede der drei Reiseerzählungen einen deutlichen Spannungsbogen zeigt und die innere Unruhe der Hauptperson manchmal fast greifbar scheint. Es sind vor allem die zögerlichen Dialoge und eine durchweg klare Sprache, die die Aufmerksamkeit des Lesers so fesselt.

Obwohl ich eher kein Fan von Kurzgeschichten oder Erzählbänden bin, muss „In fremden Räumen“ für mich als große Ausnahme angesehen werden. Dieses Buch hat mich überaus positiv überrascht und ließ mich lange noch über das Suchen und Finden Damons nachsinnen!

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Rezension zu "Der Betrüger" von Damon Galgut

Rezension zu "Der Betrüger" von Damon Galgut
Wolkenatlasvor 10 Jahren

Damon Galguts Roman "Der Betrüger" war beim "Booker Prize" 2009 der durch Abwesenheit (er wurde von einer schwachen Jury nicht einmal für die Langliste nominiert - die jedoch u.a. "Kind 44" von Tom Rob Smith und Amitav Ghoshs Historienepos "Das mohnrote Meer" enthielt; ein Schicksal, das er u.a. mit Helen Garners großartig dunkel leuchtendem Roman "Das Zimmer", Ross Raisins originellem Debüt "God's Own Country" und Andrew Crumeys furios innovativem "Sputnik Caledonia" teilt) glänzende inoffizielle geheime Gewinner.

Obwohl Aravind Adigas "Der weiße Tiger" kein unwürdiger Sieger ist, sondern ein erfrischend klischeeloses und dunkles Bild Indiens und der Kastengesellschaft zeichnet, ist "Der weiße Tiger" (Aravind Adigas Debütroman) doch weit von der literarischen Reife von "Der Betrüger" entfernt. So waren sich auch die britischen Literaturkritiker ausnahmsweise mehrheitlich einig, dass "Der Betrüger" des in Kapstadt lebenden Damon Galgut auch ohne "Booker Prize" (der ja für den "besten Roman des Jahres" vergeben wird) der beste Roman aus dem "Commonwealth-Gebiet" des Jahres 2008 ist.

Adam Napier, der Protagonist dieses Romans, verliert im neuen Südafrika der Postapartheid-Zeit seinen Arbeitsplatz an einen jüngeren und von ihm eingeschulten schwarzen Mitarbeiter. Sein Haus hat er, trotz Warnungen und Besorgnis seiner Freunde und Bekannten, viel zu spät zum Verkauf angeboten. So spät, dass dieses Haus mittlerweile so viel an Wert verloren hat, dass er es nicht einmal mehr herschenken kann. Zur Überbrückung übersiedelt er zu seinem erfolgreichen Bruder Gavin nach Kapstadt. Gavins Versuche, ihn mit Stellenangeboten in sein erfolgreiches Boot zu holen, scheitern am Drang Adams, sich eine Existenz abseits der Statussymbole zu suchen und nach vielen Jahren Abstinenz wieder Lyrik zu schreiben.

Gavins nicht wirklich ernst gemeintes Angebot, Adam könne in sein entlegenes Haus in der Karoo ziehen, dort mietfrei wohnen und dort von der Natur inspirierte Gedichte schreiben, nimmt Adam jedoch sofort an.

Seine Suche nach einem neuen "Ich" wird jedoch schnell durch die Einsamkeit, durch den verwahrlosten Zustand des Hauses, durch die unerträgliche Öde des Kaffs und durch die Begegnung mit einem skurrilen Nachbarn getrübt. Der anfängliche Elan wird wie durch ein riesiges Ritenuto konsequent zum Stillstand gebracht. Apathie und Alkohol sind sehr bald die beiden Fixpunkte in Adams Leben.

Bis er eines Tages im Baumarkt (auf der Suche nach Werkzeug, um seinen Garten vom Jahrzehnte alten Unkraut zu befreien) vom ehemaligen Schulkollegen Kenneth Cannings angesprochen wird, dessen Vorbild er anscheinend war, an den er sich aber partout nicht erinnern kann. Aus für ihn unerklärlichen Gründen klärt er Canning über seine Unfähigkeit, sich an ihn zu erinnern, nicht auf. Ungewollt entwickelt sich auf Cannings Farm "Gondwana" eine rege und heftige Freundschaft zwischen dem neureichen Canning, seiner schwarzen Frau Baby und Adam.

Spätestens hier wird klar, welche Themen Damon Galgut in seinem großartigen Roman wichtig sind. Die Farm "Gondwana" als leuchtendes Symbol für Luxus und Gier, ein oberflächlicher Garten Eden in Südafrika, der Ausgangspunkt für eine Geschichte der Verführung, Macht, Korruption, Schuld und Sühne, Freundschaft und Loyalität, sowie der Macht der Erinnerung ist.

Adam wird sofort von der ambivalenten Baby, ihrer schillernden und verführerischen Kombination aus vulgärem und mysteriösem Flair, angezogen und schlittert so fast unvermeidbar in eine Affäre mit der Frau seines Freundes. Damon Galgut lässt Adam immer tiefer in die dubiosen Geschäfte Cannings hineingeraten und treibt das Spiel konsequent bis zum unvermeidbaren Ausbruch weiter.

Großartig, wie sensibel Damon Galgut mit der Problematik des neuen Südafrikas umgeht, Korruption, Mafiawesen und Anarchie, Gier und Macht, alles zur Bereicherung einer kleinen Schicht, natürlich auf Kosten der Ärmsten.

Damon Galguts Prosa ist messerscharf und unprätentiös, im "Betrüger" findet sich kein überflüssiges Wort. Hervorragend zieht der noch junge Autor, dessen "The Beautiful Screaming of Pigs" und "A Sinless Season" leider nicht ins Deutsche übersetzt wurden und der mit "Der gute Doktor" und "Das Sündenopfer" leider nur eine eher lauwarme Rezeption im deutschsprachigen Raum erfahren hat, die Fäden in diesem literarischen Spiel der Versuchungen und Suche. Der Autor zeichnet starke assoziationsreiche Bilder (z.B. die unendliche Weite der Karoo, Abendstimmung - man kann hier wirklich die Farben dieser eigenartig schönen Landschaft schmecken), zum Teil mit ganz stark reduzierter, fast im Tiefstapelbereich pendelnder Prosa.

Großartige, subtile Figurenzeichnung, gepaart mit raffinierter psychologischer Tiefendeutung lassen diesen spannenden Roman zu einem erstklassigen Leseerlebnis werden. Damon Galgut benutzt seine Kunst nie zum Selbstzweck, sondern nur als Mittel zum Zweck, und der ist bei ihm immer die Erzählung selbst. Prosa, deren wahre Schönheit man nur dann sieht, wenn man bereit ist, sich auf die substanziellste und ehrlichste literarische Erfahrung einzulassen; das Lesen mit offenen Ohren.

"Der Betrüger" ist definitiv eine literarische Sensation, ein kleines Meisterwerk eines noch jungen, aber sehr selbstbewussten Autors, der die wichtigste Regel der literarischen Kunst längst verstanden hat und beherrscht. Er weiß, dass es nicht die Anzahl der im Roman enthaltenen Wörter ist, sondern deren Qualität. Gerade in diesem Punkt ist er ein würdiger Nachfolger J. M. Coetzees und einer der wichtigsten Autoren Afrikas, denn eine unverkennbar eigenständige Sprache, die hat Damon Galgut längst gefunden.

(Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at)
(Roland Freisitzer; 02/2009)

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Rezension zu "Das Sündenopfer" von Damon Galgut

Rezension zu "Das Sündenopfer" von Damon Galgut
Wolkenatlasvor 10 Jahren

Mit seinem Roman "Sündenopfer" (im engl. Original "The Quarry") hat sich Damon Galgut nun endgültig in die erste Reihe der südafrikanischen Romanciers geschrieben. Hatte ich noch an seinem "Der gute Doktor" eine fehlende Kompromisslosigkeit und Konsequenz, bezugnehmend in erster Linie auf die Überfülle an Ideen bemängelt, ist "Sündenopfer" nun ein faszinierendes Beispiel an Konzentration und Reduktion der Mittel.
Ein zu seiner neuen Gemeinde reisender Geistlicher nimmt einen Anhalter mit, was ihn, bei Gott nicht unschuldig, das Leben kostet. Sein Mörder übernimmt seine Identität und sogar seine Stellung als Geistlicher, erregt aber bald das Misstrauen des Dorfpolizisten. Dieser beginnt nun seine Hetzjagd, kompromisslos bis zum bitteren Ende. Prosa, die kar und lakonisch ist, die teilweise auf das absolute Minimum reduziert ist, was dem Gesagten natürlich noch mehr Gewicht verleiht, bis gegen Ende nur mehr einzelne Sätze und Worte da sind. Genau das ist auch die absolute Stärke dieses meisterhaften Romans, der wie ein Musikstück komponiert ist, das mit einem Orchestertutti beginnt und nach kontinuierlicher Ausdünnung der Besetzung nur mit einem solistischen Fagott endet, während die Spannung kontinuierlich steigt und im Moment des Fagottsolos die größte Dichte erreicht. Ein Leseerlebnis, ein spannender, ein faszinierender Roman, den Sie, wenn möglich im Original lesen sollten (da funktioniert die Reduktion der Sprache viel besser- ich habe Original und Übersetzung gelesen). Absolute Empfehlung.

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Damon Galgut wurde am 12. November 1963 in Pretoria (Südafrika) geboren.

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