Damon Galgut Der Betrüger

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Inhaltsangabe zu „Der Betrüger“ von Damon Galgut

Als Adam Napier ein verlassenes Haus am Rand eines staubigen südafrikanischen Kaffs bezieht, hofft er dort auf einen Neuanfang. Nach dem Verlust seines Jobs und seines Zuhauses in Kapstadt will er hier als Dichter zu seinem wahren Selbst finden. Doch schon bald verliert er sich in der scheinbar Zeit und Welt entrückten Ödnis. Erst als er Kenneth Canning trifft, einen ehemaligen Mitschüler, kommt wieder Leben in Adams Alltag. Und er gerät in den Bann von Cannings eigenartiger Welt: Dieser mittlerweile schwerreiche Geschäftsmann lebt mit seiner ebenso schönen wie mysteriösen Frau Baby in einem nahezu surrealen Paradies: Gondwana ein grün schillernder Garten Eden inmitten einer Halbwüste. Es ist ein Ort der Träume und Verführung, in dessen Zentrum Gier, Rachegefühle und Machtstreben herrschen. Hier beginnt Adam nicht nur eine Affäre mit Baby, er wird auch in Cannings skrupellose Geschäfte verwickelt und damit in eine tödliche Tragödie, die auch das Ende des Paradieses besiegelt.

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  • Rezension zu "Der Betrüger" von Damon Galgut

    Der Betrüger

    Wolkenatlas

    27. February 2009 um 08:34

    Damon Galguts Roman "Der Betrüger" war beim "Booker Prize" 2009 der durch Abwesenheit (er wurde von einer schwachen Jury nicht einmal für die Langliste nominiert - die jedoch u.a. "Kind 44" von Tom Rob Smith und Amitav Ghoshs Historienepos "Das mohnrote Meer" enthielt; ein Schicksal, das er u.a. mit Helen Garners großartig dunkel leuchtendem Roman "Das Zimmer", Ross Raisins originellem Debüt "God's Own Country" und Andrew Crumeys furios innovativem "Sputnik Caledonia" teilt) glänzende inoffizielle geheime Gewinner. Obwohl Aravind Adigas "Der weiße Tiger" kein unwürdiger Sieger ist, sondern ein erfrischend klischeeloses und dunkles Bild Indiens und der Kastengesellschaft zeichnet, ist "Der weiße Tiger" (Aravind Adigas Debütroman) doch weit von der literarischen Reife von "Der Betrüger" entfernt. So waren sich auch die britischen Literaturkritiker ausnahmsweise mehrheitlich einig, dass "Der Betrüger" des in Kapstadt lebenden Damon Galgut auch ohne "Booker Prize" (der ja für den "besten Roman des Jahres" vergeben wird) der beste Roman aus dem "Commonwealth-Gebiet" des Jahres 2008 ist. Adam Napier, der Protagonist dieses Romans, verliert im neuen Südafrika der Postapartheid-Zeit seinen Arbeitsplatz an einen jüngeren und von ihm eingeschulten schwarzen Mitarbeiter. Sein Haus hat er, trotz Warnungen und Besorgnis seiner Freunde und Bekannten, viel zu spät zum Verkauf angeboten. So spät, dass dieses Haus mittlerweile so viel an Wert verloren hat, dass er es nicht einmal mehr herschenken kann. Zur Überbrückung übersiedelt er zu seinem erfolgreichen Bruder Gavin nach Kapstadt. Gavins Versuche, ihn mit Stellenangeboten in sein erfolgreiches Boot zu holen, scheitern am Drang Adams, sich eine Existenz abseits der Statussymbole zu suchen und nach vielen Jahren Abstinenz wieder Lyrik zu schreiben. Gavins nicht wirklich ernst gemeintes Angebot, Adam könne in sein entlegenes Haus in der Karoo ziehen, dort mietfrei wohnen und dort von der Natur inspirierte Gedichte schreiben, nimmt Adam jedoch sofort an. Seine Suche nach einem neuen "Ich" wird jedoch schnell durch die Einsamkeit, durch den verwahrlosten Zustand des Hauses, durch die unerträgliche Öde des Kaffs und durch die Begegnung mit einem skurrilen Nachbarn getrübt. Der anfängliche Elan wird wie durch ein riesiges Ritenuto konsequent zum Stillstand gebracht. Apathie und Alkohol sind sehr bald die beiden Fixpunkte in Adams Leben. Bis er eines Tages im Baumarkt (auf der Suche nach Werkzeug, um seinen Garten vom Jahrzehnte alten Unkraut zu befreien) vom ehemaligen Schulkollegen Kenneth Cannings angesprochen wird, dessen Vorbild er anscheinend war, an den er sich aber partout nicht erinnern kann. Aus für ihn unerklärlichen Gründen klärt er Canning über seine Unfähigkeit, sich an ihn zu erinnern, nicht auf. Ungewollt entwickelt sich auf Cannings Farm "Gondwana" eine rege und heftige Freundschaft zwischen dem neureichen Canning, seiner schwarzen Frau Baby und Adam. Spätestens hier wird klar, welche Themen Damon Galgut in seinem großartigen Roman wichtig sind. Die Farm "Gondwana" als leuchtendes Symbol für Luxus und Gier, ein oberflächlicher Garten Eden in Südafrika, der Ausgangspunkt für eine Geschichte der Verführung, Macht, Korruption, Schuld und Sühne, Freundschaft und Loyalität, sowie der Macht der Erinnerung ist. Adam wird sofort von der ambivalenten Baby, ihrer schillernden und verführerischen Kombination aus vulgärem und mysteriösem Flair, angezogen und schlittert so fast unvermeidbar in eine Affäre mit der Frau seines Freundes. Damon Galgut lässt Adam immer tiefer in die dubiosen Geschäfte Cannings hineingeraten und treibt das Spiel konsequent bis zum unvermeidbaren Ausbruch weiter. Großartig, wie sensibel Damon Galgut mit der Problematik des neuen Südafrikas umgeht, Korruption, Mafiawesen und Anarchie, Gier und Macht, alles zur Bereicherung einer kleinen Schicht, natürlich auf Kosten der Ärmsten. Damon Galguts Prosa ist messerscharf und unprätentiös, im "Betrüger" findet sich kein überflüssiges Wort. Hervorragend zieht der noch junge Autor, dessen "The Beautiful Screaming of Pigs" und "A Sinless Season" leider nicht ins Deutsche übersetzt wurden und der mit "Der gute Doktor" und "Das Sündenopfer" leider nur eine eher lauwarme Rezeption im deutschsprachigen Raum erfahren hat, die Fäden in diesem literarischen Spiel der Versuchungen und Suche. Der Autor zeichnet starke assoziationsreiche Bilder (z.B. die unendliche Weite der Karoo, Abendstimmung - man kann hier wirklich die Farben dieser eigenartig schönen Landschaft schmecken), zum Teil mit ganz stark reduzierter, fast im Tiefstapelbereich pendelnder Prosa. Großartige, subtile Figurenzeichnung, gepaart mit raffinierter psychologischer Tiefendeutung lassen diesen spannenden Roman zu einem erstklassigen Leseerlebnis werden. Damon Galgut benutzt seine Kunst nie zum Selbstzweck, sondern nur als Mittel zum Zweck, und der ist bei ihm immer die Erzählung selbst. Prosa, deren wahre Schönheit man nur dann sieht, wenn man bereit ist, sich auf die substanziellste und ehrlichste literarische Erfahrung einzulassen; das Lesen mit offenen Ohren. "Der Betrüger" ist definitiv eine literarische Sensation, ein kleines Meisterwerk eines noch jungen, aber sehr selbstbewussten Autors, der die wichtigste Regel der literarischen Kunst längst verstanden hat und beherrscht. Er weiß, dass es nicht die Anzahl der im Roman enthaltenen Wörter ist, sondern deren Qualität. Gerade in diesem Punkt ist er ein würdiger Nachfolger J. M. Coetzees und einer der wichtigsten Autoren Afrikas, denn eine unverkennbar eigenständige Sprache, die hat Damon Galgut längst gefunden. (Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at) (Roland Freisitzer; 02/2009)

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