Dan Chaon

 3.1 Sterne bei 40 Bewertungen
Autor von Der Wille zum Bösen, Identität und weiteren Büchern.
Autorenbild von Dan Chaon (©Ulf Andersen)

Lebenslauf von Dan Chaon

Ästhetik des Abgründigen: Der 1964 in Cleveland in Ohio geborene Dan Chaon zählt nicht zu den Autoren, die ihre Leser zum Lachen bringen. In seinen bisherigen Kurzgeschichtensammlungen und Romanen beschäftigt er sich hauptsächlich mit den dunklen Seiten des Lebens. Einen der Gründe hierfür liefert seine Biografie. Im November 2008 verlor er seine Frau und Lehrerin an den Krebs und blieb mit seinen beiden Söhnen zurück. An seiner Kraft zum Schreiben änderte dies aber nichts. Sein 2012 in der deutschen Übersetzung erschienener Roman „Identität“, der von drei Aussteigern und von ihrer Suche nach ihrer wahren Identität handelt, entwickelte sich zu einem „New York Times“-Bestseller. Das ausbleibende Happy End ist bei Dan Chaon unvermeidlich. Dies gilt ebenso für sein Werk „Der Wille zum Bösen“ aus dem Jahr 2018. Die Spannung dieses Kriminalromans ertrinkt nahezu in den Abgründen, in die Dan Chaon seine Leser mitleidslos mitnimmt. Hier steht die Identität ebenfalls im Mittelpunkt der Handlung. Beeindruckend präzise legt Dan Chaon Schicht für Schicht das Böse frei. Bei seinen Lesern erzeugt sein Schreibstil Gänsehaut. Das Buch legen sie aber nicht mehr aus der Hand, da sie die Einblicke des Autors in die dunklen Tiefen der menschlichen Seele viel zu stark faszinieren.

Alle Bücher von Dan Chaon

Cover des Buches Der Wille zum Bösen (ISBN: 9783453439160)

Der Wille zum Bösen

 (20)
Erschienen am 14.05.2018
Cover des Buches Identität (ISBN: 9783499254284)

Identität

 (18)
Erschienen am 01.06.2012
Cover des Buches Der Weg des Fremden (ISBN: 9783442459025)

Der Weg des Fremden

 (0)
Erschienen am 12.03.2007
Cover des Buches Await Your Reply (ISBN: B002LLRDXS)

Await Your Reply

 (1)
Erschienen am 15.08.2009
Cover des Buches You Remind Me of Me (ISBN: 9780719565410)

You Remind Me of Me

 (0)
Erschienen am 29.06.2006
Cover des Buches Nancy Hale (ISBN: 9780964145436)

Nancy Hale

 (0)
Erschienen am 15.06.2012
Cover des Buches You Remind Me of Me (ISBN: 0792732626)

You Remind Me of Me

 (0)
Erschienen am 31.07.2004

Auf einen Vodka-Orange mit...

Dan Chaon ist nicht nur ein begnadeter Schriftsteller und National Book Award Finalist sondern lehrt darüber hinaus kreatives Schreiben am Oberlin College in Ohio. Neben Kurzgeschichtensammlungen hat der Amerikaner 2018 mit "Der Wille zum Bösen" seinen dritten Roman veröffentlicht. Mit uns sprach er über die Verlockungen des Prokrastinierens, sein Verhältnis zu Pizza und verriet ein paar Geheimnisse über sein neues Buch...

Hi Dan, was ist das schönste Feedback von Lesern?

Obwohl ich nicht über Menschen schreibe, die im klassischen Sinne besonders sympathisch oder heldenhaft sind, bin ich immer glücklich, wenn meine Leser in meinen Charakteren dennoch etwas finden, bei dem sie mitfühlen können.

Wann kommen dir die besten Ideen?

Spät am Abend - keine große Überraschung.

Hast du ein Lieblingswort?

Aus irgendeinem Grund war ich besessen von dem Wort "rueful" (dt. reumütig), als ich "Der Wille zum Bösen" schrieb. Beim Korrekturlesen haben wir ungefähr 50 Fälle gefunden, in denen ich dieses ungewöhnliche Wort benutzt habe - ich habe keine Ahnung, warum. Mein liebstes deutsches Wort ist "unheimlich".

Welchen anderen Job würdest du gern für einen Tag ausüben?

Ich wäre ein Barkeeper. Oder Gärtner, wenn ich an irgendeinem schattigen Ort arbeiten könnte.

Wie prokrastinierst du am liebsten?

Ich spiele eine Menge Videospiele. Mein Lieblingsspiel aller Zeiten ist "Skyrim".

Kannst du uns eine gute Fernsehserie empfehlen?

Mir gefällt die Netflix-Serie "Sense8" ziemlich gut, nicht zuletzt, weil mit Aleksander Hemon und David Mitchell zwei meiner Lieblingsautoren involviert sind.

Welches Buch verschenkst du gerne?

Hmm. Das hängt wirklich von der Person ab, die man beschenkt, oder nicht? Dir würde ich "Spuk in Hill House" von Shirley Jackson schenken.

Wo sollten wir unbedingt einmal hinreisen und welches Buch sollte uns auf dieser Reise begleiten?

Da gibt es vielen Antworten. Eine könnte sein, die Antarktis zu besuchen und Kevin Brockmeiers Buch "Die Stadt der Toten" zu lesen.

Was ist dein Seelentier?

Pizza.

Gibt es etwas, was du gerne lernen würdest?

Plastische Chirurgie.

Hast du eine heimliche Leidenschaft oder Schwäche?

Absolut nicht! Wer hat dir das erzählt?!

Ein Satz über dein neues Buch:

Aus einigen Perspektiven betrachtet könnte es eine romantische Komödie sein!

Ein Satz aus deinem neuen Buch:

"Du treibst einen Fluss hinunter, doch du kannst dich nicht bewegen."

Zu guter Letzt: Welche Figur aus einer Buchwelt würdest du gerne einmal treffen und was würdet ihr unternehmen?

Ich würde gerne Bilbo Baggins treffen und eine ganze Menge Pfeifenkraut mit ihm rauchen. Und danach eine Menge Gebäck essen.

Neue Rezensionen zu Dan Chaon

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Rezension zu "Der Wille zum Bösen" von Dan Chaon

Familiengeschichte voll Drama und Dunkelheit
evaczykvor 2 Jahren

Ein blutiges Familiendrama, ein Serienmörder, Drogensucht und Verlust: Schicksalsgebeutelt sind die Charaktere in «Der Wille zum Bösen». Dunkle Seiten haben sie fast alle.

Eigentlich sind sie allesamt höchst bedauernswerte Verlierer, die Protagonisten von Dan Chaons Thriller «Der Wille zum Bösen». Die Stärke des amerikanischen Autors liegt daher auf dem subtilen Schrecken, dem Zerfall von Persönlichkeit, der zersplitterten Wahrnehmung, die neue Realitäten schafft.

Das wird ganz besonders deutlich an Dustin Tillman. Der Psychologe steht im Mittelpunkt des 600 Seiten Romans und hat eine besonders dicke Ladung Schicksalsschläge abbekommen: Als er 13 Jahre alt war, wurden seine Eltern ermordet, ebenso sein Onkel und seine Tante. Seine Frau ist gerade an Krebs gestorben, sein jüngerer Sohn driftet in die Heroinsucht ab, ohne dass es der Mittvierziger wirklich bemerkt.Und dann wurde er als Kind auch noch von seinem Stiefbruder missbaucht.

Nun stellt sich heraus, dass dieser Adoptivbruder Rusty, der 30 Jahre lang aufgrund von Tillmans Aussage für den Mord an den Eltern im Gefängnis saß, ein freier Mann ist. Anwälte des Innocence-Projekts konnten mit Hilfe einer DNA-Analyse seine Unschuld beweisen.

Doch welches Motiv hat Rusty, den Kontakt zu Dustins labilem, drogenabhängigen Sohn aufzunehmen? Warum hat Dustin den älteren Bruder beschuldigt? Hatte Rusty etwas mit dem Tod seiner früheren Pflegefamilie zu tun? Kann Dustin seinen Erinnerungen, seiner Wahrnehmung trauen?

Schon allein die Altlast der Vergangenheit, die komplizierte Familienstruktur und die Spannungen zwischen den Generationen würden für ein Buch mit hoher psychologischer Spannung schon reichen.
Doch Chaon bringt auch noch einen labilen Patienten Tillmans ins Spiel, der sich als beurlaubter Polizist vorstellt. Ein Mann, der sich in Hirngespinste von Verschwörungstheorien verfangen hat oder einer, der tatsächlich auf die Spur eines Serienmörders gestoßen ist?

Zunächst gegen seinen Willen schließt sich Tillman den „Ermittlungen“ an und verliert dabei immer mehr den Blick für die Realitäten der eigenen Familie.

Aus wechselnden Perspektiven beschreibt Chaon den Zerfall einer Familie wie auch den Zerfall von Persönlichkeiten. Denn Tillman weiß nicht länger, ob er seinen Erinnerungen noch trauen kann. Was ist wahre Erinnerung, wo war womöglich Manipulation im Spiel? Da passt es, das dem zunehmend ratlosem Psychologen plötzlich die Worte fehlen, dass andere seine Sätze für ihn vollenden.

Auch in der optischen Gestaltung des Buches wird das deutlich: Gleich mehrfach wird der Fließtext in Spalten aufgebrochen, in denen die Handlung gewissermaßen auf zwei oder drei Ebenen weiterläuft. Da driften die Erzählfäden ebenso auseinander wie die Persönlichkeiten, die auf der Jagd nach ihren inneren Dämonen der Frage ausgesetzt sind, ob auch sie womöglich Schuld tragen.
«Der Wille zum Bösen» ist eine komplizierte, schwierige Familiengeschichte voller Drama und Dunkelheit, in dem die Wahrheitssuche zu Verunsicherung und Zweifel führt – und für einige tödlich endet.

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Rezension zu "Der Wille zum Bösen" von Dan Chaon

Wer bleibt?
walli007vor 2 Jahren

In Dustin Tillmans Kindheit hat sich eine außerordentliche Tragödie ereignet. Seine Eltern und der Bruder seines Vaters und dessen Frau wurden brutal ermordet. Verurteilt wurde damals der knapp 18jährige Adoptivbruder von Dustin. Allerdings gab es nie einen richtigen Beweis, dass er der Täter ist und nun dreißig Jahre später wird wegen der besseren forensischen Auswertungsmöglichkeiten festgestellt, dass Russell wohl nicht der Täter war. Dustin ist besorgt, wenn Russell es nicht war, wer war es dann? Diese Gedanken treten schnell in den Hintergrund, denn Dustins Frau erkrankt schwer an Krebs. Ein wenig Halt findet Dustin in seiner Psychotherapiepraxis, jedenfalls solange bis der seltsame Patient Aqil auftaucht.


Mit seinem furiosen Start fesselt dieser Thriller zunächst, alles geschieht so plötzlich und schnell, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte, man befürchtet etwas zu verpassen, wenn man nicht gleich weiterliest. Allerdings verfliegt dieser Eindruck etwas, wenn man feststellt, dass die selben Ereignisse aus Sicht verschiedener Personen beleuchtet werden. Das ist zwar ein interessanter Ansatz, nimmt dem Verlauf der Handlung allerdings einiges an Tempo. Die Neugier herauszufinden, was damals wirklich geschah, bleibt aber immer erhalten. Man versetzt sich in Dustins Position und spürt seine Besorgnis und seine Unsicherheit. Zusammen mit der Erkrankung seiner Frau und auch dem eigenartigen Einfluss Aqils gerät Dustins Leben völlig aus den Fugen.


Etwas zwiegespalten fühlt man sich nach der Lektüre dieses Thrillers, etwas viel bleibt der eigenen Interpretation überlassen. Gefällt einem das, wird man hier sicher einen herausragenden Roman vorfinden. Bevorzugt man eher eine eindeutige Lösung, fehlt einem möglicherweise etwas.  Dann beginnt man zu rätseln, ob man den entscheidenden Hinweis nicht verstanden hat. Trotz der Passagen, die vieldeutige Interpretationen zulassen, fesselt dieser Roman in den meisten Bereichen. Die verschiedenen Positionen, aus denen der Autor berichtet, machen dabei einen großen Teil des Reizes des Buches aus. Unglückliche Umstände führen zu einer Familientragödie, die irgendwie nie aufhört, da kann man sich noch so in Sicherheit wiegen.


Ein packender Thriller, der vor allem zu Beginn besticht, aber dennoch bis zum Schluss mit Überraschungen aufwartet.


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Rezension zu "Der Wille zum Bösen" von Dan Chaon

Das Buch des Jahres!
Callsovor 3 Jahren

Autor Dan Chaon war mir unbekannt. Der Buchtitel war mir unbekannt, gleichwohl hatte ich zwei, drei gute Kritiken gelesen.

Das mich das Buch indes sooo umhauen würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Stark!

Ein Buch wie ein Orkan. Dramatisch, spannend, unterhaltsam - einfach fantastisch.

Die Mischung des Werkes macht für mich den Roman so faszinierend. Thriller-Elemente wechseln mit großem Gefühlskino, Spannungsmomente verändern sich in Pronlemstellungen von herannwachsen Jugendichen.

Auch der Erzählstil des Autors wechselt immer wieder gekonnt. Genauso wie die Perspektiven des Erzählers - das hält die Story über die 600 Seiten am laufen und macht sie nachhaltig interessant.

Ich war begeistert - ein dermaßen überzeugendes und überraschendes Buch, bei dem man mehrfach ordentlich durchatmen muss...

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Zusätzliche Informationen

Dan Chaon wurde am 11. Juni 1964 in Cleveland (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

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