Dan Diner Das Jahrhundert verstehen

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Inhaltsangabe zu „Das Jahrhundert verstehen“ von Dan Diner

Die große Interpretation des 20. Jahrhunderts Dan Diner untersucht das politische Geschehen im 20. Jahrhundert auf zwei Ebenen, zum einen die Ebene der vordergründigen Konfrontationen von Werten und Ideologien, zum anderen die Ebene der traditionellen Konfliktlinien von Hegemonie und Nationalität, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Das Hauptgewicht seiner Darstellung liegt auf der katastrophischen ersten Jahrhunderthälfte, wobei er die Ereignisse von der europäischen Peripherie her in den Blick nimmt, bislang verborgen gebliebene Beziehungen aufdeckt und neue Interpretationen vorschlägt.

Spannend, aus einem neuen Blickwinkel- sehr empfehlenswert für alle, die sich für Geschichte interessieren.

— leserattebremen

Eine spannende Betrachtung der Zeit von 1917 bis 1989. Dan Diner bespricht die Antagonismen dieser Zeit als zentrale Deutungsachsen.

— Caastorb

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  • Ein neuer Blick auf ein Jahrhundert

    Das Jahrhundert verstehen

    leserattebremen

    22. April 2016 um 14:32

    Der Titel von Dan Diners Buch „Das Jahrhundert verstehen“ formuliert schon einen großen Anspruch an sein Werk und so versucht er, auf 320 Seiten die Geschichte des 20. Jahrhundert zusammenzufassen und ihre Zusammenhänge aufzuzeigen. Der Untertitel „1917 – 1989“ ist dabei eher irreführend. Auch wenn sich seine Ausführungen auf den Zeitraum zwischen Ende des Ersten Weltkriegs und dem Beginn einer europäischen Einigung in den 50er Jahren konzentriert, sind viele Zusammenhänge viel umfassender, so dass auch oft Bezüge zur Zeit vor oder während des ersten Weltkriegs eine Rolle spielen. Das Ende des Kalten Krieges und der Zusammenbruch der Sowjetunion spielen hingegen gar keine Rolle mehr in der Darstellung, so dass sie eigentlich in den 60er Jahren endet. Diner versucht in seinem Buch, keine klassische Geschichtsschreibung in rein chronologischer Reihenfolge zu erstellen, sondern legt den Schwerpunkt auf die Beziehungen und Folgen von einzelnen Handlungen, was das Buch gut lesbar und nachvollziehbar macht. Die dadurch zeitweise stattfindenden Zeitsprünge lassen sich beim Lesen recht schnell erschließen und sind kein Hindernis. Als Leser, der sein Wissen aus dem klassischen Geschichtsunterricht der Schule bezogen hat, erkennt man plötzlich neue Zusammenhänge durch die Einnahme einer anderen Perspektive. Diner stellt an vielen Punkten die Perspektive Russlands und der in seinem Umkreis liegender Staaten ebenso wie die griechische oder türkische Situation in den Blickpunkt, was einen neuen Eindruck der Abläufe und Zusammenhänge ermöglicht. Dan Diners „Das Jahrhundert verstehen“ ist ein spannendes und erhellendes Buch für alle Geschichtsinteressierten Leser. Man muss sich jedoch erst einmal auf den Stil einlassen, den ich teilweise etwas gestelzt und künstlich abgehoben fand. An einigen Stellen hätten sich die Zusammenhänge meiner Meinung nach auch einfacher erklären lassen. Nachdem ich mich etwas eingelesen hatte, haben mir die Darstellung Dan Diners und sein Blick auf die Geschichte aber sehr gut gefallen. 

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  • Antagonismen der Zeitgeschichte 1917 - 1989

    Das Jahrhundert verstehen

    Caastorb

    11. April 2016 um 16:13

    "Dieses Buch besteht aus Auslassungen", schreibt Dan Diner. Genau das ist das Besondere an diesem Buch. Der Autor zieht sich als Betrachter in die Peripherie zurück. Er konzentriert sich auf universale Dualismen und Deutungslinien des Jahrhunderts, die teilweise den Konfliktlinien des 19. Jahrhunderts entspringen: Westen und Osten, Freiheit und Gleichheit, Kapitalismus und Kommunismus. Da Geschichte aber ein offener Vorgang ist, immer wieder neu interpretiert, durch sich wandelnde, historische Bilder der Vergangenheit, verschieben sich Deutungsachsen durch sich ändernde Wertvorstellungen der Epochen. Diner weist darauf hin, dass das 20. Jahrhundert nicht über eine bestimmte Deutungsachse zu interpretieren ist, sondern eine Verschränkung von Interpretationslinien verlangt. Als die für Europa ausschlaggebendste Konfliktregion sieht Diner die Region der "Orientalischen Frage", die Konflikte zwischen Christen und Muslimen. Im südlichen Russland, in der Schwarzmeerregion, auf dem Balkan, in der Frage der Beherrschung der Meerengen kämpften die Protagonisten des Weltgegensatzes gegeneinander. Besonders der Balkan stellt eine Region dar, die nationalistische Konfliktlinien immer wieder neu entstehen ließ. Diner lässt in seiner Betrachtung ganze Kontinente aus und überspringt wichtige Ereignisse, wie die Kubakrise, den Prager Frühling oder den Ungarnaufstand. Dafür erklärt er universale Abhängigkeiten und Eigenschaften von Kulturen und Staaten. So ist es ein Privileg von Amerika, dass es die Wirklichkeit einer neuen Welt gleichsam aus sich heraus erfinden konnte. Während Amerika vornehmlich Institutionen etablieren konnte, die individuelles Glück in Aussicht stellten, mussten die Europäer ihre Vergangenheiten umstürzen. Die europäischen Kongresse von 1815 und 1919 waren jeweils der fruchtbare Boden, auf dem nationalistische Konflikte entstanden. Neben diesen universalen Deutungen, die Dan Diner mit seinem unglaublichen Hintergrundwissen unterlegt, weist er vermeintliche Nebensächlichkeiten als auswirkungsschwere Konstellationen aus. Es war zum Beispiel das Maschinengewehr und die starre, aristokratische Militärführung, die den Ersten Weltkrieg zu einem Massaker von Millionen von Toten machte. Die Kriegsführung im Ersten Weltkrieg war nicht im Stande der Wirkung des Maschinengewehrs geeignete Strategien entgegenzusetzen. Man geht davon aus, dass 80 Prozent der Gefallenen Soldaten dem unbarmherzigen Maschinengewehrfeuer zum Opfer fielen. Bis zum Ende des Krieges waren alle Kriegsparteien nicht in der Lage, ihre Kriegsstrategien auf diese neue Waffe einzustellen. Die äußerst interessanten Betrachtungen zeigen einen Rundblick zeitlich wie auch geographisch. Wir lernen die Bedeutung des Spanischen Bürgerkriegs kennen. Diner zeig auf, welche Auswirkungen die aufkommenden Selbstbestimmungsbestrebungen in und nach den Weltkriegen hatten. Sehr interessant ist auch die detaillierte Schilderungen über die Gründe für die Machtübernahme Hitlers. Es war nur ein sehr kleiner Kreis von Machtmenschen, die auf Grund von Intrigen, Eifersucht und Manipulation, Hindenburg dazu brachten, Hitler zum Reichskanzler zu ernennen. Das Buch "Das Jahrhundert verstehen" macht viele geschichtlichen Vorgänge klarer. Immer wieder wunderte ich mich beim Lesen, dass ich bisher viele Zusammenhänge noch nie aus dieser einzigartigen Perspektive betrachtet hatte. Zum Beispiel war mir bisher die Rolle Frankreichs nach dem Krieg nicht in dieser Weise bekannt, wie sie Diner schildert. Frankreich war eigentlich ein Kriegsverlierer im Zweiten Weltkrieg, löste dann auch noch den Kalten Krieg aus, verlor fast alle seine Kolonien und musste dann noch zusehen, wie Deutschland von den Alliierten aufgerüstet wurde und sich zum Wirtschaftswunder entwickelte. Das Buch ist kein Geschichtsbuch im herkömmlichen Sinn. Es gibt keine chronologische Abfolge von Ereignissen mit Jahreszahlen. Der Leser braucht ein gewisses Vorwissen über die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Ich fand am Anfang die teils aufgeblähte, wissenschaftliche Sprache etwas gewöhnungsbedürftig. Gegen Ende des Buches aber, lernte ich die pathetischen Phrasen Diners und seine metaphernschwangere Ausdrucksweise lieben. Das Buch ist aus Lehrveranstaltung an den historischen Abteilungen der Universität Tel Aviv und Essen hervorgegangen. Dan Diner ist ein deutscher Historiker und politischer Schriftsteller, der an der Hebräischen Universität Jerusalem unterrichtet.

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  • Systematische und kritische Analyse ist vielleicht wichtiger als je zuvor

    Das Jahrhundert verstehen

    WinfriedStanzick

    27. January 2016 um 11:01

    Die Welt und das was in ihr vorgeht, ist auch für den gut informierten und kritischen Zeitgenossen immer schwieriger zu verstehen. Zu komplex und zu widersprüchlich erscheinen dem Beobachter die gegenwärtigen Entwicklungen und Brüche nicht nur in bisher weit entfernt scheinenden Teilen der Welt, sondern gerade in den ersten 15 Jahren des neuen Jahrhunderts zunehmend sozusagen vor unserer Haustür. Die Geschichtswissenschaft  hat die Aufgabe, aus der Analyse  der  Vergangenheit  Hinweise und Aufschlüsse zu geben über wahrscheinliche Zukunftsperspektiven. So hat auch einer der profiliertesten Historiker deutscher Sprache, der in Jerusalem lehrende und bis 2014 als Direktor  des Instituts  für jüdische  Geschichte  an der Universität Leipzig fungierende Dan Diner, dem der Rezensent in den siebziger Jahren durch viele Aufsätze in der Zeitschrift  "links" viel für sein politisches Leben verdankt, im Jahr 1999 ein umfangreiches Buch veröffentlicht,  mit dem er das 20. Jahrhundert  verständlich machen wollte. Es versuchte sich der 1989/90 abgebrochenen Gegenwart mittels eines  in weiter zurückliegende Vergangenheit  gerichteten  Blickes  zu versichern. Nun legt er eine Neuauflage vor und schreibt dazu: "Die gegenwärtige  Entwicklung scheint ihm und dem damals  diagnostizierten Paradigmenwechsel  der historischen  Wahrnehmung  Recht zu geben: Der Blick in die Vergangenheit,  vornehmlich ins 19. Jahrhundert,  bietet auch den Zeitgenossen des fortschreitenden 21. Jahrhunderts so manche Orientierungshilfe  in Gegenwart und naher  Zukunft." Doch die Aussichten sind nicht rosig. Spricht Diner im aktuellen  Nachwort zur Neuauflage noch von der Wahl zwischen tieferer Integration  und dramatischer Desintegration insbesondere Europas,  lassen die Nachrichten und Entwicklungen der letzten Monate und Wochen keinen anderen Schluss  zu, als dass wir  vor dramatischen Veränderungen stehen, und die Menschen auf ihre Folgen überhaupt nicht vorbereitet scheinen. Es ist auch fraglich, ob die Politik  diesen Veränderungen  gewachsen ist. Systematische und kritische Analyse ist vielleicht wichtiger als je zuvor. Dafür ist dieses nach wie vor aktuelle Buch ein hervorragendes  Beispiel.

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