Der Serienkiller, der keiner war

von Dan Josefsson 
4,1 Sterne bei55 Bewertungen
Der Serienkiller, der keiner war
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Gut recherchiertes und spannendes Buch.

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Erschütternd und unheimlich, doch stellenweise etwas lang

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Inhaltsangabe zu "Der Serienkiller, der keiner war"

Schweden, 1991: Sture Bergwall, ein homosexueller Drogenabhängiger und Kleinkrimineller, wird in die geschlossene psychiatrische Einrichtung Säter nördlich von Stockholm eingewiesen. Dort macht er eine Therapie und wird mit Psychopharmaka behandelt. Im Zuge der Behandlung glaubt er, sich an schlimme Traumata aus seiner Kindheit zu »erinnern« und gesteht, als monströser Serienkiller Thomas Quick mehr als 30 Opfer vergewaltigt und getötet zu haben. Fast 20 Jahr später stellte sich heraus: seine Geständnisse waren frei erfunden. Seine Motive: verschreibungspflichtige Drogen, Geltungsbewusstsein und der Einfluss seiner Therapeutin und deren Zirkel, die glaubten, mit diesem Fall Geschichte schreiben zu können.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442715664
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:560 Seiten
Verlag:btb
Erscheinungsdatum:13.11.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Ninasan86vor 13 Tagen
    Der Serienkiller, der keiner war

    Zum Inhalt

    Schweden, 1991: Sture Bergwall, ein homosexueller Drogenabhängiger und Kleinkrimineller, wird in die geschlossene psychiatrische Einrichtung Säter nördlich von Stockholm eingewiesen. Dort macht er eine Therapie und wird mit Psychopharmaka behandelt. Im Zuge der Behandlung glaubt er, sich an schlimme Traumata aus seiner Kindheit zu »erinnern« und gesteht, als monströser Serienkiller Thomas Quick mehr als 30 Opfer vergewaltigt und getötet zu haben. Fast 20 Jahr später stellte sich heraus: seine Geständnisse waren frei erfunden. Seine Motive: verschreibungspflichtige Drogen, Geltungsbewusstsein und der Einfluss seiner Therapeutin und deren Zirkel, die glaubten, mit diesem Fall Geschichte schreiben zu können.

     

     

    Über den Autor

    Dan Josefsson ist preisgekrönter Autor, Journalist und Dokumentarfilmer. Für »Der Serienkiller, der keiner war - und die Psychotherapeuten, die ihn schufen« wurde er mit dem Preis der Swedish Society of Investigative Journalists, dem Johan Hansson Preis für Non-Fiction und dem Swedish Grand Prize for Journalism, ausgezeichnet.

     

     

    Mein Fazit und meine Rezension

    Auch die Justiz ist nicht frei von Fehlern, das müssen wir ein ums andere Mal erkennen. So auch in diesem Fall: im Jahr 1991 wird in Schweden ein homosexueller Drogenabhängiger und Kleinkrimineller in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Im Verlauf seiner medikamentösen Behandlung scheint sich dieser an schlimme Taten aus seiner Kindheit zu erinnern: er gibt an, als Thomas Quick er mehr als 30 Opfer vergewaltigt und getötet zu haben. So wird aus dem Kleinkriminellen Sture Bergwall ein verurteilter Mörder, der sich selbst überführt hat. Oder auch nicht? 

    Von dem Fall Sture Bergwall habe ich bislang nichts gewusst, das muss ich zugeben. Vor diesem Buch war er mir nicht bekannt und doch geht es auch mir als Leser sehr nach, sodass ich tatsächlich im Netz recherchiert habe und auf einige Artikel gestoßen bin. Bei diesem Buch handelt es sich um keinen erfundenen Roman, nein, es handelt sich um eine Geschichte, die sich tatsächlich so zugetragen hat und das macht sie noch schlimmer. Ich habe immer noch eine Gänsehaut, wenn ich an das Gelesene zurückdenke. 

    Wir beginnen mitten im Fall. Die Polizei ist unterwegs zu einem Ort, an dem die Leiche der jungen Therese Johannessen zu finden ist. Die Angaben hierzu haben sie von Thomas Quick selbst erhalten. Im Verlauf seiner Behandlung hat er immer wieder Momente, in denen er in seine schreckliche Vergangenheit auftaucht und immer wieder neue Details zutage fördert, die den Ermittlern von nutzen sind. Immer wieder werden die Ermittler enttäuscht, bis zu dem Tag, an dem es aufgedeckt wird: Sture Bergwall, alias Thomas Quick ist kein Mörder, er hat die Morde nicht begangen. Alle erliegen einer großen Täuschung.

    Ich wusste nicht wirklich, was mich erwartete. Natürlich hatte ich den Klappentext gelesen und auch einen Textschnipsel, doch auf das, was wirklich kam, war ich nicht vorbereitet gewesen. Ja, es handelt sich um einen Tatsachenbericht und ja, man fühlt sich als Leser tatsächlich so, als sei man in die Auflösung des Falles involviert und das nicht ohne Grund: der Autor hat ein Talent dafür, uns direkt in das Geschehen zu versetzen und wirft nicht nur mit harten und kalten Fakten um sich. Im Gegenteil, er lässt Sture Bergwall als Menschen auferstehen, lässt ihn für uns zu Thomas Quick werden, um ihn dann langsam aber sicher, zu entmystifizieren. 

    Erst im Laufe des Buches finden wir heraus, wer Thomas Quick wirklich erschaffen hat, wer ihn zu dem gemacht hat, der er letzten Endes war: seine behandelnden Psychiater. Der Autor schildert nicht nur den Fall, sondern gibt uns Lesern wertvolle Informationen und Hintergrundwissen, das uns immer tiefer in die Materie eintauchen lässt. Auch die verschiedenen Aspekte der Psychologie und Psychoanalyse werden beleuchtet, was zwar für den Laien ab und an schwer zu verstehen ist, aber dennoch dazu beiträgt, die Schwierigkeiten des Falles zu beleuchten. Gemeinsam mit dem Autor decken wir einen der größten Justizskandale aller Zeiten auf. 

    Alles in einem kann ich sagen, dass mich dieses Buch fasziniert hat, die Geschichte hat mich von Anfang bis Schluss gefesselt. Allen, die ich jetzt neugierig machen konnte wünsche ich bereits jetzt eine spannende Lesezeit, ich hatte sie auf jeden Fall!

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    allabout_books_s avatar
    allabout_books_vor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Gut recherchiertes und spannendes Buch.
    Der Serienkiller, der keiner war...

    Inhalt:
    Schweden, 1991: Sture Bergwall, ein homosexueller Drogenabhängiger und Kleinkrimineller, wird in die geschlossene psychiatrische Einrichtung Säter nördlich von Stockholm eingewiesen. Dort macht er eine Therapie und wird mit Psychopharmaka behandelt. Im Zuge der Behandlung glaubt er, sich an schlimme Traumata aus seiner Kindheit zu »erinnern« und gesteht, als monströser Serienkiller Thomas Quick mehr als 30 Opfer vergewaltigt und getötet zu haben. Fast 20 Jahr später stellte sich heraus: seine Geständnisse waren frei erfunden. Seine Motive: verschreibungspflichtige Drogen, Geltungsbewusstsein und der Einfluss seiner Therapeutin und deren Zirkel, die glaubten, mit diesem Fall Geschichte schreiben zu können.

    Meine Meinung:
    Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich, bevor ich das Buch gelesen hatte, von diesem Fall in Schweden nichts gehört hatte und dieser mir auch völlig fremd war.
    Dan Josefsson erzählt die Geschichte von Sture Bergwall, der Anfang der 90er Jahre in eine psychatrische Klinik eingewiesen wurde und der unter dem Namen Thomas Quick und dem Einfluss von Medikamenten eine Vielzahl von Morden gestand und schlussendlich auch verurteilt wurde. Nach 20 Jahren stellt sich heraus, dass er unschuldig verurteilt wurde. Ich war ein wenig schockiert, dass ein Mann ohne Beweise verurteilt werden konnte.

    Dan Josefsson begibt sich in seinem Buch auf die Suche nach Antworten, wie es passieren konnte, dass ein unschuldiger Mann verurteilt werden konnte.
    In dem Buch lernt man Sture Bergwall und einige Weitere Personen, wie seine Therapeuten kennen. Das Buch zeigt, wer in dem Skandal welche Rolle gespielt hat und wer wie daran beteiligt war.

    Das Buch ist flüssig aus der Sicht von dem Autor, Dan Josefsson, geschrieben.  Das Buch hätte insgesamt ein bisschen kürzer sein können, da sich vieles wiederholt hat.

    Fazit:
    Die Geschichte ist sehr gut recherchiert und zugleich spannend.
    Ich kann dieses Buch wirklich nur jedem empfehlen. Ich war sehr begeistert und das Buch hat mich gefesselt. Ich wollte unbedingt wissen, wie das alles passieren konnte und was der Hintergrund war.

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    Susi180vor 2 Monaten
    Sehr interessant

    Schweden, 1991: Sture Bergwall, ein homosexueller Drogenabhängiger und Kleinkrimineller, wird in die geschlossene psychiatrische Einrichtung Säter nördlich von Stockholm eingewiesen. Dort macht er eine Therapie und wird mit Psychopharmaka behandelt. Im Zuge der Behandlung glaubt er, sich an schlimme Traumata aus seiner Kindheit zu »erinnern« und gesteht, als monströser Serienkiller Thomas Quick mehr als 30 Opfer vergewaltigt und getötet zu haben. Fast 20 Jahr später stellte sich heraus: seine Geständnisse waren frei erfunden. Seine Motive: verschreibungspflichtige Drogen, Geltungsbewusstsein und der Einfluss seiner Therapeutin und deren Zirkel, die glaubten, mit diesem Fall Geschichte schreiben zu können.

    Der Autor:

    Dan Josefsson ist preisgekrönter Autor, Journalist und Dokumentarfilmer. Für »Der Serienkiller, der keiner war - und die Psychotherapeuten, die ihn schufen« wurde er mit dem Preis der Swedish Society of Investigative Journalists, dem Johan Hansson Preis für Non-Fiction und dem Swedish Grand Prize for Journalism, ausgezeichnet.

    Meine Meinung:

    Auf dieses Buch wurde ich aufmerksam gemacht, da ich die Bücher von Lydia Benecke sehr gerne lese und super interessant finde. Auch hier wird ein realer Fall behandelt, was für mich diese Art von Büchern noch ansprechender macht. Ich bin davon ausgegangen einen eher trockenen Tatsachenbericht zu erhalten, doch weit gefehlt. Der Autor hat einen sehr schönen Schreibstil, der es einem angenehm macht dieses Buch zu lesen.

    Der Fall wird von vielen Standpunkten aus beleuchtet. Wir erfahren eine ganze Menge Hintergrundwissen und lernen so noch tiefer in diese Geschichte einzutauchen. Ich finde das Buch sehr interessant und überhaupt nicht trocken geschildert.

    Mit hat das Buch sehr gut gefallen, aus mehreren Punkten. Der Schreibstil und der Aufbau der Geschichte. Die Herangehensweise des Autors. Bildhaft und man möchte immer weiter lesen. Das Buch hat für diese Art von Buch ja schon viele Seiten, doch diese lesen sich so schnell weg das man sich wundert irgendwann am Ende zu sein.

    Eine klare Empfehlung für alle die gerne solche Geschichten oder besser Tatsachenberichte mögen Die sich für die Psyche interessieren und die auch mal mit harten Sachen umgehen können. Denn in diesem Buch muss man auch das ein oder andere mal schlucken. Klare Empfehlung und es hat mich im Denken wieder bereichert.

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    MsPleasantvor 4 Monaten
    Interessant

    Als ich diesen Klappentext las, war ich sofort begeistert und wollte natürlich auch wissen, was genau es mit diesem Justizskandal auf sich hatte.

    Schon allein die Vorstellung, dass ein Mensch so "kaputttherapiert" werden kann, war für mich unverständlich. Schließlich sollten Psychotherapeuten doch da sein, um jemandem zu helfen. Besonders bei Justizfällen, ist es wichtig, dass man sich auf die Analyse des Therapeuten verlassen kann. Dachte ich zumindest.


    Das Buch gibt uns Einsicht in 2 sehr unterschiedliche Leben. Zum Einen begleiten wir Sture Bergwall und zum Anderen Margit Norell. Ein Patient und seine Therapeutin. 

    In den Kapiteln, in denen es um Margit geht, erfahren wir, woher sie ihr Wissen bezog, wie ihr Leben verlief und warum sie Sture Bergwall so therapierte, wie sie es tat. 

    Für mich war es sehr spannend zu sehen, wo es hinführen kann, wenn man als Therapeut eigentlich selbst dringend einen Psychologen bräuchte. 

    Da ich mich selbst auch für Psychologie interessiere, begegnete ich im Buch einigen bekanten Namen. Darunter auch Freud. 


    Ich erwartete ein Fachbuch, in dem ich etwas über den Fall Sture Bergwall erfahren würde und genau das bekam ich auch. 

    Die Theorien, die im Buch aufkommen werden auch für einen Laien gut erläutert. Ich fühlte mich beim Lesen keinesfalls dazu genötigt ein Psychologiestudium zu beginnen, nur um zu verstehen, was mir erzählt wird. 


    Wer sich für Psychologie interessiert, der sollte auf jeden Fall einen Blick in dieses Buch werfen. 

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    Gwhynwhyfarvor 4 Monaten
    Detaillierte Reportage

    Der erste Satz: »Um 12.30 erreichen die Schweden den Ørjeskogen im Südosten Norwegens unweit der schwedischen Grenze.«

    Ein dickes Sachbuch für Psychologieinteressierte, Psychotherapie. Sture Bergwall gesteht 39 eingebildete Morde, kann keinerlei Täterwissen präsentieren, nicht den Fundort der Leichen, er erinnert sich nur wage an Einzelheiten, enormer Polizeiaufwand, er führt die Polizei an der Nase herum. Das alles ist der Justiz egal, er wird auf Grund seiner Geständnisse verurteilt, obwohl keine einzige Leiche gefunden wird. Der Mann ist unschuldig, aber das stellt sich erst knapp 20 Jahre später heraus.

    Wie kann so etwas passieren? Hier kommt die Psychotherapeutin Margit Norell ins Spiel, eine Frau, die manipuliert, Patienten, wie Kollegen, eine sektenartige Gruppe aus Therapeuten um sich scharrt … Der Journalist Dan Josefsson hat sehr genau und detailliert recherchiert. Es geht zur Hälfte in diesem Buch um Margit Norell, ihre Therapieform, bei der Missbrauch im Vordergrund steht. Der Fall zeigt, wie leicht die Erinnerung labiler Patienten von Therapeuten manipuliert werden kann. Sture Bergwall war Margit Norells Patient, erinnert sich in der Therapie an frühen Missbrauch durch die Eltern, sogar daran, dass diese seinen Zwillingsbruder töteten, ihm zu essen gaben. Das alles ist nicht wahr. Sture Bergwall, war in jungen Jahren ein drogenabhängiger Kleinkrimineller, wurde Anfang der 90er-Jahre in der forensischen Psychiatrie Säter behandelt. Die Ärzte verfolgten die Ansicht, mit Psychotherapie Kriminalität heilen zu können. Bergwall wird wieder entlassen, kommt draußen nicht klar, will zurück in die Klinik. Um dort bleiben zu können, gesteht er Stück für Stück die Morde.

    »Margit Norell wurde als schwedische Pionierin vorgestellt: ›seit den Fünfzigerjahren wendet sie Frieda Fromm-Reichmanns Therapiemethoden bei schweren psychischen Erkrankungen an. In erster Linie hat sie Psychologen und Psychiater supervidiert, die sich bewusst für die Gesprächstherapie als Alternative zu vorherrschenden Therapien wie Elektrokrampftherapie oder auch medikamentöse Behandlungen entschieden haben.«

    Dan Josefsson berichtet zunächst über die Familie von Margit Norell, zum Verständnis für den Leser, wie sich ihre Persönlichkeit entwickelte. Sie war begeistert von Erich Fromm, mit dem sie sich mehrfach traf, der aber kein Interesse zeigte, sie als Schülerin aufzunehmen. Sie heiratet einen Kollegen, der ihr anscheinend völlig hörig war. Kollegen berichten von einer Aura ihrer Persönlichkeit, allein schon, wenn sie den Raum betrat. Frieda Fromm-Reichmanns Therapiemethoden entwickelte sie weiter. Kollegen berichten, sie hat das distanzierte Patienten-Klienten-Verhältnis abgelehnt und den Patienten wie den Kollegen, die sie supervisierte das Gefühl gegeben, sie sei ein Mutterersatz. Man fühlte sich wohl bei ihr, wie im Mutterschoß. Trotz allem war ihr Auftreten herrisch. Was sie sagte, war Fakt, was sie bestimmte, wurde gemacht. Auch nur ein leises Hinterfragen wurde von ihr bestraft. Margit Norell gründete 1963 eine Arbeitsgruppe, die sich den Ideen Karen Horneys widmete und 1968 gründete sie den Svenska Föreningen för Holistisk Psykoterapi och Psykoanalys (SFHPP). Nachdem sie dort ausgetreten war, gründete sie in den siebzigen einen eigenen Studienkreis zu ihrer Objektbeziehungstheorie. Viele Kollegen, Anhänger, die sie therapierte und supervidierte, baten darum, dabei sein zu dürfen. Und nun folgt das, was in allen Sekten und Eliten praktiziert wird: Du musst bitten, dabei zu sein, auserwählt zu sein. Norell ließ die Leute zappeln, ein bis drei Jahre ließ sie sich bitten, bis sie sich herabließ, jemanden aufzunehmen. Wer allerdings eigene Meinungen präsentierte, den zartesten Versuch erwägte, ihr zu widersprechen, der konnte gehen. Entweder man huldigte sie oder man war ihr Feind. Ihre Tochter berichtet, Margit Norell ließ jeden Menschen sofort fallen, der sie nicht bewundern wollte, der eine eigene Meinung hatte, in allen Bereichen. Sie war die unantastbare Königin.

    Der Journalist Dan Josefsson hat unglaublich gut und tief recherchiert, mit Weggefährten und Verwandten von Margit Norell gesprochen, mit den ehemaligen Mitgliedern ihres exklusiven Studienkreises. Warm, mütterlich und gleichzeitig unerbittlich streng, innig mit den Patienten verbunden baute sie Abhängigkeiten auf.

    »Für Margit hatte der vermeindliche Missbrauch eine zentrale Bedeutung. Er untermauerte eine These, die einer eigenen psychiatrischen Theorie noch am nächsten kam. Eigene Theorien zu entwickeln, war im Grunde nicht Margits Spezialität gewesen. Stattdessen bediente sie sich unterschiedlichster Ansätze und kombinierte und modifizierte sie, bis sie sich in ihr Weltbild einfügten.«

    Dabei kombinierte sie verschiedene Theorien von Erich Fromm, Frieda Fromm-Reich, die Theoreme von Siegmund Freud, entwicklungspsychologische Ansätze von Winnicott, Fairbairn usw. und ist die Pionierin der Theorie der Objektbeziehungen in Schweden. Kindlicher Missbrauch war ihr Hauptthema, den sie anscheinend bei jedem Menschen vermutete. Es ist unglaublich, wie diese Frau die Menschen um sich herum manipulierte.

    »Laut Christiansson war Sture zum Mörder geworden, weil sein Unterbewusstsein von verdrängten Kindheitstrauma ›erzählen‹ wollte. Anschließend war der Mord ebenfalls verdrängt und zum Trauma geworden, was laut Christiansson zwangsläufig zu neuen Morden führen musste, mit denen sowohl die Kindheitstraumata als auch die früheren Morde ›nacherzählt‹ wurden.«

    Warum ist das Leben von Margit Norell und ihre Therapierichtung so wichtig für den Fall Sture Bergwall? Ohne sie wäre Sture nie auf die Idee gekommen, die Morde zu gestehen. Ohne sie hätte er sich nie an nichtexistente Missbrauchszenen erinnert. Und ohne ihre Sachverständigengutachten und die Gutachten ihres Kollegen Sven-Åke Christiansson, der zu ihren glühenden Anhängern gehörte, wäre Bergwall nie verurteilt worden. Christiansson vermarktete vor Gericht seine Lehrsätze als die aktuellesten Forschungsergebnisse im internationalen Feld.

    Abwechselnd berichtet Dan Josefsson über Sture Bergwall, seine Psychotherapeutin, den Prozess, die Wiederaufnahme nach fast 20 Jahren. Auch die Staatsanwaltschaft und die Richter haben sich durch erhebliche Verfahrensfehler schuldig gemacht. In der Mitte vom Buch findet man einige Fotos und ein paar Fotos von Berichten, Notizen. 591 Seiten, ein komplexes Werk durch akribische Recherche durch den Autor. Einer der größten Gerichtsskandale der Geschichte, ein Sachbuch, das mir gut gefallen hat. Die Darstellung ist sehr ausgedehnt dokumentiert, hätte für mich an manchen Stellen etwas kompakter sein können. Für Laien sind die Grundzüge der Psychoanalyse nach Freud und Ableger verständlich zusammengefasst, hier habe ich geblättert. Wer sich für das Thema Manipulation durch Indoktrination und Überzeugungskraft durch vorgetäuschtes Fachwissen interessiert, der liegt hier richtig. Wer zwischendurch blättert, weil ihn das Thema nicht interessiert, findet immer wieder Anschluss. 

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    once-upon-a-times avatar
    once-upon-a-timevor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Erschütternd und unheimlich, doch stellenweise etwas lang
    Das Gruselige ist nicht der Serienkiller

    „Ich selbst sehe einen Menschen, der vor einem Publikum, dem jedwedes kritisches Denken abhandengekommen ist, eine Art Improvisationstheater aufführt.“ (S. 513)

    Der Serienkiller, der keiner war, heißt Sture Bergwall und in diesem Buch wird ziemlich ausführlich nicht nur seine Geschichte ausgebreitet; auch der Werdegang der Psychoanalytikerin, in deren Hand der Kleinkriminelle Bergwall all die Morde gestand, wird detailliert nachgezeichnet.

    Sture Bergwalls Geschichte, wie sie in diesem Buch nachzulesen ist, ist zu gleichen Teilen beeindruckend wie auch erschütternd und mutet beinahe unglaubwürdig an – bei einem fiktiven Werk hätte ich die Verwicklungen doch ein wenig zu fantasievoll empfunden. Ein drogenabhängiger Kleinkrimineller, der erfundene Geständnisse raushaut und damit nicht nur bei seinen Therapeuten durchkommt, sondern auch bei der Polizei, beim Staatsanwalt, und der am Ende sogar verurteilt wird? Unfassbar.

    All diese unglaublichen Geschehnisse und den Weg, den die wichtigsten Beteiligten zuvor zurückgelegt haben, zeichnet Dan Josefsson beeindruckend genau nach. Dabei hat mir zum einen besonders gut gefallen, dass der Text unterhaltsam geschrieben ist und an einigen Stellen mit einer feinen Ironie überzeugen kann; zum anderen scheint – von außen betrachtet – die ganze Geschichte auch richtig gut recherchiert zu sein. So wird der Leser in seiner beobachtenden Position nach einem ersten Eindruck der Ermittlungsweise zu Beginn des Buches durch die komplette Geschichte geführt, nur um am Ende wieder am Anfang anzukommen und fassungslos auf das zu schauen, was dort geboten wird.

    Etwas störend habe ich es empfunden, dass für mein Gefühl einige Doppelungen vorkamen, die vermeidbar gewesen wären und das Buch in meinen Augen umfangreicher gemacht haben, als es nötig war. So fiel es mir manchmal schwer, mich zum Lesen zu motivieren, weil es leider zu einigen Längen kam. Zudem fehlte mir an einigen Stellen ein wenig die Sorgfalt – einige Male las ich den Namen „Casja“ anstelle von „Cajsa“, es gab relativ viele Tippfehler und manchmal wurden Vor- und Nachname zweier in einer Szene vorkommenden Personen durcheinander gemischt.

    Trotz dieser Kritikpunkte habe ich „Der Serienkiller, der keiner war, und die Psychotherapeuten, die ihn schufen“ wirklich gern gelesen. Es war unterhaltsam und auch alle Menschen in meiner Umgebung kennen nun die Geschichte um Sture Bergwall, weil mir die Geschichte so nahe gegangen ist.

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    buchling_zamoniavor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Man kann nicht glauben, das so etwas tatsächlich passiert ist!
    Unfassbar

              Mich haben der Titel und das Cover angezogen, beides gefällt mir sehr gut und haben mich neugierig auf das Buch gemacht. 
    Meine hohen Erwartungen wurden voll erfüllt. Ich liebe True Crime und lese gern über die Hintergründe, die Motive die dahinter stecken und wie sich alles entwickelt hat. Dan Josefsson schildert chronologisch aufgebaut und schön strukturiert, wie sich alles entwickelt hat. Er lässt dabei auch die Entwicklung und Motivation der Psychotherapeuten und Psychoanalysten inklusive ihrer Ausbildung mit einfließen, so dass man tatsächlich bei aller Fassungslosigkeit den Gesamtkontext begreift und nachvollziehen kann. Der Schreibstil des Autors ist flüssig und gut zu lesen. Das Buch vermittelt neben der "Hauptgeschichte" um Sture Bergwall auch ein Portrait zur Geschichte und zeitlichen Entwicklung der Psychotherapie.
    Ich habe es gern gelesen und kann es vollen Herzens weiter empfehlen. 
            

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    Faltines avatar
    Faltinevor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Kaum zu glauben, dass so etwas überhaupt möglich ist...
    Erschütternd und so wahr

    Meine Meinung:

    Das Cover ist schlicht und passend zum Inhalt. Die Kapitel hatten für meinen Geschmack eine gute Länge. Die vielen verschiedenen Bilder und Illustrationen machen das Ganze noch begreiflicher und haben mir sehr gut gefallen.


    Da dies mehr ein Sachbuch ist, ist der Schreibstil manchmal etwas trocken, aber wenn man sich, so wie ich, sehr für dieses Thema und diesen Fall interessiert, fällt einem das nicht weiter groß auf.


    Ich bin immer noch fassungslos, wenn ich darüber nachdenke, was dort passiert ist und wie es passiert ist. Ich hätte niemals gedacht, das so etwas überhaupt möglich ist, deswegen hat mich das Buch auch so interessiert. Ich muss allerdings ehrlich gestehen, dass ich bei solchen Sachen lieber eine Dokumentation schaue :) Deswegen hoffe ich, dass es bald eine dazu gibt. Der Autor ist auch Dokumentarfilmer, also habe ich vielleicht Glück ;)


    Ich kann das Buch wirklich jedem Interessierten empfehlen, es ist kein Buch für mal so nebenbei und Zwischendurch – man sollte sich ganz auf den Stoff einlassen, denn er regt definitiv zum Nachdenken an!


    Vielen Dank an das Bloggerportal und den Verlag für das Buch ♥



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    rumble-bees avatar
    rumble-beevor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Spannend wie ein Krimi, dazu profund recherchiert.
    Ein Drama auf allen Ebenen



    Ich bin mit gemischten Erwartungen an dieses Buch gegangen. Die Leseprobe war unzweifelhaft interessant; der Klappentext auch. Es schien hier um eine Mischung aus Krimi, Psychodrama und journalistischer Fleißarbeit zu gehen. Abgeschreckt hatte mich jedoch die Seitenzahl – mir schien wenig erklärlich, warum die Geschichte nicht auch auf weniger Seiten authentisch zu transportieren sein sollte.

    Ich bin nun, nach der Lektüre, eher positiv überrascht. Was der Autor hier geleistet hat, geht über eine reine Fleißarbeit weit hinaus. Das war eine journalistische Meisterleistung, für die er die diversen Preise wahrlich verdient hat. Er hat Sture Bergwalls Geschichte zu seiner eigenen gemacht, und sich bemüht, auch nur jeder Person habhaft zu werden, die im Entferntesten mit der Sache zu tun hatte. Wie viele Berge von Akten er gelesen haben muss, mag ich mir gar nicht erst vorstellen.

    Es geht um den wahrscheinlich größten Justizskandal in der Geschichte Schwedens. Sture Bergwall, ein drogensüchtiger Kleinkrimineller, wird – durch diverse Umstände und Abhängigkeiten – zum „Serienmörder“ hochstilisiert, bis er selber daran glaubt. Er lässt sich fallen in die teilweise unglaublich bequemen Umstände. Wenn er hübsch weiter „gesteht“, bekommt er die gewünschten Medikamente, und hat noch dazu Ansehen sowie ein geregeltes Leben. Eben all das, was er sein Leben lang entbehrte.

    Die Leistung des Buches (und des Autors) besteht nun darin, die Geschichte aus verschiedensten Blickwinkeln zu beleuchten – auch mit der Gefahr, auf den unerfahrenen Sachbuchleser langatmig zu wirken. Aber letztlich waren all diese Seiten doch nötig. Unaufhaltsam hatten sich in der Affäre Bergwall die Rädchen ineinander verzahnt. Da waren die diversen Psychologen, die sich Renommee von diesem Fall erhofften – allen voran Margit Norell. Da waren die Polizisten und Anwälte, die sich unglaublich blamiert hätten, hätten sie plötzlich die „Geständnisse“ in Frage gestellt. Da waren die Schüler Margit Norells, die sich in einer äußerst ungesunden psychischen Abhängigkeit zu ihrer Lehrerin befanden. Da war das schwedische Justizsystem, das – einmal in Gang gesetzt – wenig Raum für Flexibilität lässt. Und da war natürlich Sture Bergwall, der spätere „Thomas Quick“, selbst, der nur teilweise für die Geschehnisse verantwortlich zu machen ist.

    Obwohl das Buch von Redundanzen und einigen Längen gekennzeichnet ist, würde ich es sehr hoch bewerten. Man muss als Leser schon eine gehörige Portion Aufmerksamkeit und Durchhaltevermögen mitbringen. Das Personenverzeichnis ist teilweise erdrückend komplex; die entstandenen Abhängigkeiten und Querverweise ebenso. Sicher hätte man auf einige „Ortsbegehungen“ oder Schilderungen von Prozessen verzichten können. Dann wäre aber die schicksalhafte Verzahnung nicht so deutlich geworden. Der Autor bemüht sich um einen sachlichen, dennoch fundierten und hinterfragenden Stil. Von der literarischen Bedeutsamkeit her würde ich nicht zögern, es mit „Kaltblütig“ von Truman Capote zu vergleichen, der ja auch einen wahren Fall eines Mordes zum Ausgangspunkt hatte.

    Ich empfehle das Buch gerne weiter – allerdings nur an doch ein wenig erfahrene Sachbuchleser. In diesem Buch werden diverse Dinge nur zu deutlich. Wie sehr den Menschen die Sucht nach Anerkennung und Zugehörigkeit in Abhängigkeiten treiben kann. Wie sehr die Psychiatrie von Moden und Seilschaften bestimmt wird. Und wie wenig Justiz mit tatsächlicher Gerechtigkeit zu tun hat.

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    BunteWortevor 6 Monaten
    Wenn Mikael Blomkvist auf einmal real ist

    Vielen Dank an das Bloggerportal der Randomhouse Gruppe, die mir diese Ausgabe als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.



    Als mir auf dem Portal dieses Buch vorgeschlagen wurde, fühlte ich mich direkt angesprochen. Als leidenschaftlicher Thrillerleser interessiert mich die Thematik "Serienkiller" natürlich sehr und eine wahre Geschichte machte mich neugierig.



    Was soll ich zu dem Buch sagen? Man fühlt sich die meiste Zeit als würde man mit Mikael Blomkvist aus den Stieg Larsson Romanen in seinem Büro sitzen und ihm bei den Recherchearbeiten zusehen. (Ganz ehrlich? Das Bild des Schauspielers aus der schwedischen Verfilmung tauchte immer wieder beim Lesen vor meinem inneren Auge auf).

    Zusätzlich dazu ertappte ich mich um uns andere Mal dabei, dass ich beim Lesen entschieden den Kopf schüttelte. Der Inhalt ist einfach zu erschreckend. Ja, die Geschehnisse liegen schon einige Jahrzehnte zurück, aber so naiv kann doch wirklich kein Mensch sein. Oder etwa doch?

    Immer wenn ich besonders schockiert war, habe ich die Personen gegoogelt.



    Ihr merkt, der Inhalt hat mich vollkommen in seinen Bann gezogen und mich immer wieder vergessen lassen, dass ich gerade wirklich die zusammengetragenen Informationen einer realen Geschichte lesen.



    Immer wieder stellt man sich die Frage, wie es wirklich passieren konnte, dass ein ganzer Haufen von Psychotherapeuten (hoch angesehener Psychotherapeuten) einem einfachen Mann so auf den Leim gehen konnte?



    Fazit:

    Ein Buch, bei dem sich die Lektüre wirklich lohnt. Ja, es hat zwischendurch Längen, wenn in absoluter Detailtreue über verschiedene Therapieansätze gesprochen wird, aber am Ende führt dies nur zu einem tieferen Verständnis.

    Eine Geschichte über ein wahres Verbrechen, die einen immer wieder vergessen lässt, dass man sich wirklich nicht in einem Stieg Larsson-Roman sondern in der Realität befindet.

    Absolut empfehlenswert!

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