Dan Kieran , Dan Kieran Das Buch der hundert Vergnügungen

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Inhaltsangabe zu „Das Buch der hundert Vergnügungen“ von Dan Kieran

Seit rund zweihundert Jahren sind wir im Westen von der fixen Idee besessen, dass Spaß eine teure Sache sei. Wir arbeiten bis zur Erschöpfung, meist in ungeliebten Berufen, um Geld zu verdienen, damit wir Dinge tun oder kaufen können, die uns Spaß machen. Natürlich ist das nichts als ein enttäuschender Irrtum. Das originell illustrierte Buch der hundert Vergnügungen hilft uns, auf elegante Weise dem Gedränge und Gehetze der Welt des angestrengten Schuftens und Shoppens zu entgehen und stattdessen in eine Welt der Freiheit einzutreten. Wenn wir im Sommer unter den Bäumen im Park ein Nickerchen machen oder am Strand einen Stein über das Wasser hüpfen lassen, wenn wir ohne Ziel durch die Stadt schlendern, wenn wir im Regen spazieren gehen, wenn wir auf dem Klo sitzend unseren Gedanken nachhängen, dann beanspruchen wir damit unser Recht darauf, so zu leben, wie wir wollen. Das Buch der hundert Vergnügungen ist eine charmante Kapitalismuskritik und das perfekte Geschenk für jeden Müßiggänger.
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  • "Zuschauen, wie der Fluss fließt"

    Das Buch der hundert Vergnügungen
    R_Manthey

    R_Manthey

    27. July 2015 um 11:57

    Das Lustigste an diesem Buch ist die Einleitung von Tom Hodgkinson. Aber wahrscheinlich ist ihm das noch nicht einmal aufgefallen. "Wenn wir ganz ohne Eile einen Bummel durch die Stadt machen und dabei allein dem Treiben des Lebens zuschauen, ohne dem Drang zum Kaufen nachzugeben", schreibt er, "dann protestieren wir auf genussvolle Weise gegen die Arbeits- und Konsumgesellschaft." Tatsächlich? Widerstand kann doch so schön und gefahrlos einfach sein, vor allem, wenn man nichts von ihm weiß. Irgendwie scheint sich Hodgkinson seiner Sache nicht so sicher zu sein, wie er tut. Wozu sucht er eigentlich nach Gründen, die sie adeln? Wenn man schon bis zum Mittag in der Koje liegt und sich dann um den eigenen Müßiggang Sorgen und über die im "Hamsterrad des Kapitalismus" schuftenden Mitmenschen intellektuell lustig macht, dann muss doch wenigstens die Aura des aufmüpfigen Widerstands um einen schweben. Ach ja. Das Buch selbst erweist sich dann aber als Erinnerung an Sachen, die man früher einmal getan hat, vielleicht noch ab und zu macht oder mal wieder machen sollte. Aber besser ohne rechtfertigende Hintergedanken. Eben einfach so. In diesen Vergnügungen steckt oft ein einfaches Prinzip: Man steigt aus dem Fluss des gewöhnlichen Lebens und begibt sich dann in eine Beobachter-Position. So, als ob man nicht dazugehört. Eine neue Entdeckung ist das nicht. Wir haben solche einfachen Sachen, wie sie im Buch beschrieben werden, vielleicht oft schon selbst gemacht. Und zwar ohne groß darüber nachzudenken. Grabsteine lesen zum Beispiel auf einem Friedhof, der bei einer Kirche liegt, die man sich im Urlaub ansieht. Einfach gemütlich ein Bad nehmen, ins Feuer schauen, sich irgendwo in einem Park auf die Bank setzen und Leute beobachten, Landkarten betrachten, in Bibliotheken herumschnüffeln, Vögel beobachten - eben einfach nur sein und keine Aufgabe haben. Eigentlich haben 13 Autoren an diesem Buch geschrieben. Meistens erörtern sie eine von ihnen vorgeschlagene (kostenlose und selbstverständlich ökologisch wertvolle) Vergnügung auf einer Seite. Dazu gesellen sich dann interessante Illustrationen von Stephanie F. Scholz. Man kann dieses Buch auch verschenken. Aber Vorsicht, die Zeitgenossen aus dem Hamsterrad sollten bereits einen gewissen Zugang zum Thema des Buches gefunden haben. Wenn sich die Autoren weniger snobistisch aufführen würden, wären sie vielleicht ihren Mitmenschen noch sympathischer. Immerhin aber kann uns dieses Buch durchaus wieder dazu bringen, uns wenigstens kurz mal auszuklinken und das Leben gewissermaßen von außen zu betrachten. Das kann überaus reizend und erholsam sein. Und vielleicht ändern dann solche einfachen Momente auch die Sichtweise auf das eigene Dasein.

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