Dan Lungu

 3.9 Sterne bei 10 Bewertungen
Autor von Das Hühnerparadies, Die rote Babuschka und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Dan Lungu

Dan LunguDas Hühnerparadies
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Das Hühnerparadies
Das Hühnerparadies
 (5)
Erschienen am 18.09.2007
Dan LunguDie rote Babuschka
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Die rote Babuschka
Die rote Babuschka
 (3)
Erschienen am 04.03.2009
Dan LunguWie man eine Frau vergisst
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Wie man eine Frau vergisst
Wie man eine Frau vergisst
 (2)
Erschienen am 01.09.2010
Dan LunguKlasse Typen
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Klasse Typen
Klasse Typen
 (0)
Erschienen am 26.09.2007

Neue Rezensionen zu Dan Lungu

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J-B-Winds avatar

Rezension zu "Wie man eine Frau vergisst" von Dan Lungu

Glücklich ist, wer vergisst
J-B-Windvor 6 Jahren

"Der Keim des Niedergangs einer Beziehung ist immer sichtbar, schon vom allerersten Moment an."

Dieser Satz stammt nicht von Dan Lungu, aber hätte sein Protagonist Andi zu Beginn seiner Beziehung mit Marga genau hingsehen, hätter er das Ende der Liaison vorhergesehen. Denn genau so aprupt und ohne Vorwarnung wie sie in sein Leben gestolpert ist, ist sie auch wieder verschwunden. Bei Andi und Marga ist es weder Liebe auf den ersten Blick noch eine schrittweise Annäherung mit wachsenden Gefühlen. Vielmehr setzt sich Marga aus einer Laune heraus auf Andis Schoß und küsst ihn. Dabei geht es ihr nicht um ihn, Andi ist einfach da, und wäre durch jeden beliebigen Mann ersetzbar. Andi, der nicht nur chronisch pleite, sondern auch dem Alkohol sehr zugetan ist, lässt es einfach geschehen und hinterfagt seine Rolle nicht. Diese Passivität ist Teil seines Charakters.

Marga, die Tochter ehemaliger hochrangiger Parteigenossen, ist eine oberflächliche und egoistische "Prinzessin", die daran gewöhnt ist, dass alle nach ihrer Pfeife tanzen und für die der Inhalt ihres Kosmetikkoffers überlebenswichtig ist. Da wundert es nicht, dass diese Beziehung scheitert. Man erfährt auch einiges über Andis Ex-Freundinnen und merkt, dass er nie ein besonders glückliches Händchen bei der Wahl seiner Frauen hatte.

Als Marga Andi schließlich verlässt, erledigt er zwar ein paar Telefonate, aber er sucht nicht nach ihr und reflektiert die Beziehung auch nicht. Er sieht sich als Opfer der Umstände und denkt sogar Gott hätte ihn am Kieker. Letzteres wird durch seine neu gewonnen Freundschaft zu Seth, einem Baptistenprediger verstärkt. Aus Geldmangel zieht er bei Seth ein und lernt dessen christliche Gemeinde kennen, was Andi sehr gelegen kommt, soll er doch für die Zeitung, für die er arbeitet eine Reportage über Baptisten schreiben.
"Im Namen des Herrn" erlebt Andi abenteuerliches und wird sogar verprügelt. Und auf einmal denkt Andi Gott hätte ihn dazu berufen für ihn zu arbeiten. Wird er auf die Stimme hören?....

Das Buch spielt in Rumänien in der Nachwendezeit. Doch der Kommunismus hinterlässt tiefe Wunden. Die Armut und Verzweiflung der Menschen ist spürbar. Das kommt im Buch sehr gut rüber.

Die Geschichte wird in Ich-Form aus Andis Perspektive erzählt. Zwischendurch gibt es Kapitel, die in der 3. Person geschrieben sind, aber ebenfalls aus Andis Perspektive erzählt werden, der Grund dessen erschloss sich mir nicht. Zuerst dachte ich, es wären Rückblenden, aber das war nicht der Fall. Vielleicht genießt Lungu einfach das Spiel mit den Perspektiven genauso, wie das Spiel mit den Wörtern.

Zweifelsohne ist Lungu ein sprachlich gewandter Autor, der seine Sätze immer wieder mit neuen Metaphern "würzt", was allerdings zeitweise zuviel des Guten ist. Eine dreiseitige Beschreibung über den Regen etwa hat mich beinahe dazu veranlasst das Buch wegzulegen. Die Lektüre hinterlässt mich auch etwas ratlos. Worauf der Autor hinaus wollte, ist mir nicht klar. Der Schluss ist unbefriedigend.

Alles in allem liest sich das Buch aber flüssig und in weniger als zweieinhalb Stunden. Lungu schreibt recht amüsant und ironisch über seine Landsleute. In den tragisch komischen Helden konnte ich mich aber genauso wenig einfühlen, wie in Marga. Identifikationsfiguren fehlten mir völlig, aber vielleicht auch deshalb, weil ich nicht in Rumänien lebe. Ich kann mir gut vorstellen, dass Lungus Landsleute sich in einem der Protagonisten wieder erkennen und es ihnen auch leichter fällt in die Athmosphäre der Hoffnungslosigkeit und des Neubeginns einzutauchen.

Fazit: Ein Buch für anspruchsvolle Leser, die Unterhaltung auf sprachlich hohem Niveau lieben!

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Jaris avatar

Rezension zu "Das Hühnerparadies" von Dan Lungu

Rezension zu "Das Hühnerparadies" von Dan Lungu
Jarivor 8 Jahren

Inhalt:

Ein rumänisches Dorf irgendwann Mitte/Ende der 1990er-Jahre. Man ist arm, man hat Hunger und kein Geld. Aber man hat die Kneipe "Zum Zerknautschten Traktor", man hat Alkohol und vor allem hat man eines: Jede Menge Gerüchte und Geschichten aus den Zeiten Ceaușescus. Als man für Brot noch in der Schlange stehen musste, aber niemand Hunger litt, jeder entweder alles hatte oder alle nichts und als man noch alles mühelos stehlen konnte.
Meine Meinung:

Dan Lungus Buch "Das Hühnerparadies" ist ein kleines, aber feines Werk über das Leben in der rumänischen Pampa in der Übergangszeit. Der Kommunismus liegt noch bleischwer in der Luft, doch nun herrschen andere Zeiten. Arbeitslosigkeit geht um, man kämpft um jedes bisschen Kleingeld, nur um es dann im "Traktor" zu versaufen. Dort streitet man sich darüber, ob es früher besser war oder nicht, man diskutiert über Regenwurmexporte nach Japan und erörtert die Besitzerinnen unehelicher Embryos. Die Frauen zu Hause, die tun übrigens beinahe dasselbe...

Lungus Erzählstil hat mich von Anfang an gepackt. Er erzählt die Geschichte um lauter skurille Dorfbewohner auf eine so heitere Art, dass man einfach lachen muss. Man schüttelt den Kopf über die seltsamen Gedankenvorgänge mancher Leute, lächelt über die im Schlamm spielenden Kinder und leidet mit Ehefrauen, die von ihren Ehemännern geprügelt werden.

Jedoch muss hier unbedingt erwähnt werden, dass "Das Hühnerparadies", obwohl vom Inhalt her oftmals sehr erheiternd, keine leichte Lektüre ist. Absätze finden sich eher selten und Lungu benutzt einen wirren Erzählstil mit vielen Kommas, seine Sätze erfordern einiges an Aufmerksamkeit und Konzentration. Hinzu kommt, dass Lungu seine Charaktere erzählen lässt, wie man nun mal so redet, da geht eine Geschichte in die andere über, da wird einmal jener erwähnt und dann fällt einem diese Geschichte wieder ein - schlussendlich muss der Leser wieder einige Seiten zurückblättern, um den Faden der ursprünglichen Geschichte wieder aufzulesen.

Die Geschichten aus dem Dorf, Geschichten, wie sie sich auch im realen Leben zutragen, werden dadurch jedoch glaubhaft und real. Die Gedanken und Taten der Figuren sind nachvollziehbar und jeder, der weiss, wie es sich in einem Dorf lebt, wird die eine oder andere Begebenheit wiedererkennen.
Doch geht es im "Hühnerparadies" nicht nur um Dorfklatsch, sondern auch um ein durchaus reales Zeitbild. Rumänien ist ein Land, dessen Existenz bei uns eher in Vergessenheit gerät, und hier kommt ein Büchlein, das uns direkt nach Rumänien versetzt und uns erzählt, wie es damals war, damals, als der Kommunismus das Land verliess, eine dicke Schleimspur hinter sich herziehend, und alle hofften, dass es besser wird.

Hier möchte ich noch folgendes anmerken: Vor der Lektüre habe ich mich kurz über Ceaușescu und Rumänien informiert und dazu habe ich mir das rumänische Alphabet genauer angeschaut, um die Namen der vielen Charaktere richtig auszusprechen. Das Buch verfügt zwar über ein Glossar am Ende des Buches, jedoch ist ein bisschen Vorwissen über Rumäniens kommunistischen Führer sicherlich nützlich.

Fazit:

Mir hat Dan Lungus "Das Hühnerparadies" sehr gefallen, auch wegen seines besonderen Sprachstiles, der ein klein wenig an José Saramago erinnert, ohne jedoch derart zu überfordern. Die Dorfbewohner wuchsen mir rasch ans Herz, auch wenn es einige unsympathische Personen gibt. Für mich trifft das Wort "herzerwärmend" wunderbar auf dieses Buch zu.

Schwächere Leser werden mit dem Buch jedoch ihre Mühe haben, da die Geschichten oft ineinander fliessen und Sätze oft unterbrochen werden.

Wer sich für Rumänien interessiert, für den ist das Buch durchaus interessant, da das Leben der Rumänen in den 90ern thematisiert wird und die Geschichte auch einen historischen Hintergrund hat (auch wenn der oft in den Geschichten der Dorfbewohnern zum Tragen kommt).
Leser, die gerne Bücher lesen, die episodenartig erzählt sind, werden hier ihre tägliche Dosis "Buch-Tele-Novela" erhalten. Vor allem jedoch Leser, die selber aus einem Dorf stammen, werden bestimmt einige der Situationen in Lungus Dorf wiedererkennen.

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Rezension zu "Das Hühnerparadies" von Dan Lungu

Rezension zu "Das Hühnerparadies" von Dan Lungu
Ein LovelyBooks-Nutzervor 10 Jahren

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