Dan Simmons Die Feuer von Eden

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Inhaltsangabe zu „Die Feuer von Eden“ von Dan Simmons

Dan Simmons hat mit Hyperion und Göttin des Todes Genre-Meilensteine geschrieben. Zusammen mit Dean Koontz und Stephen King gehört er zum Dreigestirn des amerikanischen Horrors. Fires of Eden schrieb er, bevor er seinen Hyperion-Zyklus mit Endymion. Pforten der Zeit und Endymion. Auferstehung abschloß.
Die Feuer von Eden -- damit sind die mächtigsten und aktivsten Vulkane der Welt gemeint, die auf Hawaii, besonders Mauna Loa und der benachbarte Kilauea. 9670 Meter ragt der Mauna Loa vom Meeresboden des Pazifiks auf -- der höchste Berg der Welt. Ereignet sich in dieser Gegend ein Seebeben, verwüstet wenig später eine tsunami von ungeheurer Wucht die Küstenstriche.
In dieser von Elementarkräften der Natur beherrschten Welt hat sich bis in unsere Zeit eine vielfältige Mythologie erhalten. In ihr beherrscht die Göttin Pele die Kräfte des Vulkanfeuers und des Erdbebens. Sie hat zahlreiche Feinde, darunter Kamapua, der mit Sturm und Regen ihre Feuer zu ersticken versucht. Er erscheint seinen Opfern, deren Seelen er frißt, als riesiger Eber. Um die Gebete, um diese beiden Naturgottheiten zu beschwören, wissen nur noch die kahunas, die weisen Männer auf Hawaii. Doch wie sich herausstellt, gibt es auch noch die Schwesternschaft Peles, die im Verborgenen wirkt. Optimale Voraussetzungen für einen horrormäßigen Zombie-Roman.
Der amerikanische Milliardär Byron Trumbo hat drei Frauen und ein teures Hotel. Zwei der Frauen will er loswerden, zugleich mit dem Luxushotel, das auf Big Island, der größten Insel von Hawaii, liegt. Als er es baute, zog er sich den Zorn der Insulaner zu, weil in einer heiligen Gegend baute, gar nicht weit weg von Mauna Loa. Inzwischen häuft sich das mysteriöse Verschwinden von Hotelgästen. Als er einfliegt, um das Hotel samt riesigem Areal mit zwei Golfplätzen an Japaner zu verscherbeln und sich damit zu sanieren, sind bereits neue Opfer zu beklagen. Die Gäste werden unruhig. Kurz nach seinem Eintreffen finden sich auch seine drei Frauen ein: seine Ex, seine Ex-Geliebte und seine aktuelle Loverin, eine Minderjährige. Damit beginnt für Byron Trumbo eine Kette von mittleren bis größeren Katastrophen -- er bewältigt sie allerdings mit bewundernswerter Dickschädeligkeit. Trumbo ist ein richtiges New Yorker Arschloch, das seine Untergebenen opfert, wenn es ihm nur die eigene Haut rettet oder ihm einen Vorteil verschafft.
Dr. Eleanor Perry ist Doktor der Philosophie in Ohio. Sie stellt Nachforschungen auf der Insel an, die auf Informationen aus dem Tagebuch ihrer Ururururgroßtante Lorena Kidder beruhen, die im Jahr 1866 Big Island besuchte, zu einer Zeit, als Missionare versuchten, die Heiden zu bekehren und dabei manchmal Opfer von Pogromen der Einheimischen wurden. In Kidders Begleitung befand sich der junge Korrespondent Samuel Langhorne Clemens, besser bekannt unter seinem Schriftstellerpseudonym Mark Twain. Tante Kidders Tagebuch stellt eine parallel geschaltete Handlungsebene dar, die die unheimlichen Geschehnisse im Mauna Pele Hotel von Byron Trumbo auflockern, antizipieren und in ein neues Licht rücken. Tante Kidder steigt nämlich mit Mr. Clemens in die Unterwelt hinab, um eine vom Gott Kamapua geraubte Seele zurückzuholen.
Begleitet wird Eleanor bei ihren Forschungen ins Unheimliche von Cordie Stumpf, einer pummelig und weich erscheinenden Geschäftsfrau aus Illinois, die sich jedoch als ein gestandenes Weibsbild herausstellt, die ebenso mit ihrer spitzen Zunge wie mit ihrem 38er-Revolver umgehen kann. Und die am Schluß für eine ziemliche Überraschung gut ist. Eleanor hat Cordie das Tagebuch von Tante Kidder zu Lesen gegeben, und so weiß Cordie, womit sie es zu tun haben, als ihnen ein schwarzer Hund mit Menschen- statt Hundezähnen über den Weg läuft und als Cordie auf dem Wasser von einem Haifisch mit Menschenbeinen attackiert wird. Es sind Dämonen, die von Kamapua angeführt werden. Sie wurden von kahunas herbeibeschwört, die Trumbo vertreiben wollen. Das Tor zur Unterwelt ist geöffnet, und die kahunas können es nicht mehr schließen...
Ein Mitarbeiter Trumbos nach dem anderen wird ein Opfer der Dämonen. Krampfhaft versucht der Milliardär, nichts davon merken zu lassen, aber es nützt ihm nichts, als eines nachts auch einer der Japaner verschwindet. Nachdem auch Eleanor das Opfer von Kamapua geworden ist, wird er schließlich von Cordie gezwungen, mit ihr zusammen -- wie weiland Tante Kidder und Mark Twain -- in die Unterwelt zu steigen. -- Mehr soll nicht verraten werden.
Fazit: Die Feuer von Eden ist hochgradig spannender Lesestoff -- die letzten 50 Seiten sind einfach un-put-down-able! Die unheimliche Atmosphäre des Buches wird nicht vom Autor behauptet, sondern entsteht aus dem Zauber des Ortes, der in aller gebotenen Tiefe erklärten Mythologie und Kultur sowie durch die zeitliche Spanne zwischen 1866 und der Gegenwart der Erzählung. Was damals galt, gilt nun auch weiterhin -- und wer sich, wie Trumbo, diesen Gesetzen widersetzt, muß büßen. Da nützt auch Trumbo all seine Kaltschnäuzigkeit nichts, die ihn selbst in der Unterwelt zu einer frechen Antwort an Kamapua veranlaßt!
So erscheint das Geschehen ebenso plausibel wie spannend. Simmons zieht den Leser unmerklich tiefer in den Bann der Story. Doch nicht allein Horror ist darin das treibende Element, sondern auch die keimende Liebe zwischen Tante Kidder und Samuel Clemens, einem höchst gegensätzlichen Paar, das dennoch in einer Unternehmung des blanken Wahnsinns -- wer steigt schon freiwillig in die Welt der Toten und Dämonen? -- zueinander findet. Allerdings gibt sie ihm nicht das Ja-Wort, was zwar ein Jammer ist, aber verhindert, daß ihre Geschichte in einem kitschigen, aufgesetzten Happy End ihren Abschluß findet. (Mark Twain fand wenig später die Frau seines Lebens.)
Und am Schluß hat man etwas fürs Leben gelernt: Die Inseln von Hawaii gehören gewiß zu den magischsten Orten der Welt!
Empfehlung: uneingeschränkt lesenswert! --Michael Matzer
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  • Rezension zu "Die Feuer von Eden" von Dan Simmons

    Die Feuer von Eden

    thursdaynext

    27. February 2011 um 14:38

    Nachtschlafbeeinträchtigenden Horror sollte man sich von "Die Feuer von Eden" nicht versprechen. Dafür einen augenzwinkernden Ausflug in die hawaianische Mythen- u. Götterwelt. Sehr gut recherchiert . Mark Twain Fans werden die im 1900 Jhd. spielenden Ausschnitte aus "Tante Kidders" Reisetagebuch goutieren. Auch die Freunde der sandelholzduftenden ( versetzt mit Limburgergeruch) Tropen erwartet Lesegenuss pur. Mauna Loa und Kilauea sind in ihren Aktivitäten grandios beschrieben. Cordie Stumpf´s Wandlung zur Heldin begeistert ebenso wie der Charakter des unsymphatischen Milliardärsarschlochs Byron Trumbo, den man, während er sich bemüht liquide zu bleiben, als Held wider Willen fast schon zu mögen beginnt. Einzig Nell Perry bleibt etwas blass, was der Geschichte aber nicht schadet. Für mich nachvollziehbar, weshalb Stephen King zu Simmons meint er beneide ihn. Dan Simmons Stil ist stringent, ironisch subtil. Kein Horror, der einen in der Nacht ängstlich die Hand nach dem Mitschläfer ausstrecken und auf ungewohnte Gräusche lauschen lässt , aber beste Unterhaltung inklusive Wissensvermittlung und nach dem Lesen eine tiefe Sehnsucht nach Meer , Sonne und Strand. Aloha.

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