Drood

von Dan Simmons 
3,6 Sterne bei96 Bewertungen
Drood
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Positiv (55):
B

Was ist Wahn und was Wirklichkeit? Für Dickens-Interessierte sind auch die manchmal etwas langatmigeren Passagen ok.

Kritisch (22):
Amy_de_la_Soleils avatar

langatmig, man sollte schon an Dickens interessiert sein und ggf einige seiner Werke kennen / gelesen haben + abstrus (Mesmerismus, Drood)

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Inhaltsangabe zu "Drood"

Ein historisches Epos von einzigartiger erzählerischer Kraft
London im Jahr 1865: Bei einem dramatischen Eisenbahnunglück finden etliche Menschen den Tod. Unter den Überlebenden ist der bedeutendste Schriftsteller seiner Zeit: Charles Dickens. Doch nach diesem Ereignis ist Dickens nicht mehr derselbe. Wie besessen macht er sich auf die Suche nach einem mysteriösen Mann namens Drood. Aber wer oder was ist Drood wirklich? Und kann es sein, dass Charles Dickens in seinen letzten Lebensjahren zum kaltblütigen Mörder wird?

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783453408067
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:975 Seiten
Verlag:Heyne
Erscheinungsdatum:11.10.2010
Das aktuelle Hörbuch ist am 09.02.2009 bei Hachette Audio erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Buchgespensts avatar
    Buchgespenstvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Brillant!
    Komm, in Droods Reich!

    Im Jahr 1865 überlebt Charles Dickens ein dramatisches Eisenbahnunglück. Tief erschüttert berichtet er seinem Freund Wilkie Collins von diesem Ereignis. Voller Grauen schildert er einen vampirartigen, entsetzlichen Mann, den er bei den Sterbenden gesehen hat – ihnen die Seele aussaugend: Drood!

    Wilkie Collins weiß nicht, was er von der Geschichte halten soll, doch dann führt Dickens ihn in die Unterwelt Londons, Droods Reich und liefert ihn damit der mysteriösen, schauerlichen Gestalt aus. Für Collins beginnt ein Albtraum.

    Ein Meisterwerk! Der Leser wird sofort in das düstere Geschehen hineingezogen. Zusammen mit den Schriftstellern folgt er den Ahnungen in die düstersten und verkommensten Viertel Londons. Collins Laudanum-Träume, Dickens meisterhafte Labyrinthphantasien – Schritt für Schritt wird der Leser immer tiefer in die Schatten gezogen – bei denen er nicht weiß, ob sie Dickens perfiden Phantasien, Collins Drogenträumen oder doch der Wirklichkeit entsprechen. Atemlos und schaudernd wird er von Seite zu Seite gejagt, sodass der 900-Seiten-Wälzer zu einem einzigartigen Erlebnis wird.

    Auf keiner Seite zu lang, nie banal und exzellent lektoriert!!! Ich habe schon lange kein Buch mehr in Händen gehalten, das nicht einen Rechtschreib- oder Grammatikfehler enthält. Dazu eine Geschichte, die ihrem Sujet mehr als würdig ist. Stil und Szenerie erinnern an die Romane von Dickens und Collins. „Bleak House“ – mehrfach erwähnt – weist ein ähnliches, meisterhaftes Labyrinth an Handlungen und Verwicklungen auf und doch wird hier eine Geschichte erzählt, die absolut einzigartig ist! Fragmente und Emotionen erkenne ich aus Dickens und Collins wieder ohne sie hier als Plagiat oder nur Zitat beschreiben zu können. Zeile für Zeile, Buchstabe für Buchstabe schlingt sich das Grauen um den Leser, der genauso orientierungslos, hilflos, ausgeliefert ist wie Collins.

    Ein Spielball unbekannter Mächte, nahe am Wahnsinn, immer in der Hoffnung, dass auf den letzten Seiten endlich die Auflösung harrt.

    Nur ein Wort: Brillant!

    Klare Leseempfehlung für alle, die hochwertige, literarische Unterhaltung schätzen, Charles Dickens mögen und die Ungewissheit von Fantasy in einem Roman nicht verschmähen.

    Kommentare: 1
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    Kopf-Kinos avatar
    Kopf-Kinovor 3 Jahren
    Charles Dickens' letzte fünf Lebensjahre

    Nun, die wahre Geschichte, die ich zu erzählen anhebe, dreht sich um diesen meinen Freund – oder besser den Mann, der einmal mein Freund war – und um den Unfall in Staplehurst, der ihm den Seelenfrieden, die Gesundheit und, wie manche munkeln mögen, den Verstand raubte.

    London, 1865: Charles Dickens, Englands bedeutsamster Schriftsteller, entkommt nur knapp einer dramatischen Eisenbahnkatastrophe, die vielen Menschen mit dem Leben bezahlen. Nach der Bergung der Toten und Verletzten ist er nicht mehr derselbe: Wie besessen stürzt sich der Autor samt seines Kollegen Wilkie Collins wie besessen in die Suche nach Drood, einer mysteriösen Person. Aus Jägern jedoch werden allzu rasch Gejagte...

    Mit 'Drood' ist dem Autor Dan Simmons ein umfangreicher, knapp 1000 Seiten schwerer Wälzer voller Spannung gelungen! Der Roman, der an Komplexität nicht spart, ist ein wahrer Hybrid und hat so manches zu bieten: doppelte (!) Autoren-Biographie, Kriminalroman, Schauerliteratur, Abenteuerroman und historischer Roman. Als zentrale Themen sind – abgesehen von den umfangreichen biographischen Bezüge zu Charles Dickens und Wilkie Collins – östliche Mystik, Opium, Mord, Mesmerismus, Schriftstellerei und natürlich die schaurigen Gassen von London und dessen Unterwelt zu nennen.

    Der Erzähler ist kein anderer als Wilkie Collins, Dickens' Schreibkollege und sowohl langjähriger Freund als auch bitterster Rivale. Demnach ist die Sprache des Romans sehr elegant, kunstvoll gewählt und weist trotz (oder gerade wegen?) vieler Schachtelsätze eine flüssige Leserlichkeit auf, weswegen die Seiten nur so dahinflogen. Die Sprache des Romans ist wundervoll an die damalige Zeit angepasst. Jeder Seite war für mich ein Genuss, da der Autor diverse rhetorische Stilmittel zum besten gibt.

    Der Sonnenuntergang war nur ein verwischtes graues Postskriptum des tristen Tages.

    Der Roman ist von solch einer Fülle an Spannung, historischen Bezügen (bspw. die Franklin-Expedition), detaillierten Beschreibungen und interessanten Einblicke in das Leben der zwei Schriftsteller gespickt, dass ich befürchte, ich könnte wichtige Punkte vergessen zu benennen.

    Hier darf der Leser tief in die Schaffens- und Gedankenwelt der Protagonisten einsehen und so mancher Dickens-Fan (wie ich) wird über manchen Charakterzug des „Unnachahmlichen“ (Zitat: Collins) überrascht sein. Ganz nebenbei streut der Autor die literarischen Schriften in die eigentliche Handlung ein und verleiht den Schriftstellern ein würdiges Denkmal.

    Und nach einem Abend […] schrieb er mir: »Ich möchte vor mir selbst fliehen. Denn wenn ich auffahre und in mein schäbiges Gesicht starre, wie gerade eben, ist meine innere Leere unfassbar – unbeschreiblich – und mein Elend grenzenlos.«

    Der geneigte Leser wird hierbei direkt von Wilkie Collins angesprochen, was ihn somit zu einem direkten Verbündeten und Komplizen macht. Dieser jedoch muss sich in Acht nehmen: Collins ist seit Jahren dem Opiumkonsum verfallen und somit nicht immer ein glaubhafter Erzähler, der zwischen Realität und Rausch schwankt. Diese Grenzen gilt es zu erkennen und zu trennen. Das eigentliche Katz-und-Maus-Spiel erhält hier eine zweite Ebene.

    Im Leben wie im Schreiben war ich schon immer von einer anderen Identität besessen – von einem Doppelgänger, der gleich hinter den nebligen Grenzen der alltäglichen Wirklichkeit lauerte.

    Simmons findet stets phantastische und greifbare Bilder, die sich nachhaltig ins Bewusstsein drängen, um das Geschehen lebhaft heraufzubeschwören. Gerne bedient er sich ebenfalls der Kunst der Abschweifung und plaudert gerade dann, wenn es spannend wird, seitenlang über Dickens' und Collins' Bühnenstücke. Dies ist gewiss nicht jedermanns Sache – mir sagte dieser Kunstgriff sehr zu. Die Schilderungen der Umgebungen und damaligen Lebensumständen wirken sehr authentisch.

    So gruselig und schockierend auch manche Szenen sein mögen, ist hier und da ein feiner Humor zu erkennen, über den ich mich köstlich amüsieren konnte:

    »Wilkie, kennst du eigentlich Edgar Allan Poe?«

    »Nein. Ein Freund von dir, Charles?«, keuchte ich. »Ein Fachmann für Grüfte und Katakomben vielleicht?«

    Dickens lachte, und es hallte schaurig durch den steilen Steinschacht; ich hoffte sehr, dass er es nicht mehr tun würde. »Ein entschiedenes Nein auf deine erste Frage, mein lieber Wilkie«, erwiderte er. »Möglicherweise ein Ja auf die zweite Vermutung.«

    Nebst der spannenden Suche nach Drood lebt der Roman vor allem von der Beziehung der zwei Schriftsteller, die sich - von Konkurrenzdenken und Neid zerfressen - gegenseitig zu Höchstleistungen anspornen.. Dieser zweite Spannungsbogen gewinnt durch immer neue Aspekte und Wendungen schleichend, aber stetig wachsend an Dramatik.

    Ein Glossar sowie ein Personen- und ein Werkverzeichnis sind ebenfalls vorzufinden. Leider, leider sähe ich mich gezwungen, diesem tollen Buch einen halben Stern abzuziehen, da im Nachwort mit keiner Silbe erklärt wird, was Fiktion und Realität war, aber das Buch hat so viele Stärken, das ich ein Auge zudrücken werde. ;-)

    Jedem, der gerne Dickens liest, Interesse an Collins und Freude an Spannung hat, möchte ich dieses wunderbare Leseerlebnis ans Herz legen, um in eine andere entfernte Welt abtauchen zu können.

    […] die plötzliche Auflösung jeder Bedeutung in der Sprache, die uns alle nährt und stützt, ist der Alptraum jedes Schriftstellers.

    Kommentare: 11
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    Charleas avatar
    Charleavor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Unglaublich spannend!
    Unglaublich spannend!

    Ich stimme vielen meiner Vorredner uneingeschränkt zu - dieses Buch ist vielleicht nicht unbedingt für jeden das Richtige, da ich mir vorstellen kann, dass man, wenn man nicht ein Stück an Charles Dickens und Wilkie Collins interessiert ist, deutliche Längen spüren wird - für mich war das Buch perfekt.
    Ich wollte immer schon mal ein Buch von Dan Simmons lesen, habe aber stets die Befürchtung gehabt, das er mir zu ...nun ja... gruselig schreibt. Drood hat eindeutige Gruselmomente, aber die sind in einen historisch anmutenden Roman gefangen, so dass ich sie als absolut erträglich empfand und das Buch die kompletten 960 Seiten hindurch verschlungen habe.
    Simmons hat wirklich eine unglaublich bildliche Sprache und schaffte es somit bei mir, dass ich nicht ein einziges Mal das Gefühl einer "Länge" im Buch bemerkte.

    Natürlich möchte ich jetzt noch weitere Bücher von ihm lesen.

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    marion_galluss avatar
    marion_gallusvor 4 Jahren
    Wieder einmal ein absolut empfehlenswerter historischer Roman von Dan Simmons

    Am 09. Juni 1865 rast der Tidal Train auf eine Baustelle zu, die Gleise wurden teilweise zur Reparatur entfernt, und es kommt unweigerlich zum Unglück. Der Zug entgleist und stürzt von der Eisenbahnbrücke in die Tiefe. Einzig ein Erster-Klasse-Wagon bleibt halb in den Gleisen hängen. In diesem Waggon sitzt niemand anderer als der damals schon sehr berühmte und angesehene Schriftsteller Charles Dickens. In seiner Begleitung die junge Schauspielerin Ellen Ternan und ihre Mutter. Mit der jungen Frau pflegt der berühmte Autor ein heimliches Verhältnis.

    Charles Dickens klettert sogleich aus dem verunfallten Waggon und versucht, verletzte Passagiere zu retten und erste Hilfe zu leisten. Am Unglücksort trifft er auf einen äußerst mysteriösen Mann, der eine schwarzen Umhang und einen recht altmodischen Zylinder trägt. Das Gesicht des Mannes (?) ist auf unheimliche Weise entstellt: Die Nase fehlt fast gänzlich, die Augen sind lidlos und die Zähne eher spitze Dornen. Dickens unterhält sich während der Bergungsarbeiten mit dem seltsamen Mann, versucht zu erfahren wer er ist, wo er herkommt und wohin er reisen wollte. Der Mann stellt sich Dickens schlicht und einfach als DROOD vor und verschwindet auf genauso unheimliche Weise urplötzlich, wie er aufgetaucht ist. Er löst sich quasi in Luft auf. Dickens ist fest davon überzeugt, dass dieser DROOD kein Mensch, sondern der Tod in personifizierter Form ist.

    Dieses Zugunglück verändert Charles Dickens auf drastische Weise. Hat er nicht nur fortan panische Ängste vor Zugfahrten und anderen Fortbewegungsmitteln, so ist er auch besessen davon, dieses unheimliche Wesen DROOD aufzuspüren. Dickens setzt alles daran DROOD zu finden, dazu begibt er sich in die dunkelsten Ecken der Stadt London, steigt sogar hinab in die düstere und sehr gefährliche Unterwelt der Stadt.

    Immer mit an seiner Seite ist Wilkie Collins, Dickens’ Kollege, Mitarbeiter, Ko-Autor, guter Freund und Rivale. Collins ist überzeugt davon, dass das Zugunglück seinen Freund Charles Dickens in den Wahnsinn getrieben hat. Er begleitet ihn dennoch auf seiner unerbittlichen Suche in die Unterstadt und muss feststellen, dass Dickens, der lebensfrohe, lustige und immer angenehme Mann anscheinend auch über eine dunkle Seite verfügt ….

    ***

    Nach “Terror” ist dies der zweite historische Roman von Dan Simmons, den ich gelesen habe. Da mich “Terror” sehr begeistert hat, hatte ich entsprechende Erwartungen an diesen Roman. Die knapp 1000 Seiten konnten mich nicht im geringsten abschrecken, denn ich fühle mich in langen, ausführlichen Handlungen, die fesseln, sehr wohl. Bei “Terror” ist seinerzeit im Grunde nicht viel passiert, gab es doch nur Schnee, Eis, Kälte und Tod. Und dennoch geschah so vieles.

    DROOD ist von der Handlung nicht mit “Terror” vergleichbar. Vom Schreibstil und der guten, zeitpunktgenauen und sehr biographischen Recherche wiederum doch. Dan Simmons versteht es, so geschickt wahre Begebenheiten mit seiner fiktionalen Handlung so geschickt zu verweben, dass man als Leser glaubt, es hat sich alles genauso abgespielt.

    In dem vorliegenden Roman ist der Erzähler der oben erwähnte Schriftsteller Wilkie Collins. Über Jahrzehnte war er nicht nur ein enger Freund Charles Dickens und seiner Familie, er war ebenso sein Partner, Mitarbeiter und auch ewiger Rivale. Die Art, wie Simmons den Autor Wilkie Collins die Geschichte erzählen lässt, hat mich total in den Bann gezogen. Der Stil ist sprachlich der damaligen Zeit so perfekt angepasst, dass ich das Gefühl hatte, genau in dieser Epoche dabei zu sein und gemeinsam mit den Figuren durch die Londoner Unterstadt zu wandeln oder durch den Garten von Charles Dickens’ Anwesen.

    Bereits in “Terror” hat mich Dan Simmons dazu verleitet, mich über die Geschehnisse und die Personen der damaligen Expedition schlau zu machen. Genauso war es hier wieder. Nach einigen Seiten nahm ich zunächst einen Roman von Charles Dickens aus dem Regal, um mir die Illustrationen und den Schreibstil anzusehen. Danach griff ich zu den Romanen von Wilkie Collins in unserer Bibliothek. Beim Blättern in “Die Frau in Weiß” sprangen mir zuerst die Worte “Sie, geneigter Leser” ins Auge. Eindeutig Wilkie Collins Worte, die Dan Simmons geschrieben hat. Ich hatte während der gesamten Geschichte nie das Gefühl, ich lese einen Roman von Dan Simmons. Ich glaubte tatsächlich die Aufzeichnung von Wilkie Collins zu lesen.

    Die Story wird zwischenzeitlich ein wenig abgedreht, driftet ab in spirituelle Welten und Gedanken, verwirrt auch daher ab und an einmal. Das ist sicherlich Geschmackssache. Natürlich gehörte dies zur Handlung und es war auch sehr gut aufgebaut. Mich persönlich hat aber die seltsame Geschichte um DROOD nicht so sehr gefesselt, wie das Mit- und Gegeneinander von Wilkie Collins und Charles Dickens. Ich habe diese beiden Schriftsteller innerhalb dieser knapp 1000 Seiten so gut kennengelernt, dass mich die weiteren Ereignisse um diese beiden sehr viel mehr interessiert haben. Schließlich bekam ich in dem Roman auch genaue Biographien über beide Männer geliefert.

    Ich werde auf jeden Fall in der nächsten Zeit einen Roman von Wilkie Collins lesen, denn er ist mir noch viel mehr als Charles Dickens ans Herz gewachsen. Als “Erfinder” der Kriminal- und Thrillergeschichten war er seinerzeit gar nicht so gefeiert, wie es Dickens mit seiner Schreibe war. Aber gerade diese Dinge, die ich gelernt habe, machen mich mehr als neugierig.

    Mein Fazit: Wieder einmal ein absolut empfehlenswerter historischer Roman von Dan Simmons. Er schafft es wirklich meisterhaft, wahre historische Begebenheit mit realen Personen in einer erdachten Handlung zu verknüpfen, so dass der Leser ihm die Geschichte als absolut real und glaubhaft abnimmt. Leser, die sich in langen, ausführlichen und sehr umfangreichen Handlungen nicht so zu Hause fühlen, werden über etwaige Längen schimpfen. Leser hingegen, die sich gerne in diesen Romanen fallen lassen, werden ihr pures Vergnügen haben!

    P.S. Ich habe nicht die o.g. Taschenbuchausgabe, sondern den gebundenen Roman gelesen. Im hinteren Teil gibt es ein Werkeverzeichnis der beiden Autoren sowie eine Aufstellung der mitwirkenden Personen.

    Was mir sehr gefallen hat: Im inneren vorderen Buchdeckel gibt es Bilder, Zeitungsausschnitte, etc. über Charles Dicken, zwischen den hinteren Buchdeckeln das Gleiche mit Wilkie Collins. Ich glaube nicht, dass die Taschenbuchausgabe diese schönen Bilderseiten hat.


    © Buchwelten 2015

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 6 Jahren
    Rezension zu "Drood" von Dan Simmons

    Hervorragend! "Drood" ist ein Roman, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts spielt. Mit einer für mich sehr ansprechenden Sprache beschreibt der Autor in der Form des Ich-Erzählers Wilkie Collins - die letzten Jahre des Schriftstellers Charles Dickens. Dieser begegnet bei einem Zugunglück einer rätselhaften und furchterregenden Gestalt namens "Drood". Erst später macht sich Charles Dickens auf, diesen geheimnisvollen Drood zu finden. Die Suche führt ihn u.a. in die Unterwelt Londons, an dessen Ende nicht abschließend geklärt wird, ob es Drood wirklich gibt. Seine Existenz könnte auch mit dem exzessiven Opiumkonsum des Erzählers zusammenhängen.
    Neben dieser Geschichte wird sehr viel über das Leben Charles Dickens, seine Werke und die Rivalität zwischen Collins und Dickens, die ebenso wie die bestehende Freundschaft seinen Platz sucht, erzählt.
    Unbedingt lesenswert!

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    BlueNas avatar
    BlueNavor 6 Jahren
    Rezension zu "Drood" von Dan Simmons

    Der Unnachahmliche
    .
    Charles Dickens wird in einen Unfall verwickelt, an dem ein Zug und eine Eisenbahnbrücke beteiligt waren. Der Zug stürzt fast gänzlich in den Abgrund, nur die zwei vordersten Waggons der ersten Klasse und die Lok bleiben oben. Im zweiten Wagen sitzt Dickens, rettet sich und seine beiden Begleiterinnen, um dann den Verletzten unten im Fluss zu helfen. Hier nimmt das Unglück seinen Lauf: Charles Dickens trifft zum ersten Mal auf Drood, einem Wesen, dem etwas Geisterhaftes anhaftete. Seit dem Zugunglück hat Dickens gesundheitliche Probleme und Angstzustände, wenn er einen Zug besteigen musste. Wilkie Collins, einer von Dickens engsten Freunden, Kollegen und Weggefährten findet Dickens Verhalten höchst sonderbar, zusammen begeben sie sich auf die Suche nach Drood in die Londoner Unterstadt…
    .
    Puh, wenn man diesen dicken Schinken zuschlägt, weiß man wirklich, was man geschafft hat! Denn wirklich leicht und flüssig ließ sich „Drood“ meines Erachtens nicht lesen. Das Buch vereint zwar Mystery-Elemente, wenn es um den geheimnisvollen Drood geht, und die Biographie der letztens Lebensjahre von Charles Dickens, sowie ein Portrait der Londoner Upperclass Mitte des 19. Jahrhunderts, doch war mir meistens der Schreibstil zu schwerfällig, oder die Story kam nicht richtig vom Fleck und verzettelte sich in Nichtigkeiten. Die Schilderung der Londoner Viertel wie Whitechapel war total interessant und spannend, aber auch abstoßend zugleich. Ich glaube, man kann sich heute kaum mehr vorstellen, wie es damals in diesen „Slums“ direkt an der Themse zugegangen sein muss. Auch wenn es um Drood selbst ging, wurde die Handlung rasanter und spannender, um sich dann wieder in den endlosen Jammertiraden von Wilkie Collins zu verlieren.
    .
    Dies ist auch einer meiner größten Kritikpunkte was den Stil angeht. Die Handlung wird aus Wilkie Collins‘ Sicht geschildert. Er bedient sich einer recht altertümlichen Sprachweise, wie sie 1965 wohl gebraucht wurde, oder so ähnlich zumindest. Dies passt auch gut zur Geschichte, aber leider verliert sich der Ich-Erzähler Collins oft in Selbstmitleid, Gejammer, wie schlecht es doch um seine Gesundheit bestellt ist und vor allem in seinem Neid auf Charles Dickens, den ungleich erfolgreicheren Autor. Zu jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit trinkt Collins Becherweise Laudanum und betäubt sich bald noch dazu mit reinem Opium in einer Opiumhöhle. Ich hab mich oft gefragt, wie ein solch drogensüchtiger Charakter überhaupt noch zwei anständige Sätze aufs Papier bringen kann. Zurück zum Schreibstil: Richtige Spannung kommt nur sehr selten auf und somit ziehen sich die knapp 1.000 Seiten stellenweise wie Kaugummi. Wer also einen spannungsgeladen Actionkracher sucht, ist hier fehl am Platze.
    .
    Die Charaktere sind alle ziemlich seltsam. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass die meisten von ihnen Männer und auch noch „Künstler“ sind, auf jeden Fall sind die meisten von ihnen ziemlich abgehoben. Allen voran natürlich Charles Dickens, dicht gefolgt von Wilkie Collins und einem komischen Schauspieler namens Fechter, der Dickens zu Weihnachten ein Schweizer Chalet schenkt, dass dann gegenüber von Dickens Landsitz aufgebaut wird. Ach ja, und eine Unterführung unter der, von Kutschen und Ponywägen vielbefahrenen Straße, wird auch gleich noch gegraben. Dickens ist außerdem ein riesen Fan des Mesmerismus (Heilmagnetismus). Schon allein das ist aus heutiger Sicht total gaga. Über Wilkie Collins habe ich oben ja schon ein paar Dinge erzählt, das sollt erst mal reichen.
    .
    Die Gestaltung des Schutzumschlags finde ich allerdings ziemlich gut gewählt. Sie ist düster, wie man sich eine dunkle, nebelverhangene Nacht im verruchten Londoner Viertel Whitechapel vorstellt. Die geheimnisvolle Gestalt in der Mitte soll Drood darstellen und ist auch sehr gut getroffen. Ein Lesebändchen ist auch Bestandteil der Ausstattung des Hardcovers, welches jedoch ein wenig kurz geraten ist und immer im Buch zu verschwinden droht.
    .
    Fazit: „Drood“ von Dan Simmons ist wahrlich dein dicker Schinken und keine leichte Kost für Zwischendurch. Ich habe oftmals gekämpft, aber mich hat die Geschichte doch soweit begeistern können, dass ich bis zum Schluss durchgehalten habe. Für die Idee und die düstere Stimmung, ebenso für die detaillierte und interessante Einsicht in die letzten Lebensjahre eines berühmten britischen Autors kann ich drei von fünf Sternen vergeben.

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    Sonoriss avatar
    Sonorisvor 6 Jahren
    Rezension zu "Drood" von Dan Simmons

    Vor recht kurzer Zeit habe ich von Dan Simmons sein in Deutschland zuletzt erschienenes sehr umfangreiches Werk "Terror" über Franklins Expedition zur Nordwestpassage gelesen. Dieses Buch hatte mich zu Anfang recht begeistert und auch gefesselt, trotz, dass es mich thematisch, abgesehen von der Zeit, in der es spielte, nicht besonders interessierte. Während des weiteren Lesens jedoch wurde es für mich durch die vielen Beschreibungen recht zäh. Ich las weiter in der Hoffnung, dass die Geschichte noch interessanter und spannender werden würde. Dies sollte sich nur teilweise erfüllen (siehe Rezension zu Dan Simmons` "Terror")

    Bei dem hier nun vorliegenden Werk "Drood" sollte es laut Klappentext um Charles Dickens und sein letztes unvollendetes Buch "The Mystery of Edwin Drood" gehen. Des weiteren ergab das Lesen der ersten Seite, dass der Erzähler dieser Geschichte Wilkie Collins, ein weiterer recht erfolgreicher Schriftsteller aus dem 19. Jahrhundert, sein soll. Diese Tatsache versprach mir, trotz des zuletzt von mir gelesenen Romans "Terror", dass mir mit "Drood" ein sehr interessantes und reizvolles Lesevergnügen vor mir liegt. Dennoch befürchtete ich aufgrund des Romans "Terror" und der ähnlich hohen Anzahl von Seiten (knapp 1000) auch viele, vielleicht zu viele ausführliche Beschreibungen, die der Geschichte die notwendige Spannung und das Unterhaltsame nehmen würde. Dies ist nicht geschehen ...

    Charles Dickens, der im 19. Jahrhundert wohl bekannteste Schriftsteller Englands, ist, neben dem Erzähler, der weniger bekannte Schriftsteller Wilkie Collins, die Hauptfigur dieses Romans. Sehr umfassend beschreibt Dan Simmons die letzten Jahre Dickens` nach dem fiktiven (?) Eisenbahnunglück von 1865, das einen großen Einfluss auf sein und seines Freundes, Wilkie Collins, Leben hat. Für die Veränderungen, die die beiden danach erlebten, war, laut Klappentext, "Edwin Drood" verantwortlich, die Hauptperson des von Charles Dickens letzten, unvollendeten Romans.

    "Drood" ist ein sehr komplexer Roman, was den Inhalt, die Stilmittel und den Aufbau der Geschichte betreffen. Die hohe Komplexität bezüglich der verwandten Stilmittel - neben Abenteuer-, Krimi- und mythologische Aspekte weist er einen hohen Anteil an Beziehungs- und Liebesdramen sowie an mythologischen Anteilen auf - bieten eine hohe Vielfalt an Themen und spannungserzeugenden Mitteln. So vermochte es Dan Simmons viele Bereiche aus Dickens und Collins Leben mit den unterschiedlichsten Ereignissen farbenfroh auszumalen und darzustellen.

    Diese hohe Vielfalt erschwert aber auch zugleich den Inhalt kurz auf einen Aspekt reduziert wiederzugeben. Man könnte dies versuchen, in dem man den Roman bspw. als ein Beziehungsdrama bezeichnete, da es um die intensive Freundschaft von Charles Dickens und Wilkie Collins und ebenso um deren Liebschaften geht. Ebenso könnte festgehalten werden, da es doch hauptsächlich um die Erscheinung "Drood" oder die ein oder andere weitere geheimnisvolle Erscheinung geht, dass dies eher ein unheimlicher Roman wäre. Andererseits könnte behauptet werden, dass die versuchte Aufklärung von Morden und die damit zusammenhängende Suche nach Drood eher einem Thriller bzw. Krimi ähnelte. Dies könnte man so fortsetzen, würde aber zu nichts führen, da jeder einzelne Handlungsstrang in etwa zum gleichen Anteil zum Tragen kommt, und darüber hinaus würde es allerdings auch dem Roman in keinster Weise gerecht werden.

    Dan Simmons ist es meisterhaft gelungen, die unterschiedlichen Handlungsstränge und Ereignisse um Drood herum mit der faszinierenden Beziehung Wilkie Collins zu Charles Dickens zu verknüpfen, unheimliche Elemente und mythologische Aspekte einzubauen und zudem gar einige wichtige Romane aus deren Feder dazu in Bezug zu setzen und diese zu beleuchten.

    Somit war für mich nicht nur die Tatsache, etwas über Dickens unvollendetem Buch "The Mystery of Edwin Drood" und speziell etwas über Edwin Drood zu erfahren, äußerst reizvoll dieses Buch zu lesen. Sondern es waren besonders die mitlaufenden Handlungen wie bspw. das Verhältnis Wilkie Collins zu Charles Dickens und seine Meinung über ihn und seinen Werken, die mich zu begeistern wussten.

    Insgesamt habe ich mit "Drood" einen wundervollen Roman lesen dürfen, der mich über knapp 1000 Seiten hinweg mit hohem Einfallsreichtum, Humor und Geist spannend unterhalten hat. So kann ich es kaum abwarten ein weiteres Werk von Dan Simmons, vielleicht abermals im 19. Jahrhundert spielend, zu lesen.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Jahren
    Rezension zu "Drood" von Dan Simmons

    Dan Simmons will viel und er erreicht wenig. Vielleicht will er einfach zu viel. Da ist die Hauptfigur Charles Dickens, die natürlich in all ihren Facetten ausgeleuchtet wird, auch wenn es unbedeutend bleibt. Da ist das modrige London dieser Zeit, das einem wie eine Kloake vorkommt. Dann die geheimnisvolle Gestalt des Drood, der nie so ganz Form annimmt. Es soll ein schauriger Roman werden und treibt einem doch bloß die Langeweile in die Augen. Schade!

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    tedescas avatar
    tedescavor 7 Jahren
    Rezension zu "Drood" von Dan Simmons

    Wer sich hier einen Horrorroman im alten Stil von Dan Simmons erwartet, wird enttäuscht sein, denn er hält mit "Drood" im Grunde eine Biografie der beiden Autoren Wilkie Collins und Charles Dickens in der Hand. Natürlich konnte Simmons es nicht lassen, etliche ausgesprochen gruselige Elemente einzufügen, und wer würde sich dafür besser eignen als die geheimnisvolle Figur aus Dickens' unvollendetem Roman "Das Geheimnis des Edwin Drood"?

    Der Ich-Erzähler Wilkie Collins beschreibt minutiös sein gespaltenes Verhältnis zum "Unnachahmlichen", wie sich Dickens gerne selbst bezeichnet hat. Tiefe Freundschaft und Bewunderung prägen diese Beziehung, aber auch Neid und Eifersucht auf die Anerkennung und den Erfolg von Dickens, an den Collins nie anknüpfen konnte.

    Historische Fakten, literarische Details und Fantasie prägen diesen Roman. Simmons führt uns auf den Spuren des geheimnisvollen Mr. Drood in die finstersten Ecken von London, in Opiumhöhlen, mystische Tempel und unterirdische Städte. Getrieben von seiner Sucht nach der Droge erliegt Collins den unterschiedlichstenn Wahnvorstellungen und verbeisst sich immer mehr in das Geheimnis, das Dickens seiner Meinung nach vor ihm verbirgt. Drood wird für ihn zu einer fixen Vorstellung, genauso wie die grausige Figur auf der Hintertreppe seines Hauses oder "der zweite Wilkie", sein imaginärer Doppelgänger, der mit der Zeit immer realer wird.

    Für Liebhaber englischer Literatur ist dieses Buch ein echtes Schmankerl. Ich würde allerdings allen empfehlen, vorher Collins' "The Woman in White" (Die Frau in Weiß) und "The Moonstone" (Der Monddiamant) zu lesen (beide hab ich hier schon vorgestellt), weil Simmons sich immer wieder auf diese Werke bezieht und auch ihre Auflösung kommentiert. Ganz abgesehen davon, dass Collins als der Urvater des Krimis angesehen werden kann und sich wunder bar liest!

    "Drood" gibt es als Hörbuch gekürzt auf CD oder ungekürzt - und das würde ich in diesem Fall auf jeden Fall empfehlen - exklusiv bei audible.de. Detlef Bierstedt liest unglaublich gut, sodass einem das Zuhören keine Sekunde langweilig wird.

    Ein 100%iger Lese- und Hörbuchtipp für alle Fans der beiden Autoren, die sich an ein paar durchaus passenden Horrorelementen nicht stören.

    Und wer dann von Drood noch nicht genug hat, dem empfehle ich "Die Wahrheit im Fall D." von Fruttero und Lucentini, ebenfalls ein hervorragendes spannendes Werk zu diesem unvollendeten Werk Charles Dickens'.

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    Twinbees avatar
    Twinbeevor 7 Jahren
    Rezension zu "Drood" von Dan Simmons

    "Der geneigte Leser aus der Zukunft fühlt sich leider nicht mesmerisiert...". Ich war drauf und dran, das Buch beiseite zu legen, hab mich aber dann doch durchgekämpft bis zum Ende. Hat mich Simmons "Terror" noch über die gesamte Länge gefesselt, fühlte ich mich hier eher gebunden, es bis zum Ende durchzustehen. Was hat mich gehalten? Ich denke letztlich die Sprache, und der Wunsch, dann doch zu erfahren, was hinter Drood steckt. Aber auch das Ende war für mich, und den Protagonisten, eher... "unbegreiflich". Da greift der geneigte Leser aus der Gegenwart doch lieber zu was anderem von Simmons...

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Evans avatar
    Hallo zusammen!

    Hier gibt es leider keine Bücher zu gewinnen ;)

    Ab dem 01.11.15 wollen wir uns gemeinsam an dem Walzer Drood von Dan Simmons herranwagen, jeder der mitmachen will, ist herzlich willkommen!

    Viel Spass !
    Zur Leserunde

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