Danbi

 4,3 Sterne bei 33 Bewertungen
Autor*in von No Love Zone 01, No Love Zone 02 und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Danbi

Cover des Buches No Love Zone 01 (ISBN: 9783910530645)

No Love Zone 01

(11)
Erschienen am 13.11.2023
Cover des Buches No Love Zone 02 (ISBN: 9783910530652)

No Love Zone 02

(7)
Erschienen am 15.01.2024
Cover des Buches No Love Zone 03 (ISBN: 9783910530669)

No Love Zone 03

(5)
Erschienen am 11.03.2024
Cover des Buches No Love Zone 04 (ISBN: 9783910530676)

No Love Zone 04

(3)
Erschienen am 13.05.2024
Cover des Buches No Love Zone 05 - Die Legende vom Hasen (ISBN: 9783910530683)

No Love Zone 05 - Die Legende vom Hasen

(3)
Erschienen am 15.07.2024
Cover des Buches No Love Zone Vol. 1 (ISBN: 9798888431269)

No Love Zone Vol. 1

(1)
Erschienen am 06.08.2024
Cover des Buches No Love Zone Vol. 2 (ISBN: 9798891602601)

No Love Zone Vol. 2

(1)
Erschienen am 10.12.2024
Cover des Buches No Love Zone Vol. 3 (ISBN: 9798891602618)

No Love Zone Vol. 3

(1)
Erschienen am 08.04.2025

Neue Rezensionen zu Danbi

Cover des Buches No Love Zone Vol. 4 (ISBN: 9798893730258)
G

Rezension zu "No Love Zone Vol. 4" von Danbi

Gusti_Daimchen
„Bleib doch … geh nicht … ich weiß, dass ich mitleiderregend bin“

Band 4 der englischen Printausgabe von No Love Zone (NLZ) umfasst die Kapitel 51 bis 64. Die Geschichte endet mit Kapitel 64. Band 5 (Kap. 65 bis 78) enthält die side story. Er bleibt hier bei meiner abschließenden Bewertung des Comics unberücksichtigt.

NLZ hat sich für mich als riesengroße Enttäuschung erwiesen. Die Geschichte ist unausgegoren und klischeeüberladen, die Beziehungsdynamik zwischen den beiden Protagonisten Eunkyum und Jihyuk ist problematisch und zutiefst irritierend. Es klingt hart, aber ich sage es frei heraus: Ich bin der Meinung, dass der Comic eine Veröffentlichung in Printform nicht verdient hat. Hier bei LB und anderswo hat NLZ viele positive und sogar überschwängliche Besprechungen erhalten, die ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Auf der künstlerischen Ebene durchaus reizvoll, ist der Comic auf der inhaltlichen Ebene aus meiner Sicht komplett missglückt. Das Storytelling scheint die große Schwäche der Künstlerin-Autorin Danbi zu sein. 

Meine Gesamtwertung für NLZ: 2,5 von 5 Sternen. 

Bevor ich auf Band 4 eingehe, hier einige allgemeine Kritikpunkte, die sich auf die gesamte Geschichte beziehen:

+ Keine interessanten Nebenfiguren. Die Kolleginnen und Kollegen von Eunkyum und Jihyuk, die Angehörigen und Freunde von Eunkyum sind nur Staffage. Die Zwillinge, Eunkyums jüngere Geschwister, sind niedlich, haben jedoch eine rein dekorative Funktion.

+ Kein spannender Plot-Twist. Die Geschichte plätschert von Anfang bis Ende seicht, vorhersehbar und spannungsarm dahin.

+ Dreimal landen Eunkyum und Jihyuk miteinander im Bett, weil einer von beiden angetrunken ist und sich nicht wehren kann. Dreimal!!!

+ Es wird nicht geklärt, wie Jihyuk, der als Abteilungsleiter arbeitet, seinen geradezu fürstlichen Lebensstil und sein riesiges Luxus-Apartment finanziert (siehe dazu meine Rezension zu Band 3).

Die Geschichte wird in Band 4 zügig und ohne viel Aufwand zu Ende geführt. Der läppische Konflikt zwischen Eunkyum und Manager Park (siehe Bände 2 und 3) löst sich binnen Minuten in Wohlgefallen auf. Jihyuk blickt dem Manager einmal von oben drohend in die Augen; danach ist Park handzahm. Eunkyum wird kurzzeitig von seinem Ex-Boyfriend verfolgt, jenem Mann, der ihm Frau und Kind verschwiegen hat (siehe Band 1). Die Künstlerin-Autorin macht sich nicht die Mühe, dem Ex einen Namen zu geben. Jihyuk verabreicht eine saftige Maulschelle; danach ist auch der Namenlose handzahm, und er zahlt sogar seine Schulden bei Eunkyum zurück. Von diesem Punkt aus ist es nur noch ein kleiner Schritt zum (unausweichlichen) Happy End. Eunkyum gibt seine Wohnung auf und zieht in Jihyuks Luxus-Apartment. Am Arbeitsplatz halten die beiden Männer ihre Beziehung weiterhin geheim. Eunkyum weiht nur seine Freunde ein. Jihyuk bleibt bis zum Schluss ein Mann ohne jeden Anhang (z.B. Eltern, Freunde). Sowohl einzeln für sich genommen wie auch als Paar sind mir die Protagonisten vollkommen unsympathisch. Bei der Figurencharakterisierung benutzt die Künstlerin-Autorin hemmungslos jedes abgedroschene Klischee des BL-Genres.

Jihyuk verkörpert den Typ des dominanten „Herrn und Gebieters“, der von seinem Partner vor allem eines erwartet: Fügsamkeit. Er nutzt seine massive körperliche Überlegenheit rücksichtslos aus, um sich an Eunkyum gütlich zu tun. Als Liebhaber ist Jihyuk gierig, unersättlich, erbarmungslos. „Zustimmung“ ist ein Fremdwort für ihn. Im Abschlussband zeigt sich Jihyuk von seiner schlechtesten und gruseligsten Seite. Er ist argwöhnisch, misstrauisch, besitzergreifend, kontrollsüchtig; er schnüffelt Eunkyum hinterher, lässt von irgendwelchen Handlangern Eunkyums Leben durchleuchten. In letzter Minute kann Jihyuk verhindern, dass Eunkyum vor seinem Wohnhaus von seinem Ex-Boyfriend geschlagen wird. Anstatt zu erklären, warum er Eunkyum heimlich gefolgt ist, spielt sich Jihyuk herrisch als Retter in der Not auf: „Was wäre wohl passiert, wenn ich dir nicht gefolgt wäre?“ (S. 132). Der verdutzte Eunkyum erfährt, dass Jihyuk längst von der Existenz des Ex-Partners wusste. Jihyuk ereifert sich: „Bist du überrascht, dass ich etwas weiß, was du mir nicht gesagt hast? Da du mir nichts erzählst hast, musste ich aktiv werden und die Dinge selbst herausfinden“ (S. 122). Jihyuk strebt nach totaler Kontrolle. Er ordnet an, dass sich Eunkyum in Zukunft nur noch auf ihn allein stützen und verlassen soll (S. 180). Der Gedanke, dass Eunkyum privat auch mit anderen Menschen Umgang hat, macht Jihyuk schier rasend: „Was soll ich nur mit dir machen? All die Wanzen [bugs] schwärmen weiter um dich herum. Ich möchte dich am liebsten noch weniger nach draußen lassen“ (S. 160). Besonders heftige Abneigung verspürt Jihyuk gegenüber Haejun, der schon zu Schulzeiten eng mit Eunkyum befreundet war. Als Haejun zum Ausklang der Geschichte beim Ausräumen von Eunkyums Wohnung hilft, ist Jihyuk vor Eifersucht auf den vermeintlichen Nebenbuhler so aufgebracht, dass Eunkyum ihn besänftigen muss. Während der Fahrt zu Jihyuks Apartment kommen die beiden Männer an ihrer alten Schule vorbei. Sie schlendern über den Hof, tauschen Erinnerungen aus. Jihyuk lässt die Katze aus dem Sack: „Ich habe dich immer beobachtet“ (S. 243). Es kommt noch schlimmer. In seiner Besessenheit kennt Jihyuk keine Hemmungen mehr. Nach der Ankunft in seinem Apartment äußert er einen besonderen Wunsch: Beim nächsten Liebesspiel sollen er und Eunkyum die alten Schuluniformen tragen (S. 252). 

Eunkyum wiederum verkörpert den Typ des „hilflosen, schutzbedürftigen Hascherls“. Er ist unrettbar töricht und verpeilt, ist privat und beruflich permanent überfordert. Sein Hauptfehler besteht darin, dass er den Männern, mit denen er sich einlässt, keine Fragen stellt. Über Monate hinweg hat Eunkyum nicht mitbekommen, dass sein Ex-Boyfriend verheiratet ist und ein Kind hat. Die Treffen müssen aus naheliegendem Grund sämtlich in Eunkyums Wohnung stattgefunden haben. Das hätte Eunkyum stutzig machen müssen. Auch Jihyuk wird nicht mit Fragen behelligt: Hast du Freunde? Hattest du Beziehungen seit dem Ende unserer Schulzeit? Wie kannst du dir dein riesiges Apartment und deine Sammlung teurer Uhren leisten? In Jihyuks machtvoll zupackenden Händen durchläuft Eunkyum einen Prozess der Infantilisierung. Auch in diesem Band trägt er wieder himmelblaue Kleidung (S. 52-61). Er lässt sich bereitwillig schelten und maßregeln wie ein kleines Kind. Nach dem Vorfall mit seinem Ex ist Eunkyum zerknirscht und schamerfüllt. Reumütig fällt er vor seinem strengen Gebieter auf die Knie und wimmert: „Bleib doch … geh nicht … ich weiß, dass ich mitleiderregend bin“ (S. 127-129). Das ist die abscheulichste Szene der Geschichte. Jene Leserinnen und Leser, die NLZ positiv und enthusiastisch besprochen haben, scheinen die Dialoge zwischen Eunkyum und Jihyuk nicht gelesen zu haben. Eine gesunde, beiderseitig respektvolle Partnerschaft auf Augenhöhe sieht anders aus.

Das Ärgerlichste an alledem: Es ist bis zum Schluss nicht zu erkennen, ob die Künstlerin-Autorin Jihyuk bewusst und absichtlich als Besessenen darstellt – oder ob der verstörende  Eindruck, Jihyuk sei seit Schulzeiten von Eunkyum besessen, nur deshalb entsteht, weil die Künstlerin-Autorin nachlässig und gedankenlos gearbeitet hat.

Zu guter Letzt sind auch noch handwerkliche Schnitzer zu beanstanden. Die drei einstigen Mitschüler Eunkyum, Jihyuk und Haejun sind zum Zeitpunkt der Geschichte 29. In den Steckbriefen am Ende von Band 1 ist angegeben, dass die Zwillinge, Eunkyums jüngere Geschwister, 8 Jahre alt sind. Bei ihrer Geburt war Eunkyum also 21. Kurz vor Abschluss der Geschichte klärt sich endlich auf, was den Eltern der drei Geschwister zugestoßen ist: Sie kamen vor langer Zeit bei einem Unfall ums Leben. Eunkyum erzählt Jihyuk: „Meine Geschwister waren damals noch ganz klein, ich war noch nicht mit der Schule fertig“ (S. 195). Das passt alles nicht zusammen. Was soll denn Eunkyum mit 21 oder gar 22 Jahren noch in der Schule gemacht haben? Es ist tatsächlich von Schule (school) die Rede, nicht von Hochschule (college). Als Eunkyum und Jihyuk an ihrer alten Schule vorbeikommen, sagen beide, dass seit dem Abschluss ein Jahrzehnt (decade) vergangen ist (S. 239). Sie haben die Schule folglich mit 19 verlassen. Das heißt, der Unfall der Eltern muss sich etliche Jahre nach Eunkyums Schulzeit ereignet haben – es sei denn, die Zwillinge sind zwei bis drei Jahre älter als im Steckbrief angegeben (so sehen sie aber nicht aus).

Cover des Buches No Love Zone Vol. 3 (ISBN: 9798891602618)
G

Rezension zu "No Love Zone Vol. 3" von Danbi

Gusti_Daimchen
„Am liebsten würde ich dich verstecken, damit kein anderer dich sieht und ich dich ganz für mich allein habe“

Band 3 der englischen Printausgabe von No Love Zone umfasst die Kapitel 36 bis 50 des Comics. Als Bonusmaterial enthält der Band im Anhang eine Weihnachtsepisode (S. 274-295).

Mittlerweile ist der Comic für mich eine große Enttäuschung. Ich lese erst seit einem Dreivierteljahr koreanische BL-Comics und möchte an dieser Stelle zwei grundsätzliche Probleme ansprechen. (a) Die Tatsache, dass ein Webtoon in Printform veröffentlicht wird, ist keine Qualitätsgarantie. Im Internet sind i.d.R. keine detaillierten Inhaltsangaben zu den Comics zu finden. Das Angebot an Comics ist riesig, aber es fehlt an Hilfsmitteln, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Oft wird nur knapp die Ausgangskonstellation der Geschichte skizziert. Es ist nahezu unmöglich, vor dem Kauf einer Printausgabe ausführliche Informationen zur Geschichte zu erlangen. Das macht die Entscheidung für oder gegen einen Comic schwierig. Es sollte nicht unbedingt das Ende verraten werden, aber wünschenswert sind nüchtern und sachlich formulierte Inhaltsangaben, die in Grundzügen über den Plot eines mehrbändigen (!) Comics informieren. Ich könnte einen Comic online lesen – doch dann würde sich der Kauf der Printausgabe eigentlich erübrigen. Lese ich den Comic nicht vorab online, bleibt mir nichts anderes übrig, als die Katze im Sack zu kaufen und mich überraschen zu lassen, ob mir der Comic gefällt oder nicht. Nachdem ich nun drei Bände von NLZ gelesen habe, steht für mich fest: Hätte ich vorher gewusst, wie die Geschichte verläuft, hätte ich mich gegen den Comic entschieden und vom Kauf Abstand genommen. (b) Viele Leserrezensionen zu BL-Comics bieten keine Orientierung, sind kein Ersatz für fehlende Inhaltsangaben, weil sie entweder kurz und unergiebig sind oder naiv und gänzlich unkritisch („das Couple ist zuckersüß“). Hier bei LB und anderswo hat NLZ viele positive und zum Teil sogar überschwängliche Bewertungen erhalten, die ich überhaupt nicht nachvollziehen kann.

Auch in Band 3 plätschert die Geschichte seicht dahin, ohne jede Dramatik, ohne jede Spannung. Langeweile kommt auf. Die Dynamik zwischen den beiden Protagonisten Eunkyum und Jihyuk gefällt mir inzwischen nicht mehr. Nach jedem Bettgetümmel ist Eunkyum entkräftet, geschunden und in Tränen aufgelöst. Jihyuk gewährt ihm keine Schonung, gebärdet sich weiterhin unersättlich, legt eine erdrückende körperliche Dominanz an den Tag. Er wird besitzergreifend und reagiert eifersüchtig, sobald Eunkyum einem anderen Mann auch nur zufällig nahekommt. Die Beziehung der beiden Männer entwickelt sich überhaupt nicht weiter. Zwischen Eunkyum und Jihyuk – beide sind fast 30 – findet nichts statt, was man als erwachsene Kommunikation bezeichnen könnte. Und dabei gäbe es einiges zu klären und zu besprechen! Vor allem die Frage, wie Jihyuk seinen fürstlichen Lebensstil finanziert. Obwohl er als Teamleiter bestenfalls zum mittleren Management zählt, residiert er in einem weitläufigen Luxus-Apartment, das sich über zwei Etagen erstreckt. Auf der Fläche des riesigen Küchen- und Wohnbereichs hätten mehrere Wohnungen von normaler Größe Platz (S. 226). Zu den Designermöbeln gehört auch eine Vitrine für wertvolle Armbanduhren (S. 220). Woher stammt das Geld für all dies? Es mag sein, dass Jihyuk einer wohlhabenden Familie angehört. Doch wenn es so ist – explizit erwähnt wird es nicht –, warum arbeitet Jihyuk dann auf einer mittleren Position? In seiner Unreife kommt es Eunkyum nicht in den Sinn, nach Jihyuks Vermögensverhältnissen und familiärer Situation zu fragen. Jihyuk hingegen geht bei der Familie Lee ein und aus, auch in diesem Band wieder. Die Zwillinge, Eunkyums jüngere Geschwister, betrachten Jihyuk längst als Familienmitglied. 

Die Künstlerin-Autorin unternimmt einen müden, halbherzigen Versuch, eine Nebenfigur stärker einzubeziehen. Es handelt sich um Haejun, Eunkyums Freund seit Schulzeiten. Zweimal treffen Eunkyum, Jihyuk und Haejun aufeinander. Spannungen bleiben nicht aus, denn Jihyuk nimmt Anstoß am vertrauten Umgang der beiden Freunde. Ungnädig runzelt er die Stirn. Stutzig macht mich, dass Haejun Jihyuk nicht wiedererkennt. Die drei Männer waren einst Klassenkameraden (siehe Rückblende in Band 1). Eunkyum hält es nicht für nötig, Haejun über Jihyuks Identität aufzuklären. Jihyuk wird von Eifersucht gepackt und phantasiert später neben dem schlafenden Eunkyum: „Am liebsten würde ich dich verstecken, damit kein anderer dich sieht und ich dich ganz für mich allein habe“ (S. 189). Auch in diesem Band erfahren wir nicht, welche Beziehungserfahrungen Jihyuk in der Vergangenheit gesammelt hat. Es wird beiläufig angedeutet, dass Eunkyum bei Männern immer wieder danebengegriffen hat, zum Teil auf unerfreuliche Weise (S. 219). Wird sich auch seine Beziehung mit Jihyuk als fataler Fehlgriff erweisen? Die Bemühungen der Künstlerin-Autorin, der Geschichte etwas Dramatik zu verleihen, wirken einfalls- und hilflos: Albernes Bürogezänk zwischen Eunkyum und dem Manager Park; eine für Eunkyum „nervenaufreibende“ Funkstille, als Jihyuks Handy während einer Auslandsdienstreise kaputtgeht; mysteriöse Anrufe, hinter denen Eunkyums Ex-Freund steckt, jener Mann, der Frau und Kind vor Eunkyum verschwiegen hat (siehe Band 1). Bis zum Ende der Geschichte bleiben nur noch 14 Kapitel übrig. Mit einem packenden Endspurt, mit einem furiosen Finale rechne ich nicht. Ich traue es der Künstlerin-Autorin schlichtweg nicht zu.    

Aus diesen Gründen und weil der Alkohol die beiden Männer schon zum dritten Mal in einer verquälten Vereinigung zusammenführt – zum dritten Mal! –, gibt es diesmal nur zwei Sterne.

Cover des Buches No Love Zone Vol. 2 (ISBN: 9798891602601)
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Rezension zu "No Love Zone Vol. 2" von Danbi

Gusti_Daimchen
"Es macht mich wirklich an, wenn du mir sagst, ich soll aufhören"

Band 2 der englischen Printausgabe von „No Love Zone“ enthält die Kapitel 19 bis 35 des Comics. Die Bände 1 und 2 decken somit bereits mehr als die Hälfte der Geschichte ab (35 von 64 Kapiteln). Das sollte man bei der Bewertung von Band 2 berücksichtigen.

Auch diesem Band kann ich nicht mehr als drei Sterne geben. Stärken und Schwächen halten einander die Waage. Die beiden Protagonisten, Eunkyum und Jihyuk, stehen erwartungsgemäß weiterhin im Mittelpunkt des Geschehens. Einst haben sie gemeinsam die Schule besucht; jetzt sind sie Arbeitskollegen im Verkaufsteam einer Elektronikfirma. Die beiden fühlen sich voneinander angezogen, doch hinderliche Umstände stehen einer unbefangenen Annäherung im Weg: Ein peinlicher Vorfall zu Schulzeiten und die Tatsache, dass Jihyuk Eunkyums unmittelbarer Vorgesetzter ist. Zu einer ersten Nacht der Leidenschaft ist es nur gekommen, weil Eunkyum angetrunken war. Das erfüllt ihn mit Scham. Er will Jihyuk künftig auf Abstand halten und den Umgang mit ihm strikt auf das rein Berufliche beschränken. Aber so einfach ist die Sache nicht. Da sich die beiden Männer tagtäglich sehen, kann die Flamme des Begehrens weiterlodern. Während Jihyuk keinen Hehl aus seiner lebhaften Zuneigung macht, ist Eunkyum gehemmt, ratlos, unsicher, verwirrt. Erneut treiben die Umstände beide einander in die Arme; die Begierde bricht sich Bahn und führt zu wildem Bettgetümmel. 

Zunächst das Positive. Aufgrund ihrer starken äußerlichen Gegensätzlichkeit (Größe, Statur, Teint, Augen- und Haarfarbe) geben Eunkyum und Jihyuk ein unbeschreiblich attraktives und reizvolles Paar ab. Es ist ein Augenschmaus, die beiden zusammen zu erleben. Die Dynamik zwischen ihnen ist für den Leser fesselnd und vergnüglich, von einzelnen irritierenden Momenten abgesehen (siehe unten). Als Liebhaber ist Jihyuk ungestüm, durchsetzungsstark und schwer zu sättigen. Er dominiert Eunkyum kraftvoll und gebieterisch. Eunkyum ist feingliedrig und zerbrechlich; es ist deshalb kein Leichtes für ihn, sich dem zupackenden Griff seines Eroberers zu entwinden. Da er nicht billig und willig wirken darf, muss Eunkyum sich mädchenhaft zieren und sträuben. Um seiner Selbstachtung willen protestiert er immer wieder, wenn Jihyuk ihn herzhaft und in eindeutiger Absicht an sich zieht: „Lass mich … hör auf … ich mag nicht.“ Aber Jihyuk weiß natürlich, dass das nicht ernst gemeint ist. Eunkyums Gezappel und Gewimmer steigern sogar noch seine Lust: „Es macht mich wirklich an, wenn du mir sagst, ich soll aufhören“ (S. 254). Sein Körper verrät, dass Eunkyum die Eroberung genießt, mag es ihm auch schwerfallen, dies mit Worten einzugestehen. Jihyuk ist aber nicht nur gierig und lüstern; er kann auch zärtlich und liebevoll, neckisch und schmeichlerisch sein. Eunkyums Verwirrung steigert sich noch, als Jihyuk unvermittelt offenbart, dass er sich eine Beziehung wünscht (S. 265). Die niedlichen Zwillinge Eunha und Eunho, Eunkyums jüngere Geschwister, sind ebenfalls von Jihyuk fasziniert und gebannt. Sie verstehen nicht, was zwischen dem großen Bruder und Jihyuk vor sich geht. Arglos und ahnungslos sorgen sie dafür, dass die beiden auch privat Zeit miteinander verbringen können. Während die Großmutter einige Tage im Krankenhaus liegt, zieht Jihyuk, von Eunha und Eunho charmant umworben, bei den Geschwistern ein. Er kann den Zwillingen nichts abschlagen, und auch Eunkyum ist gegen das Quengeln der Kinder machtlos. Zu viert leben sie fast wie eine Familie. Das ist zu drollig! 

Doch nun das weniger Erfreuliche. Erneut ist es der Alkohol, der einer stürmischen Vereinigung den Weg bereitet. Das ist ärgerlich. Der Ablauf ist derselbe wie beim ersten Mal, allerdings mit vertauschten Rollen: Ein Umtrunk im Kollegenkreis am Freitagabend. Diesmal trinkt Jihyuk über den Durst, und in Eunkyums Apartment (das ist seine Dienstwohnung, nicht die Familienwohnung) geschieht dann das, was eigentlich nicht noch einmal passieren sollte. Auf Englisch nennt man das „faules, einfallsloses Geschichtenerzählen“ (lazy story-telling). Auch in diesem Band wird nicht geklärt, was den Eltern der drei Geschwister zugestoßen ist. Im Gegensatz zu Eunkyum bleibt Jihyuk weiterhin eine Figur ohne Anhang (Familie, Freunde). Interessante Nebenfiguren sind weit und breit nicht zu sehen. Eunkyums Freund (und ehemaliger Mitschüler) Haejun hat einen kurzen, belanglosen Gastauftritt (S. 11-19); das ist schon alles. Der Band enthält keine einzige Rückblende, die uns etwas über das Vorleben der Protagonisten verraten könnte. Welche Beziehungserfahrungen haben Eunkyum und Jihyuk in den zehn Jahren seit Ende der Schulzeit gesammelt? Erklärungsbedürftig ist Jihyuks erstaunliche Persönlichkeitsveränderung: Vom schmächtigen, unscheinbaren Brillenträger zum forschen, selbstsicheren Hünen, dessen Präsenz und Ausstrahlung Männer wie Frauen gleichermaßen beeindruckt. Jihyuk konnte nicht wissen, dass er Eunkyum eines Tages wiederbegegnen würde. Warum ist seine Leidenschaft für Eunkyum von jetzt auf gleich so verzehrend? Als ob er unter Jihyuks Zugriff jeglichen Willen zur Selbstbestimmung verliert, durchläuft Eunkyum einen Prozess der Infantilisierung. Er wird zum unbeholfenen, schutzbedürftigen Hascherl und fängt an, himmelblaue Kleidung zu tragen (Jogging-Anzug, Pyjama). Er braucht Hilfe beim Duschen, und anschließend sagt Jihyuk zu ihm: „So, und nun trocknen wir noch deine Haare“ (S. 122). Als beide eines Abends allein im Büro sind, will Jihyuk Eunkyum etwas am Computer erklären. Dazu zieht er ihn zu sich auf den Schoß, wie ein kleines Kind (S. 144-151). Ich weiß nicht, ob ich das putzig finden soll – oder verstörend. Zur Erinnerung: Eunkyum ist 29.

Ich habe den Webtoon nicht gelesen und weiß daher nicht, wie die Geschichte weitergeht. Ich finde die Geschichte etwas seicht, mag sie auch einen beachtlichen Unterhaltungswert haben. Für die Folgebände wünsche ich mir daher: Mehr Drama, bitte. Mehr Drama!

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