Dieses Buch wurde mir im letzten Jahr von einer Bloggerin, der ich aufmerksam folge, empfohlen. Nun habe ich es endlich gelesen. Die Bewertungen sind ja auch durchaus positiv.
Ich muss vorweg sagen, dass ich es sehr gut geschrieben fand, auch wenn hier immer aus Sicht des auktorialen Erzählers geschildert wurde. Ich persönlich hätte es gut gefunden, wenn einer der Charaktere eine Ich-Perspektive bekommen hätte.
Es geht hier um die Familie Wilf: Vater Ben (Arzt), seine Frau Mimi, die Tochter Sarah (17 Jahre bei Start der Erzählung) und Sohn Theo (15 Jahre zu Beginn der Geschichte).
Sarah und Theo sitzen mit Theos Freundin Misty im Auto und bauen einen Unfall. Theo fährt und Sarah nimmt die Schuld auf sich. Die Wahrheit wird nie enthüllt und die Familie lebt mit der Lüge.
Fortan sind die Kapitel in einzelne Daten unterteilt, die mal in der Gegenwart und mal in der Vergangenheit spielen, allerdings zu immer unterschiedlichen Daten, was ich etwas verwirrend fand. Manchmal gab es verschiedene Tage im selben Jahr, aber zwischendurch war die Gegenwart wieder aktuell. Nach und nach findet der Leser heraus, dass jeder einzelne der Familie Wilf den Verlust des Mädchens bei dem Autounfall und die Lüge, die damit einherging, nicht verkraftet hat. Jeder bekommt andere Probleme und im Grunde ist die Familie zerrüttet.
Auf der anderen Straßenseite ziehen die Shenkmans ein. Die Frau Alice ist schwanger und bekommt ihr Kind zu früh. Durch einen Zufall ist der Arzt Ben vor Ort und entbindet den Sohn von Alice Shenkman. Fortan sind die Familien irgendwie miteinander verbunden.
Mehr will ich gar nicht sagen, um nicht zu spoilern, aber: Wirklich positiv fand ich den Schreibstil - es war dramatisch, leicht poetisch, tief grübelnd und jeder einzelne Charakter hat wirklich Bedeutung bekommen und war für den Leser absolut realistisch.
Was mich dazu veranlasst, dennoch "nur" 3 Sterne zu geben, ist, dass ich nicht verstehe, wozu anfangs das junge Mädchen sterben musste. Es spielt lediglich für die Entwicklung der Familienmitglieder eine Rolle, wobei bei Sarah schon vorher Anzeichen dafür existierten. Familie Shenkman hat nichts damit zu tun. Und auch, wenn beide Familien sich durch zwei schicksalshafte Ereignisse verbunden fühlen, sind sie dennoch nicht die ganze Zeit zusammen und die Distanziertheit ist für mich greifbarer gewesen als die Verbundenheit. Die Freundschaft zwischen Ben und Waldo fand ich eigentlich am schönsten in der Geschichte. Allein daraus hätte man vielleicht auch eine eigenständige Geschichte machen können.
Theo, der am Anfang ja das Auto fuhr, hatte für mich am wenigsten Charakter. Da kam für mich zu wenig rüber, obwohl er doch eigentlich im Zentrum der Geschichte hätte stehen müssen.
Ich glaube, viele Leser stören sich nicht daran, dass es keinen Zusammenhang vom Beginn der Geschichte und dem Verlauf gibt, aber ich fand es total fragwürdig.
Dennoch würde ich aber auch wieder ein Buch von der Autorin lesen, da ich es wirklich gut geschrieben fand und sie es versteht mit Wörtern Bilder in unserer Vorstellung zu malen.

















