Daniel Bergner Die versteckte Lust der Frauen

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Inhaltsangabe zu „Die versteckte Lust der Frauen“ von Daniel Bergner

Mächtig, animalisch und unbändig: die weibliche Lust in der neuesten Forschung.
Gehirn und Vagina: Zwischen dem, was Frauen über ihre Lust berichten, und dem, was sich wissenschaftlich messen lässt, besteht ein gewaltiger Unterschied. Sind die Frauen gar nicht das „monogame Geschlecht“, dem die feste Bindung über alles geht? In diesem provokativen, Schlagzeilen machenden Buch berichtet Daniel Bergner von der neuesten Forschung über die Lust der Frauen und stellt alles auf den Kopf, was wir über das weibliche Begehren zu wissen meinten.
Verkennen Frauen ihre eigene Lust? Sind Frauen gar nicht auf Familiengründung und Verbindlichkeit fixiert? Welche Auswirkungen haben Nähe und Bindung wirklich auf unser Verlangen? Wie stark ist der Wunsch, begehrt zu werden oder: Wie narzisstisch sind Frauen? Schadet der Feminismus („nein heißt nein“) der weiblichen Lust? Und sind wir reif für das Ende der Treue? Daniel Bergner hat Sexualwissenschaftler weltweit besucht und berichtet von ihren bahnbrechenden Forschungsergebnissen über die Macht weiblichen Verlangens. Für die einen beunruhigend, für die anderen befreiend: Dieses Buch erschüttert unsere mächtigsten Mythen über die Lust.

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  • Pamphlet gegen Klischees weiblicher Sexualität

    Die versteckte Lust der Frauen

    Zachanassian

    01. September 2014 um 22:05

    Bergner stellt Klischees der weiblichen Sexualität (wie mangelndes Interesse an pornographischen Bildern, Geringschätzung von Sex überhaupt und der sexuellen Attraktivität gegenüber Status und "Ernährerqualitäten" des Mannes,  stärkere Präferenz für Monogamie oder geringere Triebhaftigkeit) aktuelle amerikanische Studien gegenüber. Sie zeigen ein vielschichtiges Bild und belegen, dass die Unterschiede zwischen Männern und Frauen geringer sind als man meint. Frauen scheinen allerdings eine stärkere Tendenz zu sozialadäquatem Verhalten zu haben und ihre wahren Empfindungen eher zu verbergen. Besonders ausführlich bekämpft der Autor das Bild der monogamen Frau, die nur in partnerschaftlicher Geborgenheit sexuell glücklich werden kann. Die Penetranz dieses Themas ist etwas ermüdend. Bergner berichtet von Fällen einzelner Frauen, die er ausführlich befragt hat und   schreckt auch vor Vergleichen aus der Tierwelt nicht zurück, indem er dem Leser auf Sex fixierte weibliche Rhesusäffchen vorführt, die das Männchen solange reizen, bis es sich zum Geschlechtsakt bereit findet, oder ähnlich agierende Rattenweibchen. Seine Erkenntnis, dass sich die sexuelle Attraktivität der Ehe- oder Lebenspartner füreinander auf die Dauer abschwächt, ist weder überraschend noch neu. Abgedroschen ist auch die Diskussion über die Existenz des G-Punkts, die der Autor aufwärmt, ohne mit neuen Erkenntnissen aufwarten zu können. Interessanter finde ich (als Mann) die vorgestellten Studienergebnisse, die belegen, dass heterosexuelle Frauen anscheinend auch von sexuellen Handlungen des eigenen Geschlechts stark angesprochen werden und sie Vergewaltigungsfantasien (d.h. nur in Gedanken!) als attraktiv empfinden - vielleicht als Revolte gegen den moralischen Druck zu sozialadäquatem Verhalten. Inhaltlich bietet das Buch Licht und Schatten. Es ist leichtgängig, lebensnah und unterhaltend geschrieben. Die Stichhaltigkeit der zitierten Studien kann ich nicht beurteilen.

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  • Der große Unterschied zwischen Schein und Sein

    Die versteckte Lust der Frauen

    michael_lehmann-pape

    23. January 2014 um 14:15

    Der große Unterscheid zwischen Schein und Sein Von einem „sexuellen Mythos“ spricht Daniel Bergner in Bezug auf die weibliche Sexualität in diesem Buch, wenn er das verbreitete „Vorurteil“ (das in seinen Augen nur „Schein“ ist und nicht „Sein“) der „natürlichen Monogamie der Frauen“ in diesem Buch einer intensiven Untersuchung zuführt. Und zu der überraschenden Erkenntnis gelangt, dass Frauen nicht nur in „gleicher Weise“ sexuelle Triebe und Lust auf „fremde Haut“ verspüren, wie es Männern allgemein unterstellt wird, sondern darüber hinausgehend, sondern sogar darüber hinausgehend gar stärker und mehr als Männer vom reinen Lustempfinden her durch „Monogamie gelangweilt“ sind und der Promiskuität stark zuneigen würden. Was an allgemeinen Vorstellungen über das Sexualverhalten von Frauen sich festgesessen hat, hat vielmehr mit moralischen Vorstellungen und einer Idealisierung bestimmter Verhaltensweisen zu tun (was eine „anständige“ Frau ausmachen soll), als mit dem tatsächlichen Lustreservoir der Frau. Auf der Basis aktueller und fundierter Forschungen an u.a. Affen der letzten Jahre formuliert Bergner flüssig und sehr verständlich die Erkenntnisse und Ziele dieser Forschung, das „Selbst der Frauen zu erfassen“, „eine fundamentalen Reihe sexueller Wahrheiten – die von Natur aus – vorhanden sind“. Dass in Bezug auf den Eros „Männer wie Tiere“ sind, sprich evolutionär sexuell gesteuert sich darstellen (mühsam von der Gesellschaft ein stückweit „gezähmt“), das ist allgemein keine fremde Vorstellung. Warum aber wir behauptet, dass dies für Frauen eben nicht gilt? Eine Behauptung, die Bergner überzeugend argumentiert im Übrigen als Falsch herausarbeitet. Auch Frauen, gar mehr noch als Männer, sind evolutionär ebenfalls mit ausführlicher Lust behaftet. Aufgrund dieser Erkenntnisse und verschiedener Versuchsanordnungen weist die Forschung nach, was Bergner als Gegensatz von „Gehirn und Vagina“ formuliert. Die kulturell gesellschaftliche Prägung seit frühesten Zeiten an setzen gerade Frauen einen engen Rahmen um die eigene Lust und Sexualität („Gehirn“), während körperliche Reaktionen auf entsprechende Reize eine ganz andere Sprache sprechen („Vagina“). Die gesammelten Datenmassen lieferten „ein Bild anarchischer Erregung“. Zu diesen Forschungsergebnissen passen nahtlos die Ergebnisse von Umfragen. Ist die Anonymität umfassend gewährleistet, „packen Frauen aus“, wie man leger formulieren könnte. Allein die dann zu Tage tretende Zahl an tatsächlichen Sexualpartnern lässt das Bild von der „von Natur aus monogamen, „braven“ Frau“ als reine Illusion erscheinen. Im Gegenteil, die Ergebnisse weisen eindeutig nach, dass Frauen schneller als Männer die Lust am „Gewohnten“ verlieren und ebenso der „Reizt des Neuen“ schneller in das Lustempfinden tritt. Oft ohne, dass dies wirklich bewusst wird oder gar offen ausgelebt werden würde (heimlich allerdings durchaus zunehmend). So ergibt sich nach der Lektüre ein eindeutiges, klares Bild, dass mit vorherrschenden Meinungen zur weiblichen Sexualität wenig zu tun haben. Frauen besitzen einen stärkeren sexuellen Trieb, neigen „von Natur aus“ noch weniger zur Monogamie als Männer, befinden sich allerdings seit der Entwicklung frühester Kulturen in engen, moralischen Rahmungen, welche einen hohen Druck auf das Ausleben der inne liegenden Sexualität ausüben. Bergner vollzieht sachlich und nüchtern die vielfachen Entwicklungen der Forschung nach, im Stil ist das Buch nicht „populärwissenschaftlich“ leger geschrieben, sondern in Teilen durchaus auch als „trocken“ zu bezeichnen. Von den Einsichten und Ergebnissen her aber bietet Daniel Bergner hochinteressante Erkenntnisse, die das „schwarz-weiß“ Weltbild der Sexualität als Illusion enttarnen und damit deutlich die Frage aufwerfen, warum nicht „sein kann was nicht sein darf“ und warum die weibliche Lust solch rigiden gesellschaftlichen Beschränkungen unterworfen wurde (und wird). Anders gefragt, wem eigentlich diese evolutionäre Lust Angst einflößt und wer die gesellschaftlichen Regeln für den Umgang mit Sexualität über Jahrhunderte gestaltet hat.

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