Daniel E. Weiss La Cucaracha oder Die Stunde der Kakerlaken

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Inhaltsangabe zu „La Cucaracha oder Die Stunde der Kakerlaken“ von Daniel E. Weiss

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  • Eine großartiges Buch, gewidmet einer großartigen Spezies

    La Cucaracha oder Die Stunde der Kakerlaken
    Leseratte von A - Z

    Leseratte von A - Z

    Ich bin ein Insektenfan und ganz besonders Kakerlaken finde ich sehr interessant. Immerhin habe ich auch schon seit etwas über einem Jahr ein Terrarium mit einer Kolonie Totenkopfschaben (Blaberus craniifer). Keine Angst, das Ding ist gut abgesichert, damit bloß niemand ausbüchsen und in der Wohnung rumlaufen kann. Aus diesem Interesse hinaus habe ich schon immer nach Büchern aus der Sicht von Insekten gesucht und "Die Stunde der Kakerlaken" ist dann Ende 2011 auf meinem SUB gelandet. Jetzt hatte ich mal wieder ein wenig mehr Zeit und hatte angefangen das Buch zu lesen. Der Roman handelt von Numeri, Mitglied einer Blatella Germanica Kolonie in einem amerikanischen Apartment. Numeri wird in ein wunderbares, sorgloses Schabenleben hineingeboren. Die Zigeunerin mit der Ira - der Apartmentbesitzer - zusammenlebt, ist das genaue Gegenstück zu ihm, der alles in perfekter Sauberkeit haben will. Sie hinterlässt die Küche nach jedem Kochen mit Unmengen an Nahrungsmittelresten und stellt Kartons und Verpackungen unverschlossen in das Regal zurück, in dem die Kolonie glücklich und zufrieden lebt. Doch dann eines Tages verlässt die Zigeunerin Ira und damit auch die Wohnung. Als Ersatz schafft sich Ira Ruth an, die schon bald einzieht und eine Renovierung der Küche veranlasst, die das sorglose Leben der Kakerlaken beendet. Alles wird gereinigt. Das Regal über der Spüle, welches kaputt und löchrig genug war um der Kolonie sicheren Freiraum zu bieten wird ersetzt durch ein perfekt an die Wand anliegendes, gerades Regal, in welches das Eindringen so gut wie unmöglich ist und die offenen Lebensmittelverpackungen werden ausgetauscht mit sicher verschlossener Tupperware. Die Kolonie muss nun hinter die Fußleiste flüchten und eine nahrungsarme, unsichere Zeit bricht an. Doch Numeri, der Protagonist dieser Geschichte, lässt sich das alles nicht gefallen und heckt einen Plan aus um den Küchenschrank wieder zu erobern. Es ist ein sehr humorvolles Buch. Das habe ich schon auf der ersten Seite bemerkt. Die Kommentare der Kakerlaken über das Leben der Menschen sind großartig und die Themen und Sichtweisen dabei sind teilweise einzigartig. Daniel Evan Weiss schreibt humorvoll, aber auch sehr direkt. So werden auch mal jüdische Stereotypen auf die Schippe genommen oder der Mensch anhand seines Hinterns auf der Kloschüssel analysiert. Sehr lustig fand ich auch, dass die Kakerlaken ihre Namen quasi vom ersten Gegenstand erhalten, mit dem sie Kontakt haben. Wie zum Beispiel Sufur, der so heißt, weil das erste was er las das Namensschild im T-Shirt eines Rufus' war. Oder Columbo, der eben seine ersten Wochen als Larve in einem Columbo Buch lebte und sich von Leim der Seiten ernährte. Ebenfalls schreibt Weiss aber auch sehr direkt und deutlich über die unschönen Seiten des Insektendaseins. Die Kolonie beinhaltet viele Kakerlaken und es ist nur allzu offensichtlich, dass im Laufe des Buches einige sterben werden. Die Art wie sie sterben ist zwar meist sehr banal, aber so unmissverständlich und detailirt beschrieben, dass mich einige Sätze tatsächlich dazu brachten vor Ekel das Gesicht zu verziehen. (Das liegt aber wohl auch daran, dass zerquetschte Insekten eine der wenigen Sachen sind, die mich tatsächlich sehr ekeln.) Manche finden das vielleicht nicht gut, aber ich empfinde das schon eher als Pluspunkt und respektiere die effektive Schreibweise. Weiterhin beinhaltet der Roman doch eine kräftige Portion Ernsthaftigkeit und vorallem auf den letzten 50 Seiten wird es dann doch richtig dunkel und krass. Noch dazu kommt, dass man sich mit einigen Kakerlaken echt anfreundet und vorallem mit dem Protagonisten Numeri, welcher einen deutlichen Charakterwandel erlebt, wirklich mitfühlt. Als ich das Buch begann erwartete ich eine fröhliche, lustige Geschichte über das Leben einer Kakerlake und was sie alles erlebt bis sie das Zeitliche segnet. Überrascht war ich, als sich die Geschichte dann als dramatischer Kampf ums Überleben und das Erfüllens eines Traums herausstellte welches nicht kraftvoller gewesen wäre, wäre der Protagonist ein Mensch gewesen und die Küche ein postapokalyptischer Planet oder so. Der Lebengeschichte einer Kakerlake und ihrere Kolonie so viel Bedeutung zu geben und dennoch auch humorvoll zu sein ist erstaunlich. Ich muss schon sagen, ich wurde sehr unterhalten mit diesem Buch und ich bin sehr, sehr froh, dass es ein so tolles Buch über ein so unbeliebtes Lebewesen gibt. Natürlich ist die Geschichte dieses Romans und die Verhaltensweisen der Protagonisten keinesfalls realistisch, aber ich muss sagen, ich sehe Schaben nun schon ein wenig mit anderen Augen. Dieser Roman bietet neben einer ausgefallen Story aus einer höchst interessanten Sichtweise eine sehr gute Mischung aus Humorvoller Bellestrik mit einem Hauch Sozialkritik, als auch ein glaubhafter, dramatischer Kampf ums Überleben eines Volkes. Tatsächlich ein Buch, das ich jedem empfehlen würde. Ich vergebe verdiente 5 von 5 Sternen.

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