Daniel Galera

 3.8 Sterne bei 63 Bewertungen
Autor von So enden wir, Flut und weiteren Büchern.
Daniel Galera

Lebenslauf von Daniel Galera

Romane aus Brasilien, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen: Der 1979 geborene Brasilianer ist neben seiner Tätigkeit als Autor auch Übersetzer. Zunächst veröffentlichte er seine Texte und Kolumnen online und wurde damit in seiner Heimat zu einem wichtigen Wegbereiter literarischer Texte im Internet. 2001 gründete er zusammen mit ehemaligen Kollegen den Verlag „Livros do Mal“, bei dem auch 2003 sein Debütroman „Até o dia em que o cão morreu“ erstmals erschien. Aber erst seine Romane „Barba ensopada de sangue“ 2012 (dt. Flut, 2013) und „Meia-Noite e Vinte“ 2016 (dt. „So enden wir“, 2018) wurden ins Deutsche übersetzt. David Galera lebt heute in Porto Alegre und schreibt jeden Montag die Kolumne im Kulturteil „Segundo Caderno“ der brasilianischen Zeitung „O Globo“.

Alle Bücher von Daniel Galera

So enden wir

So enden wir

 (42)
Erschienen am 11.03.2018
Flut

Flut

 (20)
Erschienen am 10.01.2015
The Shape of Bones

The Shape of Bones

 (1)
Erschienen am 06.04.2017
Latinoamérica criminal

Latinoamérica criminal

 (0)
Erschienen am 01.09.2014
Blood-Drenched Beard

Blood-Drenched Beard

 (0)
Erschienen am 07.05.2015

Neue Rezensionen zu Daniel Galera

Neu
schokoloko29s avatar

Rezension zu "Flut" von Daniel Galera

Garopaba
schokoloko29vor 2 Monaten

Der Protagonist hat es nicht leicht. Sein Vater erschießt sich vor seinen Augen, da er sein Leben nicht mehr lebenswert hält. Er ist totkrank und bevor er noch weiter leidet, bringt er sich lieber um. Vor seinem Selbstmord erzählt er seinem Sohn, dass er eine starke Ähnlichkeit mit seinem Vater (der Großvater des Protagonisten) aufweist. Er wurde von den Dorfbewohnern ermordert und keiner hat seine Leiche je gefunden.
Nach dem Selbstmord seines Vaters kehrt der Protagonist in das Dorf am Meer zurück (Garopaba). Er möchte gerne herausfinden, weshalb und unter welchen Umständen sein Großvater umgekommen ist. Dabei hat er den Hund seines Vaters. Es ist eine Zeit der Karthasis und des Rückzugs. Er geht Liebesbeziehungen ein, die kein Bestand haben. Und obwohl er unter Menschen ist und ein geregeltes Leben führt, ist er innerlich einsam und allein. Niemand kann ihn aus seiner Trauer, um seinen Vater und den Verlust seiner großen Liebe herausholen.

Er fragt immer wieder Dorfbewohner nach seinem Großvater. Doch er findet nur eine Mauer des Schweigens. Erschwerend kommt hinzu, dass er nicht Gesichter erkennen und merken kann.

Doch nach und nach bekommt er Hinweise über seinen Großvater und er findet eine Person, die ihm genaueres über den Hergang des Mordes erzählen kann.


Das Buch ist melancholisch. Als Leser spürt man die Trauer und die innere Einsamkeit des Protagonisten. Doch irgendwie war das Lesen für mich auch wunderschön. Es erinnert mich ein bißchen an den portugisischen Fado. Es ist traurig, zärtlich und nimmt den Leser gefangen. Ein Buch, welches zu meinen Lieblingsbüchern zählt.

Kommentare: 1
58
Teilen
Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "So enden wir" von Daniel Galera

der Stoff gibt mehr her
Gwhynwhyfarvor 2 Monaten

Der erste Satz: »Dieser plötzliche Drang, die Zerstörung der Welt voranzutreiben, hatte mit dem Gestank von Menschenscheiße auf den Gehwegen zu tun, mit den Dämpfen, die von den Müllcontainern aufstiegen, dem Streik der Busfahrer und der allgemeinen Verzweiflung über die Hitzewelle, die Porto Alegre gegen Ende jenes Januars überrollte, aber wenn es ein vorher und nachher gab, einen Bruch zwischen dem Leben, das ich bisher geführt hatte, dann war es die Nachricht, dass Andrai am Abend zuvor bei einem bewaffneten Raubüberfall ums Leben gekommen war.«

Der berühmte brasilianische Blogger und Schriftsteller, Andrei Dukelsky, Duke genannt, wird Opfer eines Raubüberfalls, jemand war an seinem Handy interessiert, er wird erschossen, banal ermordet. Die halbe Welt trauert um ihn. So profan endet das Leben eines berühmten Mannes, seine Freunde und Fans sind entsetzt. Früher einmal waren Duke und seine drei Freunde Aurora, Emiliano und Antero unzertrennlich, in Porto Alegre gründeten sie das Online-Magazin »Orangotango«. Es war eine Zeit der Grenzüberschreitung jeglicher Art, da sie immer die Apokalypse vor Augen hatten, jede Minute ihreres Lebens genießen wollten. Jeder ist später seiner Wege gegangen, durch den Tod von Duke kommen sie wieder in Kontakt. Das Buch ist in drei Stränge geteilt. Die drei Freunde berichten über sich, gemeinsame Zeiten und über das, was aus ihnen geworden ist.

Duke hat per Testament festgesetzt, dass sämtliche digitalen Spuren von ihm gelöscht werden, nichts Digitales von ihm soll der Nachwelt erhalten bleiben, Blogbeiträge, Manuskripte, Mails. Die einstige Welt des digitalen Aufbruchs, des Teilens, ist für ihn gescheitert. Damals war für die drei Freunde das Internet die Eroberung der Welt: Hinausrufen was passiert, was einen interessiert, sich zu vernetzen, Kontakt zur ganzen Welt zu haben. Heute jedoch gehört die digitale Welt zur Normalität, als Solidaritätsmedium wird sie kaum noch genutzt, Überwachung überall, der eine agiert gegen den anderen, Pöbelei, Egoismus pur.

»Die Moral von der Geschichte war, dass man hochhalten müsse, was uns zu Menschen machte, und dazu gehörte auch die Angst vor dem Tod und vor der Apokalypse.«

Aurora würde gern die Welt verändern, sie will den Welthunger bekämpfen, sie forscht an Zuckerrohrpflanzen. Sie hat bereits ein Stipendium für eine Arbeit erhalten, bei der sie einen Test »zur Erkennung von Sojabohnenschädlingen« entwickelte. Sie ist gut in ihrem Fach, muss sich allerdings gegen einen übergriffigen Professor wehren, zeigt ihn an, der sie nun aus Rache bei der Vorstellung ihres Promotionsprojekts durchfallen lässt. Immer wieder Übergriffe und Degradierung durch Männer, Seilschaften, durch die man als Frau kaum eine Chance hat durchzudringen.

»Ich drehte mir einen Joint und rauchte ihn hektisch, während ich die Fotoalben einiger unbekannter Facebook-Freundinnen durchging. Allmählich war es Zeit, mir einen runterzuholen.«

Antero geht es gut, er besitzt eine einträgliche Werbeagentur, ist zu Wohlstand gekommen, er ist verheiratet, hat ein Kind. Allerdings ist er von Verbitterung getrieben, denn Glück und Wohlbehagen kann man nicht kaufen.

Emiliano arbeitet freiberuflich als Journalist, das Geld reicht zum Leben, aber man weiß nie, welche Aufträge in der Zukunft kommen werden, auch er ist nicht glücklich mit seinem Leben. Emiliano ist schwul, kann keine emotionale Ebene zu seinen wechselnden Liebschaften aufbauen, seine große, unerfüllte Liebe ist Duke. Ein Verlag bietet Emiliano an, über Duke eine Biografie zu schreiben. Ist es moralisch verwerflich, mit dem Tod eines Freundes Geld zu verdienen? Was sagen die Freunde dazu?

Das Thema ist gut, aber es kam bei mir nicht an. Denn das eigentliche Thema in diesem Roman ist Sex. Damals, als sie glaubten, die Apokalypse stünde bevor, drehten die Freunde Minipornos, ein Thema, das ausgeweitet wird. Heute spielt Sexualität eine große Rolle, niemand ist glücklich in seinem Leben, mit seiner Sexualität, und alle paar Seiten hat einer der Protagonisten einen Ständer oder holt sich einen herunter. Das wird auf die Dauer langweilig, weil es aus Langeweile geschieht, an sich nichts Erotisches hat, nur Papier füllt. Daniel Galera schreibt verdammt gut, wortgewaltig, streckenweise. Diese Abschnitte sind wundervoll. Allerdings bleiben mir die Protagonisten fern, letztendlich ist die kultur- und netzkritische Aussage, die ich erwartet hatte, für mich nicht ernsthaft angegangen worden. Sisyphos, Marquis de Sade, Selbstzerstörung, viele Themen, aber wohin die Reise gehen soll, ist mir entgangen. Weniger Ständer, Masturbation und Sexfantasien hätten dem Text vielleicht zu mehr Tiefe verholfen. Mag auch sein, dass man nur als Mann mit dem Roman etwas anfangen kann.

Damals wollten wir die Welt verändern und sind bis heute keinen Schritt weitergekommen, so resignieren die Protagonisten in kollektiver intellektueller Depression. Heute genauso kaputt die Welt wie damals, nur eben anders. Was ist Leben, was ist der Tod und was kommt nach uns?

Kommentieren0
2
Teilen
W

Rezension zu "So enden wir" von Daniel Galera

Annäherungen an das Geheimnis menschlicher Nähe und Freundschaft
WinfriedStanzickvor 2 Monaten



In seinem zweiten Roman, der wie „Flut“ (2013) wieder von Nicolai von Schweder-Schreiner ins Deutsche übersetzt wurde, erzählt der brasilianische Schriftsteller Daniel Galera von einer Gruppe aus drei jungen Männern und einer Frau, die sich damals in der Frühphase des Internets in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts für etwas ganz Besonderes hielten. Sie waren so etwas wie Protagonisten einer neuen Gegenkultur in Brasilien. Eine Kultur aus Punks, Künstlern und digitalen Bohemiens. Ihr großer Anführer war Duke, ein überaus talentiertes Schriftstellertalent, in seinem unnahbaren Wesen und Charakter genial.

Nun ist Duke Opfer eines tödlichen Raubüberfalls geworden. Daniel Galera führt seine Leser in das Jahr 2014, kurz vor der Fußball WM nach Porto Alegre, wo seit langem ein Streik das gesamte Leben lahmlegt. Heftige Auseinandersetzungen und Konflikte spalten die brasilianische Gesellschaft schon seit langem. Nun aber scheint alles zu explodieren.

Sie haben sich lange nicht mehr gesehen, die ehemaligen Mitstreiter Dukes, die sich nun an seinem Grab versammeln, sich selbst und einander fremd geworden nach einem langen vergeblichen Kampf. Aurora, Antero und Emiliano blicken angesichts des Todes zurück auf ihr eigenes Leben, auf ihr gemeinsames Engagement in einer hoffnungsvollen und ambitionierten Gegenkultur.
Wie war das früher, so fragen sie sich immer wieder und was ist aus ihnen geworden? Was ist mit den Idealen, den Lebensplänen und Hoffnungen geschehen? Und vor allen Dingen kommen sie im Verlauf des Buches einer Frage immer näher, die sie quält: Wer war dieser Duke wirklich? War er wirklich ihr Freund? Oder hat er sie nicht doch bloß für seine Zwecke benutzt? Die immer verzweifeltere Suche nach einer Antwort führt die drei zu einer Hinterlassenschaft, die so berührend wie erschütternd ist.
Der in Teilen sehr bewegende, in anderen hilflos bleibende Roman Galeras ist ein Buch über Aufbrüche und Trennungen, über das Ankommen und über das Verlorensein in der Welt und der eigenen Existenz angesichts einer Gesellschaft, die vor lauter Korruptheit und zum Himmel schreiender Armut nicht reformierbar scheint.

Und es ist ein Buch mit immer wieder leisen Annäherungen an das Geheimnis menschlicher Nähe und Freundschaft.



Kommentieren0
4
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu
Suhrkamp Verlags avatar

Was gibt dem Leben Halt, wenn das Wünschen nicht mehr hilft?

In seinem Generationen- und Gegenwartsroman So enden wir erzählt Daniel Galera von drei alten Freunden, die sich nach einer gefühlten Ewigkeit am Grab ihres ehemaligen Mitstreiters zusammenfinden und einen Blick in die gemeinsame Vergangenheit werfen.

»Galera zieht seine Leser in die Tiefen der menschlichen Seele – ein Jonathan Franzen Brasiliens.« Le Monde

Worum geht’s?
Brasilien, kurz vor der Jahrtausendwende: Aurora, Antero, Emiliano und Duke sind Teil der neuen Gegenkultur aus späten Punks, krassen Künstlern und digitalen Bohemiens. Sie fühlen sich unsterblich. Jetzt aber ist 2014 und Duke ist tot. An seinem Grab kommen die drei Freunde, die mittlerweile zu Fremden geworden sind, zusammen und werfen einen Blick zurück: Wie war das früher, was ist aus ihnen und ihren Idealen geworden? Wer war Duke wirklich? Die Suche nach einer Antwort führt die drei zu einer Hinterlassenschaft, die so berührend wie erschütternd ist …

Neugierig geworden? Hier geht’s zur Leseprobe »

Möchtet Ihr der Verbundenheit dieser besonderen Vierer-Freundschaft auf den Grund gehen? Dann bewerbt Euch einfach bis zum 21. März über den blauen „Jetzt bewerben“-Button* für die Leserunde – und beantwortet uns dazu folgende Frage:

Erinnert Ihr Euch noch an die Anfänge des Internets? Wann und wofür habt Ihr es erstmals genutzt? Wisst Ihr noch, auf welchen Seiten Ihr unterwegs wart?


Über den Autor: Daniel Galera wurde 1979 in São Paulo geboren und lebt heute in Porto Alegre. Sein Werk, das Erzählungen, eine Graphic Novel und drei Romane umfasst, ist vielfach ausgezeichnet, verfilmt und für das Theater adaptiert worden. Galera ist auch als Übersetzer tätig und hat u. a. Werke von Zadie Smith, Jonathan Safran Foer, David Foster Wallace und Hunter S. Thompson ins Portugiesische übersetzt.

* Im Gewinnfall verpflichtet Ihr Euch zur zeitnahen und aktiven Teilnahme am Austausch in allen Leseabschnitten der Leserunde innerhalb von 4 Wochen nach Erhalt des Buches sowie zum Veröffentlichen einer ausführlichen Rezension auf LovelyBooks.de, nachdem Ihr das Buch gelesen habt. Bestenfalls solltet Ihr vor Eurer Bewerbung für eine Leserunde schon mindestens eine Rezension auf LovelyBooks veröffentlicht haben. Bitte beachtet, dass wir die Bücher nur innerhalb Europas verschicken.
Zur Leserunde
Irves avatar

Liebe Lesefreunde,

heute holte ich eine Überraschungspost bei der Post ab und was war es????

FLUT von Daniel Galera.....zur Verfügung gestellt vom Suhrkamp Verlag....

Da ich das Buch erst heute entgegennehmen konnte, habe ich auf meinem Blog eine

*+* Zusatzverlosung *+*

quasi als

"After-Welttag-des Buches-Aktion"

gestartet ;-)

Wenn ihr Interesse an dem Buch habt, dann schaut doch mal hier....
https://www.facebook.com/pages/Irve-liest/1408933986005940?ref=hl

Bitte beachtet, dass ich nur Kommentare berücksichtigen werde, die ihr auf meinem Blog direkt zum Bericht schreibt oder auf der FB-Seite auch direkt zum Post.

 

Also, schaut gerne mal vorbei....

ich wünsche euch viel Glück!!!

 

Zur Buchverlosung

Zusätzliche Informationen

Daniel Galera wurde am 13. Juli 1979 in São Paulo (Brasilien) geboren.

Community-Statistik

in 110 Bibliotheken

auf 24 Wunschlisten

von 1 Lesern aktuell gelesen

von 1 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks