Daniel Galera Flut

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Inhaltsangabe zu „Flut“ von Daniel Galera

Sein Vater erschießt sich, und was ihm bleibt, sind der alte Schäferhund und eine vage Sehnsucht nach Läuterung. Er bricht auf in den Süden und mietet sich in einem kleinen Ort an der Küste ein. Er findet Arbeit als Sportlehrer, lernt eine Frau kennen, unternimmt lange Wanderungen mit dem Hund, schwimmt Stunden am Stück ins offene Meer hinaus. Vor allem aber versucht er ein Familiengeheimnis zu ergründen – sein Großvater hatte in der Gegend gelebt, bis er unter ungeklärten Umständen verschwand. Doch ein empfindliches Handicap erschwert ihm die Suche, eine neurologische Erkrankung, er kann Gesichter nicht wiedererkennen. Seine Nachforschungen jedenfalls scheinen die Anwohner aufzuschrecken, Gerüchte machen die Runde, wird er bedroht? Wem kann er trauen, wenn schon nicht sich selbst und seinen Wahrnehmungen? Allmählich begreift er, dass er das gleiche Schicksal wie sein Großvater zu erleiden droht. Und plötzlich steht ihm das Wasser bis zum Hals.

Sehr toller Roman!

— Daniel_Allertseder

Die beeindruckende Suche nach der eigenen Identität.

— leserattebremen

Es gibt Bücher, die haben einen, verlieren einen, bekommen einen zurück und am Ende ist man ratlos......

— Charlea

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  • Sehr toller Roman!

    Flut

    Daniel_Allertseder

    24. July 2016 um 13:30

    Meine Meinung ​ Ein beeindruckendes, lesenswertes Buch: „Flut“ von Daniel Galera aus dem Suhrkamp Verlag. Der Autor erzählt in einer sehr tollen Sprache und mit einer gekonnten Erzählweise die Geschichte von einem Mann, der auf der Suche nach seiner wahren Identität ist. Sein Vater hat sich umgebracht, und Leopoldo macht sich mit Hündin Beta auf den Weg ans Meer, wo der Erzählung nach sein Großvater ermordet wurde. Er fokussiert sein Leben nun auf die Enthüllung des Geheimnisses. Ein lesenswertes Stück Literatur hat Daniel Galera hier geschaffen. Er hat mich in seinen Bann gezogen, in die dramatische Geschichte von Leopoldo. Beeindruck hat mich der bildgewaltige Schreibstil und die humorvollen Szenen. Etwas irritiert haben mich die nicht vorhandenen Anführungszeichen bei den Dialogen. Trotz alledem aber behinderte dies nicht sonderlich den Lesefluss. Die Lesemotivation ebbte bei mir ein wenig ab, als nach einiger Zeit nicht viel geschah. Dies änderte sich aber schnell wieder, und ich nahm das Lesen wieder mit Freude auf. Das Setting in Brasilien ist exotisch und spannend geschrieben. Ich habe noch nie einen Roman gelesen, der in Brasilien spielt, aus diesem Grund war das nun Premiere, die sehr gelungen ist! Zwar war mir der Protagonist, der nur als „er“ betitelt wurde, zu Beginn etwas unsympathisch, dennoch wuchs er mir ans Herz und ich verfolgte mit einem Elan seinen Weg, die Vergangenheit zu verstehen. ​ Fazit   Ein unglaublich toller Roman, der mir sehr ans Herz ging. Bildgewaltig, etwas verstörend und lesenswert. Eine Empfehlung!

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  • Fesselnd und fast düster

    Flut

    leserattebremen

    11. February 2016 um 10:36

    Die Hauptfigur Leopoldo begibt sich in diesem Roman auf die Suche nach seiner Identität und seiner Familiengeschichte. Nachdem sein Vater sich das Leben genommen hat, nimmt er dessen Hündin Beta bei sich auf und zieht in einen kleinen Ort direkt ans Meer. Dort soll sein Großvater vor Jahren ermordet worden sein, doch niemals wurde seine Leiche gefunden. Nachdem seine Frau Leopoldo verlassen hatte um mit seinem Bruder zusammenzuleben und sein Vater tot ist, scheint er kaum noch einen Plan für sein Leben zu haben und konzentriert sich jetzt auf die Idee, die Familiengeschichte aufzudecken. „Flut“ ist ein sehr intensiver Roman, der im heutigen Brasilien spielt. Die Hauptfigur wirkt lange nur wie ein Schatten, der eine Basis fehlt und ein Sinn im Leben. Durch eine Erkrankung kann er sich keine Gesichter merken und gerät immer wieder in seltsame Situationen, weil er nicht einmal seine Freundin oder gute Freunde wieder erkennen kann. Das passt aber sehr gut zu seinem Leben, es verstärkt den Eindruck seiner Einsamkeit und seiner Unsicherheit, die Krankheit ist wie ein Sinnbild seines Daseins. Er ist Schwimmer und trainiert in einem Fitnessstudio verschiedene Schüler, oft wirkte er auf mich jedoch eher wie ein einem Strudel im Meer gefangen, er kämpft und schwimmt in seinem Leben, ohne voran zu kommen. Obwohl der Protagonist einem gar nicht unbedingt sympathisch ist, schafft der Autor Daniel Galera es, dass er einem ans Herz wächst. Er sucht mit seinem Großvater auch ein wenig seine Identität, was sehr deutlich daran wird, dass wir erst ganz zum Schluss seinen Namen erfahren. Bis dahin ist es immer nur „er“, ein namenloser ohne besondere Bedeutung. Die Geschichte und der Stil des Autors nehmen einen schnell gefangen und ziehen einen in eine fast düstere Welt mit viel Schatten, aber wenig Licht. Das Buch beeindruckt und lässt einen nicht los. Die Suche nach der Vergangenheit, um die Gegenwart zu verstehen, ist kein neues Motiv, wird von Daniel Galera aber auf wunderbare Weise umgesetzt. „Flut“ von Daniel Galera ist kein Buch, dass man nebenbei liest, man muss sich darauf einlassen, aber dann wird es einen nicht mehr loslassen und mitreißen. Ein großartiges Stück Literatur. 

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  • Unschlüssig

    Flut

    Charlea

    28. August 2015 um 12:55

    Gerade heute Nacht habe ich das Buch ausgelesen und ich bin noch immer unentschlossen. Ich muss es wohl mögen, denn der Protagonist lässt mich nicht ganz los und ich werde das Gefühl nicht los, als habe ich eine salzige Note nach Meerwasser auf der Zunge. Selten habe ich von einem Mann gelesen, der so verzweifelt und dennoch organisiert wirkt. Das jedoch ist keinerlei Widerspruch, der Protagonist ist wirklich fantastisch beschrieben und immer wieder hat er mich überrascht. Was ich jedoch nicht ganz verstanden habe ist das Ende. Mir ist nicht ganz klar, was es bedeutet, dennoch bin ich weit davon entfernt zu sagen, dass etwas fehlt, er etwas hätte anders machen sollen. Dennoch bin ich sprachlos, unstimmig und vor allem verwirrt. Das Buch ist definitiv lesenswert, die Sprache des Autors ist sehr flüssig und ich habe das Buch auch wirklich gerne gelesen, auch wenn ich nicht weiß, ob ich es noch einmal lesen würde, da es mich seltsam melancholisch macht auf eine Weise, die mir nicht gefällt. Doch das ist nichts, was gegen das Buch sprechen soll - ganz im Gegenteil. 

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  • Im sanften Fluss

    Flut

    Duffy

    29. December 2014 um 18:25

    Sein Vater begeht Selbstmord. Das erste Mal widersetzt er sich dem starken Willen des Alten und behält dessen geliebte Hündin bei sich, die er eigentlich nach dem Ableben ihres Herren hätte töten sollen. Er bricht auf zu einem neuen Leben direkt an die Küste, ein Vorhaben, dass er sich als passionierter Schwimmer immer gewünscht hat. Er wird Trainer, verbringt seine Tage mit der Hündin, mit Frauen, die er aber nicht so lieben kann, wie er es gerne will. Eine neurologische Anormalität ist zum Handicap geworden. Er kann sich keine Gesichter merken. Doch das ist nicht die größte Schwierigkeit, vielmehr wird er auf die Vergangenheit seiner Familie gestoßen, denn sein Großavater kam in diesem Küstenort, an dem auch er eine Zeitlang gelebt hat, ums Leben. Angeblich ein Mord, verübt von der lokalen Bevölkerung. Doch seine Nachforschungen ergeben etwas ganz anderes. Galera hat ein beeindruckendes Buch geschrieben, das sich über drei Generationen zieht. Ohne viele Kunstgriffe, die wahrscheinlich die äußerst fragile Atmosphäre beeinträchtigt hätten, führt er seine Protagonisten durch ihre Geschichte. Sanfte, aber dennoch hochgradig spannende Übergänge machen den Roman zu einem Leseereignis. Galera beschreibt mit großem Wortreichtum die Handlungsorte, die Bilder tauchen vor dem geistigen Auge auf und sind so nachdrücklich, dass man jede Wolkenbewegung mitsehen und jedes Meeresrauchen hören kann. Die Handlungsstränge sind chronologisch mit einigen Nebenwegen, die sich aber nicht irgendwo verlieren, sondern immer wieder schnell in den Hauptstrang eingebettet werden. In Brasilien ist der Autor schon in der Oberliga angekommen, dieses Buch, sein erstes in deutscher Sprache, ist eine großartige Empfehlung an das Publikum, die nächsten Bücher des Autors nicht zu ignorieren.

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  • Leseempfehlung!

    Flut

    unclethom

    31. December 2013 um 13:56

    Der Klappentext: Sein Vater erschießt sich vor seinen Augen, und was ihm bleibt, sind der alte Schäferhund und eine vage Sehnsucht nach Läuterung. Er bricht auf in den Süden und mietet sich in einem kleinen Ort an der Küste ein. Er findet Arbeit als Sportlehrer, lernt eine Frau kennen, unternimmt lange Wanderungen mit dem Hund, schwimmt Stunden am Stück ins offene Meer hinaus. Vor allem aber versucht er ein Familiengeheimnis zu ergründen sein Großvater hatte in der Gegend gelebt, bis er unter ungeklärten Umständen verschwand. Doch ein empfindliches Handicap erschwert ihm die Suche, eine neurologische Erkrankung, er kann Gesichter nicht wiedererkennen. Seine Nachforschungen jedenfalls scheinen die Anwohner aufzuschrecken, Gerüchte machen die Runde, wird er bedroht? Wem kann er trauen, wenn schon nicht sich selbst und seinen Wahrnehmungen? Allmählich begreift er, dass er das gleiche Schicksal wie sein Großvater zu erleiden droht. Und plötzlich steht ihm das Wasser bis zum Hals. §Mit lichter, hypnotisierender Kraft erzählt "Flut" die epische Geschichte einer Suche über drei Generationen, die an die Grenzen des Menschenmöglichen führt. Quelle: www.lovelybooks.de Der Autor: Daniel Galera, geboren 1979 in São Paulo, lebt heute in Porto Alegre. Er hat Erzählungen, eine Graphic Novel und drei Romane geschrieben. Sein Werk ist vielfach ausgezeichnet, verfilmt und für das Theater adaptiert worden. Galera hat u. a. Zadie Smith, Jonathan Safran Foer, David Foster Wallace und Hunter S. Thompson übersetzt. Flut ist sein erstes Buch in deutscher Sprache. Quelle. www.amazon.de Meine Rezension: Auf dieses Buch war ich schon recht lange sehr gespannt. Viele Rezensionen haben es mit Höchstnoten bedacht und so fragte ich mich ob es wirklich so gut ist, ob die Rezensionen tatsächlich diesem Buch entsprechen. Vorab kann ich sagen sie tun es! Sprachlich sehr ausgereift schreibt der Autor in der eher ungewöhnlichen, namenlosen „Er“-Form. Anfangs etwas gewöhnungsbedürftig kam man schnell ins Buch hinein und wurde gefesselt. Der Protagonist begibt sich auf die Reise in die Vergangenheit seines Großvaters. Zunächst eher zurückhaltend und ohne viele Kontakte, wird er je länger dort verweilt immer aufgeschlossener und taucht ab in die Gemeinschaft des Ortes, wo er jedoch immer wieder auf Mauern des Schweigens trifft. Je weiter man im Buch vorankommt, umso schwerer fällt es dem Leser das Buch beiseite zu legen. Das Buch, eigentlich zu Schade, es in einem Zug zu lesen, nimmt einen mit auf die Reise und man kommt nicht zur Ruhe bevor man fertig ist. Für mich ist es garantiert nicht der letzte Titel des Autors, ich freue mich schon heute auf weitere Bücher von Daniel Galera. In der Summe komme ich hier nicht umhin als ebenfalls die Höchstpunktzahl zu vergeben, also 5 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung

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  • Normalerweise interessieren mich...

    Flut

    BennieSalazar

    05. December 2013 um 11:57

    ...Romane, in denen sich der Protagonist auf einen Selbstfindungstrip begibt, überhaupt nicht. Das ist mir oft zu langatmig, selbstmitleidig, angestrengt. Doch Galeras Flut hat mich gepackt. Der Anfang 30-jährige Protagonist - Typ Sportler, kein Intellektueller - zieht nach dem Selbstmord seines Vaters in den touristischen Küstenort Garopaba. Kurz vor seinem Selbstmord erzählt ihm der Vater, dass Ende der 60er Jahre sein Großvater ebenfalls in Garopaba lebte und dort unter mysteriösen Umständen umgebracht wurde. Galera beschreibt das Leben des Protagonisten im Küstenort von ca. Ende Februar 2008 bis Oktober 2008. Ein Leben zwischen Sport, ein bißchen Arbeiten im Fitnessstudio, neuen Menschen treffen, Sex sowie auf der Spurensuche nach dem Großvater. Aufgrund einer Erkrankung kann sich der Protagonist keine Gesichter merken. Dies macht es für ihn und seinem Umfeld natürlich nicht leicht, im Alltag zurecht zukommen. Der Roman entwickelt einen tollen Sog zwischen dem Alltag des Schwimmers und absurden Szenen (Zirkus, Walbeobachtung, Bordell). Dabei schreibt Galera teilweise sehr detailliert, aber nie langatmig. Pluspunkt! Der Autor zeigt den Schwimmer zwischen Alltag und Suche nach dem Leben des Großvaters. So werden nebenbei Fragen nach Familie/ Freunde, Arbeit, Spiritualität/ Religion, Leben in der Stadt vs. Leben auf dem Land (interessant ist, dass die Sommerzeit in diesem brasilianischen Küstenort von November bis Februar im Roman ausgespart wird) behandelt. Auch wenn viele Dinge zufällig passieren, wirkt dies nie kitschig oder konstruiert. Weiterer Pluspunkt! Der größte Pluspunkt ist die Erzählperspektive des Romans: Der Autor schreibt in der 3ten Person Singular (er) und diese Person bleibt namenlos. Dies liest sich zunächst vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig. Doch das ist meiner Meinung nach der Kniff, der den Roman vor jeglichem spirituellem Kitsch bewahrt. Der Leser ist dem Schwimmer gleichzeitig nah und fern. In Kombination mit der "Gesichtsamnesie" funktioniert die Erzählperspektive genial! Fazit: Toller Roman! Ist dies Literatur für Männer? Ein Fänger im Roggen für Erwachsene? Gegen Ende sagt der Held: "Das Leben ist das Ergebnis unserer Handlungen. Es ist sinnlos, sich so zu verhalten, als wäre etwas nicht geschehen."

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  • Distanzen und Nähe

    Flut

    michael_lehmann-pape

    04. October 2013 um 11:26

      Zwei Dinge sind es, die den Protagonisten dieses sprachlich ausgereiften Romans (der erste von Calera, der in deutscher Sprache erscheint), zunächst überhaupt nur in erkennbarer Weise innerlich berühren.   Da ist zum einen Beta, die alte Hündin seines Vaters (der einen angekündigten Selbstmord begangen hat und selbst bei diesem bleibt der Sohn, aus dessen Perspektive der gesamte Roman erzählt wird, seltsam distanziert innerlich kraftlos). Für Beta gibt der Triathlet alles an Energie und Geld, was er aufzubringen vermag.   Und da ist zum anderen die Geschichte des eigenen Großvaters, der als „Gaucho“ in Garopaba (an der brasilianischen Atlantikküste gelegen) unter ungeklärten Umständen  wohl zu Tode gekommen ist. Oder nur verschwunden?   Dieser Distanz des Protagonisten zu sich selbst und den Menschen gegenüber, korrespondiert wunderbar zutreffend im Buch mit der eigentümlichen Krankheit, die er trägt. Er kann sich Gesichter nicht merken. Alles verschwimmt, irgendwie, zumindest anfänglich.   Im Roman selbst ist dies das passende Symbol für die Distanz, die „der Trainer“ sich selbst und der Welt gegenüber in sich trägt. Eine Distanz, die nur langsam abschmilzt. Je besser er seine neuen Mitmenschen kennenlernst, desto mehr er an anderen Eigenschaften als die des Gesichtes diese zuordnen kann, desto mehr taut er auf, schließt Kontakte. Ein Prozess, den Calera dem Leser hervorragend näher bringt.   Nach dem Tod des Vaters nun, vielleicht, weil er nicht besseres zu tun hat, vielleicht, weil ihn irgendetwas kaum greifbares (und das auch eher träge) antreibt, vielleicht auch nur, um dem lange schon schwelenden, harten Streit mit seinem Bruder zu entgehen, begibt er sich ebenfalls nach Carapoba. Mietet ein Haus am Meer, schwimmt, läuft, hat Affären, bringt sich ein und spürt, jedes Mal, wenn seine große Ähnlichkeit zum Großvater auffällt oder er direkt nach der alten Geschichte fragt, irgendetwas ist da im Busch, stimmt da nicht in diesem Dorf.   „Die Fischer reden kaum mit ihm. Alle, die er auf den Tod seines Großvaters angesprochen hat, ignorieren ihn seitdem“.   Und je mehr er sich um Beta zu kümmern hat und je mehr er über das Leben, die Ereignisse um seinen Großvater von damals erfährt, desto näher rückt er damit auch sich selbst und spürt: diese Geschichte des Großvaters, diese Art, dem Leben gegenüber zu treten, dass ist auch seine eigene Geschichte und seine Art. Mehr und mehr lebt er nach, was damals war.   „Mein Vater hat mir erzählt, er wurde auf einem Fest ermordet. Das Licht ging aus und mehrer Leute stachen auf ihn ein“.   Aus dem Prolog heraus bereits ahnt der Leser, dass nicht nur die Geschichte dieses Großvaters nicht gut geendet hat. Auch die Geschichte des Enkels wird dramatische Wendungen nehmen. Wendungen, die von der Flut, vom Meer ebenso verschlungen werden, wie es die alte Geschichte wurde.   Wie nun Calera das alles bildkräftig erzählt, wie beiläufig er komplette Lebensarten fließend schildert und einfließen lässt, wie flüssig es ihm gelingt, seinen Protagonisten in seiner inneren Leere vor Augen zu führen und ebenso die langsame Füllung dieser Leere in den Raum zu setzen, genauso, wie Calera wie nebenbei die ganze  Persönlichkeiten schon an deren Schwimmstil wunderbar zu beschreiben versteht, dass ist, zusammen mit der intensiven Geschichte selbst, sehr lesenswert und bietet eine dichter und dichter werdende Atmosphäre im Buch.   Bis zu einem Mord dann, der geschieht und niemanden weiter zu interessieren scheint, der aber durchaus wichtige Fäden zur Lösung all der Ungereimtheiten und der Mauer des Schweigens in sich trägt.   Eine intensive Geschichte, die Calera mit literarisch hoher Qualität ebenso intensiv erzählt.

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