Daniel Galera So enden wir

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Inhaltsangabe zu „So enden wir“ von Daniel Galera

Sie waren unsterblich – damals, Ende der Neunziger, wütend und voller Aufbruch, drei Jungs und eine Frau, Protagonisten der neuen Gegenkultur aus späten Punks, krassen Künstlern und digitalen Bohemiens. Allen voran Duke, riesiges Schriftstellertalent, genialisch, unnahbar. Jetzt ist Duke tot, zufälliges Opfer eines Raubüberfalls, es ist das Jahr 2014 und Porto Alegre wie paralysiert von der sengenden Hitze und dem Streik.
Am Grab ihres alten Mitstreiters kommen Aurora, Antero und Emiliano zusammen, nach einer gefühlten Ewigkeit wie Fremde. Unweigerlicher Blick zurück: Wie war das früher, und was ist aus ihnen geworden, aus den Idealen, Lebensplänen, Hoffnungen? Und: Wer war dieser Duke wirklich? War er ihr Freund? Oder hat er sie nicht doch bloß für seine Zwecke benutzt? Die immer skurrilere Suche nach einer Antwort führt die drei zu einer Hinterlassenschaft, die so berührend wie erschütternd ist.

Was gibt dem Leben Halt, wenn das Wünschen nicht mehr hilft? Daniel Galera hat einen virtuos agilen, unerschrockenen Generationen- und Gegenwartsroman geschrieben. Über Auf- und Abbrüche, über Ankünfte und Verlorenheiten und über das ungelöste – vielleicht unlösbare? – Geheimnis menschlicher Nähe.

"The internet is for porn."

— Raine

Sprachlich der Wahnsinn, inhaltlich leider etwas schwach.

— Tigerkatzi

Trauriges Fazit zur Generation Y. Unbefriedigt - nicht nur ihre Mitglieder, sondern auch der Leser.

— MrsFraser

Bietet Stoff zum Nachdenken, ist aber anstrengend zu lesen und lässt mich letztendlich eher ratlos zurück. Literarisch anspruchsvoll!

— LitteraeArtesque

Ein Buch, das aufrütteln und nachdenklich machen will

— milkysilvermoon

Ein Roman über die Desillusion einer Generation, die die Welt neu erfinden wollte. Melancholisch und düster...

— parden

Die Schreibweise hat mich direkt gepackt und begeistert, doch ehrlich muss ich sagen, dass die eigentliche Story an mir vorbeigezogen ist.

— Buchkonfetti

Was beibt wenn wir aus den Idealen heraus wachsen?

— Linatost

Ein sehr berührender und aufrüttelnder Roman, der zum Nachdenken einlädt

— alupus

Ein Roman der ein Gefühl beschreibt

— Lilith79

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  • Leserunde zu "So enden wir" von Daniel Galera

    So enden wir

    Suhrkamp Verlag

    Was gibt dem Leben Halt, wenn das Wünschen nicht mehr hilft? In seinem Generationen- und Gegenwartsroman So enden wir erzählt Daniel Galera von drei alten Freunden, die sich nach einer gefühlten Ewigkeit am Grab ihres ehemaligen Mitstreiters zusammenfinden und einen Blick in die gemeinsame Vergangenheit werfen. »Galera zieht seine Leser in die Tiefen der menschlichen Seele – ein Jonathan Franzen Brasiliens.« Le Monde Worum geht’s?Brasilien, kurz vor der Jahrtausendwende: Aurora, Antero, Emiliano und Duke sind Teil der neuen Gegenkultur aus späten Punks, krassen Künstlern und digitalen Bohemiens. Sie fühlen sich unsterblich. Jetzt aber ist 2014 und Duke ist tot. An seinem Grab kommen die drei Freunde, die mittlerweile zu Fremden geworden sind, zusammen und werfen einen Blick zurück: Wie war das früher, was ist aus ihnen und ihren Idealen geworden? Wer war Duke wirklich? Die Suche nach einer Antwort führt die drei zu einer Hinterlassenschaft, die so berührend wie erschütternd ist …Neugierig geworden? Hier geht’s zur Leseprobe »Möchtet Ihr der Verbundenheit dieser besonderen Vierer-Freundschaft auf den Grund gehen? Dann bewerbt Euch einfach bis zum 21. März über den blauen „Jetzt bewerben“-Button* für die Leserunde – und beantwortet uns dazu folgende Frage:Erinnert Ihr Euch noch an die Anfänge des Internets? Wann und wofür habt Ihr es erstmals genutzt? Wisst Ihr noch, auf welchen Seiten Ihr unterwegs wart? Über den Autor: Daniel Galera wurde 1979 in São Paulo geboren und lebt heute in Porto Alegre. Sein Werk, das Erzählungen, eine Graphic Novel und drei Romane umfasst, ist vielfach ausgezeichnet, verfilmt und für das Theater adaptiert worden. Galera ist auch als Übersetzer tätig und hat u. a. Werke von Zadie Smith, Jonathan Safran Foer, David Foster Wallace und Hunter S. Thompson ins Portugiesische übersetzt.* Im Gewinnfall verpflichtet Ihr Euch zur zeitnahen und aktiven Teilnahme am Austausch in allen Leseabschnitten der Leserunde innerhalb von 4 Wochen nach Erhalt des Buches sowie zum Veröffentlichen einer ausführlichen Rezension auf LovelyBooks.de, nachdem Ihr das Buch gelesen habt. Bestenfalls solltet Ihr vor Eurer Bewerbung für eine Leserunde schon mindestens eine Rezension auf LovelyBooks veröffentlicht haben. Bitte beachtet, dass wir die Bücher nur innerhalb Europas verschicken.

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  • „So enden wir“ von Daniel Galera

    So enden wir

    Raine

    23. April 2018 um 20:26

    „The internet is for porn.“ So könnte man das Buch „So enden wir“ von Daniel Galera grob zusammenfassen und ihm damit vermutlich nicht ganz gerecht werden. Aber aus meiner Sicht ging es eigentlich nur darum: Sex im Zeitalter des Internets. Der Inhalt des 231 Seiten starken Buches ist kurz erzählt. Duke ist gestorben. Auf seiner Beerdigung treffen sich seine drei Freunde aus Unitagen wieder: Antero, der Schönling, Aurora, die Strebsame, und Emiliano, der Älteste. Alle drei erinnern sich an ihren talentierten Freund zurück und reflektieren dabei – gemeinsam und alleine – auch ihre eigenen Leben. Dabei kommen nicht nur die guten Seiten zum Vorschein. Es ist schwierig, ein Buch zu beurteilen, dass die eigenen Erwartungen nicht erfüllt. Kein Künstler muss Erwartungen erfüllen. Trotzdem ist der Klappentext ein wenig irreführend. Ich habe einen philosophischeren, umfassenderen Eindruck vom „Enden“ in der heutigen Zeit erwartet. Was bleibt von uns? Welche Rolle spielt die moderne Technik dabei? Wie behalten uns Freunde in dieser Welt in Erinnerung? Galera bricht dieses Thema stark herunter und bettet es in ein Sammelsurium aus Sexszenen. Vielleicht möchte er uns auch damit sagen, dass es bei uns Menschen eh nur um das Eine geht. Trotzdem war es für mich nach einer Weile nicht mehr „schockierend“, sondern nur noch ermüdend. Abstrakte Pornoszenen, Fremdgehen, Camgirls, Satres Sadismus, homosexuelle Fantasien und zwischendurch noch eine Abtreibung. Alles eher nüchtern beschrieben, ohne sichtbare Erkenntnis der Charaktere. Leben auf das Animalischste heruntergebrochen. Ich gehe davon aus, dass der Autor hinter jeder Szene eine Absicht versteckte. Etwas, dass er uns mitteilen möchte. Dass das Internet nicht vergisst und unsere dunklen Seiten für alle sichtbar macht. Dass es Karrieren zerstören kann, unsere moralische Schizophrenie zum Vorschein bringt, unser Leben dokumentiert. Am Ende bleiben nur ein paar Daten auf unserer Fitness-App, die mehr über uns verraten, als wir es mit Worten je getan haben. Aber diese Erkenntnisse sind nur mit viel gutem Willen interpretiert. Der Text war in seiner deutschen Übersetzung leicht und kurzweilig geschrieben, jedoch war die Art und Weise, wie der Autor seine Ideen einbette, nichts für mich. Es gab einige Szenen, hinter denen ich auf rätselhafte Weise Botschaften vermutete, wie Anteros Nasenbluten oder der weiße Hirsch. Jedoch war die Handlung in ihrer Gesamtheit so banal, dass es mir nicht ausreichte, mit Erzählungen über Sex und Abtreibung scheinbar irgendwie „Schwung“ reinbekommen zu wollen. Am Ende bleibe ich mit etwas enttäuschen Erwartungen zurück und ohne neue, interessante Erkenntnisse darüber, wie wir denn jetzt eigentlich enden. Aber vielleicht ist genau das die Absicht dieses Buches? Macht euch euer eigenes Bild.

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  • Literarisch anspruchsvoller Roman aus Brasilien und Porträt einer Gesellschaft...kann man lesen

    So enden wir

    Ayda

    22. April 2018 um 13:49

    Kurzer Inhalt:Der Roman handelt von 4 jungen Menschen,die zu seiner Zeit in den 90ern als Gruppe zusammen kamen und nannten sich im Netz Orangetango. Eine Plattform,die sich mit gesellschaftlichem Missständen auseinander setzte. Es geht um Duke,Antero, Emiliano und Aurora. Heute treffen sie sich auf der Beerdigung vo Duke, er wurde Opfer eines Raubüberfalls, erschossen. Geblieben sind die Drei. Duke war Schriftsteller und begehrt. Nun bekommt Emiliano die Anfrage,ob er eine Biografie über ihn schreiben kann. Er ist Journalist aber nicht wirklich erfolgreich. Antero ist der, bei dem alles von außen so glücklich und erfolgreich wirkt, der Schein trügt. Aurora will sich den Traum als Wissenschaftlerin in der Biologie verwirklichen. Wir erleben die Geschichte aus der Ich-Perspektive und erfahren über die Vergangenheit,Sehnsüchte,Abgründe und Enttäuschungen. Es ist ein Gesellschaftsporträt über Korruption,Armut,Versagen,Ängste,Sexismus,politische Schieflagen aber auch Träume. Es gibt einige pornografische Szenen,die zwar nicht schön zu lesen sind aber zeigen wie verstört man sein kann:S.119 : "Für die einen der Gipfel der Sinnlichkeit. Für andere Abgründe zerstörter Begierde."Meine Meinung:Ich muss zugeben, dass mir das Cover weiterin nicht gefällt und einen Bezug zu der Geschichte konnte ich mit dem Bild auch nicht verbinden. Ich hatte Einstiegsprobleme aber nach 30 Seiten war ich in der Geschichte und habe die 200 Seiten an zwei Tagen gelesen. Der Schreibstil ist anspruchsvoller und beinhaltet auch einige Fremdwörter. Der Autor Daniel Galera hat hier versucht einige wichtige Themen in einem Roman zu verarbeiten. Es ist ihm durchaus gelungen,jedoch konnte ich zu den Figuren keinen Bezug aufbauen, sie waren mir zu entfernt. Sprachlich fand ich das Buch gut und es regt auf jeden Fall zum Nachdenken an aber ich hätte mir etwas weniger "Pornoszenen" gewünscht,auch wenn auch diese Szenen eine "Sinn" für das Verstehen der Handlung haben. Ich fand es gut aber nicht herausragend und vergebe 3,5 Sterne!

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  • Trauriges Fazit zur Generation Y

    So enden wir

    MrsFraser

    21. April 2018 um 22:31

    Daniel Galera beschreibt in seinem Roman drei, so kann man wahrscheinlich wohl sagen, typische Vertreter der Generation Y: Ende der 90er, zu Beginn des Internets bildeten die 'Erzähler' des Romans, Aurora, Antero und Emiliano, zusammen mit anderen eine literarische Vereinigung um den genialen Schriftsteller Duke. Damals blickten alle optimistisch in die Zukunft, in der ihnen dank der neuen technischen Errungenschaften die ganze Welt zu Füßen liegen sollte und ließen ihre Kreativität auf unterschiedlichen Kanälen in die Winkel des WWWs fließen. 2014 sind die Menschen der ständigen Befriedigung der meisten Gelüste durch das Internet überdrüssig geworden, gegen Hitze und Kriminalität hat man noch keine Lösung gefunden, die soziale Ungerechtigkeit wächst, Frauen werden immer noch nicht als vollwertige Fachkolleginnen anerkannt und Duke wird auf offener Straße ermordet. Zu seiner Beerdigung treffen Aurora, Antero und Emiliano wieder zusammen und wir erfahren aus wechselnden Perspektiven davon, wie ihr Leben aktuell aussieht.  Da ist vor allem erst einmal Ernüchterung. Wirklich glücklich ist keiner der drei. Alle haben sich von ihren revolutionären Schriftergüssen der 90er emanzipiert, leben teilweise das, was sie damals noch verurteilt haben und verraten ihre Ideale, um ihr Leben zu finanzieren. Liebe findet sich in den Leben der drei Hauptfiguren nur noch rudimentär wieder, allenfalls ihre beruflichen Projekte lassen einen Anflug von Leidenschaft erkennen.  Es ist ein trauriges Fazit, dass Galera über die dargestellte Gesellschaft und meine Generation fällt. Die abgestumpfte Darstellung sexueller Interaktion und Befriedigung lässt einen ebenfalls extrem ernüchtert zurück und wäre für mich (vor allem in dem Ausmaß) gar nicht nötig gewesen, um die Charakterisierung abzurunden. Zwar ist das mit ein Aspekt, der prägend ist - der Verlust der Möglichkeit zur Befriedigung durch liebevolle Interaktion aufgrund der individuellen Befriedigung alleine und dem Konsum von ständig verfügbaren sexuellen Stimulationen durch Pornovideos und Co, doch scheint dies fast ein Hauptanliegen des Romans zu sein. Die Gewichtung ist für mich einfach falsch. Der fast mystische, symbolische Hoffnungsmoment am Ende des Romans kommt daher auch unnatürlich daher und passt nicht zum Rest des Buches. Das angebliche 'Geheimnis', dass Duke in seinen Werken laut Klappentext hinterlassen hat, kommt übrigens gar nicht zur Sprache  - ein Fehler des Verlages, der bei den Lesern komplett falsche Erwartungen schürt. Hier wird keine (!) Geschichte erzählt, hier wird lediglich eine Generation und eine Zeit extrem nüchtern, wenn auch realistisch charakterisiert. 

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  • Gescheiterte Persönlichkeiten

    So enden wir

    milkysilvermoon

    20. April 2018 um 12:27

    Porto Alegre im Jahr 2014: Andrei Dukelsky wird bei einem Raubüberfall mit nur 36 Jahren getötet. Als großes Talent der zeitgenössischen brasilianischen Literatur ist Duke bekannt und bei vielen beliebt. Sein Tod führt seine früheren Freunde nach mehreren Jahren wieder zusammen: die 33-jährige Stipendiatin Aurora, den 42-jährigen freiberuflichen Journalisten Emiliano und Antero Latvala, Mitte 30, verheirateter Familienvater und Firmenchef. Ende der 1990er-Jahre waren die drei Männer und die Frau ein untrennbares Team, schrieben zusammen für ein Fanzine und galten als die Vertreter einer neuen Gegenkultur. Nun kommen die drei verbliebenen Freunde ins Grübeln: Wie war das früher? Was ist aus ihnen geworden? Und: Wer war dieser Duke wirklich? „So enden wir“ von Daniel Galera ist ein moderner Roman über die Tiefen der menschlichen Seele.Meine Meinung:Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht der drei Hauptprotagonisten Aurora, Emiliano und Antero – abwechselnd und jeweils aus der Ich-Perspektive. Dieser Aufbau gefällt mir ganz gut, wobei gerade die Übergänge schwierig sind. Vermutlich spielt der Autor bewusst damit, den Leser länger im Unklaren zu lassen, welche Person gerade im Fokus steht.Sprachlich ist der Roman sehr interessant. Ungewöhnlich und hervorstechend ist der Schreibstil, der wegen der langen Sätze, die immer wieder eingestreut werden, zum Teil etwas sperrig und anstrengend ist. Der Autor scheut nicht davor zurück, Fremdwörter zu verwenden. Insgesamt ist die Sprache allerdings sehr klar, bisweilen schonungslos offen, derb oder sogar vulgär. Dabei zeigt sich eine Versessenheit in Details. Leider variiert der Erzählstil zwischen den Personen jedoch kaum, wodurch die Ich-Perspektive vor allem in den Aurora betreffenden Passagen nicht besonders authentisch wirkt.Zu keinem der drei Hauptprotagonisten konnte ich einen Zugang finden. Positiv anzumerken ist, dass es sich um Personen mit Ecken und Kanten handelt, die einen Einblick in menschliche Abgründe bieten und realitätsnah geschildert werden. Es sind Anti-Helden, die alles andere als sympathisch sind. Sie alle sind gescheitert, was ihre Wünsche und Ideale angeht. Jedoch fiel es mir schwer, ihr Denken und Handeln nachzuvollziehen, was mir am ehesten noch bei Aurora gelungen ist. Sie ist ebenso wie Emiliano und Antero in einer Endzeitstimmung, deren Gründe sich mir leider nicht ganz erschließen konnten.Die Handlung ist recht überschaubar. Immer wieder gibt es Rückblenden zu der Zeit um den Jahrtausendwechsel, die auf mich jedoch etwas unzusammenhängend wirkten. Das eher offene Ende gibt einen Hoffnungsschimmer. Gut gefallen haben mir die gesellschaftlichen Themen, die im Roman zum Ausdruck kommen. Dabei gibt es einige interessante Denkanstöße. Es wird recht deutlich, dass hier Krisen und Probleme angesprochen werden, die in Brasilien oder sogar weltweit relevant sind: Umweltverschmutzung, Überbevölkerung, die Schattenseiten des Internets, Armut, Korruption und sonstige Kriminalität. Sogar die berufliche Benachteiligung von Frauen wird thematisiert. Zu viel Raum nehmen dagegen die sexuellen Passagen ein. Selbst extreme Vorlieben und Praktiken werden unnötigerweise fast erschöpfend beschrieben. Das Cover entspricht mich zwar nicht meinem Geschmack, ist aber durchaus passend. Der Titel ist treffend gewählt.Mein Fazit:Der Roman „So enden wir“ von Daniel Galera ist eine gezielte Provokation, ein Buch, das aufrütteln und nachdenklich machen will. Während die Intention und die Ansätze mir sehr zugesagt haben, konnte mich die Umsetzung leider nicht überzeugen.

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  • Was ist geblieben?

    So enden wir

    parden

    20. April 2018 um 12:16

    WAS IST GEBLIEBEN?Sie waren unsterblich – damals, Ende der Neunziger, wütend und voller Aufbruch, drei Jungs und eine Frau, Protagonisten der neuen Gegenkultur aus späten Punks, krassen Künstlern und digitalen Bohemiens. Allen voran Duke, riesiges Schriftstellertalent, genialisch, unnahbar. Jetzt ist Duke tot, zufälliges Opfer eines Raubüberfalls, es ist das Jahr 2014 und Porto Alegre wie paralysiert von der sengenden Hitze und dem Streik. Am Grab ihres alten Mitstreiters kommen Aurora, Antero und Emiliano zusammen, nach einer gefühlten Ewigkeit wie Fremde. Unweigerlicher Blick zurück: Wie war das früher, und was ist aus ihnen geworden, aus den Idealen, Lebensplänen, Hoffnungen? Und: Wer war dieser Duke wirklich? War er ihr Freund? Oder hat er sie nicht doch bloß für seine Zwecke benutzt? Die immer skurrilere Suche nach einer Antwort führt die drei zu einer Hinterlassenschaft, die so berührend wie erschütternd ist.Bewusst setze ich hier den Klappentext voran, damit ersichtlich wird, worum es dem Verlag nach hier geht. Vor allem das Ende des Verlagstextes machte mich neugierg - doch um es gleich vorweg zu nehmen: hier wurde ich enttäuscht. Viele Fragen werden nicht beantwortet, und auch von der berührenden und erschütternden Hinterlassenschaft habe ich nichts gefunden.Tatsächlich geht es hier um vier ehemalige Freunde, die nach Jahren bei der Beerdigung von einem der ihren wieder aufeinandertreffen. Andrei Dukelsky, von allen nur Duke genannt, der wohl genialste Kopf unter ihnen, ist ermordet worden, zufällig, ausgeraubt und erschossen, und Aurora, Antero und Emiliano schauen zurück und auf das, was geblieben ist.Seinerzeit in den Neunzigern, als das Internet noch in den Startlöchern stand, gaben die damaligen Studenten gemeinsam ein avantgardistisches Online-Magazin heraus: das Orangotango. Die vier Freunde gehören zu der Generation, für die sich durch das junge Medium plötzlich eine neue Welt auftat, in der noch alles möglich schien, wo man sich ausprobieren und neu erfinden konnte. Viel Idealismus und Engagement, die später durch Google und Social Media, Big Data und den Digitalkapitalismus überrollt wurden und zum Erliegen kamen.In den 15 Jahren seit Orangotango haben sich die vier Freunde ziemlich aus den Augen verloren und sind ihren eigenen Weg gegangen. Duke wurde ein gefeierter Schriftsteller, der sich privat jedoch sehr zurückzog und einen Sozialautismus pflegte, der auch beinhaltete, dass er alle persönlichen Daten und Profile im Internet löschte, was fast schon an Paranoia grenzte. Aurora ist Biologiestudentin und bemüht sich gerade um die Zulassung zu ihrer Doktorarbeit, was ihr im ersten Anlauf jedoch ungerechtfertigterweise von einem Professor verwehrt wurde. Sie macht sich große Sorgen um die ökologische Zukunft der Erde und verzweifelt nahezu an der unaufhaltsam scheinenden Entwicklung - Überbevölkerung, Nahrungsmittelknappheit, Klimaveränderungen u.v.m. Zu dem ohnehin melancholischen Ton des Buches trägt Auroras Perspektive eine eindeutig depressive Note bei.Antero besitzt eine erfolgreiche Werbeagentur und nutzt dabei das Internet gekonnt für seine Zwecke. Er hat eine Frau und einen zweijährigen Sohn, was ihn aber nicht an außerehelichen intimen Kontakten hindert. Er ist gewohnt sich zu nehmen, was er braucht, ist dem Alkohol sehr zugetan und trauert seiner Zeit als Sexidol vieler Mädchen hinterher. Trotz aller Möglichkeiten, die ihm offenstehen, macht er einen zutiefst einsamen Eindruck.Emilio schließlich ist ein paar Jahre älter als die anderen drei und arbeitet als freier Journalist. Er bekommt den Auftrag, über den verstorbenen Schriftsteller Andrei Dukelsky eine Biografie zu schreiben, was er nach anfänglichem Zögern auch zusagt. Er beginnt zu recherchieren und hält Interviews, verliert sich jedoch auch in eigenen Erinnerungen - z.B. an seine erste homoerotische Erfahrung mit Duke.Überhaupt Erotik - tjaaa, Daniel Galera hält sich hier mit z.T. explizit ausgearbeiteten Sexszenen nicht zurück. Dies hat mich in der geballten Form phasenweise doch angewidert. Sex sells? Provokation? Schlussendlich nehme ich einfach mal an, dass es selbst bei diesen Szenen eher um die Einsamkeit ging - und um die Rolle des Internets. Abgedreht fand ich den Versuch Anteros, in einem Vortrag zwischen Algorithmen und den perfiden pornografischen Veröffentlichungen des Marquis de Sade einen logischen Zusammenhang herzustellen.Erzählt wird hier wechselweise aus der jeweiligen Ich-Perspektive von Aurora, Antero und Emilio, wodurch der Leser die Charaktere allmählich kennenlernt, in der Rückschau der drei auf die gemeinsame Vergangenheit dabei auch ein Bild von dem verstorbenen Duke bekommt. Die Erzählung wird durch den ständigen Perspektivwechsel einerseits zerfasert, bringt andererseits aber auch unterschiedliche Schwerpunkte ins Spiel.Sprachlich ist der Roman hoch anspruchsvoll. Schachtelsätze über 13 Zeilen sind keine Seltenheit, in den einzelnen Kapiteln gibt es keinen einzigen Abschnitt, alle paar Seiten höchstens mal einen Absatz - das war schon recht anstrengend zu lesen. Aber gerade in der ersten Hälfte fühlte ich mich unter intellektuellem Begrifflichkeitsbeschuss. Zu Beginn der Lektüre ahnte ich nicht, dass ich hier derart ständig nach irgendwelchen Begriffen googlen musste: 'Poetischer Terrorismus', 'chirurgische Bombardierung', 'Rhizome', 'Simulakren', 'Fanzine'... Ein wütendes Minenfeld von Begrifflichkeiten und Phrasen, die schwer oder nicht zu verstehen sind und mich als Leser durch die Seiten stolpern ließen. Bei Sätzen wie "...Lektüre durch Poststrukturalismus beeinflusster künstlerischer Manifeste..." (S. 49) hatte ich schließlich nur noch das Empfinden von intellektuellem Geschwafel und Worthülsen. Als Kontrapunkt dazu setzt Galera immer wieder auch Fäkalsprache ein, was mich jedoch ebensowenig ansprechen konnte. Ganz unglücklich sind dann Sätze wie: "Hin und wieder meldete sich meine abgesaugte Gebärmutter und jaulte mich an wie ein Hund..." (S. 156), was ich mal einer an dieser Stelle hoffentlich verunglückten Übersetzung zuschreiben möchte.Mit der zweiten Hälfte des Romans habe ich insgesamt weniger kämpfen müssen, doch insgesamt lässt mich das Buch eher ratlos zurück. Worum geht es hier eigentlich? Es gibt jedenfalls keine Kernaussage, allenfalls Aspekte, die zum Nachdenken anregen - Kritik am Digitalkapitalismus, Gesellschaftskritik, Verfall der Werte, Mahnung hinsichtlich der ökologischen Entwicklung des Planeten, die Vereinsamung bei zunehmender Überbevölkerung, virtuelle Welt vs. Realität u.v.m. Zu viel? Vielleicht. Ein Roman über die Desillusion einer Generation, die die Welt neu erfinden wollte. Melancholisch und düster, und nur am Ende mit einem winzigen Lichtblick. © Parden

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  • Als wir das Internet erfanden

    So enden wir

    Marapaya

    17. April 2018 um 23:29

    Ich bin ein großer Fan vom Ende der Welt. Fiktiv gesehen. Da gibt es tolle dystopische Jugendromanserien, die gerade aufwendig verfilmt werden. Fernsehserien, in denen sich die Menschen erst mit Zombies rumschlagen und dann mit sich selbst. Heldenepen, in denen einzelne die Welt vor dem Untergang retten. Düstere Science-Fiction-Sagas in denen es immer um alles oder nichts geht, mindestens aber die ein oder andere Welt als Kollateralschaden vernichtet wird. Apokalypsen stehen hoch im Kurs, das wussten auch schon die Bibelschreiber: Noah und seine Arche, Sodom und Gomorrha, dazu die Zehn Plagen im alten Ägypten. Ob sich Daniel Galera nun mit Absicht oder unbewusst hier einreihen wollte, vermag ich nicht zu sagen. Aber mit seinem Titel und der permanenten Endzeitstimmung seiner Figuren muss er sich diese Assoziation meinerseits gefallen lassen. Und was soll ich sagen? Die Zehn Plagen sind mir lieber. Bis auf Pseudoendzeitstimmung passiert auch nicht viel in seinem Roman über vier nicht mehr ganz junge Menschen, die nach einem Überfall nur noch zu dritt im Bunde sind und dieser Bund bereits einige Jahre, ja fast Jahrzehnte zurückliegt. Keine Apokalypsen, keine Zombies, keine Riesenwellen – nur ein Busstreik und eine Beerdigung während der heißesten Zeit des Jahres irgendwo in einer Großstadt in Brasilien. „Virtuos agil und unerschrocken“ heißt es auf dem Rückdeckel über Galeras Roman. Mit „unerschrocken“ sind wahrscheinlich die vielen Beschreibungen der sexuellen Vorlieben und Praktiken seiner Figuren gemeint. Sie sollen wohl dabei helfen, den Kontrast zwischen den jungen Ichs und den erwachsenen Ichs zu verdeutlichen. Früher als Mittzwanziger ist Antero vor laufender Kamera mit seinem nackten Hintern über die Gesichter von Frauen gerobbt, heute braucht er eine Stunde, um die perfekte Abfolge aus digitalen Pornobildern für die Masturbation zusammenzustellen und ist dann so ausgepumpt, dass er eine zweite Runde mit der eigenen Frau nicht mehr schafft. Und Aurora ist so in ihre Forschungsarbeit an der Uni versunken, dass ihr die Zeit für echte soziale Kontakte fehlt, die kompensiert sie dann mit virtuellen Sexchats. Emiliano hat seine Homosexualität endlich akzeptiert und schreibt jetzt eine Biografie über den verstorbenen Kumpel Duke. Der war noch keine 40, erfolgreicher Schriftsteller und ist beim Joggen wegen seines Handys überfallen und erschossen worden. Alle vier waren zu Beginn des Internets ganz weit vorn dabei und haben sich 1999 einen Namen gemacht mit einem Online-Magazin, dass per Mail verschickt wurde. Wie alle jungen Leute haben sie sich damals unsterblich und zu Großem berufen gefühlt. 15 Jahre später scheinen sie ernüchtert vom Status Quo und schwelgen abwechselnd in Nostalgie und Endzeitstimmung. Warum habe ich nicht ganz verstanden. Irgendwie fehlt mir komplett der Zugang zu den drei Charakteren. Es gibt keine große Handlung, nur drei Ich-Erzähler, die abwechselnd zu Wort kommen und mich allmählich nerven mit ihrem Erzählton „jetzt ist Andrei tot, damals waren wir so jung, wir hatten das beste Jahr unseres Lebens, es herrschte der gleiche Lebensüberdruss bei mir wie letzte Woche, ich goss mir einen Whisky ein,...“ Zwischendrin dann manch kluger Satz wie „Die schlimmste Eitelkeit ist die Forderung nach Anerkennung für unsere Aufopferung.“ Solche schlauen Sätze sind natürlich von Andrei, dem Schriftsteller mit Spitznamen Duke. Vielleicht wirkt in der Übersetzung Galeras Erzählsprache nicht. Vielleicht passt seine brasilianische Endzeitstimmung nicht zu unserer europäischen. vielleicht geht es mir persönlich gerade zu gut, dass ich mich nicht mit der Midlifecrisis von fiktiven Figuren auseinandersetzen mag. Vielleicht ist Galera auch egal, was ich von seinem Text halte. Ich suche mir jetzt einen schönen dystopischen Roman, in dem hätten die Charaktere in der Regel einen Grund zum Jammern in ihrem repressiven Leben und verlieben sich stattdessen beim rebellischen Kampf gegen die diktatorische Herrschaft in ihre Kampfgenossen, kurz bevor sie die Welt retten.

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  • So enden wir

    So enden wir

    Buchkonfetti

    16. April 2018 um 11:07

    Daniel Galeras Roman So enden wir ist im März 2018 im Suhrkamp Verlag erschienen.Die Orginalausgabe erschien unter dem Titel Meia noite e vinte (Companhia das letras) in Brasilien.Ich war wahnsinnig gespannt auf das Buch. Der Klappentext klang für mich direkt interessant.Doch worum geht es  auf diesen 231 Seiten eigentlich? Galera erzählt über die alten Freunde Aurora, Emiliano und Antero. Zwar haben sie sich in den letzten Jahren aus den Augen verloren, doch ein Schicksalsschlag führt alle wieder zusammen. Der vierte Teil des Quartetts Duque wird 2014 in Porto Alegre auf offener Straße ermordet. Bei der Beerdigung sehen sie sich wieder und schwelgen nach und nach in Erinnerungen. Sie waren Künstler, sie waren Punks, sie wollten „anders“ sein. Gemeinsam lebten sie sich Ende der Neunziger journalistisch aus, träumten von der Erfüllung in der Literatur und der ewigen Jugend. Galeras Schreibweise hat mich schon auf den ersten Seiten direkt gepackt und begeistert, doch ehrlich muss ich sagen, dass die eigentliche Story irgendwie an mir vorbeigezogen ist. Ich spüre mit unter die Emotionen, die Konflikte der Protagonisten, doch gleichzeitig bleiben sie mir wahnsinnig fern. Die teilweise exzessiven sexuellen Erlebnisse und Phantasien bestimmen mir die einzelnen Kapitel zu stark. Ich weiß nicht, ob ich als Leser dadurch provoziert werden soll?Soll ich mich voyeuristisch und unwohl fühlen, als würde ich durch ein Schlüsselloch schauen? Ich jedenfalls fühle mich nicht wohl beim Lesen, vielleicht bin ich da auch zu zart besaitet, aber mir ist das zu viel: Zu viel Sex, zu viele Eskapaden und zu wenig Story. Gerne hätte ich mehr erfahren über Aurora, Emiliano und Antero und vor allem über Duque: Was war sein Geheimnis? Hatte er überhaupt eins?Daniel Galeras Erzählstil gefällt mir dennoch unheimlich gut und vielleicht probieren Galera und ich es noch mal mit seinem Roman Flut, der 2015 erschienen ist.

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  • Früher war alles besser?

    So enden wir

    Fornika

    16. April 2018 um 09:55

    In ihren 20ern waren sie ein gutes Team, beste Freunde, haben gemeinsam viel erlebt. Aurora, Antero, Emiliano und Duke. Dann sind sie erwachsen geworden und haben sich jahrelang aus den Augen verloren. Bis Duke eines Abends beim Joggen erschossen wird und sich die verbliebenen Drei an seinem Grab wiederfinden. Man kommt ins Gespräch. Und ins Grübeln über die „gute, alte Zeit“.  Daniel Galeras Roman hat mich auf eine seltsame Art und Weise fasziniert. Einerseits mochte ich den Erzählstil des Autors, andererseits hat er auch oft eine sehr harte und z.T. bewusst abstoßende Art Dinge auszudrücken, was einen beim Lesen immer kurz innehalten lässt. Die Grundstimmung des Romans ist drückend und auch etwas traurig, weniger Dukes Tod geschuldet, sondern der Tatsache, dass die drei Freunde etwas unglücklich und auch einsam durchs Leben zu irren scheinen. Trotzdem fallen sie nicht gänzlich aus dem Rahmen, ich denke schon, dass sie in vielerlei Hinsicht Kinder ihrer Zeit sind. Der Autor nimmt sie als Beispiel um viele aktuelle Themen aufzugreifen; man hat 600 Freunde bei Facebook, aber keine echten zum Reden; das Internet vergisst nichts; als Frau hat man es in der akademischen Laufbahn nicht leicht, etc. Dass der Roman in Brasilien spielt, geht oft unter, nur ab und an kommt der Autor auf spezifische gesellschaftliche Gegebenheiten zu sprechen. Insgesamt ging er mir nicht tief genug, spricht zwar viele Themen an, streift sie dabei aber nur. Die drei Protagonisten wechseln sich kapitelweise ab, sodass man jeden so nach und nach kennenlernen kann. Man erfährt viel über ihre Wünsche und Träume, merkt aber schnell, dass vieles davon gescheitert ist. Ich konnte alle drei nicht sonderlich gut leiden (muss man vielleicht auch gar nicht), fand ihre Geschichte aber trotzdem interessant und wollte auch wissen, ob es für sie ein Fünkchen Hoffnung am Horizont gibt. „So enden wir“ ist ein Roman, der anders ist. Ein Roman, der durchaus Stoff zum Nachdenken liefert. Aber auch ein Roman, der sich für meinen Geschmack ruhig noch etwas mehr hätte trauen dürfen. (3,5 Sterne)

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  • Was bleibt?

    So enden wir

    herrzett

    12. April 2018 um 12:22

    "In meiner Hilflosigkeit kam mir wahrscheinlich der Gedanke, dass die Zeit, in der wir lebten, der Auftakt zu einer langsamen, irreversiblen Katastrophe war und dass die Kraft, das Naturgesetz oder das Etwas, das unsere Träume mit Leben erfüllte, und mit >unsere< meinte ich meine Träume, die meiner Freunde, meiner Generation, allmählich versiegte." Doch ein Freund wird dies nun alles nicht mehr miterleben. Als zufälliges Opfer in einem Raubüberfall wird Duke in Porto Alegre getötet. Vor gerade einmal 15 Jahren war er gemeinsam mit Aurora, Emiliano und Antero Mitglied der Orangotango-'Bewegung', die ein recht erfolgreiches politisch, alternatives Online-Magazin herausgaben. Dann verloren sie sich irgendwie aus den Augen um sich nun an seinem Grab wiederzutreffen. Daniel Galera beschreibt nun in So enden wir die einzelnen Geschichten und Gedanken, dieser ehemals besten Freunde und reißt damit viele Themen an, die diese Menschen der Generation Y bewegen, ihr Leben prägen und doch irgendwie so hoffnungslos vor sich her treiben. Der Aktivismus der damaligen Zeit scheint verflogen und Probleme größer denn je. Selbst Duke, der Digital-Verfechter möchte laut Testament nun gänzlich in den Untiefen des Internets verschwinden und wirft damit zumindest bei einem seiner damaligen Freunde einige Fragen auf. "Mit unserer Welt ging es weder zu Ende noch voran, so sah ich das jedenfalls. Sie befand sich im Stillstand. Vielleicht stagnierte sie in ienem Stadium des ewigen Sterbens." So enden wir ist für mich ein Roman, der mit zahlreichen Ansätzen zum Denken anregt, aber kein stabiles Fundament bietet. Es ist eine Mischung aus Hinterfragungen, Zukunftsproblemen, Vergleiche mit den Anfängen der digitalen Bewegungen und Revolution sowie Sexualpraktiken. Vielleicht ist es generell, das Zeichen einer unbefriedigenden aktuellen Situation, die dieser Gegenwartsroman beschreiben soll, vielleicht auch eher ein Konglomerat aus verschiedenen Gedanken und Einflüssen, die nicht einhundert prozentig zusammenpassen und doch irgendwie sprachlich, erzählerisch miteinander harmonieren. Es sind die Gegensätze von Vergangenheit und heute - den Anfängen und des heutigen stagnierenden Überdenkens, der Menschen mit seinen konträren Gedanken und Handlungen selbst, aber auch das Schicksal, welches alles plötzlich verändern kann. Insgesamt muss ich jedoch sagen, dass dieser Roman zwar sprachlich, interessant geschrieben ist, doch bis auf ein paar Anstöße, keine wirkliche Bereicherung bietet. Mit dem Ende des Buches, bleiben zahlreiche Fragen und das Bild, dass Galera versucht hat aufzubauen, zerfällt binnen weniger Minuten.  "Alles war so merkwürdig, dass die Bilder eine fast metaphysische Bedeutung bekamen. Sie existierten völlig unabhängig, erfüllten keinen Zweck, weil sie nicht wirklich waren, aber eben doch fast, so wie ein vierdimensionaler Würfel oder ein Yeti."

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  • Die Entwicklung nach dem Studium

    So enden wir

    Linatost

    08. April 2018 um 20:59

    Sie waren jung, studierten und hatten noch viele Ideen und Träume. Aber was bleibt von der Freundschaft nach der Studienzeit? Was passiert wenn man aus seinen alten Idealen heraus wächst? „Am Grab ihres alten Mitstreiters kommen Aurora, Antero und Emiliano zusammen, nach einer gefühlten Ewigkeit wie Fremde.“ Es folgt der unvermeidbare Blick zurück. Wie haben sie sich kennen gelernt, was geschah damals und haben sie noch gegenseitig einen Platz in dem Leben des anderen? Aber das ist nur ein Aspekt der Story der andere ist die Einsamkeit des einzelnen trotz der vielen Möglichkeiten des Sexes im Internet. Das Buch wirft auch einen kritischen Blick auf die digitalen, sozialen Möglichkeiten. Wie nah wir einander kommen können und trotzdem vereinsamen können. Dabei geht der Autor nicht gerade prüde vor. Es ist also nichts für Chicklit Liebhaberinnen mit Blümchensex. Gleichzeitig waren alle Charaktere so real gezeichnet, dass ich direkt identifizieren konnte. Darum hat mich das Buch auch etwas unvollendet zurück gelassen. Ich hätte die Protagonisten gerne noch weiter verfolgt und ein bis zwei offene Punkte gerne noch geklärt bekommen. Aber der Autor gönnte uns einen kurzen Einblick.

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  • Wiedersehen nach 15 Jahren

    So enden wir

    alupus

    07. April 2018 um 23:21

    Wiedersehen nach fünfzehn Jahren   Ein sehr berührender und aufrüttelnder Roman, der zum Nachdenken anregt   Inhaltsangabe: Sie waren unsterblich – damals, Ende der Neunziger, wütend und voller Aufbruch, drei Jungs und eine Frau, Protagonisten der neuen Gegenkultur aus späten Punks, krassen Künstlern und digitalen Bohemiens. Allen voran Duke, riesiges Schriftstellertalent, genialisch, unnahbar. Jetzt ist Duke tot, zufälliges Opfer eines Raubüberfalls, es ist das Jahr 2014 und Porto Alegre wie paralysiert von der sengenden Hitze und dem Streik. Am Grab ihres alten Mitstreiters kommen Aurora, Antero und Emiliano zusammen, nach einer gefühlten Ewigkeit wie Fremde. Unweigerlicher Blick zurück: Wie war das früher, und was ist aus ihnen geworden, aus den Idealen, Lebensplänen, Hoffnungen? Und: Wer war dieser Duke wirklich? War er ihr Freund? Oder hat er sie nicht doch bloß für seine Zwecke benutzt? Die immer skurrilere Suche nach einer Antwort führt die drei zu einer Hinterlassenschaft, die so berührend wie erschütternd ist. Was gibt dem Leben Halt, wenn das Wünschen nicht mehr hilft? Daniel Galera hat einen virtuos agilen, unerschrockenen Generationen- und Gegenwartsroman geschrieben. Über Auf- und Abbrüche, über Ankünfte und Verlorenheiten und über das ungelöste – vielleicht unlösbare? – Geheimnis menschlicher Nähe. Meine Meinung: 1999 geprägt von Weltuntergangsstimmung produzierten  4 Freunde: Aurora, Emiliano, Antero und Andrei im Zeichen von Orangotango und des gerade aufkommende Internet Schriften, Texte und Videos. Sie waren provokant sexistisch und erhielten einen Zulauf den sie selbst nicht erwartet hatten. Ein Zitat aus einem Video: „Die schlimmste Eitelkeit ist die Forderung nach Anerkennung für unsere Aufopferung.“ S. 76 15 Jahre später: 2014 zu der Zeit ist in Brasilien gerade die Fußballweltmeisterschaft: Porto Alegre versinkt in der Hitze, Schmutz und Streiks. Es herrscht Chaos und Korruption. Die Freude treffen sich auf einem jüdischen Friedhof da Andrei wegen eines Handys erschossen wurde. Sie sind alle was geworden: Aurora Dr. der Biologie, Emiliano Journalist und Antero Millionär und einsamer Sexgott, der provoziert durch Vorträge, die mit de Sade und Sexscenen gespickt sind. Er kann es sich leisten, es ist ihm egal. Er feiert einsame Orgien mit Pornos und Kleenex. Emiliano soll eine Biografie über Andrei Dukelsky schreiben. Er war gerade 34 Jahre alt als er ermordet wurde,  und ein erfolgreicher Schriftsteller. Nur, Andrei hat verfügt, dass nach seinem Tod sämtliche Internetdaten gelöscht werden. Da das Internet nichts vergisst, wird Emiliano fündig und was er entdeckt, haut ihn um. Aurora, die als Biologin wissenschaftlich an Zuckerrohr arbeitet ist noch geprägt von dieser Weltuntergangsstimmung. Denn sie sieht es vor Augen, dass es Ende des 21. Jahrhunderts 10 Milliarden mehr Menschen geben würde. Zitat: „Die Wissenschaft war der Vergaser in dieser immer schneller werdenden Welt mit immer mehr Menschen, die immer länger lebten und mehr Dinge konsumierten, produziert von einer Industrie, und die Ideologie dahinter war mehr Profit, klar, aber auch mehr Leben, mehr und mehr Leben.“ S. 179 Fazit: Daniel Galera hat einen sehr berührenden und aufrüttelnden  Roman geschrieben, der sich gut lesen lässt, aber doch zum Nachdenken anregt. Die Protagonisten sind sehr authentisch dargestellt. Das einzige was ich ihm ankreide, dass er nicht näher auf Orangotango eingegangen ist. Ich werde auf jeden Fall sein Erstlingswerk „Flut“ noch lesen. Dieses Buch kann ich nur empfehlen.      

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  • Ein Roman der ein Gefühl beschreibt

    So enden wir

    Lilith79

    07. April 2018 um 21:09

    "So enden wir" von dem brasianischen Autor Daniel Galera ist ein Roman der schwer zu fassen ist, was sich auch in den meisten Rezensionen widerspiegelt, die ich bisher gelesen habe, nicht nur ruft der Roman ein sehr unterschiedliches Echo hervor, auch sind die meisten Rezensionen eher schwammig wenn  es darum geht den Inhalt zu beschreiben. Dies dürfte daran liegen, dass es wirklich gar nicht so einfach ist den Roman in Worte zu fassen. Worum es grundsätzlich geht, ist eigentlich nicht so kompliziert, ein bekannter Schriftsteller namens Andrei (von allen nur der "Duque" genannt) wird beim Joggen in der Stadt Porto Alegre auf der Straße ermordet. Geschockt reagieren darauf seine 3 Jugendfreunde Aurora, Emiliano und Antero, mit denen zusammen der Duke vor ca. 10 - 15 Jahren ein politisches und alternatives Online-Magazin namens Orangotango herausgab, dass eine Zeit lang in Brasilien richtig angesagt war, bevor es wieder verschwand und die Leben der 4 Freunde sich auseinander entwickelte. Jetzt Jahre später versucht Aurora ihr Biologie- Studium zu beenden, hadert aber mit einem Gefühl, dass die Welt dem Niedergang geweiht ist und ist schon mit dem Leben an sich ziemlich überfordert. Emiliano soll eine Biografie über den Duque schreiben, solange sein Tod noch so viel Aufmerksamkeit generiert, dass es sich gut verkauft, weiß aber nicht ob er es schafft seine eigene persönliche Geschichte mit Andrei zu verarbeiten. Antero ist finanziell der erfolgreichste der Drei, ruiniert aber dafür sein Familienleben. Das Buch beschreibt die Wochen und Monate nach Andreis Tod aus der Sicht der 3 Freunde, wobei es nur fetzenhafte und episodenhafte Einblicke in das Leben der drei und ihr Verhältnis zu Andrei gibt, dabei werden aktuelle Themen wie die Auswirkung der Digitalisierung und der Social Media auf das Leben der Menschen und der Menschheit aufgegriffen...da das Buch recht kurz ist (200 Seiten) erhält jeder Charakter nur ca. 2 Kapitel und irgendwie hat man am Ende des Buches das Gefühl nur recht wenig erfahren zu haben, obwohl gar nicht viel passiert ist...mir hat das Lesegefühl des Buches wirklich gut gefallen, es liest sich flüssig obwohl es sich an vielen Stellen in Details verliert, die aber nie langweilen und es schafft es finde ich sehr gut das Gefühl der Orientierungslosigkeit zu beschreiben, dass die 3 Freunde in dieser Phase ihres Lebens (sie sind zwischen Anfang 30 und ca. 40) alle befallen zu haben scheint. Der Aktivismus und die Energie ihrer Orangotango-Zeit scheinen sie verloren zu haben und ich konnte grade das Gefühl Auroras, dass die Welt sich in einer besonders hoffnungslosen Phase befindet gut nachvollzieht, das geht wohl Vielen so, die täglich die Nachrichten verfolgen. Aber das Buch macht auch Hoffnung, dass diese Phase vielleicht etwas ganz Normales ist, die einen egal in welchem Jahrzeht oder Jahrhundert man lebt in einem bestimmten Alter überkommt (ich lese gerade parallel den "Baader-Meinhof Komplex" und da mich die politischen und gesellschaftlichen Geschehnisse die dieses Buch beschreibt fast in jedem Kapitel im Vergleich zur heutigen Weltlage trotz allem sprachlos machen, habe ich den Verdacht, dass an dieser Theorie etwas dran ist), was etwas sehr Tröstliches ist. Vielleicht muss man aber in einem ähnlichen Alter sein wie der Autor und die Protagonisten, um sich mit der Gedankenwelt des Buches anfreunden zu können. Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen, da es zum Nachdenken anregt, auch wenn man hinterher gar nicht so richtig weiß, worüber ;-) Ob man das Buch weiterempfehlen kann, ist eine schwierige Frage, da es definitiv viele Gründe gibt, warum es einem nicht gefallen kann. Wer ein Fan von viel Handlung und einfacher Sprache ist, wird mit dem Buch vermutlich nichts anfangen können, auch sollte man eine ausgeprägte Toleranz für Vulgarität mitbringen, denn die Sprache schwankt oft zwischen philosphisch und sehr derb.

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  • Verschrottete Zukunft?!

    So enden wir

    Miamou

    07. April 2018 um 15:25

    Als ich das Buch „So enden wir“ zugeschlagen habe, habe ich mir zunächst mal gedacht, was ich denn da nun gelesen habe. Ein Roman? Eine Dystopie? Eine Apokalypse? Ich weiß nach wie vor nicht so recht, wo ich dieses Buch einordnen kann, was einerseits absolut faszinierend ist, andererseits aber eben auch diese großen Fragezeichen übriglässt. Voran will ich unbedingt stellen, dass es im Fall dieses Buches fast notwendig ist den Klappentext nicht zu lesen. Er suggeriert ganz andere Erwartungen, als man dann präsentiert bekommt. Es gibt daher an dieser Stelle von mir gar keine Inhaltsangabe zu dem Buch, denn es gibt kaum Handlung. Vielmehr handelt es sich in diesem Buch um eine Charakterstudie, die ich schlussendlich als sehr intensiv empfunden habe. Hätte ich das im Voraus gewusst, so wäre ich bestimmt ganz anders an die Sache rangegangen. So musste ich das mehr oder weniger selbst herausfinden und da war dann schon beinahe das halbe Buch gelesen. Im Grunde geht es um die drei Charaktere Aurora, Emiliano und Antero und es wird aus ihrer Sicht erzählt bzw. werden diese drei charakterisiert. Neben diesen drei Figuren gibt es auch noch Duke. Ihr ehemals bester Freund, der erschossen wurde. An dieser Stelle steigt der Leser in das Buch ein. Beim Begräbnis von Duke treffen die restlichen drei wieder aufeinander und ziehen Bilanz über ihr Leben und was aus ihnen geworden ist. Erst nach und nach eröffnet sich dem Leser, dass die vier Freude kurz vor der Milleniumswende gemeinsam an einem Fanzine gearbeitet haben, dass sich Orangotango nannte. Sie waren jung, idealistisch und wollten die neuen Medien für sich nutzen. Im 21. Jahrhundert angekommen, haben die sozialen Medien jedoch die Menschheit überrollt. Dies wird auch immer wieder im Buch angeschnitten. Man kann sich ihnen nicht entziehen und das Internet vergisst auch nie. Zudem beeinflussen die sozialen Medien den Alltag und befeuern den grenzenlosen Konsum der Masse. Der Einzelne geht darin unter. Auch Aurora, Emiliano und Artero sind dieser Entwicklung zum Opfer gefallen. Zudem kommt bei ihnen noch dazu, dass ihr Freund Duke gestorben ist. Was bleibt von ihm übrig? Welche Abdrücke hat er in den sozialen Medien hinterlassen? Und wer darf über sie verfügen, wo er selbst es nicht mehr kann? Und wer war dieser Duke eigentlich?Emiliano wurde Journalist und erhält nun die Aufgabe eine Biografie seines ehemaligen Freundes zu schreiben, weiß aber nicht so recht, wo er damit anfangen soll. Aurora und Antero wagen den Versuch durch ihr Zusammentreffen wieder alte Zeiten zu beleben, müssen aber sehr schnell feststellen, dass es kein Zurück mehr gibt. Gleichzeitig aber auch, dass sie nicht mehr die Idealisten von früher sind und dass sich ihr Leben nicht so entwickelt hat, wie sie selbst es sich gewünscht hätten. Aurora beschäftigt sich zwar als Biologin mit der Natur und wünscht sich die Grüne Revolution, bleibt damit aber sehr alleine. Antero ist in der Werbebrache tätig, weiß aber, dass diese auf unehrlichen Fundamenten aufgebaut ist. Das Buch zeigt sehr klar auf, welchen Einfluss die sozialen Medien auf uns haben und welche Auswirkungen sie haben, wenn wir uns nur auf sie alleine verlassen. Da Menschen sich ihre virtuelle Welt selbst zusammenstellen, vergessen sie auf das, was sie dann real vor der Nase haben. Daniel Galera legt also anhand seiner vier Figuren eine sehr umfassende Gesellschaftskritik vor. Allerdings habe ich mir an vielen Stellen damit eher schwer getan. Warum?Grundsätzlich würde ich mich als Leserin bezeichnen, die kein Problem damit hat, auch mal zwischen den Zeilen zu lesen. Allerdings war es mir hier um den Tick zu viel. Ich brauche es dann doch, dass gewisse Dinge einfach Schwarz auf Weiß dastehen, damit ich weiterinterpretieren möchte. In diesem Fall war mir das zu wenig. Im Grunde war ich sehr froh dahingehend dieses Buch in einer Leserunde mitzulesen, um mir dort auch Gedanken von anderen Lesern zu holen. Des Weiteren finde ich Galeras Erzählweise dann doch auch zu provokant. Und nur um mich nicht falsch zu verstehen, ein gewisser provokanter Schreib – und Erzählstil kann etwas und ich mag Bücher, die das in einem unterschwelligen Ton machen. Wenn diese Provokation in den meisten Fällen in irgendwelchen sexuellen Aktivitäten der Charaktere untereinander bzw. mit sich selbst gipfeln, dann muss das nicht unbedingt sein. Über Duke selbst, der der Dreh – und Angelpunkt für diese Charakterstudien war, hat man herzlich wenig erfahren, genauso, wie die drei anderen zu ihm gestanden haben bzw. welche Bedeutung er für sei hatte. Am ehesten konnte man da noch eine Verbindung zu Emiliano entdecken, die beiden anderen wässern aber so nebenbei her. Leider hat das Buch nicht ganz meinen Geschmack getroffen. Einerseits war es eine faszinierende Leseerfahrung, dann aber eben auch gleich wieder eine die ich nicht so recht einordnen kann. Es ist ein zeitgenössischer Roman, der auf jeden Fall aufzeigt, dass die großen Versprechen der heutigen digitalen Medien eher ins Leere laufen. An sich ein Thema, dass es heute auch in der Literatur braucht. Ich hätte mir allerdings eine griffigere Umsetzung gewünscht.

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  • Die Generation Aufbruch der 90er im Heute angekommen - ein zeitloses Thema, modern interpretiert

    So enden wir

    Magicsunset

    "Ich glaubte an die Zukunft, an die Kreativwirtschaft und an die Kraft des Kapitalismus, mit den eigenen Widersprüchen klarzukommen, einschließlich der Apokalypsen." (Zitat Seite 106)Ende der 90er Jahre in Brasilien eroberten sie die digitale Welt mit ihrem kontroversiellen Online-Magazin „Orangotango“. Vier Freunde - Aurora, Emiliano, Antero und Andrei Dukelsky, genannt „Duke“. Ihr Leben war wild, immer bereit, die bekannten Strukturen aufzubrechen, kulturelles Neuland zu betreten. Ihre Wege trennten sich. Emiliano war weiterhin als Journalist tätig, während Antero eine sehr erfolgreiche Werbefirma aufgebaut hat. Aurora hat sich für ein Biologiestudium entschieden und arbeitet an ihrer Dissertation über den Biorhythmus von Zuckerrohr. Duke wurde ein erfolgreicher Schriftsteller mit einer großen Fangemeinde - doch 2014 wird er bei einem Raubüberfall ermordet. Bei seinem Begräbnis beginnen sich die drei Freunde zu fragen, was aus ihnen und ihren Träumen geworden ist und vor allem, wer war Duke wirklich und was bedeutet sein Vermächtnis?Der Autor legt uns hier einen Generationenroman vor, das Dilemma einer mit allen Möglichkeiten der neuen digitalen Welt aufgewachsenen, intellektuellen Jugend, die sich selbst jedoch mit den Jahren irgendwie verloren hat, in der Realität verunsichert, vereinsamt, aber sich gleichzeitig den intensiven Lebenshunger erhalten hat. Er siedelt seine Geschichte mitten in den chaotischen Zuständen der Proteste und Streiks 2014 an, in den Städten Porto Alegre und Sao Paulo. Thema dieses Romans ist natürlich auch die wirtschaftliche Situation in Brasilien, die Demonstrationen der unzufriedenen Bevölkerung, doch das Kernthema sind die vernetzte Konsumwelt und die schillernde Welt der sozialen Medien, der sich niemand entziehen kann. Selbst die sexuellen schnellen Bedürfnisse lassen sich einfacher in der virtuellen Welt ausleben, als in persönlichen Begegnungen. Der sprachgewaltige Roman ist in der Ich-Form geschrieben, jedoch mehrmals zwischen den Personen Aurora, Emiliano, Antero wechselnd. Duke als Hauptprotagonist tritt, da der Roman mit der Nachricht von seinem Tod beginnt, nur in den Rückblicken und Erinnerungen seiner Freunde und Partnerin gleichsam aus dem Schatten in den Vordergrund. Ein nach wie vor kreativer, erfolgreicher Schriftsteller, gibt er in seinen Büchern und in den sozialen Medien immer ein perfektes Bild ab, wer er wirklich ist, weiß niemand. Er bringt das Dilemma der Generation Internet am besten auf den Punkt, indem er sich selbst plötzlich vollkommen zurückzieht und schon in jungen Jahren Vorkehrungen für sein virtuelles Erbe trifft.Antero dagegen, das erwachsen gewordene Enfant terrible, nützt sein Können und Wissen von der Wirkung der global vernetzten Marketingstrategien gekonnt aus, obwohl er genau diese Mechanismen im Grunde verachtet.Aurora dagegen hat sich für die Wissenschaft entschieden, sich macht sich Sorgen um die ökologische Zukunft der Menschen und der Erde, forscht akribisch, um sich in einer Männer dominierten Welt der Wissenschaft durchzusetzen. Natürlich will sie in ihrem Fachgebiet auch erfolgreich sein. Nur Emiliano ist Journalist geblieben, er schreibt unabhängig und kritisch und als er mit der Biografie von Duke beauftragt wird, weigert er sich zunächst, sagt aber dann doch zu und beginnt zu recherchieren. Er will vor allem den Menschen Duke zeigen.In diesem modernen Roman zeigt Daniel Galera Probleme auf, die im Grunde zeitlos sind. Wie viele ehemals stürmische, unangepasste 68er sehen sich irgendwann um und müssen feststellen, dass sie bequem und zutiefst bürgerlich geworden sind, in genau jenem Establishment, gegen das sie in ihrer Jugend demonstriert haben. So ähnlich geht es nun der ebenfalls rebellierenden Jugend der späten 90er, die sich der vielfältigen Möglichkeiten moderner Informationstechnologien für eine völlig neue Art der Kultur einer globalen Vernetzung ihrer gesellschaftskritischen Anliegen bediente und nun, erwachsen im Alltag einer Karriere-orientierten Gesellschaft angekommen, resignierend fragt, ob es das ist, wofür man mit jugendlichem Idealismus gekämpft hat. Es sind Themen, über die wohl jeder Leser schon nachgedacht hat, die durch diesen Roman vielleicht neue Sichtweisen bekommen und die sich sicher nicht mit der letzten Seite dieses Buches abschließen lassen.Wer sich auf diesen Autor, seine Themen und seine Sprache einlässt, muss sich Zeit nehmen. Ein erster Test ist der allererste Satz dieses Romans, der über dreizehn gedruckte Zeilen geht und den man in einer Buchhandlung oder in einer Leseprobe lesen sollte. Man sollte auch bereit sein für eine manchmal harte, beinahe brutale Ausdruckweise und entsprechende Gedankenbilder. Dennoch ist der Autor nie wirklich destruktiv und er entlässt seine Protagonisten und Leser mit einem Ausblick in eine positive Zukunft, ein leises Bild, neue Erkenntnisse, neue Energien.

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