Daniel Goetsch

 3 Sterne bei 6 Bewertungen
Autor von Ein Niemand, Fünfers Schatten und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Daniel Goetsch

Fünfers Schatten

Fünfers Schatten

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Erschienen am 10.02.2018
Ein Niemand

Ein Niemand

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Erschienen am 20.02.2016
X

X

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Erschienen am 01.03.2004
Ben Kader

Ben Kader

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Erschienen am 01.08.2006
Herz aus Sand

Herz aus Sand

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Erschienen am 01.03.2009

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Rezension zu "Fünfers Schatten" von Daniel Goetsch

Zwei Leben so unterschiedlich
Linatostvor 5 Monaten

Wieder einmal passte der Klappentext nicht zum Inhalt des Buches. So heißt es im letzten Drittel des Textes:

„Diehl ist fasziniert von Quintins Lebensgeschichte, die auf unheimliche Weise mit seiner eigenen verknüpft scheint. Er verwirft sein biographisches Projekt und kündigt seinem Verlag einen großartigen Roman an. Doch nach und nach wird klar, dass Jack Quintin nicht der ist, der er vorgibt zu sein. Als Diehls Exfrau nach einer Stippvisite samt Sohn wieder abreist, muss er feststellen, dass der Amerikaner ebenfalls verschwunden ist.“

Hier nach hatte ich mir einen Roman vorgestellt, bei dem ein großes Geheimnis gelüftet wird, leicht kriminalistisch angehaucht. Ich dachte mindestens die Hälfte des Romans handelt von dem Verschwinden und der Suche nach den Beiden. Pustekuchen!

Trotzdem hat mich der Roman von der ersten Seite an begeistern können. Die Sprache und Story sind so dicht, dass ich direkt alles um mich herum vergessen konnte.

Beide Charaktere, von Quintin und Diehl, sind sehr interessant und vielschichtig. Aus unterschiedlichen Zeitepochen hören wir immer wieder Abrisse aus ihrem Leben. Unterschiedlicher hätte es nicht verlaufen könne. Maxim Diehl der nach dem Krieg geboren ist und die Studentenunruhen in Zürich miterlebt hat, profitierte von dem Nachkriegsboom. Dazu im Kontrast steht Quintin, der als Amerikanischer Soldat während und nach dem Krieg in Deutschland stationiert war. Da wir ihnen im Jetzt begegnen fragt man sich, wie sie aus so mancher Lebenssituation heil wieder raus gekommen sind und so erfolgreich werden konnten wie sie es jetzt sind.

Aber nicht nur die beiden lernen wir kennen, wir lesen die Geschichte auch aus der Perspektive von dem einen oder anderen Nebencharakter. Für mich eine Vervollständigung der ganzen Story.

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Rezension zu "Fünfers Schatten" von Daniel Goetsch

Vielfach verwoben
michael_lehmann-papevor 9 Monaten

Vielfach verwoben

„Als er im Herbst 1999 mit der Fähre auf Porquerolles übersetzte, fühlte er sich frei“.

Was täuscht, und das wird bereits nach wenigen Seiten klar. Denn Maxim Diehl, seines Zeichens Dramatiker, ist schon in gewisser Weise innerlich auf der Flucht. Was das neue Theaterprojekt angeht, auf das sein Freund in Berlin besteht, was eine gewisse „Schreibunlust“ angeht, was das private Leben angeht, was das Leben an sich angeht.

Zur Ruhe kommen, sich Notizen machen, es mit Schreiben versuchen, eine Biographie vielleicht.

Wobei, dem Leser wird es zu Anfang mit auf den Weg gegeben und am Ende des Werkes darauf zurückgekommen, man sollte Plutarch gemäß zwei Biographien erstehen und gegeneinander lesen, um dann eine Chance zu haben, der Wahrheit objektiv und nicht subjektiv gefärbt näher zu kommen.

Denn auch wenn es Maxim Diehl nicht wirklich gelingen wird, seine Biographie zu schreiben, genügend Notizen über sich, seine Familie wird der Roman am Ende schon enthalten, um als eine Art Biographie gelten zu können.

Auch wenn er sich sagt: „Er hatte den Gedanken endgültig verworfen, mit der Begegnung seiner Eltern im kriegszerstörten Deutschland anzufangen“, er sagt sich dies selbst, nachdem er diese Erinnerungen verfasst hat und der Leser diese gelesen hat.

Was schon eine gewisse Unruhe in die Lektüre bringt, die im weiteren Verlauf durch eine zweite Biographie erweitert wird. Denn auf der Insel begegnet der Schriftseller einem mysteriösen Amerikaner, der sehr geschickt darin ist, das eigene Leben aus den Gesprächen herauszuhalten. Wohl aber im Lauf der Zeit genügend Informationen preisgibt, um wieder ins kriegszerstörte Deutschland gedanklich zurückzukehren, in dem jener Jack Quintin eine besondere Rolle innehatte.

Mehr und mehr Parallelen von Ereignissen und Orten entdeckt Maxim Diehl, die doch keinen Zufall darstellen können. Während der Leser ebenso mehr und mehr den Eindruck erlangt, dass hier doch dem Schicksal arg „auf die Sprünge“ geholfen wird. Dann auch gerade das Ende mit seinen Auflösungen (dass zudem noch eine dritte Erzählebene eines weiteren Biographen einfließen lassen wird) wirkt zu gewollt, zu sehr mit Andeutungen von verbundenen Lebensfäden versehen.

Was dann noch die Familie Diehls, Frau und Sohn, an eigenen Geschichten mit auf die Insel bringen werden und wer jene „Viv“ ist, der Diehl ungeordnet Briefe zu schreiben scheint, das erschließt sich erst spät und dienst nicht unbedingt der Klarheit der inneren Struktur des Romans. So dauert es, bis deutlich wird, wer „Jakob Fünfer“ sein könnte und was dieser mit all dem zu tun hat.

„Es gibt kein zurück. Wir müssen die Vergangenheit abschütteln und uns den unerforschten Gebieten zuwenden, unserer Gegenwart, unserem zerklüfteten Dasein“.

Dies wiederum ist Goetsch gut gelungen, die „Zerklüftung“ darzustellen. Nicht nur im Jetzt der Gegenwart des Romans oder der späteren Jahre gegen Ende des Buches, sondern auch der Zerklüftung in der Vergangenheit, die auf die Gegenwart ausstrahlt und diese mitbestimmt. Wie ebenso die Spannungskurve, die mehr und mehr auf eine Eruption hinarbeitet, dem Elser emotional durchgehend vor Augen steht. Und doch am Ende überrascht in dem, wie Diehl all dies zu Ende führt.

Insgesamt aber ist es schwer, den roten Faden im Auge zu behalten und, entgegen der Abneigung des Protagonisten gegen George Simenon (dessen Arbeitszimmer auf der Insel zu besichtigen ist), hätte dessen traditionell einfache und klare Schreibweise auch diesem Roman streckenweise besser zu Gesicht gestanden.

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