Daniel Hajok Auf Augenhöhe?

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Inhaltsangabe zu „Auf Augenhöhe?“ von Daniel Hajok

»Deutschland sucht den Superstar«, »Germany’s next Topmodel« oder »Die Super Nanny« – was macht diese Sendungen so interessant? Geht es um Voyeurismus oder Schadenfreude, wenn untalentierte Kandidaten von Dieter Bohlen bloßgestellt werden? Dient die Fokussierung auf das Optische bei Heidi Klum der Fixierung auf ein bestimmtes Körperideal? Sind Coachingformate wie »Die Super Nanny« ein Alptraum oder moderne Lösungen für Hilfesuchende in scheinbar aussichtslosen Situationen? All diese Formate stehen seit Jahren bei den Zuschauern hoch im Kurs, werden aber auch heftig kritisiert. Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis geben Einblick in den aktuellen Diskurs und stellen die Ergebnisse der neueren Forschung zum Thema vor. Eine Studie zu den Sehmotiven und Verarbeitungsformen bei Kindern und Jugendlichen zeigt: Junge Zuschauer gehen mit Castingshows und Coachingssendungen nicht selten ganz anders um als erwartet.

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  • Rezension zu "Auf Augenhöhe?" von Daniel Hajok

    Auf Augenhöhe?

    michael_lehmann-pape

    14. May 2012 um 14:26

    Wissenschaftliche Rezeption von Castingshows und ähnlichem Seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts und der damals sich entwickelten Breite von Talk Shows vornehmlich in den privaten Fernsehsendern erhielt der bis dato zumeist nur als Zuschauer am Fernsehen beteiligte „Nicht-Prominente“, einfache Bürgert die Möglichkeit, in erheblicher Breite die Möglichkeit, selbst vor der Kamera aktiv zu werden. Ebenso beobachtbar war, nicht nur zu jener Zeit, das immer häufiger in diesem Zusammenhang gerade auch Menschen „aktiviert“ wurden, die in ihrem „echten“ Leben eher am unteren Rand der Gesellschaft zu finden waren (und sind). Nun aber ist die „Realität nicht per se“ interessant, wie Joachim Von Gottberg in der Einleitung des Buches herausarbeitet. Es bedarf der Inszenierung und der Kommentierung, eine professionelle Auswahl der Beteiligten, ein formatinternes Regelsystem, welches Provokationen oder Konflikte zwischen den teilnehmenden Personen befördert, in Teilen gar erst selbst inszeniert und eine bewertende Moderation, die auf Spannungsbögen hinarbeitet. Gerade das als Schwerpunkt im Buch betrachtete Feld der Castingshows, die in der vorliegenden Breite und Vielzahl quasi als Nachfolger der 90er Jahre Talkshows bezeichnet werden könnten, zeigt diese Inszenierung, professionelle Planung und strukturierte Dramatik sehr gut sichtbar auf. Interessant zu lesen sind alleine schon die gezielten und „gemachten“ Peinlichkeiten, Bewunderungen, Images, welche beileibe nicht nur die „Kandidaten“ betreffen, sondern auch die Juroren und das Umfeld solcher Shows. Und hinter allem, auch im Buch, liegt die Frage zugrunde, wie viel Intimität eigentlich einem Millionenpublikum um welchen Preis und mit welchen Folgen geboten werden kann. Öffentliche Wahrnehmung um jeden Preis scheint zumindest das Motiv von Teilnehmern zu sein. Was auch für sogenannte „Coachingshows“ zutrifft, deren Formate ebenfalls in den letzten Jahren von der „Super Nanny“ an breit in die Programme rücken. Was aber nun bedeutet es für die Zuschauer solcher Sendungen, diese zu sehen? Woher rührt der zumindest teilweise Erfolg? Wird es damit tatsächlich hoffähig, Schwäche zum Anlass für reine Schadenfreude und Beleidigungen anzusehen? Wird das „Leistungsprinzip“ tatsächlich alleiniges Wertprinzip der Gesellschaft, bedingt auch durch solche Shows? De erste Teil des Buches stellt die wissenschaftliche Diskussion zum Thema dar, legt den Blick auf die entsprechende Shows auch aus dem Blick der Produzenten dar (Gute Unterhaltung ist das oberste Gebot?) zeigt aber auch die kritische Haltung des Jugendmedienschutzes und geht der Frage nach, ob hier ein „Unterschichtenfernsehen“ vorliegt, oder doch eine „Vorbereitung auf die Gesellschaft“. Im zweiten Teil unterfüttern die Autoren Ergebnisse und Aussagen des ersten Teils mit empirischen Daten. Wie gehen Jugendliche mit der Jury diverser Castingshows um, wie werden Kandidaten bei jugendlichen Zuschauern wahrgenommen, welche Neucodierung von Weiblichkeit erfolgt im Rahmen solcher Inszenierungen? Und, vor allem, wie sich die jugendliche Orientierungssuche zwischen dem eigenen Leben und der „Fernsehwirklichkeit“ darstellt. Auch wenn die einzelnen Beiträge in der Sprache teils anspruchsvoll vorliegen, durch die ständige Rückkoppelung und Nähe zum betrachteten Objekt lassen sich die einzelnen Beiträge gut lesen und bieten vielfach interessant Einblicke in die Ergebnisse. Dass eben Casting- und Coachingshows nicht nur mehr reine Unterhaltung sind, wie Fernsehshows in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts vornehmlich an Wirkung erzielten, sondern sich durchaus ein Geflecht mit gesellschaftlichen Entwicklungen und Werteorientierungen ergeben, die ernst zu nehmen und jeweils zu hinterfragen sind. Sehr deutlich sprechen die Ergebnisse von der Verantwortung gerade der diversen Jurys, die tatsächlich als Bewertungsinstanz positiv besetzt und wahrgenommen werden. Es ist zu wünschen, dass die Ergebnisse dieser Studie eine Diskussion gerade über die Wirkung und die notwendigen Grenzen solch öffentlich inszenierter Shows befördern. Und dass bei Grenzüberschreitungen auch sachgerecht Argumente gegen eine solche nun vorliegen.

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