Daniel Kampa Tintenfass Nr. 34

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Inhaltsangabe zu „Tintenfass Nr. 34“ von Daniel Kampa

Was ist nur mit der Schweiz los! Das Land, das sich am liebsten unscheinbar mitten in Europa einigelt, ist in die Schlagzeilen geraten: Erst ging die Swissair pleite, dann fast die UBS. Erst gab es den Skandal um die Holocaust-Gelder, jetzt redet man über Polanski, das Minarett-Verbot oder Steuerhinterziehung. Das Bankgeheimnis ist fast zu Grabe getragen, das Schwarzgeld strömt zur Erleichterung des deutschen Fiskus zurück nach Deutschland, die Deutschen selbst hingegen strömen in die Schweiz, das Auswanderungsland Nr. 1. Das neue ›Tintenfass‹ bietet ein literarisches Potpourri über ein Land, das vielleicht ganz und gar falsch wahrgenommen wird. Bis jetzt reden alle nur davon, ob die Schweiz es sich leisten kann, nicht der EU beizutreten. Und niemand hat je umgekehrt gefragt: Wann tritt die EU der Schweiz bei?
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  • Rezension zu "Tintenfass Nr. 34" von Daniel Kampa

    Tintenfass Nr. 34

    Gospelsinger

    11. November 2010 um 01:24

    Ja, sind diese Schweizer denn jetzt ganz durchgedreht? Europa soll der Schweiz beitreten? Das wäre ja noch schöner! Sind doch selbst diejenigen, die in dieser lesenswerten Tintenfass-Ausgabe zu Wort kommen, nicht immer so ganz von diesem angeblich so tollen Land überzeugt: „Die Schweiz – ein Gefängnis“ (Friedrich Dürrenmatt) "Der Fehler der Schweiz ist der Größenwahn und die Bescheidenheit.“, sagt Max Frisch und bringt damit die Ambivalenz der Schweizer großartig auf den Punkt. Sollen wir denn wirklich einem Land beitreten, in dem Ausländer so unerwünscht sind? "Mancher Ausländer, und sei es der Papst, hat seine Mühen mit der Schweiz.", so Peter de Weck, und das betrifft nicht nur das Minarettverbot, sondern auch die recht offen zutage tretenden Ressentiments gegen Deutsche. Sollen wir denn wirklich alle Bircher Müsli frühstücken, diese „Betonmasse“, die „schwerste Materie, die nach bisheriger Erkenntnis in der Natur vorkommt“ (Meir Shalev)? Sollen wir uns in der Schweiz so „gigantisch langweilen“ wie Gustave Flaubert? Uns „zu sehr eingesperrt von Bergen“ fühlen wie Franz Kafka? Sollen wir uns wirklich das Theater um den Waschküchenschlüssel antun? (Hugo Loetscher) Müssen wir uns mühsam sprachlich integrieren? (Martin Suter) Und dann die Volksmythen. Wilhelm Tell! Ja, toller Held, aber hat mal jemand an den armen Sohn Walter gedacht, der sich in die Schusslinie stellen musste? „Das Bild des blitzschnell auf ihn zufliegenden Pfeils quälte ihn jede Nacht im Traum.“, schreibt Quim Monzo in seiner Erzählung und macht aus dem Sohn das Mitglied einer „anarchistischen Gruppe, die für die Abschaffung der Schweiz kämpfte.“ Na gut, man muss es den Schweizern lassen: Sie können sich ganz hervorragend über ihren eigenen Nationalhelden lustig machen (Robert Walser, Urs Widmer, Hansjörg Schneider). Ein, zwei weitere Vorteile hat die Schweiz natürlich auch: „In der Schweiz ist übrigens alles besser und schöner“ (Adolf Muschg). Sie hat Berge. Sie hat tolle Autoren. Und sie hat die beste Schokolade. Hmmm…. Also gut, ihr Schweizer: Lebenslang kostenlose Schokolade und ich trete freiwillig der Schweiz bei! Ich bin ja durch diese vielseitige Anthologie genügend vorbereitet für einen Übertritt.

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