„Lichtjahre“ hat mir insgesamt gut gefallen, vor allem dort, wo Daniel Kehlmann die Nazizeit und den Zweiten Weltkrieg aus der Perspektive der Filmschaffenden beleuchtet.
Besonders beeindruckt hat mich die Figur des Papst. Kehlmann zeichnet ihn so überzeugend, dass man beim Lesen immer wieder meint, diesen Mann habe es tatsächlich gegeben. Und wenn nicht ihn, dann ganz sicher jemanden, der genau so hätte sein können.
Papst ist ein Gegner des Naziregimes, der zunächst unter erheblichem Druck dazu gebracht wird, das zu tun, was von ihm verlangt wird. Doch dann gerät er immer tiefer in die Verstrickungen dieses Systems. Gleichzeitig hinterfragt er immer weniger die Ideologie und zunehmend erlebt man das Bröckeln seiner Gegenwehr bis hin zum Zustand des willfährigen Gehilfen des Naziregimes. Gerade dieses allmähliche moralische Zerbrechen eines Menschen, der eigentlich auf der richtigen Seite stand, fand ich außerordent gut gemacht. Man sieht einem Menschen dabei zu, wie er sich Schritt für Schritt in eine Situation hineinbegibt, aus der er sich kaum noch befreien kann.
Weniger gefallen haben mir dagegen die zahlreichen Passagen, in denen Papst und auch andere Figuren ins Surreale, in Träume, Albträume und Phantastereien abdriften. Ich hatte häufig den Eindruck, dass der Roman genau an diesen Stellen seine Spannung verliert und Längen bekommt.
Für mich hätte es dieser Ausflüge ins Traumhafte nicht gebraucht. Die reale Geschichte, die Kehlmann anhand seiner Figuren erzählt, ist stark und trägt genug.




























