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von Daniel Kehlmann 
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (89):
SaSu13s avatar

Die Leben drei völlig verschiedener Brüder, die ihren Weg finden müssen. Typisch Kehlmann etwas konfus, dennoch gut zu lesen !

Kritisch (25):
RJHoes avatar

Vorgetäuschter Anspruch und ein schrecklich steriler Schreibstil.

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Inhaltsangabe zu "F"

Es ist der Sommer vor der Wirtschaftskrise. Martin Friedland, katholischer Priester ohne Glauben, trifft sich mit seinem Halbbruder Eric. Der hochverschuldete Finanzberater hat unheimliche Visionen, teilt davon jedoch keinem etwas mit. Schattenhafte Männer, sogar zwei Kinder warnen ihn, nur: Gelten diese Warnungen wirklich ihm, oder ist sein Zwillingsbruder Iwan gemeint, der Kunstkenner und Ästhet? Daniel Kehlmann erzählt von drei Brüdern, die - jeder auf seine Weise - Betrüger, Heuchler, Fälscher sind. Sie haben sich eingerichtet in ihrem Leben, doch plötzlich klafft ein Abgrund auf.
Ein Roman über Lüge und Wahrheit, über Familie, Fälschung und die Kraft der Fiktion - vielschichtig, geheimnisvoll und kühn.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783499249273
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:384 Seiten
Verlag:ROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum:24.10.2014
Das aktuelle Hörbuch ist am 13.09.2013 bei Hörbuch Hamburg erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    dominonas avatar
    dominonavor einem Jahr
    Hypnotisierend - vielleicht

    Die Geschichte dreier Brüder ( Zwillinge und ein Sohn aus erster Ehe) ändert sich durch den Besuch eines Hypnotiseurs. Dies geschieht gemeinsam mit ihrem Vater, der danach seine Familie verlässt und zum Schreiben von Büchern untertaucht. Dann begleiten wir als Leser abwechselnd die Brüder und was zu Beginn wie kleine einzelne Geschichten wirkt, verbindet sich zu einer.
    Ich fand den Stil interessant, auch wenn der Autor mich mit diesem Buch nicht überraschen konnte. Die Protagonisten sind gut ausgearbeitet, aber es bleibt eine seichte Geschichte, die gerne mystisch erscheinen möchte. 

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    franzzis avatar
    franzzivor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Vater, Sohn, Sohn, Sohn. Die Männer kämpfen alle gegen ihre Dämonen und Konventionen und greifen dazu zu Lug&Trug. Spannend&klug erzählt.
    Vom Schein und Schein

    Die Friedlands, das sind Arthur, Iwan, Eric und Martin. Oder: Vater, Zwillingssöhne aus zweiter Ehe und Sohn aus erster Ehe. Zumindest sind das die Friedlands, um die es Daniel Kehlmann in seiner Geschichte "F" besonders geht. Vier Männer, die sich mit großen Lebenslügen durchschlagen. Arthur ist noch am ehrlichsten. Er findet seine Frauen und Söhne bespaßen eigentlich ziemlich doof - und deshalb macht er das irgendwann nicht mehr, flieht und wird Schriftsteller. Seine Jungen prägt das. Bis ins Erwachsenenalter. Sie alle gehen ihren Weg irgendwie. Als ungläubiger katholischer Priester, als schummelnder Finanzhai und als schummelnder Muserich eines alternden Künstlers.

    Mehrbödig hat Kehlmann den Roman angelegt. Er wechselt die Perspektive von Friedland-Erzähler zu Friedland-Erzähler, um immer näher an den Kern ranzuzoomen. Er lässt eine Erzählung Arthurs in seine Erzählung. Er vermischt damit auch im Roman selbst Realität und Fiktion - nicht nur in diesem einen Kapitel. Kehlmann schafft Prototypen von Menschen, deren Erfolg und Karriere auch maßgeblich vom Glauben der anderen abhängt: Gottesglaube, Glaube an eine gute Finanzwette oder gute Anlage und Glaube an den Wert eines Kunstwerks. Und er spielt mit den Lügen und Manipulationen, die diese scheinbar fassbare Glaubenskategorie ad absurdum führen. 

    Das ist eine kluge Parabel auf die Finanzkrise, die Gesellschaftskrise, die Krise als Dauergefühl. Seine Figuren sind trotz ihrer Prototypenfunktion sehr genau gezeichnet - aber manches, wie die Dämonen - bleibt etwas zu nebulös, so als hätte sich Kehlmann keine Zeit gelassen, auch diese der vielen Ebenen fertig zu modellieren. Trotzdem liest sich das Buch kurzweilig weg und hallt lange nach.

    Kommentare: 2
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    Yannah36s avatar
    Yannah36vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ich hatte mir mehr erhofft, hat man sich an eine Erzählperspektive gewöhnt, ändert sie sich auch schon wieder.
    Kein Ganzes sondern viele einzelne Geschichten

    F Die Geschichte dreier Söhne und ihres Vater, viele Jahre nachdem sie gemeinsam einen Hypnotiseur besuchten. Jeder ist auf seine Art und Weise in Unwahrheiten und Probleme verschtrickt. Der Vater der die Familie verließ für seine Kariere als Autor. Der Priester, welcher nicht an Gott glaubt, Ein Bänker, welcher alles Geld verspielt hat und eine Kunsthistoriker der Bilder fälscht. All diese Charaktere treffen in Zeiten der Wirtschaftskriese aufeinander.
    Inhaltlich fand ich das Buch gut, besonderes die Gedankengänge von Martin, dem Priester haben mir gefallen aber auch Iwans Handlungen bauten für mich Spannung auf. Leider bin ich im ganzen Buch mit dem Erzählstiel nicht klar gekommen, gerade wenn man sich an eine Perspektive gewöhnt hat, da wechselte diese auch schon wieder. Mir kam es nicht wie ein abgeschlossener Roman sondern wie viele einzelne Geschichten vor. 

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    walli007s avatar
    walli007vor 3 Jahren
    Hypnose

    Lange weiß Martin wenig von seinem Vater und seinen Halbbrüdern. Doch eines Tages treten Arthur Friedland und die Zwillinge Eric und Iwan in sein Leben. Eines Tages machen die vier einen Ausflug zu einer Hypnose-Show. Während der Vorstellung flüstert der Hypnotiseur Arthur etwas zu, was diesen veranlasst, die Kinder bei Martins Mutter abzuliefern und dann für lange Zeit zu verschwinden. Das Ereignis prägt das Leben der Jungen. Martin, der sich selbst als Versager besonders bei den Frauen empfindet, wird Pfarrer. Eric, der während einer Therapie lernt, den Menschen zu sagen, was sie hören wollen, wird Devisenhändler. Iwan, der immer Maler werden wollte, wird Fälscher. 


    Was bestimmt den Lauf der Dinge? Kann es eine kleine Begegnung mit einem Gaukler sein? Kann ein Fremder etwas verändern? Oder bringt er schließlich nur das zutage, was schon da ist? Ist eine Überzeugung, ein Glaube, möglicherweise stärker als tatsächliche Fähigkeiten? Redet man sich selbst ein, man sei unfähig? Kann man so eine Begabung verlieren? Bringen Zufälle den tragischen Helden in einem hervor oder einer den schutzbedürftigen Feigling? Wann kann Gaukelei als solche erkannt werden? Oder bleibt immer ein Zweifel zurück?


    Die drei Brüder gehen ebenso wie ihr Vater ihren Weg, egoistisch und rücksichtslos suchen sie ihren Vorteil. Wenig scheinen sie sich daran zu stören, welche Verletzungen sie hinterlassen. Sie wirken wie Schausteller ähnlich dem Hypnotiseur, der ihnen den Vater nahm. Gefühle anderer, fremdes Geld, Schöpfungskraft, das gilt ihnen wenig. 


    Dieser Roman von Daniel Kehlmann, der es aufgrund kontroverser Besprechungen erstmal nicht auf die Leseliste geschafft hat, besticht überraschend durch die sich überlappenden Perspektiven, aus denen sich angedeutete Erklärungen ergeben. Erläuterungen, die den Leser schließlich mehr wissen lassen als die Akteure, ihm aber doch genug Rätsel aufgeben, um das Buch nachwirken zu lassen. Eine Komposition, die vielleicht manche abschreckt, die verzweifeln können, ob der Nichtigkeit des Lebens der Brüder, die aber auch aus nahezu den selben Gründen, zu einem großen Vergnügen werden kann. Gelungen.

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    HeikeGs avatar
    HeikeGvor 3 Jahren
    Die Mechanismen des Bewusstseins" oder: "Ich bin niemand!"

    1974 erfand ein ungarischer Professor für Physik und Design einen bunten Plastikwürfel, der sich zu Beginn der achtziger Jahre wie ein Virus in der Welt auszubreiten begann. Seitdem fummeln Millionen Menschen an der Erfindung von Ernö Rubik herum und versuchen, die Schichten des Zauberwürfels so zu verdrehen, dass alle Seiten gleichfarbig werden. Zwar ist der große Hype mittlerweile verebbt, doch scheint es immer noch ein gewisses Interesse zu geben. Seit einigen Jahren fasziniert das bunte Spielzeug sogar die Wissenschaft. 43.252.003.274.489.856.000 Ausrichtungsmöglichkeiten soll es geben. Für das Wiederherstellen der farblichen Ordnung sind allerdings, man höre und staune, nur zwanzig Züge erforderlich. Der Weltrekord liegt übrigens bei sieben Sekunden.

    In sieben Kapiteln beschäftigt sich auch Daniel Kehlmann mit dem Ausloten und der Suche verschiedener Möglichkeiten sowie einem eventuell "berechenbaren" Schicksal. Zwar geht es in seinem neuen Roman mit dem schlichten Titel "F" nicht um jene magische "Gottes Zahl", aber Rubiks Würfel findet sich darin gleichfalls wieder. Einer der drei Brüder, aus deren wechselnder Sicht das Buch jeweils in der Ich-Form erzählt wird, ist diesem magischen Zauber erlegen. Das Mysterium der Existenz Gottes wird ihm im Gegenzug dazu, jedoch Zeit seines Lebens nicht klar werden. Was umso mehr erstaunt, als dass Martin katholischer Priester ist. Seine zwei Halbbrüder wiederum - die Zwillinge Eric und Iwan - scheinen auf den ersten Blick das große Los gezogen zu haben: der eine als schwerreicher Finanzmakler, der andere als erfolgreicher Kunst-Kurator. Doch auch hier trügt der oberflächliche Schein. Die Wahrheit brodelt düster-drohend unter der Oberfläche und schaut weniger optimistisch aus. Denn alle drei Leben, so unterschiedlich sie sich entwickeln, bauen nur auf Betrug und Täuschung auf. Mehr oder weniger haben sich alle drei komplett verloren. Ja, unweigerlich kommt der Verdacht auf, dass sie sich selbst nicht mehr ganz sicher sind, wer sie eigentlich sind und vielleicht gar das Leben des anderen führen.

    Ausgangspunkt ist der Besuch einer Hypnoseshow, gemeinsame mit ihrem Vater Arthur Friedland. Diese, so hat es den Anschein, besiegelt in Gestalt des ominösen Lindemann ihr weiteres Schicksal und legt den Grundstein für Kehlmanns ominöses "F". F wie Fatum? Im Lateinischen steht das Wort für eben jene höhere Gewalt, der sich Martin, Eric, Iwan und auch Arthur restlos unterwerfen und die sie, jeder auf ihre eigene Art, als Begründung für diverses Versagen, unterschiedlichste Ängste und persönliche Fügungen gebrauchen. Letzterer macht sich hernach komplett aus dem Staub, um sich fortan als mysteriöser Autor von Zeit zu Zeit aus der Versenkung bei seinen Söhnen zu melden. Diese wiederum fungieren in Kehlmanns Text alles andere als fröhliche Experimente, sondern eher als "zweckfreie Produkte eines spielerischen Geistes", als "böswilliger Angriff auf die Seele jedes Menschen", der sein Buch liest. Letztendlich wirft der Autor die Frage auf: "Wie, wenn wir immer derselbe sind, in immer anderen Träumen? Nur die Namen täuschen uns." Die Antwort liefert er gleich mit: "Lass sie beiseite, und du siehst es sofort."

    2005 hat Daniel Kehlmann mit "Die Vermessung der Welt" einen gut lesbaren, humoristischen Bestseller geschrieben. Doch schon mit dessen Nachfolger "Ruhm" verlor er einen Großteil der sprunghaft angewachsenen Fangemeinde. Mit "F" wird er wohl die verloren gegangenen "Schäfchen" auch nicht wieder zurückholen. Zu viele "Spiegelungen und unerwartbare Volten von einer leicht sterilen Brillanz" finden sich in seinem Text, der den Leser in ein Wechselbad der Gefühle wirft. Aber wie der Autor mit mehreren Wirklichkeiten, Bewusstseins- und Daseinsebenen variiert, ist schon grandios. Kehlmanns Stil und sein Spiel mit Strukturen gibt den virtuellen Schwebezustand zwischen Wirklichkeit und Traum beeindruckend wider. Gerade noch fabuliert er voller "Melancholie, ausbalanciert durch Humor", doch schon im nächsten Kapitel offenbart er eine "in der Schwebe gehaltene Brutalität" oder gar philosophische Betrachtungsweisen des Lebens und des Seins an sich. Auf mysteriöse Weise ist letztendlich alles mit allem verbunden. Am 08.08.08 kumuliert die Handlung zu ihrem alles andere als glorreichen Höhepunkt: Eine Geschichte, die dem Fatum - dem Schicksal - einen großen Raum einräumt, in der manchmal jeder Weg falsch ist und in der der Teufel und unterschiedlichste Dämonen mit Gott würfeln. Ob allerdings mit Rubiks Würfel sei dahingestellt.

    Fazit: "Dieses Buch berührt mich auf das Merkwürdigste, und bis heute macht es mir Angst. Zum Teil weil es zeigt, wie unübersehbar die Konsequenzen jeder Entscheidung und jeder Bewegung sind - jede Sekunde kann alles zunichtemachen, und wenn man das zu Ende denkt, wie lässt es sich überhaupt leben?" "F" entpuppt sich als hochwertige und anspruchsvolle Publikation, die einen ganz anderen Duktus als sein Bestseller "Die Vermessung der Welt" aufweist. Doch insbesondere diese Andersartigkeit zeigt, welch vielfältige literarisch-stilistische Qualitäten der 38-jährige Autor hat.

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    itwt69s avatar
    itwt69vor 4 Jahren
    alles Lüge oder was?

    Nach seinem Bestseller "Die Vermessung der Welt" hat Daniel Kehlmann etwas ganz und gar anderes geschaffen. Kein historischer Roman, sondern eine Geschichte über die Macht und Kraft der Lüge. Ein Vater und seine drei Söhne - alle irgendwie nicht das was sie zu sein scheinen - erst recht nicht mehr nach einem verhängnisvollen Besuch beim Hypnotiseur. Jeder auf seinen eigenen Pfaden, jedoch verbunden durch Täuschung und Selbstäuschung und natürlich dem Schicksal, das ja bekanntlich unausweichlich ist. Das Buch hat mir von Anfang an sehr gut gefallen, es liest sich flüssig, ist mal witzig, mal komisch, mal traurig und zuweilen verstörend. Am Schluss fügt sich zusammen, was zusammen gehört, bricht auseinander, was nicht miteinander auskommt: ein toller Roman mit einigen wenigen nicht so interessanten Stellen, ganz anders als erwartet.

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    B
    bookscoutvor 4 Jahren
    F wie "fänomenal" ;-)

    Es gibt Bücher. Es gibt gute Bücher. Und dann gibt es Bücher, die alles übertreffen, die einen aufsaugen, durchwirbeln und lange nicht mehr loslassen.

    Daniel Kehlmann ist mit "F" ein derartiges Meisterwerk gelungen. Übergeordnete Themata des Romans sind zweifelsohne Betrug und Täuschung, in all ihren schillernden Facetten. Dies wird bereits auf den ersten Seiten deutlich, als Arthur, erfolgloser und, wie er selbst bekräftigt, mediokrer Schriftsteller,  mit seinen drei Söhnen Martin, Eric und Iwan die Vorstellung eines Hypnotiseurs besucht, der sowohl Iwan als auch Arthur zu sich auf die Bühne holt.

    Tags darauf hat Arthur das Bankkonto der Familie geplündert und ist verschwunden, einziges Lebenszeichen sind seine wenig später erscheinenden Bestseller, allen voran "Mein Name sei Niemand".

    Über die Jahre sind Arthurs Söhne erwachsen geworden: Martin ein feister Priester, den der Glauben nie gefunden hat, Eric ein großspuriger Anlageberater, der das Geld seiner Kunden verspekuliert und seine Frau betrügt, sein eineiiger Zwillingsbruder Iwan ein gescheiterter Maler, der sich eine Nische als Kunstvermittler geschaffen hat.

    Jeder auf seine Weise ist ein Betrüger, führt sein Umfeld und letztlich auch sich selbst hinters Licht, indem er vorgibt, jemand zu sein, der er nicht ist. Dass dafür früher oder später der unausweichliche Preis zu zahlen sein wird, liegt auf der Hand, die Frage lautet nur, wie lange man dem Exekutor entfliehen kann.

    Eric, der seine furchtsame Seele von Kindesbeinen an durch eine besonders harte und brutale Schale geschützt hat, hält dem Druck trotz seiner Flucht in die Tablettenabhängigkeit am schlechtesten stand, immer öfter übermannen ihn furchteinflößende Visionen, die er nicht deuten kann. Doch gelten diese Warnungen wirklich ihm? Oder sind sie in Wahrheit für seinen Zwillingsbruder Iwan bestimmt, an den ihn stets ein besonderes Band geknüpft hat, so eng, dass die Grenzen manchmal verschwimmen, dass er nicht mehr sagen kann, wo er aufhört und sein Bruder beginnt.

    Der weitere Verlauf der Geschichte gleicht einem Spiegelkabinett am Jahrmarkt. Eigentlich wäre alles ganz leicht, der Ausgang liegt sprichwörtlich vor Augen, man muss nur immer an der rechten Wand entlanggehen, dann kann man bald die Türe aufstoßen und erleichtert ins Freie treten. Doch dieses Mal funktioniert das bewährte Muster nicht: Immer wieder ist der Weg versperrt, manchmal durch Glas, manchmal auch durch einen Zerrspiegel, die Geschichte schlägt Haken wie ein Kaninchen auf der Flucht, schon glaubt man, es fassen zu können, da entwischt es wieder wie von Zauberhand.

    Die Luft wird stickig, Hitze steigt auf, der Leierkasten spielt schneller, immer schneller, Schweißtropfen perlen auf der Stirn, der Blick geht irre nach links, rechts, oben, unten, auf der Suche nach dem Ausweg, der nicht da ist.

    Lest selbst, ihr werdet es nicht bereuen. Danke, Daniel Kehlmann!

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Mystisches, aufregendes Buch, dass teils verwirrt und doch stets fessend ist.
    Ein Familiendrama der anderen Art - philosophisch, düster und voller Spannung!

    Inhalt
    An einem Tag ihrer Kinderheit verlieren die Zwillinge Eric und Ivan und ihr Halbbruder Martin unerwartet ihren Vater: nach einer Show eines Hypnotiseurs steigt er in sein Auto und verschwindet für etliche Jahre. Erst im Erwachsenenalter sehen sie ihn wieder, als sie, allesamt auf ihre Weise, vor einer Lebenskrise stehen und dennoch gekonnt den Schein wahren.

    Meinung
    Das Gefühl beim Lesen dieses Buches reicht von Begeisterung über Verwirrung bis hin zur Ablehnung. Tatsächlich bin ich nicht sicher, ob ich die Nachricht hinter der Geschichte verstanden habe, woraufhin ich mich wiederum frage, ob Kehlmann überhaupt komplett verstanden werden möchte. Die Stimmung des Buches ist durchweg düster, mystisch, bedrückend, seltsam und auf seine eigene Art und Weise genial. Eventuell empfiehlt sich ein zweites Mal lesen!

    Fazit
    Lest es und berichtet von euren Leseerfahrungen. Ich würde gern an anregenden Diskussionen teilnehmen, denn die hat dieses Buch definitiv verdient!

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    MitAussichts avatar
    MitAussichtvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Zu geschliffen, zu autark, um wirklich angreifend zu sein.
    Heuchler, Mörder, Lügner

    Schon eine ganze Weile lag Kehlmanns Roman auf meinem Stapel und hat darauf gewartet, dass ich endlich bis zu ihm vordringe. Letzte Woche endlich habe ich es auch geschafft und innerhalb von wenigen Tagen war's auch schon wieder vorbei. Kehlmann liest sich eben wie Kehlmann und nicht wie Clemens Meyer, an dessen Als wir träumten ich wochenlang herumlas. Eine einfache Sprache, die in ihrer Einfachheit jedoch bei weitem nicht ungeschickt ist, lässt den Leser geradezu dahingleiten. Die Handlung ist bei genauerer Betrachtung gar nicht so umfangreich - interessant ist stattdessen Kehlmanns Versuch, sie aus mehreren Perspektiven wieder aufzugreifen, noch einmal zu erzählen und so die Verstrickungen zwischen den Figuren offenzulegen und eben auch ihr Schicksal, das vom Handeln anderer abhängig ist.
    Die drei Brüder Martin, Ivan und Eric sind interessante Figuren, die in ihrer jeweiligen Persönlichkeit so unterschiedlich sind, dass kaum Langeweile aufkommen kann. Jeder von ihnen kämpft mit seinen eigenen Dämonen, sei es der ewige Zweifel am eigenen Glauben, Paranoia oder ein Doppelleben, dass sich im Fall der Zwillinge Ivan und Eric hier noch in einer weiteren Dimension auftut. Über allem steht der abwesende Vater Arthur Friedland, der Auslöser für die Ereignisse ist. Sie alle verbindet jedoch eines: Sie sind Lügner, sie sind Heuchler und auch Feiglinge.
    Trotz allem bleibt F für mich ein distanziertes Buch. Man kann dem Autor kaum etwas vorwerfen, stilistisch ist es sehr gut, wie alles, was Kehlmann schreibt. Und dennoch fehlt mir ein letzter Funken, der einfach nicht überspringen möchte. Alles erscheint so in sich geschlossen und so autark, dass sich ein Leser wie ein Eindringling fühlt. Man steht am Rand des Geschehens, bekommt alles serviert und realisiert die Heftigkeit so mancher Szenen aufgrund ihrer Geschliffenheit erst sehr viel später. Ein wenig mehr Rotz hätte der Sache vielleicht gut getan.

    Kommentare: 4
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    A
    Angel10vor 4 Jahren
    F von Daniel Kehlmann

    Es handelt sich um einen Roman, derern Protagonisten sich selbst und andere betrügen.

    Die drei Brüder Martin, Eric und Iwan schlagen unterschiedliche Berufswege ein. Martin wird Pfarrer, Eric Banker und Iwan Maler. Besonders Eric ist ein Paradebeispiel dafür, wie man sich selbst alles schön reden kann,  er ist ein Meister des Selbstbetruges.
    Die Ausführungen zu Martin waren für meinen Geschmack etwas zu ausschweifend. Deshalb einen Stern Abzug.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    sarah_elises avatar
    Am 7. Oktober 2013 wird der Deutsche Buchpreis im Rahmen einer Gala zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse verliehen.

    Die 5 Bücher umfassende Shortlist für den Preis der Stiftung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, der mit 25.000 Euro dotiert ist, wird am 11. September bekannt gegeben. 

    Doch nun zu den 20 Kandidaten auf der Longlist, die in dieser Woche bekannt gegeben wurde, und die alljährliche Frage: Habt ihr einen Favoriten? Und welche der Bücher habt ihr gelesen? Wen vermisst ihr auf der Liste und welche Neuerscheinungen zwischen Oktober 2012 und September 2013 sind auf eurer ganz persönlichen Longlist für den deutschen Buchpreis?

    • Mirko Bonné: Nie mehr Nacht (Schöffling & Co., August 2013)

    • Ralph Dutli: Soutines letzte Fahrt (Wallstein, März 2013) 

    • Thomas Glavinic: Das größere Wunder (Hanser, August 2013) 

    • Norbert Gstrein: Eine Ahnung vom Anfang (Hanser, Mai 2013) 

    • Reinhard Jirgl: Nichts von euch auf Erden (Hanser, Februar 2013) 

    • Daniel Kehlmann: F (Rowohlt, September 2013) 

    • Judith Kuckart: Wünsche (DuMont, März 2013) 

    • Olaf Kühl: Der wahre Sohn (Rowohlt.Berlin, September 2013) 

    • Dagmar Leupold: Unter der Hand (Jung und Jung, Juli 2013) 

    • Jonas Lüscher: Frühling der Barbaren (C. H. Beck, Januar 2013) 

    • Clemens Meyer: Im Stein (S. Fischer, August 2013) 

    • Joachim Meyerhoff: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war (Kiepenheuer & Witsch, Februar 2013) 

    • Terézia Mora: Das Ungeheuer (Luchterhand, September 2013) 

    • Marion Poschmann: Die Sonnenposition (Suhrkamp, August 2013) 

    • Thomas Stangl: Regeln des Tanzes (Droschl, September 2013) 

    • Jens Steiner: Carambole (Dörlemann, August 2013) 

    • Uwe Timm: Vogelweide (Kiepenheuer & Witsch, August 2013) 

    • Nellja Veremej: Berlin liegt im Osten (Jung und Jung, Februar 2013) 

    • Urs Widmer: Reise an den Rand des Universums (Diogenes, August 2013) 

    • Monika Zeiner: Die Ordnung der Sterne über Como (Blumenbar, März 2013) 

    Zum Thema

    Weitere Informationen zum Buch

    Pressestimmen

    Ein spannendes und melancholisches Buch, halb Familien- und halb Geistergeschichte. Und ja, sogar unterhaltsamer als 'Die Vermessung der Welt'.

    Wie alle großen Romane ist 'F' vielfältig deutbar, ein im besten Sinne irrwitziges Metawerk, in dem es schlechterdings um alles geht.

    Beeindruckend, wie 'F' mit jeder Veränderung der Perspektive an Rasanz und Dichte gewinnt. So nah kamen sich philosophischer Roman und Pageturner noch nie.

    Ein elegant und frappierend leichtfüßig geschriebenes Gedankenspiel über die Frage nach Schicksal und Bestimmung, Wahrheit und Lüge, Original und Fälschung.

    'F' ist ein Buch von funkelnder Klugheit, listig, boshaft und doch voller Freundlichkeit: ein großer, unterhaltsamer Roman über die unlösbaren Rätsel des Lebens.

    Ein virtuoses, versponnenes, oft witziges Buch.

    'F' ist bewundernswert konstruiert, locker und fest gefügt zugleich, wie ein Musikstück, das ständig mit neuen Einfällen überrascht und doch motivisch streng zusammenhängt.

    In 'F' spielt Daniel Kehlmann souverän seine erzählerischen Asse aus. Und doch schwingt auch in diesem Roman eine sanfte, humorvolle Weitsicht mit.

    'F' ist noch mehr als die anderen Kehlmann-Bücher ein Werk von höchster artistischer Fertigkeit.

    Aus diesem Roman taucht man auf wie aus einem Film von David Lynch, unsicher, ob sich nicht gleich eine Falltür im Boden öffnen wird.

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