Tyll

von Daniel Kehlmann 
3,9 Sterne bei108 Bewertungen
Tyll
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Positiv (71):
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Große Literatur. Der Einstieg in das Buch war wirklich außergewöhlnich toll und hat mich sofort gefesselt. Besonders sprachlich. Zur Mitte

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Eine lose Aneinanderreihung von Episoden mit unnahbaren Figuren - "Tyll" konnte mich nicht überzeugen.

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Inhaltsangabe zu "Tyll"

"Tyll", der neue Roman des Erfolgsautors Daniel Kehlmann – er veröffentlichte u.a. "Die Vermessung der Welt", "Ruhm", "F" und "Du hättest gehen sollen" –, ist die Neuerfindung einer legendären Figur: ein großer Roman über die Macht der Kunst und die Verwüstungen des Krieges, über eine aus den Fugen geratene Welt.
Tyll Ulenspiegel - Vagant, Schausteller und Provokateur - wird zu Beginn des 17. Jahrhunderts als Müllerssohn in einem kleinen Dorf geboren. Sein Vater, ein Magier und Welterforscher, gerät schon bald mit der Kirche in Konflikt. Tyll muss fliehen, die Bäckerstochter Nele begleitet ihn. Auf seinen Wegen durch das von den Religionskriegen verheerte Land begegnen sie vielen kleinen Leuten und einigen der sogenannten Großen: dem jungen Gelehrten und Schriftsteller Martin von Wolkenstein, der für sein Leben gern den Krieg kennenlernen möchte, dem melancholischen Henker Tilman und Pirmin, dem Jongleur, dem sprechenden Esel Origenes, dem exilierten Königspaar Elisabeth und Friedrich von Böhmen, deren Ungeschick den Krieg einst ausgelöst hat, dem Arzt Paul Fleming, der den absonderlichen Plan verfolgt, Gedichte auf Deutsch zu schreiben, und nicht zuletzt dem fanatischen Jesuiten Tesimond und dem Weltweisen Athanasius Kircher, dessen größtes Geheimnis darin besteht, dass er seine aufsehenerregenden Versuchsergebnisse erschwindelt und erfunden hat. Ihre Schicksale verbinden sich zu einem Zeitgewebe, zum Epos vom Dreißigjährigen Krieg. Und um wen sollte es sich entfalten, wenn nicht um Tyll, jenen rätselhaften Gaukler, der eines Tages beschlossen hat, niemals zu sterben.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783498035679
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:480 Seiten
Verlag:Rowohlt
Erscheinungsdatum:09.10.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 09.10.2017 bei Argon erschienen.

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    Julius_Casparvor 8 Tagen
    Kurzmeinung: Große Literatur. Der Einstieg in das Buch war wirklich außergewöhlnich toll und hat mich sofort gefesselt. Besonders sprachlich. Zur Mitte
    Große Literatur

    Große Literatur. Der Einstieg in das Buch war wirklich außergewöhlnich toll und hat mich sofort gefesselt. Besonders sprachlich. Zur Mitte hin gab es zwar ein paar Längen, doch das Ende hat mich auch wieder überzeugt. Für mich das Buch des Jahres.

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    Lilith79vor einem Monat
    Kurzmeinung: Toller Roman der beweist, dass historische Bücher nicht langweilig oder kitschig sein müssen, ein richtiges Lesevergnügen!
    Ein historisches Lesevergnügen

    "Tyll" von Daniel Kehlmann habe ich schon direkt nach dem Erscheinen auf meine "Must-Read" Liste gesetzt. Erstens weil ich schon "Die Vermessung der Welt" sehr gelungen fand (und das obwohl ich eigentlich nicht besonders gerne historische Romane lese) und zweitens weil ich auch die gesamte Idee des Buches wirklich spannend fand: ein Roman über Geschehnisse im 30-jährigen Krieg, die lose mit der (fiktiven) Lebensgeschichte von Till Eulenspiegel (im Buch Tyll Ulenspiegel) verknüpft ist. Das Spannende daran ja auch schon, dass ungeklärt ist ob die Figur des Till Eulenspiegels auf einer real lebenden Person basiert oder reine Fiktion ist.  


    Das Buch funktioniert erzählerisch auf zwei Ebenen, einerseits wird anfangs und in einigen anderen Kapiteln die Kindheit und das Leben von Tyll Ulenspiegel selbst geschildert, wobei vor allem das Schicksal seines Vaters als Hexer eine besonders eindringliches Ereignis darstellt. In anderen Kapiteln spielt Tyll eine Nebenrolle - in Form seines Berufs als Narr - im Leben verschiedener realer Personen, die eine mehr oder weniger gewichtige Rolle zu Zeiten des Dreißigjährigen Kriegs spielten. So z.B. stehen im Mittelpunkt einzelner Kapitel der "Winterkönig" Friedrich V., seine Ehefrau Elizabeth Stuart (die Enkelin von Maria Stuart) und der Jesuit und Gelehrte Athanasius Kircher (der im Buch eine gewichtige Rolle im Schicksal des jungen Tyll Ulenspiegels einnimmt). Das Buch bedient sich dabei keiner linearen Erzählweise, sondern greift in Zeitsprüngen einzelne Episoden aus dem gesamten Zeitstrahls des dreißigjährigen Krieges heraus.  

    Mir hat der Roman wirklich gut gefallen und trotz des eher schweren historischen Themas lasen sich die 300 Seiten ratzfatz weg. Die Sprache ist sehr farbig, so dass man als Leser wirklich in das Leben der Figuren gezogen wird, auch wenn das ein ganz anderer Roman war und ein Jugendbuch erinnerte mich das Gefühl beim Lesen vor allem anfangs bei der Kindheitsgeschichte von Tyll etwas an "Krabat" von Otfried Preußler (eines meiner absoluten Lieblingsbücher). Andere Kapitel sind sehr bissig und mit einem ironischen Humor versehen andere sind durchaus emotional und auch die Brutalität und Sinnlosigkeit des Krieges wird überzeugend herausgearbeitet. Was mir auch sehr gut gefallen hat, ist dass man wirklich Lust bekommt sich intensiver mit dem Thema Dreißigjähriger Krieg auseinander zu setzen (die Geschichte von Friedrich V. habe ich nebenher detaillierter nachgelesen) Für mich bisher eines der Lese Highlights von 2018 und mal wieder ein Beweis, dass historische Romane nicht langweilig oder kitschig sein müssen.    

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    Stryke83vor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Lesenswert! Mit historisch Fakten, Witz, Härte und einem Gespür für's Konstruieren! Europäische Geschichte gesellschaftskritisch umgesetzt
    Lesenswertes Panorama! Gesellschaftskritisch, sprachlich fesselnd und unterhaltsam!

    Daniel Kehlmann transferiert eine mittelalterliche Legende in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. „Tyll Ulenspiegel“ begleitet dabei die historischen Figuren durch die Wirren dieser Zeit und ihre eigenen persönlichen Tragödien. Chronologisch geradlinig ist dies dabei nur teilweise, aber man findet sich immer gut zurecht in dem Zeitstrahl, man wird wieder eingeordnet und bekommt Einzelheiten in späteren Kapiteln nachgeliefert. Tyll, der sich, aus armen Verhältnissen als Narr an die Höfe des Adels gegaukelt hat ist hintergründiger Protagonist (so komisch das klingt…). Er tritt immer als Instanz des Konträren, des Chaos und der Frechheit auf, hält sowohl dem bäuerlichen Volk als auch den „Hochwohlgeborenen“ seinen (namentlich verliehenen) Spiegel vor und liefert damit einen kritischen Blick auf diese düstere Zeit europäischer Geschichte.

    Wer Daniel Kehlmann’s Bücher kennt, weiß, sein Material 1) ist nicht ‚straightforward‘, wandelt ein bisschen diesseits, ein bisschen jenseits der Grenze zum Unmöglichen, Unfassbaren („Beerholms Vorstellung“, „Mahlers Zeit“) und 2) widmet sich den inneren Grenzen der Persönlichkeiten (natürlich „Die Vermessung der Welt“, „Ruhm“, „F“, „Der fernste Ort“). Wie passt „Tyll“ hier rein? Zu beiden Punkten „gut“! 1) Immer wieder wird der Realismus des Lesers auf eine Probe gestellt. Was passiert wirklich und was ist, entsprechend eingebettet in die Vorstellung der Zeit in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, Magie, Hexerei, Alchemie? 2) Die historischen Figuren, denen Tyll im Verlauf begegnet sind z.B. Athanasius Kircher, ein aus der Geistlichkeit hervorgegangener Naturforscher, voller Überzeugung seiner Genialität. Bei der ersten Begegnung mit ihm (als junger Helfer der Inquisition) ist er noch ehrfürchtig, teilweise ängstlich. Später gewinnen die verqueren Ansichten der von klerikalen Prinzipien durchsetzten Wissenschaft die Oberhand. Toll, wie hier die widerwärtige Unlogik der Inquisition herausgearbeitet wird. Kehlmann hat subtil auch immer die nötige Prise Humor verarbeitet (Zumindest ergibt dieser Humor sich aus unserer heutigen Perspektive)! Elizabeth Stuart, für einen Winter Königin von Böhmen, gebildet, klug, mehr oder weniger glücklich mit einem ihr unterlegenen Friedrich V. verheiratet (Der Winterkönig; auch ihn lernt man näher kennen) ist fasziniert von ihrem Narren und bis zuletzt ist er ihr eine Nasenlänge voraus. Sie ist die Hochadlige, die mit Cleverness versucht ihren Stand zu schützen, gleichzeitig aber vermisst sie England (als Enkelin von Maria Stuart und Tochter des englischen Königs Jakob I), die dortigen Theater und die Poesie. Sie versucht sich, Tyll’s Tricks zu durchschauen, vermutlich ist sie sich im Klaren, dass sie von ihm viel lernen kann. Es gefällt mir, wie die historischen Fakten und einzelne Personen aufleuchten (es macht Spaß sich während der Lektüre zu einzelnen Namen auf Wikipedia zu informieren). Weitere Rollen werden eingenommen von Tyll’s Leidensgenossin Nele, vom Schwedenkönig Gustav, Englands König Jakob I, dem Gelehrten Olearius oder dem Lyriker Paul Fleming.

    Tyll selbst scheint ein Wunderkind zu sein, das doch auch immer etwas geheimnisvoll bleibt (vielleicht entsprechend der echten Vorlage?!). Irgendwie finde ich, dass man ihn noch etwas schärfer hätte herausarbeiten und in den Vordergrund stellen hätte können. Aber dann ginge wohl auch seine Rolle als „Kitt“ zwischen den „wichtigen“, tragenden Figuren der Zeit verloren, die er verbindet, ohne selbst eine vordergründige Rolle zu spielen. Er ist der Spiegel, nicht das Gespiegelte.

    So ist „Tyll“ ein bisschen wie ein Panorama, ohne notwendigerweise einen fixen Anfang und ein Ende zu haben (auch wenn diese durchaus vorhanden sind). Aber die Stärke des Buchs sind die für mich die Schlaglichter auf die Gesellschaft des 17. Jahrhunderts und die Situationskomik nebst Dialogen (Grandios: Der Esel!). Sei es Tyll’s Vater Claus als armer Müller, aber spitzfindiger, wissbegieriger Hobby-Wissenschaftler; sei es die menschenverachtende Brutalität eines Inquisitionsprozesses; das „magische“ Bild, das die Dummen und die niederen Standes entlarven soll (Remineszenz an H.-C. Andersens „Des Kaisers neue Kleider“?!); eine Szene der Mineure, eingeschlossen unter dem Schlachtfeld dieses Krieges unter den damaligen, unvorstellbaren Bedingungen oder auch das Zusammentreffen der Gelehrten jener Zeit, die mit kruden Argumenten Drachen und ihre Heilkraft erforschen (historisch belegt: Athanasius Kircher).

    Kehlmann fragt mich mit "Tyll" nach dem Menschlichen in uns und fordert ein wenig Zivilcourage heraus. Erst mal komisch, warum dies im 17. Jahrhundert passieren muss. Aber irgendwie auch schlüssig, weil der Roman uns klarmacht (Mut macht?), wie viel wir, aus humanitärer Sicht, in den letzten 400 Jahren schon geschafft haben (und wie viel vielleicht damit auch auf dem Spiel steht?!). So erschließt sich auch, warum Tyll (eigentlich aus dem 14. Jahrhundert!!!) 300 Jahre "hinausgezögert" wurde. Er ist für diese Aufgabe ein idealer Protagonist.

    Das macht „Tyll“ lesenswert und auch dank der Kehlmann’schen Sprache und Sprachwitzes zu einem guten Roman. Aufgrund der mir nicht ganz klar gewordenen Dramaturgie kommt „Tyll“ aber nicht ganz an „die Vermessung der Welt“ (sicherlich das Buch, das man am ehesten zu Vergleichszwecken heranziehen würde) oder „Mahlers Zeit“ (s. meine Rezension) heran.

    Ich habe deutsche Geschichte bisher nie mit dem allergrößten Interesse verfolgt und bin auch nicht der größte Historienroman-Leser. Durch das Schmökern auf Wikipedia zu den realen Vorlagen der Charaktere, wurde mein Interesse zumindest etwas mehr entflammt (vielleicht ja auch eine Intention des Autors?! ;) ).

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    Pongokaters avatar
    Pongokatervor 3 Monaten
    Vom Grauen des Krieges

    Vom Grauen des Krieges handelt dieses Buch, genauer vom 30jährigen Krieg, der vor 400 Jahren begann. Daniel Kehlmann hat den bekannten Tyll Eulenspiegel in diese Zeit gesteckt. Der Autor hat diese Zeit auf wunderbare Weise erfasst, obwohl wunderbar das Gegenteil des Inhalts ist. Denn schon die Reise des Tyll ins Eulenspiegeldasein des Gauklers und Narren beginnt grausam, nämlich durch die Tötung seines Vaters durch Jesuiten. Die werfen ihm vor, ein Hexer zu sein. Tyll ist ein Held in grausamer Zeit, weil er sich nicht unterkriegen lässt, sieben Leben zu haben scheint. Kehlmann schildert neben dem Tyll auch ausführlich die Perspektive der englischen Elisabeth Stuart, die zur Frau des protestantischen böhmischen Winterkönigs ohne Reich wird (Friedrich V. von der Pfalz). Und auch diese Perspektive ist eine des Leidens und dennoch mit Selbstachtung Überlebens. Ein grandioser historischer Roman.

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    buecherkompassvor 5 Monaten
    TYLL. DANIEL KEHLMANN.

    INHALT

    Vor dem historischen Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges zieht der Gaukler Tyll von einem Ort zum anderen. Übermannt von der eindrücklichen Persönlichkeit des Gauklers und seinen faszinierenden Showeinlagen bleiben die Bewohner anschließend zurück. Die Gerüchte um Tyll sind ebenso zahlreich wie unglaublich, dass ein Jeder sich am liebsten selbst ein Bild von dem rätselhaften Narren machen möchte. Doch so plötzlich wie Tyll in einem Ort auftaucht, lässt er diesen auch wieder hinter sich. Und so bleibt eigentlich nichts weiter übrig, als den Moment abzuwarten, in dem der Gaukler sich dazu entschließt, erneut auf der Bildfläche zu erscheinen. Dabei bleibt es nicht aus, dass Tyll Einfluss nimmt, auf die Leben der Menschen, denen er zu Lebzeiten begegnen wird.

    MEINUNG

    Wie bereits aus dem Titel des Romans von Kehlmann ersichtlich wird, handelt dieser von Till Eulenspiegel, dem Narren, dessen Name sicherlich Jedermann ein Begriff ist. Noch viel mehr jedoch (und das geht nicht aus dem Titel hervor) handelt der Roman von der Gesellschaft zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges.

    Was Till Eulenspiegel mit dem Dreißigjährigen Krieg zu tun hat? Das schildert uns Kehlmann auf annähernd 500 Buchseiten. Zeitgleich verschwimmen Realität und Fiktion so häufig, dass man als Leser zu Weilen verunsichert ist, ob das Geschehen zum jeweiligen Zeitpunkt nun Tatsachen widerspiegelt oder bloße Erfindung bleibt. Die vom Autor gewählte Erzählperspektive und die zeitweise recht wirre Handlung führen dazu, dass diese Undurchsichtigkeit über den Verlauf der Geschichte bestehen bleibt.

    Während der Leser Teil der Geschichten von Menschen unterschiedlichster Art wird, bleibt Tyll stets der Fixpunkt des Geschehens. Zentral wird er dabei nicht lediglich für den Leser. Wohin er auch geht macht der Gaukler von sich reden und dann verschwindet er so plötzlich wie er aufgetaucht ist und den Leuten bleibt nichts weiter übrig, als zu spekulieren zu welchem Zeitpunkt er an welchem Ort wieder auftauchen wird.

    Dabei scheint Tyll nicht so recht in die Zeit zu passen oder passen zu wollen. Bereits früh hat er erfahren müssen, welche Grausamkeiten das Leben für jene bereithält, die nicht nahtlos in die Gesellschaft integriert sind. Doch Tyll leistet Widerstand: Er verlässt seinen Heimatort und wird zum umherziehenden Gaukler. Sich der unaufgeklärten Gesellschaft zu fügen kommt für ihn nicht in Frage. Vielmehr führt er den Menschen mit seinen Streichen ihre Unzulänglichkeit vor und lässt sie dann ebenso ratlos wie aufgebracht zurück. Tyll spielt mit den Leuten, ebenso wie mit dem Leser und haucht dem Werk Kehlmanns Leben ein.

    Tyll ist ein Roman an der Schwelle zwischen Humor und Grausamkeit. Und Grund dafür ist allein die Gesellschaft mit ihren menschlichen Eigenheiten (und natürlich Kehlmanns einzigartige Erzählgabe). Und schließlich enden die Geschichten um Tyll so plötzlich wie sie angefangen haben und dem Leser ergeht es nicht anders, als den Dorfbewohnern nach Tylls Auftritten.

    So bleibt mir nun nichts weiter übrig, als meine Rezension damit zu schließen, dass Tyll ein unglaublich lesenswerter Roman ist, der mir sicherlich noch lange im Gedächtnis bleiben wird und zu dessen Lektüre ich allen Interessierten nur raten kann und möchte.

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    Leserzeichenvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Eine lose Aneinanderreihung von Episoden mit unnahbaren Figuren - "Tyll" konnte mich nicht überzeugen.
    Kein "großer Roman"

    Ich habe mich wohl lange nicht so sehr über ein Buch geärgert wie über „Tyll“ von Daniel Kehlmann.

    Warum? Eine lose Aneinanderreihung von Episoden, die sich alle irgendwie um die Figur des Till Eulenspiegel gruppieren, aber doch nicht mehr sind als für sich stehende Abschnitte eines Buches. Der Schreibstil lässt sich wohlwollend mit bemüht künstlerisch noch am besten beschreiben, kindlich träfe es aber auch gut. Keine der Figuren, am wenigsten die anzunehmende Hauptfigur, kommen aus ihrer Distanz heraus. Alle bleiben unnahbar, letztlich belanglos. In Ansätzen humorvoll wird es erst zur Hälfte des Buches, die historischen Informationen gehen nicht über das allgemeine Wissen über die Zeit des Dreißigjährigen Krieges hinaus.

    So versucht Tyll einiges zu sein, ohne dabei eine richtige Linie zu finden, und ist dazu noch sprachlich unbefriedigend. Der „große Roman“, den der Klappentext vollmundig verspricht, ist das Buch in meinen Augen nicht. Wer aber denkt, dass man Kehlmann halt mal gelesen haben sollte, der möge seinen Gefallen daran finden. Mich hat das Buch nicht überzeugt.

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    Literatur-Universumvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: eines der besten Bücher dieses Jahres
    Eine allzu vergessene Zeit

    Tyll hat alles verloren und doch die Vernunft behalten. Es klingt vielleicht grotesk einen Schausteller und Unheilbringer als vernünftig zu bezeichnen, doch scheint er der klügste Kopf einer verdummenden Gesellschaft zu sein. Es ist die Zeit des Dreißigjährigen Krieges und die Zeit der Mythen, Sagen und gehirnlosen Menschen. Die Reichen werfen Gerüchte in die Welt und die dumme Bevölkerung tobt und schlägt sich die Köpfe ab. Ein Drittel der Bevölkerung stirbt in der Zeit von 1618-1648. Aber was macht Tyll Ulenspiegel eigentlich in dieser Zeit? War er nicht bereits im 14. Jahrhundert geboren worden (zumindest die historische Figur, die in Analogie gestellt wird Till Eulenspiegel)? Das stimmt, aber es ist die Genialität, die diesen Roman ausmacht.

    Als Tylls Vater, Claus, zum Müller wurde und die Mühle seines Schwiegervaters übernahm, liebte ihn seine Frau Agnata, die froh war, dass sie nicht den versprochenen, hässlichen Nachbarn heiraten musste. Mit den Jahren beschäftigte sich Claus nur noch mit Büchern. Da es zu dieser Zeit beinahe unmöglich war an Bücher zu kommen und es nur den Reichen und Adeligen vorbehalten war, musste er sie sich stehlen. Er führte viele Experimente durch und sinnierte über die Rätsel der Welt. In der Welt des 17. Jahrhunderts war dies jedoch extrem gefährlich. Er gehörte zum niederen Stand und somit hatte er nicht zu rätseln. So kam er unter Verdacht ein Hexer zu sein. Tyll erkannte die Gefahr und flüchtete von zu Hause. Es begann die Zeit der Flucht und der Abenteuer.

    Daniel Kehlmann ist einer der bedeutendsten und intellektuellsten deutschen Schriftsteller. Er hat vor allem mit "Die Vermessung der Welt" Kultstatus erreicht und dieses Buch ist sogar noch besser. Man bekommt hier keine lineare Geschichte geliefert. Wirre Zeitsprünge und viele Handlungsorte passieren die Geschehnisse, doch bekommt man nie das Gefühl, dass man sich auf einem verwirrten Handlungsablauf befindet. Vielmehr möchte man immer mehr von den Figuren erfahren und das ist die Kunst dieses Autors. Jede Figur enthält so viel Energie und eigene Identität, sodass man sich keine Figur fortwünscht, sondern immer mehr Inhalte.

    Wo auch immer Tyll auftaucht, ist das Unheil nicht weit. Die Leute bewundern seine Schauspielkunst und er gewinnt an so viel Berühmtheit, dass sogar der Kaiser ihn als Hofnarren haben möchte. Implizit zeigt er der Bevölkerung, wie dumm und hirnlos sie die Dinge auf der Welt geschehen lassen. Mit einfachen Mitteln hetzt er sie auf und lässt sie verwirrt zurück. Aber die Kunstfertigkeit besteht auch darin, dass er es auch mit den großen der Szene aufnimmt. Er lässt den Intellektuellsten Zeitgenossen Athanasius Kircher verstummen. Begleitet Friedrich, den ehemaligen König von Böhmen bis zu seinem nahtlosen Ende und begegnet immer wieder seiner Frau Elizabeth, der Enkelin von Maria Stuart, die ebenfalls all ihren Ruhm verliert.Aber Tyll ist auch ein Wegbereiter. Sieht Dinge in den Menschen, die sonst niemand sieht. So auch bei seiner "Schwester" Nele. Er zieht sie aus dem Dreck. Er bringt ihr Dinge bei und hält sie von ihren Wegen nicht ab. Alleine die Geschichte um Nele ist so herzhaft, dass es wert ist, dieses Buch zu lesen.Außerdem ist Tyll ein Mensch des Lebens. Während um ihn herum die Menschen tot umfallen, will er nur leben. Er will nicht sterben. Und zwar NIE sterben. Er weiß es gibt den Tod. Aber er sucht ihn nicht und will ihn nicht.

    Dieses Buch ist ein wahres Meisterwerk und für mich das qualitativ beste Buch dieses Jahres. Es verkörpert eine allzu vergessene Zeit und führt uns in die narrenhafte Zeit der Menschheit. Außerdem gebärt sie eine Figur, die seinesgleichen sucht. Eine Figur, die uns das Leben theatralisch vorführt und doch so erscheinen lässt, als wäre unser Leben ein Theater und nicht die Bühne auf der sie tanzt.

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    walli007s avatar
    walli007vor 7 Monaten
    Niemals sterben

    Schon als Kind beschließt Tyll Ulenspiegel, niemals zu sterben. Leicht einzuhalten ist sein Entschluss allerdings nicht. Sein Vater wird als Hexer gehängt und seine Mutter aus dem Dorf verbannt. Tyll flieht mit Nele, der Bäckerstochter in die weite Welt. Zunächst schließen sie sich einem Bänkelsänger an und dann dem Gaukler Pirmin, der sich allerdings als schlechter Begleiter erweist. Für eine Weile sind sie am nicht mehr vorhandenen Hof des entmachteten Königs von Böhmen und seiner englischen Gattin, der Königstochter Elizabeth. Und immer laviert sich Tyll durch, mit seinen Künsten und frechen Sprüchen. Und immer haut er im richtigen Moment ab.


    Nach der Legende ist Tyll Ulenspiegel um 1300 geboren und  ungefähr fünfzig Jahre später doch gestorben. Sein Nachname kann zwar als Zusammensetzung aus Eule und Spiegel gedeutet werden, eine auch sehr treffende Deutung ist jedoch die das ulen so viel wie wischen bedeutet und mit Spiegel das Hinterteil von Reh und Hirsch bezeichnet wird, den Rest kann man sich dann selbst ausdenken. 


    Diesen Tyl Ulenspiegel, für dessen Existenz es keinen wirklichen Beweis gibt, hat der Autor in die Zeit des dreißigjährigen Krieges versetzt. Und so treibt er seinen Schabernack in rauen Zeiten. Vielen Kindern ist es nicht vergönnt, erwachsen zu werden, auch Tyll ist ein eher schwächlicher Junge. Doch schon früh hat er Interesse am Balancieren und am Geben von Wiederworten. Das zieht sich durch sein Leben und Wirken. Manchmal erweist sich seine Art als hilfreich, manchmal auch eher nicht. Überall lauert Gefahr, der Krieg wütet über das Land. Es herrschen Armut und Hunger und das Land ist entvölkert. Für die Gaukler bleibt da kaum etwas übrig, nicht einmal an dem fahrenden Hof des entmachteten Königs von Böhmen, der auf seinem letzten Bittgang arg gedemütigt wird. 


    Mit einem Kaleidoskop der Schelmereien des Tyl Ulenspiegel erfreut dieses neueste Werk von Daniel Kehlmann. In den dreißigjährigen Krieg hineingeschrieben nimmt er einen in die Kriegswirren mit und stellt die Härte und die Grausamkeit dieser Zeit ohne Zweifel klar. Deutliche Schilderungen sollten mahnen, dass ein Krieg wahrlich nichts Wünschenswertes ist. Mit großer Fabulierkunst erweckt Kehlmann seinen Tyll zum Leben, von dem dieser dann nicht mehr lassen will. Ein eher spilleriges Kerlchen, das die Weltgeschichte durchwandert, die sich in dem Moment dort abspielt, was man heute als Deutschland bezeichnet. Wie es seinem Namen entsprechen könnte, hält er uns einen Spiegel vor, wie schnell gerät ein ganzer Landstrich zum Spielball der Mächte oder der Mächtigen. Ohne Rücksicht auf Verluste werden Ziele verfolgt, die nicht zwingend als groß bezeichnet werden können. Das Land verödet, die Menschen leiden und wenn sie nicht leiden, sterben sie. Eine Mahnung in leichte und lebendige Worte gekleidet. Ein Buch, das in keinem Regal fehlen sollte.

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    Huebners avatar
    Huebnervor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Fachbuch mit einem Funken Unterhaltung. Für alle, die sich im 30jährigen Krieg auskennen sehr ansprechend.
    Ein Fachbuch mit einem Funken Unterhaltung

    Sehr interessant für mich als Historikerin. "Tyll" bleibt leider aber ein Fachbuch mit einem Funken Unterhaltung. Für alle, die sich im 30jährigen Krieg auskennen sehr ansprechend. Wieso musste er aber die Schwankfigur missbrauchen? Daniel Kehlmanns Dreistigkeit, Till Eulenspiegel aus der Renaissance in den Barock zu verpflangen, ist ein strategischer Schachzug zum Jubiläumsjahr des 30jährigen Krieges. Gut ausgeschöpft. Es scheint, er habe die Kapitel in einen Topf geworfen, gut gerührt und so zum Roman zusammen gefügt, wie  er sie aus dem Zauberkessel gefischt hat. Gut recherchiert, das muss man ihm lassen. Seine Sprache ist vielgerühmt, dem ist nichts hinzuzufügen. Was aber will der Roman? Kehlmann legt Hölzchen zu Stöckchen, geht zu sehr ins Detail, als dass man sich über den 3-Phasen-Krieg informieren könnte, was von einem belletristischen Roman zu viel verlangt wäre. Und die Figur des Till Eulenspiegel ist zu viel erfunden, als dass man sie autobiografisch nennen kann. Dem Historiker mag das Versteckspiel der kleinen Indizien und Hinweise auf gewisse Personen und Schauplätze des 30jährigen Gemetzels Vergnügen bereiten, wie ein Rätselraten oder Geschichtstest "Na? Weißt dus noch?" Aber an und für sich bewegt sich Kehlmann gestalterisch auf der Bühne der historische Roman-Autoren, was man von ihm nicht kennt. Vielleicht kommt Kehlmann in das Alter, in dem ers gemütlich mag.
    Fazit:
    Unterhaltend an der Oberfläche schürfend unter dem Deckmantel gut recherchierte Stichproben eines großen Krieges.

    Jan.2018
    Ivonne Hübner

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    Neil Jungs avatar
    Neil Jungvor 9 Monaten
    Mittendrin

    Europa während des 30jährigen Kriegs; eine Welt voller Gewalt, Krankheit und Entbehrung, voller Frömmigkeit und Aberglauben. Hier wächst Tyll Ulenspiegel auf, hier lernt er sein Handwerk. Danach begegnen wir ihm immer wieder, im Wanderzirkus, auf Dorfplätzen, oder wenn er den unglücklichen Winterkönig Friedrich als Einziger auf dessen letzten Gang begleitet. Er hält den Menschen den Spiegel vor und deckt ihre Schwächen schonungslos auf. Kehlmann erzählt gewohnt souverän. In den stärksten Momenten, z.B. bei Tylls furiosem Auftritt im ersten Kapitel oder bei König Friedrichs Verblassen, ist es, als wären wir mittendrin.

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