Daniel L. Everett Das glücklichste Volk

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Inhaltsangabe zu „Das glücklichste Volk“ von Daniel L. Everett

Die Abenteuer eines Forschers im Urwald von Brasilien Er zog aus, die Pirahã im brasilianischen Urwald zum Christentum zu bekehren, doch am Ende war er es, der durch die Begegnung mit diesen auf ihre Weise glücklich lebenden Menschen seinen Glauben verlor. Fesselnd erzählt der Abenteurer und Forscher Daniel Everett von einer völlig fremden Welt, die ihn mit einer ungewöhnlichen Sprache sowie einer ganz anderen Art zu denken konfrontierte. Als Daniel Everett 1977 mit Frau und Kindern in den brasilianischen Urwald reiste, wollte er als Missionar den Stamm der Pirahã, der ohne Errungenschaften der modernen Zivilisation an einem Nebenfluss des Amazonas lebt, zum christlichen Glauben bekehren. Er begann die Sprache zu lernen und stellte schnell fest, dass sie allen Erwartungen zuwiderläuft. Die Pirahã kennen weder Farbbezeichnungen wie rot und gelb noch Zahlen, und folglich können sie auch nicht rechnen. Sie sprechen nicht über Dinge, die sie nicht selbst erlebt haben – die ferne Vergangenheit also, Fantasieereignisse oder die Zukunft. Persönlicher Besitz bedeutet ihnen nichts. Everett verbrachte insgesamt sieben Jahre bei den Pirahã, fasziniert von ihrer Sprache, ihrer Sicht auf die Welt und ihrer Lebensweise. Sein Buch ist eine gelungene Mischung aus Abenteuererzählung und der Schilderung spannender anthropologischer und linguistischer Erkenntnisse. Und das Zeugnis einer Erfahrung, die das Leben Everetts gründlich veränderte.

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  • Rezension zu "Das glücklichste Volk" von Daniel L. Everett

    Das glücklichste Volk
    Kaivai

    Kaivai

    02. December 2012 um 22:17

    "Kai" heißt Tochter in der Sprache der Piraha. Wäre ich so wie Daniel Everett (im Jahr 1977) bei ihnen aufgetaucht, hätten sie meinen Namen recht ulkig gefunden. Und gelacht. Sie lachen gern und lächeln viel. Obwohl das Leben oft grob zu ihnen ist. Die Krankheiten, vor allen die Malaria, die wilden Tiere, Jaguare, Kaimane, Schlangen, Taranteln. Halb so alt wie wir werden sie. Grob sind sie aber auch untereinander. Und zu Fremden. Da wird schonmal einer Frau, die am Strand liegt und eine Steißgeburt erleidet über viele Stunden nicht geholfen. Bis sie und ihr Kind tot sind. Wenn die Männer besoffen sind können sie richtig eklig werden. Und es kam auch vor, dass ein Teenager einen Nachbar eines anderen Stammes erschossen hat. Für eine Storchenseele (das ist eine Seele, die von einem Storch in die Welt gebracht wurde) ist das harter Tobak. Die Pirahas sind Piranhaseelen. Grobheiten gehören zum Selbstverständnis und wer sich nicht selber helfen kann, ist selber schuld. Auch wird gern mal der Zusammenhalt des Piraha-Volkes (sowieso schon klein genug, ca. 400 beim Schreiben des Buches) auf Kosten volksfremder gestärkt. Sehr unsympathisch im Grunde genommen. Aber warum liebt der Autor dies Volk so und nennt es sogar das glücklichste? Das hat viel mit seiner eigenen Geschichte zu tun. Er kommt als Missionar. Und er geht als Atheist. Er nennt das seine Entkehrung. Insgesamt sieben Jahre lebt er bei ihnen (zumeist mit Frau und Kindern) und lernt sie so Schritt für Schritt kennen. Ihr Weltbild spiegelt sein eigenes und dies erscheint ihm immer fragwürdiger. Auch seine Missionierung endet im Unvorhergesehenen . Am Morgen nach einer Diashow mit lauter Jesusbildern und Bibeltext in Pirahasprache kommt ein Piraha zu ihm und sagt: "Die Frauen haben Angst vor Jesus. Wir wollen ihn nicht. Letzte Nacht ist er in unser Dorf gekommen und wollte Sex mit unseren Frauen haben. Er hat sie durchs Dorf gejagt und versucht ihnen seinen großen Penis reinzustecken." Und dann zeigte er, wie groß der Penis war. Ein Meter! Ganz große Klasse an diesem Buch sind die Anekdoten über das Leben im brasilianischen Dschungel, die Daniel Everett immer wieder einflicht in das Korsett des Buches. Das Korsett ist die Sprache der Piraha. Der Autor ist Linguist. Und je weniger er sich als Missionar versteht, destso mehr versteht er sich als Wissenschaftler. Der Erforschung dieser Sprache widmet er sich mit viel Herzblut. Und aus linguistischer Sicht mit Recht. Die Sprache ist außergewöhnlich. Hat nur elf Phoneme (b, g, p, t, k, x, s, h, i, a, o). Hat keinen Numerus (Singular & Plural). Keine Zahl- und keine Farbwörter. Und keine Nebensätze. Ein "oder" gibt es auch nicht. Statt "Ich komm heut oder morgen zu dir", sagen die Piraha "Ich komm heut zu dir. Ich komm morgen zu dir. Ich weiß es nicht": Aber ihre Verbformen haben es in sich: 65.000 (bsw. im englischen gibt es gerade mal 5). Hochinteressant, was Daniel Everett linguistisch erzählt und erklärt. Aber auch sehr anstrengend! Mein kakakai (das heißt "Kopf" auf Piraha) rauchte wie ein Osterfeuer. "Leben", "Sprache" und "Schluss" heißen die drei Kapitel des Buches. Das letzte Kapitel war vergleichsweise kurz, aber hat mir die größte Lesefreude bereitet. Am Ende hab ich mich gefragt: sind die wirklich so glücklich, wie der Autor denkt? Ja, vielleicht, weil sie ganz unbedarft nach ihren Gefühlen leben und wenn die Folgen manchmal schlimm oder scheußlich sind, dann plagt sie nur kurz das schlechte Gewissen. Sie sind also im Grunde wie Kinder.

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  • Rezension zu "Das glücklichste Volk" von Daniel L. Everett

    Das glücklichste Volk
    bücherelfe

    bücherelfe

    24. September 2012 um 11:57

    Daniel Everett reist 1977 mit seiner Ehefrau und den drei gemeinsamen Kindern in den brasilianischen Urwald. Der Auftrag ist klar: Er soll den Pirahã, einem indigenen Volk, das noch gänzlich traditionell lebt, das Wort Gottes nahebringen. Die Menschen heissen ihn fröhlich willkommen und Daniel Everett richtet sich mit seiner Familie mitten unter ihnen häuslich ein. Insgesamt sieben Jahre lang studiert er die Lebensweise der Pirahã und lernt ihre Sprache. Schon bald zu Anfang fällt ihm auf, dass von jung bis alt alle aussergewöhnlich glücklich zu sein scheinen. Erstaunliches kommt zu Tage: Die Sprache der Pirahãs kennt weder Vergangenheit noch Zukunft, weder Farben noch Zahlen. Nur das Jetzt ist ihnen wichtig. Ausschliesslich über unmittelbar Erlebtes wird gesprochen; Abstraktes ist ihnen fremd. Was nicht mit eigenen Augen gesehen wird, existiert nicht und gerade das lässt den Missionsauftrag von Daniel Everett scheitern. Die Pirahã können einfach nicht glauben, was er ihnen nahebringen will. Everett, der im Rückblick gesehen, schon länger zweifelte, verliert den Glauben. Seine Ehe zerbricht daran. Der Mix aus Erfahrungsbericht und viel Fachlichem aus dem Gebiet der Sprachwissenschaft ist angereichert durch zahlreiche Farb- und Schwarzweiss-Bilder. Die vielen Details zur Linguistik bremsen immer wieder den Lesefluss und ich bekenne mich schuldig, diese Abschnitte teilweise quergelesen zu haben. Gerne hätte ich etwas mehr zur Person von Daniel Everett erfahren. Aber wie der Titel schon sagt, geht es im vorliegenden Buch vor allem um eines: „Das glücklichste Volk“. Es ist spürbar, wie sehr Daniel Everett das Wohlergehen dieser Menschen am Herzen liegt. Fazit: Empfehlenswert für alle, die sich für fremde Völker und vor allem für Linguistik interessieren.

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  • Rezension zu "Das glücklichste Volk" von Daniel L. Everett

    Das glücklichste Volk
    EricTHansen

    EricTHansen

    19. May 2011 um 08:55

    Gerade “Don’t Sleep, There are Snakes” fertig gelesen – fantastisches Buch. Daniel Everett war ein Linguist und Missionar mit der Aufgabe, die Sprache des geheimnisvollen Stammes der Piraha zu lernen und das Neue Testament in deren Sprache zu übersetzen. Die Erfahrung, sieben Jahre unter ihnen zu leben, machte ihn zum Atheist und änderte seine Sicht auf Sprache. Sprache – auch Chomsky’sche Theorie zu revidieren - ist auch sein Hauptanliegen, und das Interessanteste am Buch. Die Piraha haben keine Zahlen. Sie haben keine Futur. Sie haben keine Nebensätze. Sie haben nur 8 (?) Konsonanten. Ihre Sprache wiederspricht allem, was wir über Sprache wissen. Ihre Mentalität gründet sich im Hier und Jetzt – sie erzählen keine (erfundenen) Geschichten, haben auch keine Schöpfungsgeschichte, weil sie nur das glauben, was sie mit eigenen Augen sehen. (Deswegen waren sie auch nicht missionierbar, und das hat dazu geführt, dass Everett die ganze westliche Idee von „Wahrheit“ in Frage stellt.) Ganz merkwürdig, zu sehen, dass der Mensch so völlig anders sein kann als das, was wir sonst als „allgemeingültig“ oder „universal menschlich“ annehmen.

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