Ein Thriller, der im idyllischen Schweden spielt? Dafür bin ich ja eigentlich immer zu haben. Deshalb klang Ulf Kvenslers „Die Insel“, ins Deutsche übersetzt von Sabine Thiele, nach dem idealen Buch für mich. Es geht um Isak, einen jungen Mann, der seit einem schlimmen Unglück in seiner Kindheit keinen Kontakt mehr zu seinem Vater hat und der nun überstürzt nach Gotland reist, um ihn kennenzulernen. Der Trip entpuppt sich jedoch schon bald als Desaster – es herrscht eine unheilvolle Atmosphäre, Isaks Vater verhält sich merkwürdig und auch Isak und seine Freundin Madde geraten auf Gotland mehr und mehr aneinander. Bis es schließlich zur Katastrophe kommt.
„Die Insel“ ist dabei ein eher ruhig erzählter Thriller ohne schwindelerregende Plot Twists, der vor allem von der unterschwellig bedrohlichen Atmosphäre und den schwelenden Zwistigkeiten innerhalb von Isaks Familie lebt. Allerdings wirkte die Atmosphäre an vielen Stellen zu konstruiert auf mich und so richtige Thrillerstimmung kam bei mir trotz einiger düsterer Vorkommnisse und merkwürdiger Situationen bis zum Ende nicht so richtig auf.
Isaks Perspektive fand ich wiederum sehr spannend beschrieben – die fragmentarischen Erinnerungen an den Unglücksfall in seiner Kindheit, seine Beziehung zu seinem Großvater und der Argwohn, den er gegenüber seinem Vater hegt, fand ich interessant und gut beschrieben. Zudem liest Daniel Mühe das Hörbuch sehr fesselnd und überzeugend. Trotzdem wollte die Geschichte nicht so recht bei mir zünden. Am Ende gibt es zwar nochmal einen interessanten, wenn auch nicht gänzlich unvorhersehbaren Turn, aber alles in allem ist „Die Insel“ mehr Familiendrama als Thriller, was an sich ja durchaus okay ist, aber das Label „Thriller“ weckt natürlich Erwartungen, die hier für mich am Ende nicht ganz erfüllt wurden.



