Daniel Quinn

 4.3 Sterne bei 61 Bewertungen
Autor von Ismael, Ismaels Geheimnis und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Daniel Quinn

Sortieren:
Buchformat:
Ismael

Ismael

 (49)
Erschienen am 01.08.1994
Ishmael

Ishmael

 (1)
Erschienen am 01.12.1997
My Ishmael

My Ishmael

 (1)
Erschienen am 01.11.1998
After Dachau

After Dachau

 (0)
Erschienen am 03.01.2006
HELLADIAN VISTAS

HELLADIAN VISTAS

 (0)
Erschienen am 23.03.2010
The Holy

The Holy

 (0)
Erschienen am 03.01.2006
Providence

Providence

 (0)
Erschienen am 01.06.1996

Neue Rezensionen zu Daniel Quinn

Neu

Rezension zu "Ismael" von Daniel Quinn

Warum sind die Menschen so, wie sie sind? Inspirierende Gedanken!
Aleshaneevor 3 Monaten

Gibt es
ohne den Menschen
Hoffnung
für den Gorilla?


Zitat

Meine Meinung

Ich hab das Buch vor über 20 Jahren zum ersten Mal gelesen, da war ich Anfang 20. Es hat damals mein komplettes Weltbild verändert und ja, auch mein Leben. Durch die völlig andere Perspektive, die man hier auf die Entwicklung der Menschheitsgeschichte bekommt, hat sich meine Sicht auf viele Dinge sehr verändert.
Heute, beim nochmal lesen, war ich wirklich erstaunt wie viele Dinge sich in mein Gedächtnis gebrannt haben - teils im Unterbewusstsein, teils aber auch an der Oberfläche. Wenn man dieses Buch liest, muss man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, aber die Essenz, die dabei durchsickert, öffnet eine Tür (danke an Melanie für diesen schönen Vergleich), die man danach wohl nie mehr wieder ganz schließen kann.

Worum gehts überhaupt? Der Klappentext erscheint mir sehr nichtssagend für das, was das Buch aussagt, aber ja, es geht um einen Gorilla, der einem Menschen ein völlig anderes Weltbild erklärt und unsere Kultur ab absurdum führt.

"Ihr seid die Gefangenen einer Zivilisation, die euch mehr oder weniger zwingt, die Welt zu zerstören, um zu leben." S. 29

Ist das so?
Ich bin jemand, der schon immer alles in Frage gestellt hat. Ob es sich um die Politik handelt, die Regeln unserer Gesellschaft, die Nachrichten, egal um was es geht, ich nehme nicht alles einfach als Wahrheit hin, nur weil es öffentlich gesagt, getan oder propagiert wird. Ich denke, deshalb bin ich auch sehr empfänglich für die Botschaft, die Daniel Quinn hier an uns Menschen heranträgt, da ich diesen ständigen Konsum und das Prinzip der Wachstumsgesellschaft nie verstanden habe und bis heute auch nicht verinnerlichen kann.

Doch nach welchen Regeln soll man Leben? Wie funktioniert eine Gesellschaft? Gibt es dafür eine allgemein gültige Definition?
Viele verpachten für sich die Vorstellung, dass es eine "einzig wahre" Richtlinie gibt, d. h. alle Menschen sind gleich und sollten dann wohl auch alle mit den gleichen Mitteln glücklich und zufrieden leben können. Plädieren wir aber nicht dafür, dass jeder das Recht hat, so zu leben, wie es ihm gut und wovon er überzeugt ist? Hat nicht jeder das Recht, seinen eigenen (Lebens)Weg zu finden?

Unsere Kultur ist einige tausend Jahre alt. Sie begründet sich auf der Ansicht, dass der Mensch die Krone der Schöpfung ist und sich jedes Recht herausnehmen kann, die Erde und damit alles Leben zu beherrschen, um selbst überleben zu können.
Der "Mensch" lebt allerdings schon 30.000 Jahre (oder länger?) - er hat also zuvor schon 20.000 Jahre gelebt, überlebt, ohne das Bedürfnis, sich auszubreiten und damit jede Lebensgrundlage für die kommenden Generationen zu zerstören.
Schaut man sich die wenigen, übrig gebliebenen Naturvölker an, die irgendwo in den entlegenden Winkeln der Welt im Einklang mit der Natur leben, kann man sehr gut sehen, wie es funktionieren könnte. Und doch zwingen wir ihnen unseren Lebensstil auf, weil es "besser", "priviligierter" und "zivilisierter" ist - dabei zerstören wir die letzten Möglichkeiten, die Erfahrungen zu lernen, die diese Völker seit Jahrtausenden zum Überleben kultiviert haben.
Was wir primitiv nennen ist eine Lebensphilosophie mit dem Urvertrauen in das Leben selbst - die Zivilisation ist der Weg, der auf primitive Mittel zurückgreift: nämlich zerstören, um zu überleben.

30.000 Jahre also haben Menschen mit ihrer Kultur überlebt, ohne die Erde oder auch nur ihr Umfeld so zu zerstören, dass es die Natur negativ beeinflusst.
Das alles wird uns als "falsch" eingeimpft und so zwingen wir sie in unser Denkschema von Glauben, Kultur und Wachstum, alleine weil wir glauben, dass unsere Lebensweise besser ist, obwohl wir sehen, dass wir in der kurzen Zeit unserer "Kultur-Revolution" unser Vertrauen verloren haben. Das Vertrauen, das alles, was passiert, als Wegweiser angenommen werden kann. Immer getrieben von der beständigen Angst, die Kontrolle über unser Leben zu verlieren.

Diese Überheblichkeit wird uns irgendwann zu Fall bringen und macht mich einfach nur traurig. Denn wenn man auch nicht alles für bare Münze nehmen muss, was Daniel Quinn hier erzählt, spüre ich sehr wohl das Gefängnis, in dem ich gezwungen bin zu leben. Natürlich höre ich hier immer wieder Stimmen: dann mach einen auf Aussteiger! Aber ja, auch ich trage Ängste in mir und Gewohntes aufzugeben ist kein leichter Schritt, wie sehr es mich auch drängt - vor allem: wo kann man denn mittlerweile noch hin? Natürlich gäbe es Wege, aber auch ich habe mich weiterentwickelt und mich mit vielen Dingen und Gefühlen arrangiert.
Deshalb spüre ich auch die Hoffnung, mein eigenes Vertrauen wieder wachsen zu lassen und die Welt mit offenen Augen zu sehen. Mich zugehörig zu fühlen mit allen anderen Lebewesen auf dieser Erde, die in einer wunderbaren Symbiose existieren und sich darauf verlassen, dass die Natur das weiter- und überleben von selbst regelt.
Nicht morgen, sondern heute lebe ich und alles was kommt, liegt nicht in meiner Hand. Wir sind keine "Götter", die darüber zu entscheiden haben, sondern diejenigen die dankbar sein sollten für jeden Moment, den das Leben uns schenkt.

Das alles sind Gedanken, die der Autor beim Lesen in mir ausgelöst hat. Nicht jeder mag sich damit anfreunden können, aber um einmal eine andere Sichtweise zu gewinnen, sich neue Inspirationen zu holen, sollte man sich ruhig trauen und sich auf dieses neue alte Terrain wagen.

Weltenwanderer

Kommentieren0
15
Teilen

Rezension zu "Ismael" von Daniel Quinn

Kann der Gorilla die Welt retten? | "Ismael" von Daniel Quinn
wortkulissevor 10 Monaten

Warum zerstören wir Menschen unseren eigenen Lebensraum und damit den Lebensraum alles Lebenden auf dieser Welt? Daniel Quinn versucht in seinem Roman „Ismael“ (Originaltitel: „Ishmael“, 1992), an dem er fünfzehn Jahre lang gearbeitet haben soll, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Mit seiner Umsetzung wird Daniel Quinn dem wichtigen Thema jedoch nicht gerecht.


Als der Ich-Erzähler des Romans noch ein junger Mann war – vor zehn, zwanzig Jahren -, glaubte er, einen Lehrer zu brauchen. Doch er suchte keinen Zen-Meister oder Guru oder gar einen geistigen Führer. Er suchte nichts geringeres als einen Lehrer, der ihm zeigen konnte, wie die Welt zu retten sei. Nachdem er schon die Hoffnung verloren hatte, jemals einen solchen Lehrer zu finden, entdeckte der Mann eine Anzeige in der Zeitung, in der ein Lehrer einen „Schüler mit ernsthaftem Verlangen die Welt zu retten“ sucht. Nach einigem Zögern machte er sich auf den Weg zu der angegebenen Adresse. Doch als er dort angelangte, fand er einen auf den ersten Blick scheinbar leeren Raum vor. Scheinbar, denn hinter einem großen Fenster saß ein ausgewachsener Gorilla („ein ungeheurer Koloß“) der seelenruhig an einem Zweig knabberte.

ISMAEL DACHTE NACH. „WELCHER TEIL DER MENSCHHEIT WILL DIE WELT ZERSTÖREN?“
„ZERSTÖREN? SOVIEL ICH WEISS, WILL NIEMAND DIE WELT ZERSTÖREN.“
„UND DOCH ZERSTÖRT IHR SIE, IHR ALLE. IHR ALLE TRAGT TÄGLICH ZUR ZERSTÖRUNG DER WELT BEI.“
„STIMMT.“
„WARUM HÖRT IHR NICHT DAMIT AUF?“
ICH ZUCKTE DIE SCHULTERN. „OFFENGESTANDEN, WIR WISSEN ES SELBST NICHT.“ – S. 29

Durch Telepathie unterhalten sich von nun an der Gorilla Ismael und sein neuer Schüler in weitschweifenden Dialogen über den Aufstieg und den Untergang der Menschheit. Ismael wendet dabei die sokratische Methode an: Zu Beginn definiert er zentrale Begriffe wie „Geschichte“ und „Kultur“, um anschließend auf dieser Grundlage seinen Schüler durch gezielte Fragen zur philosophischen Erkenntnis zu führen. Ismael setzt sich in seinem Unterricht mit einigen Mythen der Menschheit auseinander. Einen zentralen Platz nehmen die Evolution sowie die biblischen Erzählungen des Sündenfalls und der Ermordung Abels ein, deren Folgen auf den Umgang der Menschen mit der Erde seit Beginn der landwirtschaftlichen Revolution 8000 vor Christus in der Gegend des fruchtbaren Halbmondes ebenfalls thematisiert werden. Zu diesem Zweck unterteilt Ismael die Menschheit stark vereinfachend in Nehmer und Lasser. Die Nehmer, die vor etwa 10.000 Jahren mit dem Beginn der Revolution der Landwirtschaft sesshaft wurden, leben demnach derzeit weltweit in den „modernen“ Gesellschaften. Die Lasser, die im Einklang mit der Natur leben, stellen hingegen eine schrumpfende Minderheit dar. Im fortlaufenden Dialog dekonstruiert Ismael kulturelle Mythen, nach denen sein Schüler und der Rest der Nehmer leben. Allen voran den Mythos, auf dem die Nehmer ihre Vorherrschaft auf der Welt begründen und demzufolge die Menschen die Krone der Schöpfung und das Ziel der Evolution seien. Ismael kritisiert nicht allein den Anthropozentrismus, sondern auch, dass die Nehmer aufgehört hätten, diesen zu hinterfragen, ihn stattdessen täglich durch Medien, Politik und Wirtschaft weitertragen und auf seiner Grundlage Natur und Lebensräume zerstören.

Daniel Quinns fiktiver Roman „Ismael“ scheint ein geheimer Bestseller zu sein, der in Diskussionsrunden begeistert diskutiert und von zahlreichen spirituellen Youtubern und Bloggern empfohlen wird. Während ich einige der Ideen als durchaus interessant und nützlich empfinde, ist die Umsetzung des Romans schlechthin unpassend. Denn Daniel Quinn verwendet zur Weitertragung seiner Gedanken rhetorische Mittel, die in meinen Augen manipulativ sind.
Auf den ersten Blick scheint es ein intelligenter Schachzug Daniel Quinns zu sein, einen Gorilla als Lehrer einzusetzen, der, nicht von „Mutter Kultur“ beeinflusst, neutral die Menschheit beobachten und bewerten kann. „Mutter Kultur“ ist in „Ismael“ wie eine leise Stimme, die die Menschen manipuliert und derer sie sich nicht entziehen können. Das hat zwei gravierende Auswirkungen: Erstens erhalten die Aussagen des Gorillas damit einen allgemeingültigen und überlegenen Charakter, den sie nicht besitzen. Denn letztendlich ist die gesamte Lehre Ismaels, eine von Daniel Quinn – der sich seiner Weltanschauung folgend gleichwohl nicht der Manipulation durch „Mutter Natur“ entziehen kann und indem er so tut als ob, eine doch eher fragwürdige Position einnimmt – geformte Ideologie, die er in seinem Roman durch einen scheinbar neutralen Dritten weitergibt. Zweitens entledigt sich Daniel Quinn durch seine Darstellung unserer Kultur jeglicher Kritik. In jeder Situation, in der der Schüler Ismaels alias Daniel Quinns Argumentation widersprach, argumentierte dieser, dass lediglich „Mutter Kultur“ ihn durch ihre Manipulationen abhalte, jene Argumente zu verstehen. Eine kritische Auseinandersetzung mit Quinns Argumenten wird auf dieser Basis unmöglich.
Die Überlegenheit der Argumentation des Gorillas wird zudem dadurch verstärkt, dass der nur schemenhaft skizzierte Schüler ziemlich begriffsstutzig daherkommt und nur in wenigen Fällen eine genaue Antwort auf die Fragen Ismaels weiß und nur selten etwas hinterfragt. Dadurch wirkt eigentlich alles, was Ismael sagt, bedeutungsschwer und originell. Gleichzeitig findet dadurch aber auch kein Meinungsaustausch zwischen Lehrer und Schüler statt, es gibt keine Gegenargumente, keine Diskussionen, sondern lediglich die Argumente Ismaels alias Daniel Quinns, die im Roman als einzige Wahrheit vermittelt werden.

„WIR BRAUCHEN KEINEN PROPHETEN, DER UNS SAGT, WIE WIR LEBEN SOLLEN. WIR KÖNNEN DAS SELBST HERAUSFINDEN, INDEM WIR UNS DIE WELT, IN DER WIR LEBEN, GENAUER ANSEHEN.“ – S. 91

Die aus der gesamten Konstruktion des Romans resultierende Botschaft, nach der jeder, der nicht mit den Argumenten Daniel Quinns übereinstimmt, ein von der „Mutter Kultur“ manipulierter und damit die Wahrheit unfähig zu erkennender Mensch ist, halte ich schlichtweg – insbesondere wenn ich mir ansehe, wie viele Menschen diesen Roman zu lieben scheinen – für gefährlich. Darüberhinaus generalisiert Daniel Quinn stark und schert beispielsweise in einem Rutsch alle Kulturen der Welt über einen Kamm und entledigt sich durch die Romanform jeglicher Notwendigkeit an Quellenverweisen und empirischen Befunden. Dennoch beinhaltet der Roman einige Ideen, die ich bemerkenswert und interessant fand. Wäre Daniel Quinn offen mit diesen Ideen umgegangen und hätte Raum für Diskussionen gelassen, hätte er nicht nur sich, sondern auch dem realen und wichtigen Thema, mit dem er sich in „Ismael“ auseinandersetzt einen großen Gefallen getan.


Daniel Quinns Roman „Isamel“, in dem sich der Autor mit der gegenwärtigen Situation der Menschheit auseinandersetzt und nach einer Lösung für die Ausbeutung der Natur sucht, konnte mich letztendlich nicht überzeugen. Obwohl mich einige seiner Argumente nachdenklich stimmten und durchaus als Erklärung herangezogen werden könnten, empfand ich die Verarbeitung dieser in Romanform als manipulativ und dem großen und wichtigen Thema der Zukunft der Menschheit und der Natur als nicht angemessen.

Weitere Rezensionen und Buchtipps von mir findest du auf wortkulisse.net.

Kommentieren0
0
Teilen

Rezension zu "Ismael" von Daniel Quinn

Grandios
MariaAlexandravor 3 Jahren

Ein Gorilla erklärt die Welt - nein, das ist kein Buch über Kneipengepräche auch wenn die einzige Pressestimme auf der Rückseite vom "Playboy" kommt :)

Ich habe dieses Buch nun mindestens 25x verschenkt und mindestens 5x gelesen. Beim ersten Mal tat ich mir allerdings etwas schwer, weil der Stil - nunja, ist eben Geschmacksache.
Der Protagonist ist recht schwer von Begriff und deswegen muss der Gorilla eine Engelsgeduld mit ihm aufbringn - als Leser kommt man sich da schnell unterfordert vor und in den Dialogen geht es recht langsam voran. ABER der Inhalt rechtfertigt das durchaus. Ist eben kein Buch zum runterlesen, sondern zum Mitdenken. Es ermöglicht einem, einen Schritt Abstand zu gewinnen von dem eigen Selbstverständnis und sich die Welt von einem neuen Standpunkt aus zu betrachten.
In diesem Buch schlummern so viele grundlegende Erkenntnisse über das menschliche Zusammenleben und unsere Geschichte (und über Groillas), dass ich es sehr gerne immer wieder zur Hand nehme.

Kommentieren0
5
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu
Ihr lieben Büchermenschen, ich suche ein Buch und würde fast jedes Buch aus meiner Bibliothek dafür geben, wenn jemand es abzugeben hätte. Es handelt sich um: "Ismaels Geheimnis" von Daniel Quinn. Danke für Eure Antworten und vielleicht ein Angebot!
Zum Thema

Community-Statistik

in 102 Bibliotheken

auf 11 Wunschlisten

von 7 Lesern aktuell gelesen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks