Daniel Schreiber

 4.3 Sterne bei 25 Bewertungen
Autor von Nüchtern, Susan Sontag. Geist und Glamour und weiteren Büchern.

Neue Bücher

Zuhause

 (7)
Neu erschienen am 02.10.2018 als Taschenbuch bei Suhrkamp.

Alle Bücher von Daniel Schreiber

Nüchtern

Nüchtern

 (9)
Erschienen am 11.04.2016
Susan Sontag. Geist und Glamour

Susan Sontag. Geist und Glamour

 (8)
Erschienen am 21.04.2009
Zuhause

Zuhause

 (7)
Erschienen am 02.10.2018
Annas Paradies

Annas Paradies

 (1)
Erschienen am 26.09.2011
Annas Paradies Special Edition

Annas Paradies Special Edition

 (0)
Erschienen am 01.06.2012
Annas Paradies

Annas Paradies

 (0)
Erschienen am 01.05.2017

Neue Rezensionen zu Daniel Schreiber

Neu
Claris avatar

Rezension zu "Zuhause" von Daniel Schreiber

Standortbestimmung
Clarivor 2 Jahren

Daniel Schreiber beginnt seine Reflexionen über „Zuhause“ mit einem Gang durch das frühlingshafte London. Er beschreibt in poetischen und anrührenden Worten die vielfarbige Blumenpracht und das frische Grün des Frühlings. Bei seinen Überlegungen, was für ihn „Zuhause“ bedeutet, kommt er zu einer tiefsinnigen Betrachtung dessen, was dem Menschen Zuhause sein kann. Ist es ein Ort der Bestimmung? Führt Heimat und Zuhause zur Identitäts- und Sinnfindung? Bedeutet es den Ort, der Geborgenheit und Sicherheit verheißt?

In seinem Essay über seine Kinder – Jugend- und späteren Jahre gibt er seinen eigenen Weg preis, mit dem er sich lange Jahre auseinandergesetzt hat. Er wuchs auf der brandenburgischen Seenplatte auf, kann dem aber als Heimat später nichts mehr abgewinnen. Zu bitter waren die ersten Schulerfahrungen mit einer sadistischen und linientreuen Stasi- Lehrerin, die ihn quälte.

Aus dem zuerst so poetischen Beginn entwickelt sich zunehmend ein theoretisches und philosophisches Gedankenspiel mit ganz handfesten Berichten über eine Jugend, die mit dem Makel der Homosexualität behaftet war.

In der DDR war es verpönt, zu dieser Spezies Menschen zu gehören, wie ja überhaupt das Tabu der Homosexualität erst in den frühen siebziger Jahren auch im so genannten Westen Deutschlands eine Änderung erfuhr. Im Wechsel mit Erinnerungen an New York, London und weiten Reisen, eigenen Lebenserfahrungen und geheimen Ängsten weiht uns Schreiber in die Tiefen psychologischer Einsichten über das Wachsen und Werden seines Lebens ein.

In einem Exkurs beschreibt er die Wanderjahre seiner Vorfahren durch Flucht und kriegsbedingte Vertreibung.

Aussagen von Philosophen, Soziologen und Psychoanalytikern bereichern die praktischen Einsichten, zu denen er in seinen Reflexionen kommt.

Es ist ein angenehm offenes aber keinesfalls indiskretes Bekenntnis, mit dem Daniel Schreiber über seine dunklen Stunden und die Suche nach dem wahren Zuhause aufwartet.

Die poetischen Passagen sind besonders reizvoll, weil sie unmittelbar eine zu Ort oder Stadt passende Stimmung wiedergeben.

Jeder mag ähnliche Erfahrungen und Entwicklungen erlebt haben, die in einer sich ändernden Welt mit großer Mobilität zu Entfremdungen und Neuorientierungen führen mag.

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serendipity3012s avatar

Rezension zu "Zuhause" von Daniel Schreiber

Vom Weg aus einer Krise
serendipity3012vor 2 Jahren

Vom Weg aus einer Krise 

„Herauszufinden, wo man zu Hause ist, ist eine der grundlegendsten Auseinandersetzungen, die wir in unserem Leben führen müssen.“ S. 135f

Dieser Satz steht am Ende der Danksagung Daniel Schreibers in seinem Buch „Zuhause. Die Suche nach dem Ort, an dem wir leben wollen.“ Und es gelingt ihm ganz wunderbar, diese Auseinandersetzung zu beschreiben, in einem sehr persönlichen Essay, der stellenweise in seiner Ehrlichkeit und Offenheit sehr berührt und der sehr klug immer auch philosophische Betrachtungen zu dem einflicht, was Heimat und zu Hause sein können, was sie uns bedeuten und warum sie so wichtig für uns sind.

Mit „Heimat“ verbinden wir als erstes ganz selbstverständlich einen Ort, zumeist den, an dem wir aufgewachsen sind, ohne gleich zu bedenken, dass das, was uns so geprägt hat für unser ganzes späteres Leben, eigentlich nicht ein Ort sein kann, sondern immer mit den Menschen dort zu tun hat, mit den Erfahrungen, die wir dort gemacht haben, den Erinnerungen, die uns begleiten. Daniel Schreiber, Jahrgang 1977, wuchs in einem kleinen Dorf in Mecklenburg Vorpommern auf und man verdeutlichte ihm schon früh, dass er sich von anderen unterschied, dass er sich zu feminin benahm, man wollte ihn auf männlich trimmen. Eine linientreue Lehrerin in seinen ersten Schuljahren vermittelte ihm nicht etwa, dass er so, wie er war, in Ordnung war, sondern ermutigte seine Mitschüler im Gegenteil dazu, ihn auszugrenzen. Auch wenn die Kindheit im Elternhaus größtenteils gute Erinnerungen mit sich brachte – abgesehen davon, dass ihm auch hier schon früh und eher diffus bewusst war, dass irgendetwas an ihm anders war – so hat ihn die frühe Erfahrung der Ausgrenzung und des „Nichtkonformseins“ doch sehr für das spätere Leben geprägt und auch für sein Verhältnis zu diesem Ort, an dem er seine Wurzeln hat.

Schreiber erzählt sehr offen von den Erfahrungen seiner Kindheit, ebenso wie von einer schweren Krise, in die er nach einer längeren Zeit in London gerutscht war. Diese Londoner Zeit war geprägt von einer unglücklichen Liebe zu einem Exfreund, mit dem auch eine Freundschaft nicht recht möglich war. Zurück in Berlin begriff Schreiber, dass seine Krise auch damit zu tun hatte, dass er sich dort nicht zu Hause fühlte, und er begann, darüber nachzudenken, was ein Zuhause eigentlich ausmacht und wie wir einen Ort zu einem Zuhause machen können. Uns Leser lässt er an einem längeren Prozess teilhaben, in dem ihm langsam klar wurde, dass es letztendlich an ihm selber war, anzukommen und sich zu Hause zu fühlen.

Wir begleiten Daniel Schreiber auf seinen Ausflügen in seine Vergangenheit, von der er so offen erzählt und auf seinen Spaziergängen durch London, Berlin und New York, die drei Orte, an denen er in seinem Leben als Erwachsener länger gelebt hat. Orte, die er sich immer wieder auch erläuft und so vielleicht auch versucht, sie sich zu eigen und zu einem Zuhause zu machen. Diese persönlichen Passagen verschränkt er gekonnt mit philosophischen Zitaten, hinterfragt den Begriff des Zuhause auch psychologisch. Dabei streift er einige andere Themenbereiche, versucht, sich der ambivalenten Sehnsucht, die er so deutlich spürt, auch analytisch zu nähern.

"Die schmerzhafte Sehnsucht nach einem Zuhause lebt in jedem von uns. Es ist die Suche nach dem Ort […], an dem wir nicht in Frage gestellt werden.“ So zitiert er die amerikanische Lyrikerin Maya Angelou (S. 84), „irgendwo zwischen lebenskluger Erkenntnis und Kalenderweisheit.“

Im Gegensatz zu früher habe sich der Begriff des Zuhause verändert, macht Schreiber an anderer Stelle deutlich, sei es „gleichermaßen ein realer wie ein innerer, ein spiritueller und ein sozialer Ort, an dem wir uns aus Gründen, die uns nicht einmal bewusst sein müssen, niederlassen.“ S. 14. Umziehen ist heutzutage normal geworden, Beruf oder Privates zwingen uns dazu, unser Zuhause zu wechseln, und wir tun so, als sei es keine große Sache, obwohl viele von uns lange, sehr lange brauchen, um an einem neuen Ort anzukommen. Der Autor beschreibt dabei sehr eindrücklich seine eigenen ambivalenten Gefühle:

„Ich konnte oder wollte nicht in Berlin zu Hause sein, so groß meine Sehnsucht nach einem Zuhause auch war. Lag es vielleicht daran, dass dieser Sehnsucht stets auch die Sehnsucht nach Aufbruch entgegenstand? Dass mein Bedürfnis wegzugehen ebenso tief verankert war wie jenes anzukommen?“ S. 49

Schreibers Essay ist ein dünnes Buch, aus meinem Exemplar ragen dennoch zahllose Post-its, so viele Stellen, Zitate, Beobachtungen, in denen ich mich auch persönlich wiedergefunden habe. Ein Zuhause, eines, an dem man sich wohlfühlt, wünscht sich jeder, und so sucht man sich in Schreibers Ausführungen immer auch selbst, gleicht seine Erfahrungen mit den von ihm beschriebenen ab, vielleicht umso mehr, wenn man selbst sein ursprüngliches Zuhause, seine „Heimat“ verlassen hat.

„Zuhause. Die Suche nach dem Ort, an dem wir leben wollen“ hat mich einerseits in seiner sehr mutigen Offenheit und der Bloßlegung vieler so persönlicher Erfahrungen berührt und mich andererseits mit seinen vielen klugen Gedanken zu Themen, die uns alle angehen, überzeugt und zum Nachdenken gebracht. Ein wunderbares Buch, an dessen Ende sein Autor angekommen zu sein scheint.

„Manchmal ist man nicht in der Lage, zu erkennen, dass so etwas wie Zufriedenheit möglich ist, weil diese Zufriedenheit so klein wirkt neben dem Glück, das man sich wünscht.“ S. 121

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Duffys avatar

Rezension zu "Nüchtern" von Daniel Schreiber

Vom Betroffenen für Betroffene
Duffyvor 4 Jahren

Alkohol ist ja gerade in Deutschland eine gesellschaftlich anerkannte Droge. Deshalb tut man sich hier auch mit der Krankheit Alkoholismus schwer. Dazu kommt noch die Heuchelei, mit der dem Alkoholgenuss von höchster Stelle Vorschub geleistet wird. Während z.B. Cannabis immer noch nicht legalisiert ist, spült der Alkohol jede Menge Steuern in die Staatskasse (wie auch die sanktionierten Zigaretten, Heuchelei Teil 2). Doch ist die Abhängigkeit vom Alkohol eine ernstzunehmende Krankheit, eine Sucht, aus deren Fängen sich die Betroffenen nur unter großen Mühen befreien können. Es sind hier nicht nur die körperlichen Schädigungen, in erster Linie ist der Alkoholismus auch zuständig für die Zerstörung der Persönlichkeit und die negative Veränderung des Sozialverhaltens. Das große Suchtpotential führt nicht selten in die komplette Vernichtung einer ganzen Existenz.
Daniel Schreiber, trockener Alkoholiker, geht auf diese Aspekte in seinem Buch ein, doch in erster Linie reflektiert er seinen Weg vom Trinker zum trockenen Alkoholiker. Das macht er ohne Beschönigungen, im Gegenteil, er räumt auf in seiner "Trinkerkarriere" und stellt sich allen Wahrheiten, so unbequem und brutal sie auch daherkommen. Das ist allerdings der einzige Weg, um sich von diesem Suchtleben zu verabschieden. Selbstverständnis, Ehrlichkeit und Konsequenz. Alkoholismus ist wie so viele Suchtkrankheiten in erster Linie ein Prozess im Kopf, niemand kommt als Suchtkranker auf die Welt. Und diese Kopftätigkeiten sind notwendig, um sich der ganzen (eigenen) Problematik zu stellen. Der Autor macht das nicht auf eine einschüchterne, wissenschaftliche Art, sondern als Betroffener. Das macht er gut, richtig und nachvollziehbar. Der Eingeweihte kann das alles unterschreiben, weil die Abwendung vom Alkohol ziemlich ähnlich verläuft. Allen anderen, die sich ihre Sucht vielleicht noch nicht eingestanden haben, oder alle, die nicht wissen, ob oder dass sie auf einem Pulverfass sitzen, sei dieses Buch sogar als Prophylaxe empfohlen. Gut zu lesen, interessant und auch ein wenig lehrreich ist es allemal.

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