Daniel Schreiber Nüchtern

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Inhaltsangabe zu „Nüchtern“ von Daniel Schreiber

»Stellen Sie sich vor, wie Sie ein Walnussbrot aufschneiden, einen provenzalischen Ziegenkäse aus dem Einschlagpapier nehmen, ein paar Muskattrauben dazulegen und sich einen kalifornischen Pinot Noir ins Glas gießen. Wie Sie schon nach dem ersten Schluck spüren, dass jenes warme Gefühl der Entspannung durch Ihren Körper fließt. Wie Sie eine Zufriedenheit spüren, die sich ein bisschen wie Glück anfühlt.« Aber was ist, wenn es nicht bei dem einen Glas Wein bleibt, sondern regelmäßig eine Flasche oder mehr daraus wird? In seinem Bestseller Nüchtern erzählt Daniel Schreiber, wie es sich anfühlt, diese Schwelle zu übertreten. Er berichtet von einer Krankheit, von der die meisten von uns immer noch glauben, dass sie keine ist. Und von der wir annehmen, dass sie nur die anderen, aber niemals uns selbst treffen kann. Kluge Gesellschaftsanalyse, neurobiologisches Sachbuch und literarischer Erfahrungsbericht: Nüchtern ist das Aufklärungsbuch unserer Zeit. Es zeigt uns, dass das Glück nicht im trunkenen Vergessen liegt, sondern darin, ein wirkliches Leben zu führen.

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  • Vom Betroffenen für Betroffene

    Nüchtern
    Duffy

    Duffy

    23. April 2015 um 11:34

    Alkohol ist ja gerade in Deutschland eine gesellschaftlich anerkannte Droge. Deshalb tut man sich hier auch mit der Krankheit Alkoholismus schwer. Dazu kommt noch die Heuchelei, mit der dem Alkoholgenuss von höchster Stelle Vorschub geleistet wird. Während z.B. Cannabis immer noch nicht legalisiert ist, spült der Alkohol jede Menge Steuern in die Staatskasse (wie auch die sanktionierten Zigaretten, Heuchelei Teil 2). Doch ist die Abhängigkeit vom Alkohol eine ernstzunehmende Krankheit, eine Sucht, aus deren Fängen sich die Betroffenen nur unter großen Mühen befreien können. Es sind hier nicht nur die körperlichen Schädigungen, in erster Linie ist der Alkoholismus auch zuständig für die Zerstörung der Persönlichkeit und die negative Veränderung des Sozialverhaltens. Das große Suchtpotential führt nicht selten in die komplette Vernichtung einer ganzen Existenz. Daniel Schreiber, trockener Alkoholiker, geht auf diese Aspekte in seinem Buch ein, doch in erster Linie reflektiert er seinen Weg vom Trinker zum trockenen Alkoholiker. Das macht er ohne Beschönigungen, im Gegenteil, er räumt auf in seiner "Trinkerkarriere" und stellt sich allen Wahrheiten, so unbequem und brutal sie auch daherkommen. Das ist allerdings der einzige Weg, um sich von diesem Suchtleben zu verabschieden. Selbstverständnis, Ehrlichkeit und Konsequenz. Alkoholismus ist wie so viele Suchtkrankheiten in erster Linie ein Prozess im Kopf, niemand kommt als Suchtkranker auf die Welt. Und diese Kopftätigkeiten sind notwendig, um sich der ganzen (eigenen) Problematik zu stellen. Der Autor macht das nicht auf eine einschüchterne, wissenschaftliche Art, sondern als Betroffener. Das macht er gut, richtig und nachvollziehbar. Der Eingeweihte kann das alles unterschreiben, weil die Abwendung vom Alkohol ziemlich ähnlich verläuft. Allen anderen, die sich ihre Sucht vielleicht noch nicht eingestanden haben, oder alle, die nicht wissen, ob oder dass sie auf einem Pulverfass sitzen, sei dieses Buch sogar als Prophylaxe empfohlen. Gut zu lesen, interessant und auch ein wenig lehrreich ist es allemal.

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  • Alltäglich

    Nüchtern
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    04. December 2014 um 13:16

    Alltäglich „Wer feiert, der kann auch arbeiten“, so heißt einer der markigen, „männlichen“ Alltagssätze. Der natürlich in die Richtung geht, ob ausgeweiteten Alkoholgenusses dann aber ja nicht die Pflichten zu vernachlässigen. Was eben voraussetzt, dass jener übermäßige „Genuss“ stattgefunden hat. Und das nicht selten, wie die Verankerung dieser „Regel“ als Sentenz ja aufzeigt. Verstaubt mag man solche männlich-rituellen Sprüche finden, doch viele solcher Alltagsweisheiten führen zu jener Erkenntnis, die Daniel Schreiber überzeugend in den Mittelpunkt seines neuen Buches stellt. Alkohol ist ein wesentlicher, verbreiteter, alltäglicher, eng verzahnter Teil der Alltagskultur. Und das mit zu nehmendem statt abnehmendem Maße. Was sicherlich allein schon durch die vergleichende Beobachtung gestützt wird, wie verpönt, in „Penner-Nähe“ es noch vor 25, 30 Jahren war, offen mit Alkohol über die Straße zu gehen, in der Bahn zu sitzen, sich zu oft und offensichtlich „die Kante zu geben“ und wie aaltäglich dies inzwischen, nicht nur in den Großstädten, geworden ist, jenes öffentliche Trinken und häufige Trinken und starkes Trinken. Vom „Feiern“ zum ständigen „Gebrauch“, vom „Genuss“ zur „Sucht“ (und das in vielfältiger Form) ist es dann immer nur ein kurzer, oft kaum zu bemerkender, vor allem aber gesellschaftlich wenig problematisierter Schritt. „Deutschland gehört mit seinem jährlichen Pro-Kopf-Konsum von 12,1 Liter reinem Alkohol zu den Ländern, in denen mehr als anderswo getrunken wird“. All das ist natürlich nicht unbedingt neu. Statistiken sind seit Jahren öffentlich, Alkoholismus wird als Krankheit ernst genommen, doch im konkreten Gespräch sind es doch meist „irgendwelche anderen“, die davon betroffen sind. Der eigene Umgang mit Alkohol wird je wenig thematisiert und führt eher zu gereizten Reaktionen, wenn nicht locker gelassen wird. Wie das Trinken von Alkohol und der Alltag zusammen gehören in Deutschland, wie sehr Alkohol „in der Mitte der Gesellschaft“ steht, das nun ist das interessante, der andere Blick, den Schreiber dem Leser mit seinem Buch eröffnet. Und das, eine nicht einfache Gratwanderung, ohne erhobenen Zeigefinger. Sogar die positiven Aspekte stellt Schreiber differenziert hinaus in Richtung festigender, verbindender Rituale, die in vielfacher Form mit dem Alkoholkonsum einhergehen. Momente und „Stärken“ des Alkoholkonsums, die Schreiber aus eigener Erfahrung gut kennt und die er auch in der Gegenwart als Abstinenzler nicht leugnet. Gerade aber weil Schreiber nicht den moralischen Zeigefinger erhebt, gerade weil er so „nüchtern“ über sich und die vielfachen vermeintlich „anregenden, stützenden, genussvollen“, gesellschaftlich sanktionierten und ritualisierten Formen des Trinkens erzählt, gerade deswegen entsteht beim Leser ein tiefer Eindruck und ein allmähliches, fast automatisches reflektieren des eigenen Umgang mit dem Alkohol. „Die simple Wahrheit ist, dass wir sehr viel mehr trinken, als früher“. Und dies zunehmend unreflektierter und zunehmend mit der Gefahr, die Grenzen vom „geselligen Genuss“ zum „Müssen“ zu überschreiten. Und wer ehrlich bei der Lektüre ist, wird sich in manchen der peinlichen Momente des betrunkenen Daniel Schreiber durchaus wiedererkennen. Momente, die zwar mit kleinen Scherzen, markigen Worten fast in „Fronterfahrungsnähe“ oft nach außen abgetan werden, die aber dennoch die innere Scham nicht zum völligen Verstummen bringen werden. Das alles legt Schreiber in anregender, verständlicher und unterhaltsamer Form vor und nimmt den Leser so umgehend emotional mit in die vielfältigen Situationen von der „angeheiterten Runde“ bis hin zu jenem „allein unter Trinkenden“, das nun Schreibers Alltag kennzeichnet. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre, auch wenn man meint, zum Thema alles schon einmal irgendwie gelesen oder gehört zu haben. Schreiber erzeugt Wirkung. Was die bei der Lektüre deutlich abnehmende Lust an „Abstürzen“ angeht. „Momente der Klarheit sind seltsame Zufälle. Man muss sie beim Schopf packen“.

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