Daniel Stelter Eiszeit in der Weltwirtschaft

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Inhaltsangabe zu „Eiszeit in der Weltwirtschaft“ von Daniel Stelter

Die Krise von 2009 schien für Privatanleger noch ein Schneesturm, doch ging dieser nicht vorüber, sondern setzte sich fest und führte zu kollektiver Erstarrung. Ganze Gesellschaften befinden sich in einem Zustand finanzwirtschaftlicher Orientierungslosigkeit, die einen schlei-chenden Vermögensverlust bei Privat-personen zur Folge hat. Bürger hoffen auf den Wegweiser Politik, die mit ihren Erfolgsrezepten aus dem Lehrbuch (Sparen!) aber nicht dazu beiträgt, das Klima wieder zu erwärmen. Im Gegenteil, die Lage wird für private Sparer immer bedrückender.

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  • "Das Ponzi-System darf nicht zusammenbrechen"

    Eiszeit in der Weltwirtschaft
    R_Manthey

    R_Manthey

    06. June 2016 um 15:49

    Charles Ponzi wanderte Anfang des letzten Jahrhunderts aus Italien in die USA ein. Er entwickelte nach einer kriminellen Karriere ein System, das seinen Kunden enorme Gewinne in kurzer Zeit versprach. Forderungen von Altkunden erfüllte er stets mit den Geldern neuer Klienten. Man kann sich leicht überlegen, wie schnell der Kundenbestand wachsen muss, damit das System nicht zusammenbricht. Nachahmer von Ponzi, etwa Bernard Madoff, erlebten einen solchen Zusammenbruch genau so wie Ponzi selbst. Es reichen immer schon gewisse Ungereimtheiten, die zwangsläufig irgendwann auftreten und am Vertrauen der gierigen Anleger nagen. Dann treten massenweise Forderungen auf, und das System fällt in sich zusammen. Was hat das nun alles mit der Lage der Weltwirtschaft zu tun? Nun, hier läuft ein ganz ähnlicher Prozess. Allerdings werden die Betreiber dieses Ponzi-Systems niemals lebenslang wie Madoff in den Knast gehen. Der Schuldenstand insbesondere von Staaten erweist sich inzwischen als viel zu hoch, um ihn je wieder geordnet abtragen zu können. Mit immer neuen Schulden versuchen die Regierenden in Ponzi-Manier wenigstens die Zinsen für ihre Schulden zu bezahlen. Sie kaufen Zeit, damit das unweigerlich kommende Desaster nicht in ihre Amtszeit fällt. Doch das Risiko eines plötzlichen Unfalls, der das ganze Kartenhaus zum Einsturz bringen kann, steigt ständig. Daniel Stelter befasst sich in diesem Buch mit den möglichen Endszenarien dieser verantwortungslosen Politik und zeigt, welche Strategien es nach seiner Auffassung zur Rettung eines eventuellen Vermögens bei diesen Szenarien gibt. Zwei Drittel des Buches widmet er dabei der Analyse und möglichen Szenarien, das letzte Drittel den vermögenssichernden Strategien. Der erste von vier Teilen dieses Buches zeichnet den “Weg in die Eiszeit” nach. Er führt über die Verschuldungsorgien der Staaten beginnend mit der Auflösung der Goldbindung des Dollars bis zur desaströsen Rolle der europäischen Kunstwährung. Eine wichtige Rolle dabei spielt der Geldschöpfungsprozess der Banken, der von der Öffentlichkeit und sogar von manchen Volkswirten nicht richtig verstanden wird. Die ganze Entwicklung wird von der demografischen Situation und der fehlenden Investitionsbereitschaft von Staat und Wirtschaft in Deutschland und Europa verschärft. Stelter geht dabei auf sehr viele Detailprozesse ein, vergleicht die Lösungsansätze in Island und Griechenland, räumt erneut mit dem Märchen auf, dass die Deutschen Profiteure des Euro wären und zeigt, warum sich Umverteilungsideologen irren, weil sie die Ursachen für die auseinanderdriftenden Einkommen nicht wirklich verstehen. Im zweiten Teil geht es Stelter um die verhängnisvolle Rolle der Politik in diesem Prozess in den ökonomischen Stillstand, den er “Eiszeit” nennt. Bekanntlich reagieren die Herrschenden stets mit noch mehr Schulden auf eine Schuldenkrise, wobei diese Schulden völlig unproduktiv genutzt werden. Sie dienen lediglich dazu, ein bankrottes System am Leben zu erhalten. Im Kleinen sieht man dieses Prinzip in Griechenland. Niemals, so erklärt Stelter wird Griechenland seine durch diesen unsinnigen “Rettungsprozess” ins Gigantische gewachsenen Schuldenberg auch nur ein wenig abtragen können, weil es überhaupt keine Chance bekommt, wettbewerbsfähig zu werden. Stelter zählt Maßnahmen auf, die uns noch mit einem dunkelblauen Auge davonkommen ließen, die aber keine realistische Chance besitzen, weil sie das komplette Versagen der politischen Elite sofort aufdecken würden. Am Ende dieses Teil diskutiert er die Situation in Japan, das uns wahrscheinlich bereits um Jahre voraus ist und klar zeigt, wohin die Reise geht. Dort existieren bereits Vorschläge, wie man die Staatsverschuldung trickreich auflöst. Ob das gelingen wird, bleibt abzuwarten und scheint eher zweifelhaft. Im dritten Teil zeigt Stelter auf, was uns wahrscheinlich für mehrere Jahrzehnte blühen wird. Da die Bereinigung der Wirtschaft durch Rezessionen in den letzten Jahren immer wieder massiv durch Geldschwemmen unterdrückt wurden, sind Fehlinvestitionen und und nicht wettbewerbsfähige Strukturen im Markt verblieben. Das bremst oder verhindert eine wirtschaftliche Dynamik in Europa. Doch auch die Nebenwirkungen dieses “billigen Geldes” sind erheblich: Es “führt zur Inflation der Vermögenspreise und unproduktiver Verschuldung, was dann wiederum einen Einbruch und eine noch größere Krise verursacht, auf die erneut mit billigerem Geld reagiert wird.” Eigentlich wären im Angesicht der drohenden Katastrophe drastische Maßnahmen nötig, schreibt Stelter. Sie sollten den Schuldenüberhang beseitigen oder wenigstens reduzieren, das Wachstum stärken und das Finanzsystem nachhaltig reformieren. Doch die Chancen auf eine Realisierung solcher Maßnahmen sind äußerst gering. Schuldenschnitte würden das Versagen der Eliten auch einer breiteren Öffentlichkeit offenbaren. Eine wirksame Regulierung des Finanzsystem stößt auf heftigen Widerstand und kollidiert mit der Abhängigkeit der Schuldenmacher von diesem System. Für eine Stärkung des Wachstums müsste der Staat in Vorleistung gehen. Doch er verbrennt seine Kredite und Steuereinnahmen lieber für unproduktive Wohltaten. Wenn solche Maßnahmen ausbleiben, dürfte die kommende Krise lang und tief ausfallen, weil sie durch andere Faktoren wie etwa die demografische Entwicklung noch zusätzlich verschärft werden wird. Stelter geht auch auf eine notwendige Geldreform ein, die einige Probleme lösen würde. So könnte etwa die Einführung von Vollgeld, wie sie von einigen Ökonomen vorgeschlagen wird, zu sehr guten Lösungsansätzen führen. Das würde aber beispielsweise den geordneten Austritt Deutschlands aus dem Euro (für Stelter die einzig vernünftige Variante) und eine Disziplin des Staates bei seinen Finanzen erfordern, die man so noch nie gesehen hat. Ein solches Szenario ist mit dem gegenwärtigen Personal undenkbar. Im letzten Teil widmet sich Stelter der Vermögensrettung. Er spielt dabei verschiedene Szenarien durch und erklärt, was man dann seiner Meinung nach tun sollte. Kurz gesagt favorisiert er Gold und ein diversifiziertes Aktienportfolio von Qualitätsunternehmen möglichst nicht aus Europa. Da niemand genau weiß, was passieren wird, sind solche Empfehlungen entweder sehr allgemein (wie hier) oder am Ende immer falsch. Qualität und Sachwerte, die man leicht wieder zu Geld machen kann, sind dabei wohl niemals ein Fehler, auch wenn man hinnehmen muss, Wert einzubüßen. Schließlich wird irgendwer die Schulden bezahlen müssen. Und das werden gewiss nicht die sein, die sie gemacht haben. Die Krise von 2008 hat offengelegt, dass bei einer plötzlich eintretenden Krise (mit der man auch nach Stelter jederzeit rechnen muss, weil sich die Wahrscheinlichkeit von unkontrollierbaren Ereignissen immer mehr erhöht) auch ein diversifiziertes Depot nicht retten lässt. Und im Fall der Stelterschen Eiszeit muss man sowieso einen langen Atem haben, denn die könnte nach Ansicht des Autors Jahrzehnte andauern. In Japan geht sie inzwischen bald ins dritte Jahrzehnt ohne dass dort auch nur eines der Probleme wirklich gelöst ist. Der Text liest sich gut. Nur manchmal hatte ich das Gefühl, der rote Faden ginge vor lauter Detailfragen verloren. Das Gefühl hatte wahrscheinlich auch der Autor, denn sicherheitshalber wiederholt er sich an verschiedenen Stellen. Das allerdings mindert die Qualität dieses Buches, das nicht so reißerisch daherkommt wie manch anderes, keineswegs. Im Gegenteil: Hier ergänzen sich Sachverstand und Sachlichkeit zu einem gelungenen Buch.  

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