In diesem Hörbuch "Lied der Wale" von Daniel Thomas wurde ein sehr ernstes Thema in einen leichten Liebesroman verpackt. Man kann darüber streiten, ob diese Mischung zusammen passt - oder auch nicht. Auf jeden Fall bekommen dabei die Hörer/innen Infos in Bezug auf Wale, Artenschutz und Walfang, die sonst womöglich an ihnen vorbei gingen. Ich weiß aus der Bücherei, wie schwer sich viele Leser mit Sachbüchern tun und selten danach greifen.
Mein Fazit: In diesem Fall heiligt der Zweck die Mittel.
Die Protagonisten Leah und David kommen ganz schön leichtgläubig und naiv daher. Ein Wall Street Guru wie David, der mit allen Wassern gewaschen sein muss wenn er dort so erfolgreich war wie beschrieben, macht dann, als er erzählt wie er sein ganzes Vermögen verlor, seine Fonds in den Abgrund rutschten, eine ziemlich depperte Figur. Auch als er feststellt, dass gespendetes Geld auf einem geheimen Konto gebunkert wurde, bekleckert er sich nicht mit Ruhm. Aber man muss so einen Hauptakteur dem Publikum sympathisch machen. Und bei Frauen schlagen die Herzen höher, wenn sie von Männern hören, die übelst reingelegt wurden. Jedenfalls in Büchern.
Leah, eine erfolgreich Journalistin, die sich in Sachen Wirtschaft einen guten Namen machte, zeigt sich nicht viel cleverer, vermischt Privates mit der Profession und erst die Liebe heilt sie. Nun, sei's drum. Die Geschichte muss zusammen passen.
Was an diesem Buch aber richtig gut ist, das sind die Infos über die Wale und deren Verhalten. Natürlich geht das nicht so sehr in die Tiefe, aber es weckt das Interesse des Lesers, sich weitgehender zu informieren. Wenn man bedenkt, dass die meisten Liebesgeschichten beim Lesen nur so an einem vorbei plätschern und keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, dann muss man dieses Buch aus der Masse heraus heben.
Wer weiß schon, wie grausam die Walfänger auf die Jagd gingen/gehen und was die Tiere leiden müssen? Treibnetze. Jeder kennt diese aber der Normalbürger, der weit von der Küste entfernt wohnt, hat von modernem Fischfang kaum Ahnung und keine Vorstellungen davon, was diese Netze in den Meeren anrichten. Falls dieses Buch es schafft, wenigstens einige Leser dazu zu bewegen, mehr über diese Problematik nachzudenken und sich in Artenschutz zu engagieren, dann hat das Buch wohl seinen Sinn erfüllt.
Der Zweck heiligt die Mittel



