Daniel Woodrell In Almas Augen

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Inhaltsangabe zu „In Almas Augen“ von Daniel Woodrell

Die Zeit vergeht, aber sie heilt nicht alle Wunden ... Missouri, Sommer 1929: In einer Kleinstadt sterben 42 Menschen, als es eines Nachts bei einer Tanzveranstaltung zu einer gewaltigen Explosion kommt. Die wahren Ursachen kommen nie ans Tageslicht, und als kurz darauf die Große Depression über das Land hereinbricht, scheint alles zu verblassen. Nur eine Person lassen die Ereignisse nicht los. Die Haushälterin Alma DeGeer Dunahew hat ihre Schwester Ruby in den Flammen verloren und glaubt nicht an einen Unfall. Aber als sie Nachforschungen anstellt, wird Alma mehr und mehr ausgegrenzt. Erst vierzig Jahre später wird sie ihre eigene Wahrheit über jene tragische Nacht enthüllen ...

Ein Kaff in den Ozarks und eine ungesühnte Katastrophe: Kraftvoll und poetisch.

— Gulan

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    In Almas Augen

    Gulan

    Vor dem nahen Himmel türmte sich eine orange strahlende Helligkeit auf, Hitze brüllte, während die Feuerzungen in der Nachtbrise aufflammten und größer wurden. Der orangefarbene Turm neigte sich, warf sich von einer Seite zur anderen; die Laute, die die Tanzenden von sich gaben, drangen als anonyme Schreie an weit entfernte Ohren und folterten jene Menschen, die näher dran waren, mit ihren klar vernehmlichen Klagen. Manche behaupteten, Abschiedsrufe der Opfer gehört zu haben, die durch die Luft flogen oder im Schutt steckten, und einiges davon dürfte wohl stimmen. Viele helfende Mitbürger krochen durch die Flammen und zerrten an den Blasen werfenden, qualmenden Körpern, die sich später als die Leichen von Bekannten herausstellten, von Schwestern, Onkeln, Söhnen und Freunden. (S.20-21) Alma DeGeer Dunahew ist eine alte, wortkarge Frau, die ihr ganzes Leben in äußerst bescheidenen Verhältnissen gelebt hat. Im Sommer 1965 hat sie ihren Enkel Alek zu Gast und sie erzählt ihm von dem einschneidenden Ereignis ihres Lebens und der Kleinstadt West Table in Missouri: Der Brand der Arbor Dance Hall im Jahre 1929. Ein Verbrechen, das immer noch ungesühnt ist. Autor Daniel Woodrell beschrieb einst seinen 1996 erschienenen Roman „Give Us A Kiss“ („Stoff ohne Ende“) mit der Phrase „a country noir“ und schon war ein ganzes Subgenre geboren. Woodrell wollte den Slogan später gerne zurücknehmen, aber da war es bereits zu spät. Die Bezeichnung passte einfach zu gut für neue (Kriminal-)Romane, die ihre Düsternis und Feindseligkeit eben nicht aus der Urbanität der Großstädte, sondern aus der unwirtlichen Natur und Landschaft und der wirtschaftlichen Not der Landbevölkerung ziehen. Mein erstes Mal mit dem Genre und dem Autor fand vor knapp zwei Jahren statt: „Winters Knochen“ hat mich damals echt umgehauen, seitdem führe ich das Werk in meinen persönlichen Top Ten. Ein grimmiges, raues White-Trash-Drama mit der großartigen Hauptfigur Ree Dolly. Nun also mein zweites Date mit Daniel Woodrell. Wir sind - natürlich (schließlich kommt Woodrell von dort und lebt dort immer noch) – in den Ozarks in Missouri, einer ländlichen, bergigen und waldreichen Region im Mittleren Westen der USA. Der Begriff Hillbilly wurde ursprünglich für die Bewohner der Ozarks geprägt. Die (fiktive) Kleinstadt West Table ist im Sommer des Jahres 1929 Schauplatz einer großen Katastrophe: Während einer populären Tanzveranstaltung kommt es in der Arbor Dance Hall zu einer Explosion. 42 Menschen sterben, zahlreiche weitere werden schwer verletzt. Es gibt kaum eine Familie in der Stadt, die nicht von der Katastrophe betroffen ist. Doch eine Aufklärung dieser Katastrophe findet nie statt und trotz zweier Untersuchungskommissionen kommt der Verdacht auf, dass dies auch gar nicht gewollt ist. Dies alles erzählt Woodrell allerdings nur indirekt und alles andere als chronologisch. Er entwirft vielmehr in Episoden ein Panorama dieser Kleinstadt und seiner Bewohner und insbesondere der Familie des (zeitweiligen) Ich-Erzählers Alek und seiner Großmutter Alma, einer klassischen Außenseiterin. Vater Trinker, Mutter zu schwach, sie selbst ist Analphabetin und hat ein Leben lang als Dienstmagd geschuftet. Alma hatte die Schule bis zum Ende der dritten Klasse besuchen dürfen, dann musste sie ein paar Jahre auf den Feldern ihres Vaters arbeiten, bevor sie den Weg in die Stadt fand und Wäscherin, Köchin und Dienstmagd wurde. Sie verlor zwei Söhne, ihren Ehemann, ihre Schwester und verdiente wenig. Meist stand sie nur einen zerschlagenen Teller oder ein lautes Widerwort vor der völligen Armut. Sie war ängstlich und wütend, führte ein Leben voller Groll, voller Anfeindungen und kalter Erinnerungen an all jene, die uns je geärgert oder etwas angetan hatten. Alma DeGeer Dunahew war mit ihrer verkniffenen, feindlichen Natur, ihren dunklen Obsessionen und ihrem grundlegenden Verlangen nach Rache das große rote Herz unserer Familie, das wir geheim hielten und das uns Kraft gab. (S.15) Insbesondere der Verlust ihrer Schwester Ruby in der Nacht der Katastrophe nagt an Alma und sie ist sich sicher, wer ihren Tod zu verantworten hat. Doch das will in dieser Kleinstadt niemand wissen. Hier halten einige wenige das Heft in der Hand, eine Art Feudalgesellschaft hat sich etabliert, in dem der Großteil der Bevölkerung nur die Brosamen erhält. Dieses West Table ist sozusagen das Gegenteil des American Dream. Hier wird hart geschuftet und trotzdem kommt man kaum über die Runden und viele Chancen sind schon mit der Geburt in eine Familie verwirkt. Daniel Woodrell, der „Poet des White Trash“ (Martin Compart), beschreibt kraftvoll und emotional das Leben einer gebrochenen Frau, einer brüchigen Familie und einer zerrissenen Kleinstadt. Dabei legt er auch die Anatomie eines Verbrechens frei. Dies ist auch der Grund, warum dieses Buch, das viele nicht als Krimi bezeichnen würden, zurecht auf Krimibestenlisten geführt wird.

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  • In Almas Augen

    In Almas Augen

    Claudia-Marina

    07. March 2016 um 17:42

    Im Sommer 1929 ereignet sich in einer Kleinstadt in Missouri ein schreckliches Unglück. Eine Explosion auf einer Tanzveranstaltung reißt 42 Menschen in den Tod - darunter auch Almas Schwester Ruby. Nach Rubys Tod ist Alma schwer traumatisiert, lässt sich immer mehr gehen und wird als letzte Konsequenz sogar zwangseingewiesen, zudem die wahren Ursachen nie ans Licht kamen. Wirklich erholen wird sie sich nie mehr. 40 Jahre nach der Tragödie will sie nicht länger schweigen. Sie erzählt ihrem Enkel Alek, dem Erzähler des Romans, was wirklich passiert ist. In dieser Nacht. Mit Ruby. Im Grunde genommen geht es in Daniel Woodrells Roman weniger um die tragische Unglücksnacht als um die Wochen davor und die Jahre danach. Es geht mehr darum, was passiert, wenn man Geheimnisse lüftet, die besser ungelüftet geblieben wären. Was passiert, wenn man die falschen Fragen stellt und die nach den falschen Antworten sucht. Alma hat das getan und muss nun immer noch mit den Konsequenzen leben. In einer Kleinstadt als Außenseiter zu gelten ist hart. Das erzählt In Almas Augen. Wie es ist, in Armut zu leben, seinen Kindern noch nicht einmal eine warme Mahlzeit bieten zu können, während die Familie, in der Alma als Haushälterin arbeitet, es nicht zu schätzen weiß. Daniel Woodrell beschreibt eine harte Welt, in der jeder Tag hartes Überleben ist und nichts an Südstaatenromantik aus Vom Winde verweht erinnert. Sprachlich erzählt Daniel Woodrell auf ganz hohem Niveau. Schnörkellos und direkt. Ungeschönt und brutal. Ich mag diese Art zu erzählen, die so pur ist. Vermutlich wird In Almas Augen deshalb auch nicht mein letztes Buch von ihm sein. Und trotzdem kann ich mit der Geschichte an sich nicht viel anfangen. Ich habe immer noch das Gefühl, etwas grundlegendes verpasst zu haben, wichtige Informationen überlesen zu haben. War da am Ende wirklich eine Aufklärung?  Alma bleibt mir als Charakter fremd. Ich kann ihre Trauer und ihren Verfall nicht verstehen, geschweige denn nachvollziehen. Ihre Welt ist mir fremd. Es ist, als würde ich sie von außen durch ein Fenster beobachten, ohne sie hören zu können. Leider gelingt auch die Verbindung in die Gegenwart mit ihrem Enkel Alek nicht wirklich, er ist nur verschwommen gezeichnet und kaum als eigenständige Person für mich wahrnehmbar. Am Ende bleibt ein zwiegespaltenes Lesegefühl. Das Gefühl, ein Stück großartiger Literatur in Händen zu halten, Sprachkunst vom Feinsten. Und das Gefühl, etwas entscheidendes verpasst zu haben. P.S.: Und warum stand dieser Roman auf der KrimiZeit-Bestenliste, wenn es doch gar kein Krimi ist? Mal ehrlich, weniger Krimi geht eigentlich kaum. Nur, weil ein Verbrechen geschieht, ist ein Roman noch lange kein Krimi. Ich muss aber auch nicht alles verstehen.

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  • In Almas Augen

    In Almas Augen

    thenight

    15. September 2015 um 11:56

    Missouri, Sommer 1929: In einer Kleinstadt sterben 42 Menschen, als es eines Nachts bei einer Tanzveranstaltung zu einer gewaltigen Explosion kommt. Die wahren Ursachen kommen nie ans Tageslicht, und als kurz darauf die Große Depression über das Land hereinbricht, scheint alles zu verblassen. Nur eine Person lassen die Ereignisse nicht los. Die Haushälterin Alma DeGeer Dunahew hat ihre Schwester Ruby in den Flammen verloren und glaubt nicht an einen Unfall. Aber als sie Nachforschungen anstellt, wird Alma mehr und mehr ausgegrenzt. Erst vierzig Jahre später wird sie ihre eigene Wahrheit über jene tragische Nacht enthüllen  Meine Meinung: Ich tue mich ein wenig schwer damit dieses Buch zu beurteilen, auf gerade mal 190 Seiten versucht der Autor die Geschichte einer Frau, einer Katastrophe und einer Kleinstadt zu erzählen, er versucht dem Leser die Stimmung einer vergangenen Zeit nahezubringen und die Umstände die die Hauptperson Alma zu der Frau machten die sie ist. Ich denke nicht das ihm das ganz gelungen ist, zu sehr springt er für meinen Geschmack in den Zeitlinien hin und her, kaum hat man das Gefühl für einen der Protagonisten entwickelt, erzählt der Autor von jemand anderem um später wieder zurückzukehren. Hier wäre mehr auch mehr gewesen, Nichtsdestotrotz klärt sich am Ende alles logisch und nachvollziehbar auf. Normalerweise mag ich Romane die in dieser Zeit spielen, die die Wirklichkeit wieder spiegeln ohne sie zu romantisieren. Woodrell hat es leider auch nicht geschafft, das ich mitfühlen konnte, das ich mir den Gegensatz von Arm und Reich vorstellen konnte. Seine Worte habe ich gern gelesen, die Geschichte wie sie sie erzählen, weniger.

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  • Spannend, fesselnd und genau die richtige Länge

    In Almas Augen

    schoensa

    01. August 2015 um 18:19

    Worum es geht Im Sommer 1929 sterben in einer Kleinstadt in Missouri 42 Menschen bei einer Tanzveranstaltung wegen einer Explosion. Die Haushälterin Alma DeGeer verliert ihre Schwester Ruby, ein weiterer Verlust in ihrem Leben und einer, an dem sie fast zerbricht. 40 Jahre später erzählt sie ihrem Enkel, wer ihrer Meinung nach für die Explosion verantwortlich war – und was für Geheimnisse und Ereignisse der Kleinstadt überhaupt erst dazu geführt haben.Wie es gefällt Immer weiter arbeitet sich Woodrell in die Kleinstadt hinein, legt Geheimnisse und Beziehungen offen. So entsteht ein spannendes Bild, zusammengehalten auch von dem Erzähler, dem Enkel Almas, der nebenbei Familiengeschichte und -tragödien einfliessen lässt. Die einzelnen Bilder der Geschichte führen dann zur Auflösung der Frage: Was geschah am Abend der Explosion? Spannend, fesselnd und genau die richtige Länge, dass die Geschichte nicht ausgedehnt wirkt (188 Seiten).Krimi? Das Buch steht auf der KrimiZEIT-Bestenliste, Fans von klassischen Krimis werden aber vermutlich enttäuscht sein. Es ist eher eine Art Psycho-Krimi, etwa in der Art wie „Das Seelenhaus".

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  • Der Schwarze Engel

    In Almas Augen

    Igelmanu66

    »Es war ein drückend heißer Tag, dunkel von einem unheilvollen Sturm, der sich über uns zusammenbraute, und wir saßen auf ihrer kleinen Veranda im Wind, um dem lebhaften Geschehen am Himmel zuzuschauen. Grelle Blitze kerbten die Sturmwolken, Donner grollte. Almas Kleid flatterte, sie hatte die Augen zusammengekniffen, starrte in die Ferne und wählte listigerweise genau diese tosende Stunde, um mir zum ersten Mal von der Explosion in der Arbor Dance Hall zu berichten, bei der 1929 zweiundvierzig Tanzende aus diesem kleinen Nest in den Ozarks von Missouri ihr Leben verloren hatten, Walzer tanzende Paare, die mitten im Takt umgekommen und in einem rosafarbenen Nebel zum Himmel geweht waren, gejagt von turmhohen Flammen. … Dutzende Menschen wurden verstümmelt und verbrannt, bis ihnen die Haut vom Fleisch schmolz. Die Schreie aus den Trümmern und Flammen sollten in den Ohren jener, die sie hörten, nie wieder verklingen, Schreie von brennenden Nachbarn, Freunden, Geliebten und Verwandten – wie meiner Großtante Ruby. So viele junge Menschen starben oder wurden für ihre Leben gezeichnet, und sie alle kamen aus diesem Städtchen von nur viertausend Einwohnern. Das führte zu einem Schock, zu einem lauten Aufschrei nach Gerechtigkeit. Verdächtigungen wurden geäußert, Drohungen ausgesprochen, ein Mob scharte sich zusammen, aber für all die Wut gab es kein offenkundiges Ziel. Mögliche Erklärungen für die Explosion waren so zahlreich wie widersprüchlich und blieben ohne überzeugende Beweise, sodass sich die offiziellen Ermittlungen kraftlos und stockend in einem weiten Kreis drehten, um schließlich in aller Heimlichkeit eingestellt zu werden. Niemand wurde je angeklagt oder verurteilt, und die achtundzwanzig nicht identifizierbaren Toten wurden gemeinsam unter einem monumentalen Engel begraben, der drei Meter hoch war und im Laufe der Jahre von der Kälte, der Hitze und dem peitschen Regen langsam schwarz wurde.« Mehr als vierzig Jahre nach dieser furchtbaren Nacht erzählt eine Großmutter ihrem Enkel davon, berichtet ihm die Wahrheit, so wie sie sie erlebt hat. Alma verlor bei dem Unglück ihre Schwester und glaubt auch zu wissen, wer für die Explosion verantwortlich war. Ihr Versuch, Nachforschungen anzustoßen, endete damit, dass sie ihre Arbeit verlor und immer mehr aus der Gesellschaft ausgegrenzt wurde. Weitere Schicksalsschläge werden sie treffen und fast um den Verstand bringen. Sie wird sich mit ihrer Familie überwerfen und erst spät, ihrem Enkel gegenüber, ihr Schweigen wieder brechen. Dieser Enkel ist der Erzähler der Geschichte und er berichtet nicht nur das, was er von seiner Großmutter Alma erfuhr. Schon sein Vater hat in wesentlichen Punkten eine andere Sicht der Dinge und beim Lesen tun sich noch diverse Möglichkeiten auf, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Nicht ohne Grund gab es von den Überlebenden und Trauernden die unterschiedlichsten Verdächtigungen! Wie in einem Puzzle werden immer wieder neue Aspekte enthüllt, werden neue Personen eingeführt, die durchaus an dem Unglück beteiligt gewesen sein können. Ich ertappte mich dabei, mal den zu verdächtigen, dann den… So zeichnet der Autor das Bild einer amerikanischen Kleinstadt mit all ihren Facetten und Vorurteilen, mit Menschen, die irgendwie versuchen, ihr Leben zu leben und manches Mal daran scheitern. Mit Geheimnissen, begangenen Fehlern und Ängsten. All das so lebendig beschrieben, dass man gerne dranbleibt bis am Ende – endlich – alle Fäden zusammenlaufen. »1989 fing der Schwarze Engel, der über den nicht identifizierten Toten wachte, an zu tanzen. Leute, die Kränze ablegen wollten, sahen, wie der Engel ein wenig mit den Hüften wackelte, und riefen nach weiteren Augenzeugen; tatsächlich gab es bald etliche Beobachter des himmlischen Tanzes. Da informierte man die Zeitung. Der noch immer glänzende Grabstein, auf dem der Engel stand, war so hoch wie zwei Männer und voller Namen, die vor Jahrzehnten in den Marmor gehauen worden waren. Der Schwarze Engel stand dort oben und hielt eine Fackel in der Hand, wohl für den Fall, dass die Wahrheit in der Dunkelheit vorbeischleichen wollte. Auch die Flamme war inzwischen schwarz geworden.«

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    • 13

    Cridilla

    01. February 2015 um 03:22
    Floh schreibt Deine Rezi-Überschrift macht mich besonders neugierig! Klasse Bewertung!

    Dem schließ ich mich an und tu es prompt auf meine WL ! Tolle Rezi !

  • Die LovelyBooks Themenchallenge 2015

    Das Schloss der Träumenden Bücher

    Daniliesing

    Ihr lest gern Bücher aus den verschiedensten Genres? Ihr sucht nach einer Leseherausforderung für 2015? Dann seid ihr hier genau richtig! Der Ablauf ist ganz einfach: Bei der Themen-Challenge geht es darum, passend zu 40 vorgegebenen Themen mindestens 20, 30 oder 40 Bücher aus 20, 30 oder 40 unterschiedlichen Themen zu lesen. Ihr könnt euch selbst als Ziel stecken, ob es 20, 30 oder 40 Bücher werden sollen. Bitte gebt dieses Ziel bei der Anmeldung mit an. Bitte sammelt alle eure gelesenen Bücher mit den passenden Themen in einem einzelnen Beitrag, den ich oben in einer Teilnehmerliste bei eurem Namen verlinken werde. Schickt mir dazu eine Nachricht mit dem Link zu eurem Sammelbeitrag! Wenn ihr ein Thema erfüllt habt, schreibt in diesem Sammelbeitrag, mit welchem Buch ihr das geschafft habt und postet einen Link zu eurer Rezension oder aber verfasst eine Kurzmeinung auf der Buchseite und teilt dann den Link zur Lesestatus-Seite, auf der auch die Kurzmeinung zu finden ist, mit uns. Diese Challenge läuft vom 1.1.2015 bis 31.12.2015. Alle Bücher, die in diesem Zeitraum und passend zu den Themen gelesen wurden, zählen. Es zählen Bücher aus allen Genres und mit allen Erscheinungsjahren, sofern sie die Themen erfüllen. Sie dürfen gern vom SuB (= Stapel ungelesener Bücher) oder neu gekauft, geschenkt bekommen oder geliehen sein. Man kann jederzeit noch in die Challenge einsteigen und auch passende Bücher zählen, die man zuvor im Jahr 2015 gelesen hat. Zu diesen Themen wollen wir passende Bücher lesen: Für jedes Thema gibt es ein extra Unterthema, in dem ihr euch über eure gelesenen oder eventuell dazu geplanten Bücher austauschen könnt. Ein Buch, in dem es um Bücher, Literatur und / oder das Lesen geht. Ein Buch, dessen Cover hauptsächlich (am besten ausschließlich) Schwarz und Weiß ist. Ein Buch, dessen Titel aus genau 2 Wörtern besteht. Ein Buch mit einer durchschnittlichen Bewertung von 3 oder weniger Sternen auf LovelyBooks. (Das Buch muss mindestens 3 Bewertungen haben, es gilt der Zeitpunkt, zu dem du zu lesen beginnst.) Ein Buch von einem Bestsellerautor, von dem du selbst noch nie etwas gelesen hast. Ein Buch, das gedruckt bisher ausschließlich als Hardcover erschienen ist. Ein Buch, das in Asien, Südamerika oder Afrika spielt. Ein Buch mit mehr als 650 Seiten. Ein Buch mit einer jungen und einer älteren Hauptfigur, mindestens 40 Jahre Altersunterschied. Ein Buch, zu dem es auf LovelyBooks noch keine Rezension sowie keine Kurzmeinung gibt. (Es zählt der Zeitpunkt des Lesebeginns.) Ein Buch mit einen elektrischen Gegenstand auf dem Cover. Ein Buch, in dessen Buchtitel gegenteilige Wörter / Dinge genannt werden. Ein Buch von einem Autor, der bisher ausschließlich dieses eine Buch veröffentlicht hat. Ein Buch, das durch seinen Titel & sein Cover auf eine ganz bestimmte Jahreszeit hindeutet. Ein Buch, in dem mindestens 3 unterschiedliche fantastische Wesen vorkommen. Ein Buch das, egal ob im Original oder in der Übersetzung, einen Literaturpreis gewonnen hat. (Bitte den Namen des Preises mit angeben.) Ein kunterbuntes Buch. Ein Buch, dessen Buchtitel eine Aufforderung ist. Ein Buch, bei dem die Initialen des Autors 2 aufeinanderfolgenden Buchstaben im Alphabet entsprechen. Ein Buch, das erstmalig 2015 in dieser Sprache erschienen ist. Ein Buch, das du geschenkt bekommen hast. (Bitte verrate auch von wem und zu welchem Anlass.) Ein Buch, in dem ein Tier von großer Bedeutung ist. Ein Buch mit Streifen auf dem Cover. Ein Buch, das eine Buchreihe abschließt. Ein Buch, das kein Roman ist. Ein Buch, das in einem Verlag erschienen ist, dessen Verlagsname mit dem selben Buchstaben beginnt oder endet wie dein Vor- oder Nickname. Bitte den Vornamen ggf. mit angeben ;) Ein Buch, in dessen Titel das Wort "Liebe" vorkommt. Eines der 5 Bücher, die schon am längsten ungelesen in deinem Regal stehen. (Falls du es weißt, verrate doch, wie lange du es schon besitzt.) Ein Buch, das für dich ein außergewöhnlich schönes Buchcover hat. Ein Buch, das verfilmt wurde oder sicher verfilmt wird. Ein illustriertes Buch. Es sollten richtige Zeichnungen und nicht nur Verzierungen am Seitenrand sein. Ein Buch, das zuerst auf Deutsch erschienen ist und ins Englische übersetzt wurde. Ein Buch, dessen Autor bereits verstorben ist. Ein Buch, das einen Monat im Buchtitel hat. Bitte lies das Buch auch in dem Monat, der im Titel vorkommt. Ein Buch, in dem es um Musik geht. Ein Buch, von dem du dachtest, du würdest es niemals lesen, weil es z.B. nicht deinen Lieblingsgenres entspricht. Ein Buch mit Blumen / Blüten auf dem Cover. Ein Buch, das eine Krankheit oder Behinderung thematisiert. (Bitte gab auch an welche!) Ein blutiges Buch. Ein Buch, in dessen Titel mindestens ein Wort aus einer anderen Sprache vorkommt. (Es darf nicht im deutschen Duden stehen.) Ich wünsche uns allen ganz viel Spaß & ich bin gespannt, welche Themen sich am leichtesten und welche als am schwierigsten heraustellen! Wer ist dabei? Ein paar zusätzliche Informationen: * Bezieht euch bei der Zuordnung des Buches zu einem der Themen immer auf die Ausgabe des Buches, die ihr selbst besitzt! * Sprache, Format etc. sind egal - auch Hörbücher gelten, außer es ist für das Thema von Bedeutung * Man kann diese Challenge mit anderen kombinieren, also auch Bücher hierfür und gleichzeitig für andere Challenges zählen. * Die Zuordnung der Bücher zu bestimmten Themen kann auch nachträglich noch geändert werden. * Wichtig ist, dass man das Buch 2015 beendet. Wann man es angefangen hat, ist egal. * Falls Bücher, die eine ISBN haben, noch bei LovelyBooks fehlen, geht in eure Bibliothek und sucht es oben unter "Bücher hinzufügen". Dort wählt ihr für deutschsprachige Bücher die Suche bei Amazon.de aus, für fremdsprachige alternativ Amazon.co.uk oder .com Die Challenge wird im Januar 2016 ausgewertet! Wer vorher sein Jahresziel erreicht hat, kann mir eine kurze Nachricht schreiben. Teilnehmer: 0VELVETVOICE0 19angelika63 (1/40) 78sunny (40 / 40) AberRush (30 / 30) Aduja 1(2/20) Aglaya (40 / 40) Agnes13 (40/40) Ajana (14/20) Alchemilla (1/40) Aleida (30 / 30) allegra (20 / 20) Alondria (22 / 20) Amaryllion (13/20) Amelien (19/20) ANATAL (31/30) andymichihelli (40/40) angi_stumpf (40 / 40) Aniday (36 / 30) Annilane (0/30) Anniu (16/30) anra1993 (33/40) Anruba (33/40) anybody (13/40) apfel94 (0/40) Arachn0phobiA (40 / 40) Aria_Buecher (15/40) Arizona (22/20) Ascheflocken (12/40) AuroraBorealis (14/20) Ayda (3/20) baans (8/30) Backfish (7/20) Bambi-Nini (25/20) ban-aislingeach Belicha (2/20) Bella233 (40 / 40) Bellis-Perennis (40 / 40) BethDolores (0/40) BiancaWoe (8/20) Bibliomania (32 / 30) Birgit1985 (20 / 20) black_horse (40 / 40) blauerklaus (24/20) Bluebell2004 (35/20) BlueSunset (36/30) bookgirl (30/40) Bookling (0/20) bookscout (33/30) Bookwormy (3/20) Bosni (21/20) buchfeemelanie (18/30) Buchgeborene (1/40) Buchgespenst (30 / 30) 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    • 8480
  • Wenn der Schwarze Engel tanzt...

    In Almas Augen

    Havers

    Der amerikanische Autor Daniel Woodrell wird gerne als der Erfinder des Southern bzw. Country Noir bezeichnet und ist ein Chronist, der seine Leser, wie bereits in „Winters Knochen“ und „Der Tod von Sweet Mister“, auch in seinem neuesten Roman „ In Almas Augen“ an dem Alltag in den Ozarks, Missouri teilhaben lässt. Woodrells Schilderungen haben glücklicherweise aber nichts mit den idyllischen Beschreibungen der deutschen Regio-Krimis gemein, sondern beschreiben schonungslos das Leben und Sterben, das Elend, die Bigotterie und die geplatzten Träume der Menschen, die oft schon seit Generationen in diesem Landstrich leben. Diesen Menschen setzt er mit seinen Romanen ein Denkmal. Auch Daniel Woodrell kommt von dieser Gegend nicht los und ist mittlerweile wieder in West Plains, Missouri heimisch geworden. In einem Interview mit Dwyer Murphy für „Guernica“ führt der Autor aus, dass „In Almas Augen“ ein reales Ereignis zugrunde liegt und er ein stückweit die Historie seiner Familie, in diesem Fall seiner Großmutter, eingearbeitet hat. Alma deGeer Dunahew kennt ihren Platz im Leben. Sie arbeitet als Dienstmagd im Hause des Bankiers Glencross in der Kleinstadt West Table, wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen und das Leben der meisten Bewohner von Armut und Entbehrung geprägt ist. Ihre Schwester Ruby erwartet mehr vom Leben, aber das einzige Pfund, mit dem sie wuchern kann, ist ihr gutes Aussehen, das sie auch nicht zögert, bei ihren zahlreichen Männerbekanntschaften einzusetzen. Im Frühsommer 1929 vergnügt sie sich, wie der Großteil der Bevölkerung in der Arbor Dance Hall beim Tanz, aber jener Abend endet in einer Brandkatastrophe, die nicht nur Ruby, sondern auch weitere zweiundvierzig Menschen das Leben kosten wird. Die nachfolgenden Untersuchungen des Unglücks liefern die unterschiedlichsten Ergebnisse, aber es scheint, dass niemand aus den verschiedensten Gründen daran interessiert ist, den Schuldigen zu entlarven. Lediglich Alma geht gegen das kollektive Schweigen vor, denn sie möchte den Tod ihrer Schwester gesühnt wissen, aber ihre Nachforschungen werden nicht gerne gesehen. Sie ist traumatisiert, wird zur Außenseiterin, verliert fast den Verstand, und es braucht eine lange Zeit, bis sie das Geschehene verarbeitet hat und ihrem Enkelsohn erzählen kann. Der Autor lässt seine Protagonistin nicht linear erzählen, sie springt in einer langen Zeitspanne vor und zurück, wobei immer wieder andere Ausschnitte des Lebens in den Ozarks gezeigt werden. Biografisches mischt sich mit historischen Fakten, wobei lediglich Bruchstücke aneinandergereiht werden. Aber genau das macht Woodrells meisterhaften Stil aus, der es dem Leser überlässt, die Leerräume zu füllen. Jedes einzelne Wort wird aufgesaugt, und so reichen ihm 188 Seiten völlig aus, um nicht nur Alma eine Stimme zu geben, sondern auch das Soziogramm dieser Kleinstadt in den Ozarks zu erstellen. Daniel Woodrell ist ein Ausnahmeerzähler, und wie alle seine bisherigen Romane ist auch „In Almas Augen“ ein klarer Favorit für mein Buch des Jahres!

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    • 2
  • Die Explosion

    In Almas Augen

    Sabine17

    Das Buch spielt in einer kleinen Stadt in Missouri. Am Anfang begegnen wir der alten Alma und erfahren in Rückblenden, wie 40 Jahre zuvor bei einer Tanzveranstaltung im Jahre 1929 durch eine Explosion 42 Menschen starben. Fast jeder in dem kleinen Ort hat dadurch einen Verwandten oder Freund verloren und das hat viele Menschen auf Jahre hinaus geprägt.   Alma hat damals ihre Schwester Ruby verloren und ist fest davon überzeugt, dass die Explosion kein Unglück war. Sie stellt offen unangenehme Fragen und äußert Vermutungen, die man für den Frieden im Ort nicht hören möchte. Dadurch wird sie aus der Gemeinschaft immer mehr ausgegrenzt. Und stückchenweise erfährt so auch der Leser mehr über diese schicksalhafte Nacht.   Dieses kleine, feine Buch erzählt in wunderschönen und leisen Worten, wie eine einzige Nacht das Leben vieler Menschen nachhaltig beeinflussen und in eine andere Richtung lenken kann. Der Schreibstil hat mir sehr gefallen. Allerdings konnte ich Almas Handeln nicht immer nachvollziehen.    

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    • 10

    Igelmanu66

    22. July 2014 um 17:03
  • Wahrheiten

    In Almas Augen

    dicketilla

    Alma De Geer Dunahew, einsam, alt, stolz, mit langem Haar, hexengleich, welches Jahrzehnte keine Schere sah, arbeitetet ihr Leben lang hart. Wurde gemieden, ausgegrenzt und dennoch hielt sie ihre Augen auf. Sie versprühte wenig Frohsinn. Ihr Mann Buster war mehr mit der Flasche verheiratet, entwickelte sich bald zu einem Trunkenbold, warf ihn aus dem Haus. So zog sie ihre drei Jungs alleine auf, immer bemüht sie mit Essen zu versorgen. Ihre Schwester Ruby besaß nur ihre Schönheit, liebte die Männer und sie liebten sie. Missouri, Sommer 1965, in dem Alek seine Ferien bei Alma verbringt, die er nicht Großmutter oder Omama nennen darf, will er sich keine Ohrfeige einhandeln. Plötzlich beginnt sie Alek von einer Explosion  im Jahre 1923, im Arbor Dance Hall , zu erzählen, wobei 42 Tanzende starben, darunter auch Ruby. Sie glaubte nie an einen Unfall, wie man die Bewohner glauben ließ. Alma kennt den Schuldigen. Doch bevor der Leser die Ursache, den Schuldigen der Explosion erfährt, führt uns Daniel Woodrell in eine vergangene Zeit, die Zeit als Amerika von der großen Depression, von Armut gezeichnet war. In kleinen Episoden werden Geschehen, Menschen, Schicksale aufgezeichnet, und immer wieder springt er in die Zeit des Erzählers. Alek, der uns das Leben seiner Großmutter schildert, wobei es Jahre brauchte, bevor er Zuneigung für sie zu empfand. Für mich ist es eine schicksalhaft geprägte Geschichte, in der sich viele Puzzle später zu einer Wahrheit bündeln. Es ist aber auch ein Teil von Zeitgeschichte, über Menschen, die mit ihrem Ort, ihren Bewohnern verwachsen sind, Woodrell in teilweise düsteren Bildern vor Augen führt. Eher ein literarischer Genuss, als eine Kriminalgeschichte.

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    • 4

    Arun

    03. July 2014 um 10:18
  • Der Preis der Wahrheit...

    In Almas Augen

    parden

    16. February 2014 um 01:07

    DER PREIS DER WAHRHEIT... Die Zeit vergeht, aber sie heilt nicht alle Wunden. Vor allem wenn ein Verbrechen geschehen ist. Daniel Woodrell steigt in seinem neuen Roman hinab in die versehrte amerikanische Seele des 20. Jahrhunderts. Ein Buch über eine Frau, die für Gerechtigkeit kämpft und einen hohen Preis dafür zahlt... ***** In einer Kleinstadt in Missouri kommen bei einer sommerlichen Tanzveranstaltung im Jahr 1929 über 40 Menschen ums Leben, als die Arbor Dance Hall durch eine Explosion zerstört wird und in Flammen aufgeht. Fast jede Familie in der Kleinstadt hat einen Verlust zu betrauern, und Entsetzen legt sich über die Stadt. Viele Gerüchte über die Tragödie kursieren in jenen Tagen, falsche Geständnisse und unzählige Verdächtigungen sind an der Tagesordnung. Doch die wahre Ursache der Explosion wird nie ermittelt, und die Große Depression, die kurz darauf über Amerika hereinbricht, lässt die Frage nach Unfall oder Absicht rasch in den Hintergrund treten. Nicht so jedoch für Alma DeGeer Dunahew, eine Haushälterin aus ärmlichen Verhältnissen, die allein für ihre drei Kinder sorgen muss und bei der Explosion ihre zehn Jahre jüngere Schwester Ruby verloren hat. Alma weiß zu viel, um an einen Unfall zu glauben, und stellt Fragen, die zunehmend auf Unmut stoßen. Ihre Nachforschungen bedrohen die Mauer des Schweigens der Kleinstadt, doch sie ist diejenige, die den Preis dafür zu zahlen hat. Ihr Arbeitgeber wirft sie raus, ihre Familie wendet sich von ihr ab - und erst vierzig Jahre später enthüllt Alma ihre Wahrheit über jene schicksalshafte Nacht. ***** "Alma hatte die Schule bis zum Ende der dritten Klasse besuchen dürfen, dann musste sie ein paar Jahre auf den Feldern ihres Vaters arbeiten, bevor sie den Weg in die Stadt fand und Wäscherin, Köchin, Dienstmagd wurde. Sie verlor zwei Söhne, ihren Ehemann, ihre Schwester und verdiente wenig. Meist stand sie nur einen zerschlagenen Teller oder ein lautes Widerwort vor der völligen Armut. Sie war ängstlich und wütend, führte ein Leben voller Groll, voller Anfeindungen und kalter Erinnerungen an all jene, die uns je geärgert oder etwas angetan hatten. Alma DeGeer Dunahew war mit iherer verkniffenen, feindlichen Natur, ihren dunklen Obsessionen und ihrem grundlegenden Verlangen nach Rache das große rote Herz unserer Familie, das wir geheim hielten und das uns Kraft gab." (S. 15) Dies schreibt Almas Enkel, dem sie 1965 schließlich die Wahrheit über die Hintergründe der Explosion erzählt. Dabei wechselt die Perspektive zwischen Gegenwart und Vergangenheit, und zahlreiche Personen und Episoden werden in die Erzählung eingewoben, so dass schließlich ein breitgefächertes Bild über das Leben in der Kleinstadt in Missouri um 1929 entsteht. Szenenhaft präsentiert sich die Gesellschaft der damaligen Zeit, das Leben wohlsituierter Familien ebenso wie das von Menschen in unsäglicher Armut, bar jeder Illusion und das Vergessen oft nur im Alkohol findend. Jedes der geschilderten Schicksale stellt ein Stück des Puzzles dar, das die Lösung um das große Unglück des Jahres 1929 bietet. Indizien werden so gesammelt und zusammengetragen, bis das Bild komplett ist und Almas Wahrheit sich schließlich Bahn bricht. ***** Abgesehen von der geschickten Verschachtelung der Szenen, die stets nur einen winzigen Ausschnitt beleuchten, genug, um eine Ahnung zu erhaschen, zu wenig, um wirklich etwas zu fassen zu bekommen, ist es die Sprache Woodrells, die mir außerordentlich gut gefallen hat. Mit wenigen Sätzen, rasch skizzierten Bildern, vermochte es der Schriftsteller, mich mitten in eine Szene zu katapultieren: " Das Hudkins-Haus roch nach alten und frischen Zigarren und Jahrzehnten voller Frühstücksspeck, und ich ergab mich schon nach zwei Schritten hinter der Tür diesen alles umhüllenden Düften. Es waren die gesammelten Gerüche eines gut gelebten Lebens, es roch nach Wärme und Dauerhaftigkeit, nach Luft, die mit dem Gewehröl eines abgebrühten Sprotsmanns und dem Lavendel von Ma-ma parfümiert war." (S. 141) "Er wusste nicht, was ihm im Bett wirklich gefiel, bis sie es ihm zeigte. Sie sah Andeutungen von Verlangen in seinen Augen, siebte seine schüchternen Worte, sein Schweigen und entzifferte, was nicht gesagt wurde, um seinem unerfahrenen Körper dann alle stummen Wünsche zu erfüllen. Er erlebte Spasmen, die er für fast heilig erachtete, und er erlebte sie in ihrer Umarmung immer wieder und schneller, als er es je fürmöglich gehalten hätte (...) so lange, bis er alles losließ, und je mehr er von diesem Augenblicken erlebte, umso mehr wollte er davon. Ihre Lippen auf den seinen waren so fein, so erfahren, und ihre Hände fuhren über seinenKörper wie die einer Geisterbeschwörerin, die eine Wiederauferstehung herbeiführte, so sehr ließ sie ihn anschwellen mit ihren Fingerspitzen und dem zarten Atem und den rosigen Liebkosungen..." (S. 88) Diese Beispiele sollen an dieser Stelle genügen und haben hoffentlich deutlich gemacht, was DER SPIEGEL seinerzeit über ein anderes Werk Woodrells schrieb: 'Man frisst die Sätze in sich hinein, gierig, mit ständig wachsender Lust an der Schönheit der Sprache.' Dem kann ich mich nur anschließen! ***** Für mich mein erstes Highlight des Jahres und ganz sicher nicht das letzte Buch von Woodrell. Ich freue mich, diesen Autor für mich entdeckt zu haben. Einmal mehr geht ein herzliches Dankeschön an den Liebeskind-Verlag, der mir freundlicherweise dieses Buch als Rezensionsexemplar zukommen ließ.  © Parden

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