Tomatenrot

von Daniel Woodrell 
4,4 Sterne bei7 Bewertungen
Tomatenrot
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War sehr beeindruckend, wie Woodrell schreibt. Mehr dazu schreibe ich in meiner Rezi auf meinem Blog.

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Woodrell fängt Stimmungen ein wie nur einige wenige es vermögen, verleiht denjenigen eine Stimme die schon zu verzweifelt sind zu sprechen..

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Inhaltsangabe zu "Tomatenrot"

Sammy Barlach ist ein Verlierer, der sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt. Eigentlich will er nur irgendwo dazugehören – und stolpert so zielsicher ins Verderben. Bei einem Einbruch in eine Villa trifft er auf zwei andere, ebenso planlose Wohlstandsplünderer: die neunzehnjährige Jamalee mit ihren kurzen, tomatenroten Haaren und ihren bildschönen jüngeren Bruder Jason. Endlich hat Sammy, was er immer gesucht hat: Familienanschluss – und ein bisschen mehr. Mit der Mutter der beiden, Bev, die sich ihren Unterhalt als Escortdame und gelegentlich als Polizeispitzel verdient, beginnt er eine Affäre, aber auch von Jamalee kann er die Augen nicht lassen. Doch die hat andere Pläne und will hoch hinaus, zumindest raus aus dem Sumpf von Venus Holler. Aus der Tatsache, dass die Hälfte aller Frauen der Stadt hinter Jason her ist, will sie Profit schlagen. Doch dann wird eines Morgens Jasons Leiche gefunden, und erst jetzt offenbart sich, wie tief dieser Sumpf wirklich ist.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783954380602
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:224 Seiten
Verlag:Liebeskind
Erscheinungsdatum:25.01.2016

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    Weltenwandlervor 2 Jahren
    Kurzmeinung: War sehr beeindruckend, wie Woodrell schreibt. Mehr dazu schreibe ich in meiner Rezi auf meinem Blog.
    Toller Schreibstil!

    Rezension zu


    »Tomatenrot«
    von Daniel Woodrell


    Erscheinungsdatum: 25.01.2016
    Verlag: liebeskind

    Beschreibung:

    Sammy Barlach ist ein Verlierer, der sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt. Eigentlich will er nur irgendwo dazugehören – und stolpert so zielsicher ins Verderben. Bei einem Einbruch in eine Villa trifft er auf zwei andere, ebenso planlose Wohlstandsplünderer: die neunzehnjährige Jamalee mit ihren kurzen, tomatenroten Haaren und ihren bildschönen jüngeren Bruder Jason. Endlich hat Sammy, was er immer gesucht hat: Familienanschluss – und ein bisschen mehr. Mit der Mutter der beiden, Bev, die sich ihren Unterhalt als Escortdame und gelegentlich als Polizeispitzel verdient, beginnt er eine Affäre, aber auch von Jamalee kann er die Augen nicht lassen. Doch die hat andere Pläne und will hoch hinaus, zumindest raus aus dem Sumpf von Venus Holler. Aus der Tatsache, dass die Hälfte aller Frauen der Stadt hinter Jason her ist, will sie Profit schlagen. Doch dann wird eines Morgens Jasons Leiche gefunden, und erst jetzt offenbart sich, wie tief dieser Sumpf wirklich ist.
    Quelle: liebeskind Verlag

    Wer jetzt einen klassischen Krimi erwartet hat, mit klaren Ermittler, Opfer und Täter, wird eine Überraschung erleben. Daniel Woodrell macht diesen Krimi zu einem Spiegel der heutigen Gesellschaftsschichten. In der Geschichte sah ich alles das, was ich sonst auch im wahren Leben wahrnehme, wie es um uns steht. Er schreibt, wie es ist, dass man schnell abrutschen kann, schwer aufsteigen, aber wir alle immer unsere Träume und Hoffnungen nie verlieren, ob wir es zugeben oder nicht. Der Autor übertreibt an keiner Stelle, alles wirkt realistisch und könnte so jeden Tag passieren.

    Woodrell’s Umgang mit der Sprache und seine Erzählweise haben mich sehr beeindruckt und ich habe es sehr genossen. Er ist sehr kreativ in der Wort-und Satzfindung für Szenen. Hier schreibt er Vergleiche, um Ereignisse zu beschreiben, die an Originalität seines Gleichen suchen, die mir so bei anderen Autoren sonst nie aufgefallen sind (Was nicht bedeutet, dass es diese nicht gab!). Da rast ein Zug mit einer solchen Geschwindigkeit, wie ein Erdrutsch auf dem Weg zum Rendezvous mit der Flut, klasse!

    Auch sonst war das Buch sehr gut zu lesen, da Daniel Woodrell auf komplizierte Satzstellung oder Fremdwörter verzichtet, er fesselt uns Leser mit seinem Stil.

    Doch eines hat mir nicht gefallen, und das ist die Geschichte selbst, da muss ich dem Autor leider Punkte abziehen, denn diese wirkte auf mich nicht wirklich sehr spannend, was ich auch bei einem Roman erwarte, gerade von einem Meister des »Crime-Noir«.

    Also wenn ihr in toller Sprache erzählte Geschichten mögt, dann kauft es euch, erwartet ihr aber Spannung hoch drei, dann lasst die Finger davon.

    Ich gebe hier gerne 4 Sterne

    Euer Weltenwandler

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    thursdaynexts avatar
    thursdaynextvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Woodrell fängt Stimmungen ein wie nur einige wenige es vermögen, verleiht denjenigen eine Stimme die schon zu verzweifelt sind zu sprechen..
    Die Stimme des Proletariats

    Daniel Woodrell ist einer der großen amerikanischen Schriftsteller. Ein Chronist des White Trash und dessen was, nicht erst seit Trump, schiefliegt im Land of the free. Seine Erzählungen und Romane geben Einblick in die andere Seite des amerikanischen Traums. Die Kehrseite der Freiheit, der Hinterhof der USA, die Ozarks, (jene ländliche Hochlandregion die  vom Süden des Missouri bis Arkansas reicht) und die Chancen- und Hoffnungslosigkeit die dort vorherrschen sind seine Themen. Das klingt nach Betroffenheitsliteratur ist aber alles andere als das. Er lässt die Menschen selbst erzählen, fängt die Verzweiflung in stilistisch grandiosen Stimmungsbildern ein, setzt ein Kopfkino in Gang das lange nachhallt. Seine Schreibe ist derart gut, dass man seine Bücher fast nicht aus der Hand legen kann und will. In einem Artikel wurde er als der Poet des White Trashs beschrieben. Mit seinem Debut   Cajun Blues , dem ersten Teil der Bayou Trilogie Im Süden hatte er mich in der Tasche. Stilistisch begründete er die Crimi Noir Reihe.

     

    Die düstere Verfilmung von Wintersbone die vier Oscar Nominierungen erhielt gewann 2010 den großen Preis der Jury beim Sundance Filmfestival.

     

    Mit Tomatenrot  (für Tomato Red gabs es 1999 den  „PEN West Award“) habe ich mir wiedereinmal eine Nacht um die Ohren geschlagen.

    Zurecht.

    Leben unterm Stroboskop und in Slow Motion, Woodrell beschreibt Situationen, transportiert die Gefühle der Menschen in seinen Romanen mal im Stroboskoplichtblitzen mal in Slow Motion immer tief unter der Oberfläche und unter die Haut gehend.

    Seit diesem Roman - zuvor hatte ich noch Mit Almas Augen gelesen - hat er sich zu einem legitimen Nachfolger von Woodie Guthrie gemausert. Seine Zeilen singen beim lesen. Diesselben Lieder von Menschlichkeit, Zärtlickkeit, Liebe Gerechtigkeit, Gewalt, Hass, Unterdrückung und Verzweiflung, die wir so dringend benötigen um klar zu erkennen was wirklich zählt.

    Sammy, Trailerparkbewohner bei dessen Geburt es nicht einmal zu einem vollen Namen wie Samuel reichte, trifft bei einem Bruch im Rausch auf Jason und Jameelee, die nicht die sind, die sie gerne wäen und als die sie sich ausgeben. Ihre Mutter Bev, immer noch schön, lebt seit Jahren von ihrem guten Aussehen, und ihrer Anziehungskraft auf Männer und weitere von Männern geschätzten Qualitäten. Ihre Tochter Jameelee 19 möchte raus aus dem Elend, aufsteigen in die schöne Scheinwelt Welt der Begüterten. Jason, Bevs Sohn ist wunderschön, sexuell desorientiert, 17, jobbt in einem Friseurshop und weckt bei der Damen- und Männerwelt  Begehrlichkeiten die er nicht zu erfüllen vermag.

    Der heimatlose, knasterfahrene Trailerparkbewohner und Amphetaminuser  Sammy, macht diese drei zu seiner „Horde“. Loyal nistet er sich bei ihnen ein, glaubt ein Zuhause gefunden zu haben...

     

    Wer nicht mainstreamgerechte Pageturner, Authentik und harte Wahrheiten in derber aber dennoch poetischer Schreibe schätzt, kommt an Woodrell - der Stimmungen einfängt wie nur einige wenige  Autoren es vermögen und denjenigen eine Stimme verleiht die schon längst zu zermürbt und verzweifelt sind zu sprechen -  nicht vorbei.

     

     

    Kommentare: 6
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    Haverss avatar
    Haversvor 3 Jahren
    "Unsere gesamte Zukunft in West Table war mit dem Tag unserer Geburt bereits beschlossene Sache..."

    „Tomatenrot“ ist eines der frühen Bücher Daniel Woodrells, 1998 im Original erschienen und 1999 mit dem PEN West Award ausgezeichnet, eine deutsche Taschenbuch-Ausgabe war seit 2001 auf dem Markt. Bei Liebeskind, dem deutschen Verlag des amerikanischen Autors, hat man sich nun dankenswerter Weise dazu entschlossen, diesen Roman nicht nur neu aufzulegen, sondern ihn auch von Peter Torberg neu übersetzen zu lassen, einem der besten seiner Zunft.

    West Table ist ein fiktiver Ort in den Ozarks, jene Region, die für den Autor Daniel Woodrell Lebensmittelpunkt und Inspiration ist und sein Schreiben maßgeblich beeinflusst hat. Die Gegend ist trostlos und das Leben dort ist geprägt von Armut, Drogen und Gewalt. Recht und Gesetz werden willkürlich gehandhabt, da die örtliche Polizei Zuwendungen und Gefälligkeiten gegenüber nicht abgeneigt ist. Und wer hier nicht mithalten kann oder will, wird sehr schnell zum Außenseiter.

    In Venus Holler, dem Viertel „wo die Frauen den kürzesten Weg zum Sozialamt kennen und am Kühlschrank die private Nummer eines Kautionsvermittlers klebt“, meilenweit entfernt vom amerikanischen Traum, treffen sich Sammy, ein Streuner, der gerade seinen Job in der Hundefutterfabrik verloren hat und obdachlos ist, das Geschwisterpaar Jason, der Gutaussehende, der in einem Friseursalon Haare wäscht und seine Schwester Jamalee  mit den tomatenroten Haaren, eine clevere junge Frau, deren sehnlichster Wunsch es ist, dieses perspektivlose Leben hinter sich zu lassen. Und dann gibt es noch Bev, die Mutter der Geschwister, einst eine Schönheit, die ihren Lebensunterhalt mit Prostitution bestreitet. Jamalees Plan beruht auf Jasons Aussehen, das ihm die Bewunderung der weiblichen Bevölkerung sichert. Im Klartext, sie möchte, dass er sich prostituiert und ihnen mit den Erlösen das Ticket in ein anderes, ein besseres Leben sichert. Es sind nämlich nicht nur die Ungerechtigkeiten, die aus den Gegensätzen zwischen Arm und Reich resultieren, denen sie entfliehen wollen, es ist auch die brachiale Gewalt seitens der „echten Kerle“, der man sich besser fügt, wenn man nicht um sein Leben fürchten möchte. Und das gilt nicht nur für Frauen…

    Wie auch in seinen späteren Romanen erzählt Woodrell in „Tomatenrot“ mit messerscharfen Worten eine Geschichte von unten, von Menschen, deren Schicksal bereits bei der Geburt feststeht. Wenn man aus den Ozarks kommt, und nicht in eine Country Club sondern eine „white trash“ Familie hineingeboren wird, gibt es in den seltensten Fällen ein Entkommen. Ganz gleich, wie sehr man sich bemüht. Es sind diese Tatsachen, die der Autor in realistischen Bildern vermittelt, wobei er seine Figuren aber nicht in weinerliches Selbstmitleid abdriften lässt. Obwohl sie sich ihrer Chancenlosigkeit durchaus bewusst sind, lassen sie nicht dennoch nicht entmutigen, sondern gehen mit einer gehörigen Portion Optimismus an die Verwirklichung ihrer Pläne. Rückschläge stecken sie weg, und vielleicht schaffen sie es doch eines Tages. So wie Daniel Woodrell…der nach ein paar Jahren aber wieder in die Ozark Mountains zurückgekehrt ist.

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    D
    diehexevor 2 Monaten
    dirki_1974s avatar
    dirki_1974vor 3 Jahren
    Ein LovelyBooks-Nutzervor 3 Jahren
    asitas avatar
    asitavor 3 Jahren

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