Daniel Zipfel

 4,4 Sterne bei 36 Bewertungen
Autor*in von Die Wahrheit der anderen, Eine Handvoll Rosinen und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Daniel Zipfel, geboren 1983 in Freiburg im Breisgau, lebt und arbeitet in Wien als Autor und Jurist in der Asylrechtsberatung. Zahlreiche Stipendien und Preise: u.a. Förderungspreis der Stadt Wien 2017, Longlist des MDR-Literaturwettbewerbs 2014, Start-Stipendium des BMUKK 2013. Sein Romandebüt „Eine Handvoll Rosinen“ erschien im Jahr 2015 und wurde mit der Buchprämie der Stadt Wien und des Bundeskanzleramts Österreich ausgezeichnet.

Neue Bücher

Cover des Buches Walküre (ISBN: 9783701183951)

Walküre

(3)
Neu erschienen am 03.02.2026 als Gebundenes Buch bei Leykam.

Alle Bücher von Daniel Zipfel

Cover des Buches Die Wahrheit der anderen (ISBN: 9783218012072)

Die Wahrheit der anderen

(16)
Erschienen am 04.03.2020
Cover des Buches Eine Handvoll Rosinen (ISBN: 9783218009973)

Eine Handvoll Rosinen

(12)
Erschienen am 17.08.2015
Cover des Buches Nichts als Papier (ISBN: 9783701182596)

Nichts als Papier

(5)
Erschienen am 13.03.2023
Cover des Buches Walküre (ISBN: 9783701183951)

Walküre

(3)
Erschienen am 03.02.2026

Neue Rezensionen zu Daniel Zipfel

Cover des Buches Walküre (ISBN: 9783701183951)
downey_jrs avatar

Rezension zu "Walküre" von Daniel Zipfel

downey_jr
Verzweiflung zwischen Aktendeckeln: Berührender, hochaktueller Roman

„Walküre“ von Daniel Zipfel ist ein anspruchsvoller Gegenwartsroman, der mich von Anfang an in den Bann gezogen hat. Die Geschichte spielt 2015, inmitten der chaotischen Fluchtbewegung. Der Protagonist Benjamin, beruflich Jurist in einer Asylrechtsberatung, holt gerade seine energische, aber leicht demente Oma aus Deutschland nach Wien; sie ist die titelgebende „Walküre“ mit einer fragwürdigen politischen Vergangenheit. Ben ist geschieden, hatte kürzlich eine Auszeit wegen psychischer Überlastung. Auch aktuell kann er sich schwer abgrenzen von den Schicksalen seiner Klienten. 

 

„Die Schlaflosigkeit war furchtbar. Müde zu sein, todmüde, trotzdem nur dazuliegen, sich von einer Seite auf die andere zu wälzen und keinen Schlaf zu finden, an die Decke zu starren und auf die Wand, auf die Dunkelheit vor und hinter den Augen. Und gleichzeitig die Angst davor, einzuschlafen. Im Schlaf, im Traum kam nämlich alles zurück, aber unkontrolliert, ungefiltert, und man hatte nicht einmal die Mauern der Vernunft zwischen sich und all den Dämonen, die ungehindert losstürzten. Während des Krankenstands war es besser geworden mit dem Schlafen, da waren die Geschichten der Klienten weit weg, all die toten Verwandten, die detaillierten Schilderungen und die Foltergutachten.

‚Abgrenzungsproblematik‘ hatte es die Teamleiterin genannt. Ich müsse an der professionellen Distanz arbeiten, alles andere beeinträchtige, verunmögliche meine Tätigkeit als Berater.

‚Wir tanzen alle am Abgrund“, hatte Milena gesagt.“

 

Dem ehemaligen Dolmetscher seines Vereins, einem Syrer, werden Kriegsverbrechen vorgeworfen, was seinen Aufenthaltsstatus gefährdet. Ben möchte ihm helfen, gerät aber in ein moralisches Dilemma. Sein Klient versteht sich bestens mit seiner immer pflegebedürftiger werdenden Oma, für die es keinen Platz im Heim gibt. Kann Ben belastende Wahrheiten verschweigen?

 

Gleichzeitig muss Ben sich mit seiner eigenen Familiengeschichte auseinandersetzen. Es wurde nie geredet über das Leben seiner Großeltern damals im Nationalsozialismus, und das Schweigen setzt sich bis in die Gegenwart fort: „‘Es wundert mich nicht, dass in deiner Familie über so etwas nicht geredet wird.“ […] „Das ganze Schweigen. Hinter Schweigen gibt es immer noch mehr, immer etwas, was dahintersteckt. Wie bei den Antragstellern.“

 

Man merkt, dass der Autor selbst einen juristischen Hintergrund im Bereich Asylrecht hat; einerseits kam das dem Roman zugute, andererseits sind manche rechtliche Passagen für Leser*innen ohne Vorwissen schwer zu erschließen. Dennoch sie die bürokratischen Vorgänge sowie die (leider immer noch aktuellen) Missstände und Überlastungen im Asylsystem schmerzhaft authentisch dargestellt. „All ihre Verzweiflung, die Angst und die Emotionen wurden hier zwischen Kartondeckel gefügt.“

 

„Walküre“ ist ein berührender, kluger Roman über Verantwortung, Schuld und familiäre Altlasten, der sicher noch lange in mir nachhallen wird.

Daniel Zipfel schafft es, bei diesen ernsten Themen Tiefgang mit Leichtigkeit zu kombinieren, auch wenn das Lesen stellenweise wirklich weh tut, gerade auch bei den Passagen aus der Vergangenheit.

 

Von mir bekommt „Walküre“ eine ganz klare Leseempfehlung!

 

Vielen Dank an den Leykam Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar!

Cover des Buches Walküre (ISBN: 9783701183951)
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Rezension zu "Walküre" von Daniel Zipfel

Seitenmusik
Zwischen Akten, Schuld und Schweigen

Mit Walküre legt Daniel Zipfel einen Roman vor, der hochaktuelle Fragen mit historischer Verantwortung verschränkt. Erschienen ist das Buch im Leykam Verlag, Zipfel selbst arbeitet als Jurist in der Asylrechtsberatung, ein Hintergrund, der den Text spürbar prägt. Erzählt wird von Benjamin Weiß, der 2015 in Wien im Asylbereich arbeitet und den Fall eines syrischen Mannes übernimmt, dem Kriegsverbrechen vorgeworfen werden. Parallel dazu kehrt mit dem Einzug seiner Großmutter die verdrängte NS-Vergangenheit seiner eigenen Familie zurück.

Meine Meinung
Das Buch hat es fast von Seite eins weg geschafft, mich zu fesseln und das obwohl die Sprache klar, direkt, beinahe nüchtern daherkommt. Aber gerade das in Kombination mit dem Thema macht es aus meiner Sicht so wirkungsvoll. Zipfel verzichtet auf große Bilder und lässt stattdessen Strukturen sprechen: Akten, Verfahren, Bescheide. Menschen werden zu Papier. „All ihre Verzweiflung, die Angst und die Emotionen wurden hier zwischen Kartondeckel gefügt.“ (S. 22)

Besonders gut gelungen fand ich die Darstellung des Arbeitsalltags im Asylrecht: die Überforderung, die Bürokratie, das ständige Abwägen zwischen professioneller Distanz und menschlicher Nähe. Viele (wenn nicht sogar alle) der beschriebenen Missstände sind real und mir selbst leider aus eigener Erfahrung bestens bekannt. Und genau das macht das Lesen stellenweise schwer auszuhalten. „Wie die Haut mit der Zeit taub werden konnte, so schien es auch eine Taubheit des Mitgefühls zu geben.“ (S. 127)

Parallel zur Arbeit im Asylbereich entfaltet sich die familiäre Spurensuche des Protagonisten: die Rolle der Großeltern im Nationalsozialismus, das Schweigen, die Schuld, die bis in die Gegenwart wirkt. Zipfel zeigt wunderbar auf, dass Verdrängung keine Vergangenheit kennt und viele Glaubenssätze bis in die Gegenwart wirken: „Ein deutscher Mann weint nicht.“ (S. 10), ein Satz, der sich wie ein Leitmotiv durch Generationen zieht.

Was Walküre bewusst nicht liefert, sind einfache Antworten. Weder moralisch noch politisch. Das kann fordernd sein, ist aber konsequent. Für Leser:innen ohne Vorkenntnisse im Asylrecht könnten manche juristischen Passagen (bspw. alles rund um Dublin) schwer zugänglich sein; an ein, zwei Stellen hätte ich mir daher mehr Einordnung gewünscht. Für mich persönlich war das weniger ein Problem, weil mich das Thema auch außerhalb des Lesens begleitet und ich das Wissen hatte.

Fazit
Walküre ist ein scharfsinniger gleichzeitig aber auch berührender Roman über Schuld, Verantwortung und Ambiguität. Ein Buch, das fordert, belastet, keine Antworten liefert sondern im Gegenteil noch mehr Fragen aufwirft. Für alle, die literarische Gegenwartsliteratur mögen, die sich nicht wegduckt, die Fragen stellt und zum Nachdenken anregt. Nichts für Leser:innen, die klare Antworten oder einfache Urteile suchen und auf eine leicht verdauliche Geschichte hoffen.
Danke an netgalleyde und den Leykam Verlag für das Rezensionsexemplar.

Cover des Buches Nichts als Papier (ISBN: 9783701182596)
N

Rezension zu "Nichts als Papier" von Daniel Zipfel

Nati92
Lesenswert!

"Nichts als Papier" ist ein sehr spannendes Buch in der Zeit der Türkenbelagerung in Wien. 'Papier ist geduldig' - kann man dem geschriebenen Wort mehr vertrauen als dem traditionellen Handschlag? Oder vertraut man doch lieber einem Menschen, der sich gerne durch dunkle Gassen bewegt und sich mit Fabelwesen unterhält? 

In der damaligen Zeit waren die mystischen Wesen wie der Nöck und das rote Mandl ein normaler Bestandteil des Lebens, unsichtbar und doch allgegenwärtig. Der Autor hat es geschafft, dies genau so in die Geschichte einzubringen - so ganz nebenbei, als wären sie natürlich da, aber nicht zu aufdringlich. Gerade so, dass man Lust bekommt, sich nach diesem Buch mehr mit diesen Wesen zu beschäftigen. 

Auch sehr gut gefallen hat mir der Schreibstil. Er bringt eine eigene Note ins Spiel, passend zur Zeit, ist aber ebenfalls nicht so aufdringlich, sodass sich das Buch trotzdem kurzweilig lesen lässt. 

Gerne mehr von diesen Geschichten :-) 

Gespräche aus der Community

Liebe Leser*innen,

ich verlose 25 E-Books meines neuen Buchs »Nichts als Papier«!

Ein historischer Roman über Wien während der Türkenbelagerung im Jahr 1683, jenseits von Einordnungen wie Gut und Böse.

Blick ins Buch: https://www.leykamverlag.at/wp-content/uploads/2022/11/Zipfel_Daniel_Nichts-als-Papier-Blick-ins-Buch.pdf

11 BeiträgeVerlosung beendet
D
Letzter Beitrag von  danielzipfel

Vielen Dank für deine tolle Rezension und deine Teilnahme an der Leserunde! :)

LovelyBooks lädt auch im Jahr 2020 zu spannenden Challenges ein.

Und auf euch warten tolle Gewinne.
Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist natürlich 2020 wieder dabei!

Liest du gerne Bücher mit Niveau?
Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.


15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2020 bis 31.12.2020 lesen.

Es gelten nur Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.
Auch Neuauflagen – 2020 erschienen - von Klassikern.

Die Regeln:

Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an.

Einstieg ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts.

Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein.

Es gelten nur Bücher (Achtung: keine Hörbücher, keine Bildergeschichten, keine Graphic Novels), die an diesem Beitrag angehängt sind!

Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Nimmst du die Herausforderung an?

Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2020 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.

Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.

Ich freue mich auf viele Anmeldungen!

Teilnehmer:

anna_m

anushka

BluevanMeer

bookflower173

Buchraettin

Celebra

Caro_Lesemaus

Corsicana

czytelniczka73

Dajobama

dj79

Federfee

Fornika

GAIA

Heikelein

Hellena92

Insider2199

Jariah

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Zum Thema
965 Beiträge
Dajobamas avatar
Letzter Beitrag von  Dajobama

Ertauscht.... Aber mach dir keinen Kopf, ist nicht so schlimm! Kann ich sicher tauschen!

Dreister Vandalismus oder verzweifelter Kampf um Gerechtigkeit: Eine Gruppe pakistanischer Flüchtlinge protestiert gegen das Asylgesetz und besetzt eine Kirche, ein Journalist nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau, eine Anwältin will ihren Fall gewinnen.

Ein Roman über die Grauzonen der Asylpolitik der zeigt, wie es um das Schicksal von Menschen steht, wenn persönliche Interessen im Spiel sind.

222 BeiträgeVerlosung beendet
diana_maria0311s avatar
Letzter Beitrag von  diana_maria0311

vielen Dank dass ich mitmachen durfte. Meine Rezension findet sich auf Lovelybooks, sowie Wortgleich auf Amazon, Hugendubel, Weltbild, Thalia und im Laufe der Woche bei Instagram auf „dasjuramadchen“.

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