Zumindest in einer Hinsicht gleichen Daniela Chanas Gedichte dem Wein: eine unbekümmert daherkommende Schwere liegt in ihnen, die man auch gerne dem Getränk, sowie der Stimmung, in die es versetzt, andichtet.
Sie handeln durchaus von Kummer, Furcht, Einsamkeit und Befremden, diese Gedichte, aber diese Motive gehen geradezu naiv auf, wie eine zerstreut gegossen Pflanze, die dennoch üppig blüht. So ist die angewucherte Warte des lyrischen Ichs halb schon Dschungel, halb noch nackter, verspiegelter Beobachtungsposten. Von hier wird gehascht: nach Auswegen, nach Einsichten; nach Fluchten aus dem Dschungel, nach Anregungen zu Abenteuern, gleichermaßen.
Nicht unterschlagen werden sollen diesen metaphysischen Tönen der Witz und die mit der anfänglich erwähnten Unbekümmertheit eng verbandelte Gelassenheit, die immer wieder aus den Versen hervorschlendern, als wäre die Existenz vor allem ein Grund zum Parlieren, Flanieren und Gustieren. Es ist eine irritierende Kombination, diese Lässlichkeit, gepaart mit tieferen Sehnsüchten; eine der Irritationen, die nicht ohne Charme sind; vielleicht, weil sie von einer unbefangenen Zärtlichkeit sprechen, die wir glauben als unsachgemäß verdammen zu müssen, als verdummend, nach deren Lebensbejahung wir uns aber dennoch sehnen – so wie sich diese Gedichte, unbedarft und bedürftig, flüchtig und frei heraus, nach etwas sehnen.
Daniela Chana
Neue Bücher
Alle Bücher von Daniela Chana
Neun seltsame Frauen
Affäre mit einem Erzähler
Neue Rezensionen zu Daniela Chana
“Neun seltsame Frauen” sind die Protagonistinnen dieser neun Erzählungen, in Anlehnung an die neun Musen in der griechischen Mythologie. Dabei gibt es scheinbar keinen roten Faden; jede hat ihre eigenen zwischenmenschlichen Herausforderungen zu überwinden.
Auch ohne mich mit den mythologischen Vorbildern auszukennen, reizte mich dieses 2021 für den Österreichischen Buchpreis nominierte Werk, und diese Unkenntnis hat dem Lesevergnügen keinen Abbruch getan.
Die Geschichten sind allesamt ungewöhnlich, ein Verlauf lässt sich nicht vorhersehen, ab und zu wird eine Prise magischer Realismus beigemischt. Jede der Frauen erhält eine authentische Stimme: „Das Warten auf Bahnsteigen fand ich unerträglich, egal in welcher Gesellschaft. Es fühlte sich an wie eine Mauer, gegen die man stieß: Man wollte sich bewegen, aufbrechen, reisen und kam einfach nicht weiter, weil man warten musste.“ Mir haben an diesem Erzählband sowohl die Sprache als auch das Ausgefallene der Handlungen außerordentlich gut gefallen.
Die neun Musen des Apollon geben Daniela Chana den groben Rahmen für ihre Erzählungen "Neun seltsame Frauen". Denn jede Muse steht für die Geschichte einer Frau. Wenngleich sich die Autorin in den Erzählungen großen Interpretationsspielraum nimmt und die Zusammenhänge nicht immer eindeutig erkennbar sind.
Alle neun Erzählungen bestechen durch tiefgründige, vielschichtige Charaktere. Es macht Spaß die einzelnen Geschichten zu lesen. Am Ende will ich von jedem Charakter mehr erfahren. Liest es sich doch viel mehr wie der Auftakt zu einem spannenden Roman. Denn das Ende einer jeder Erzählung kommt abrupt und für ich viel zu schnell.
Ich habe immer wieder versucht, die bereits bekannten Frauen in den folgenden Erzählungen wiederzufinden. Ich habe noch dem großen Gesamtbild Ausschau gehalten. Wie passt das alles zusammen? Am Ende vergeblich. Identität, Sinn, Suche nach Liebe, viele Themen werden in den Erzählungen angerissen.
Am besten hat mir Urania (Astronomie) gefallen. Eine Erzählung über eine Frau, die sich scheiden lassen möchte. Doch sie möchten ihren Mann nicht verletzen. Also versucht sie die Scheidung zu seiner Idee zu machen. Doch was dann passiert.... Jeder ist seines Glücks Schmied und manchen Menschen wollen schlicht nicht glücklich sein.
Daniela Chana zeigt das Frau nicht gleich Frau ist. Da gibt es die Geschichte der jungen Frau, die sich nicht zwischen ihren Liebhaberin entscheiden kann. Oder die Geschichte der Tellerwäscherin, die die Wirkung von rotem Lippenstift kennenlernt. Oder auch die Frau, die zu mehr Sichtbarkeit und Selbstbewusstsein Tanzen will.
Zurecht ist Daniela Chana auf der Shortlist 2021 für den österreichischen Buchpreis. Sprachgewaltig und intensiv stellt sie uns "Neun seltsame Frauen" vor. Die neuen Musen des Apollon halten die Erzählungen. Dabei sind sie lediglich ein loser Rahmen und kein starres Korsett.
Nach jeder Geschichte möchte ich mehr wissen. Jede Erzählung klingt wie der Anfang eines Romans, der Auftakt in dem man gerade mal mit den Charakteren warm wird. Doch der Abschied kommt viel zu schnell. So hatte ich gehofft, dass die Erzählungen am Ende irgendwie zusammenfinden.
So bleiben neun schöne Geschichten. Eine Kunst neun derartig, intime Erzählungen mit vielschichtigen und gänzlich verschiedenen Frauen zu schreiben. Dennoch muss ich einen Stern abziehen, da es am Ende schlicht neun unabhängige Erzählungen sind und mir gerade dieser Zusammenhang, diese "Auflösung" als letzte Konsequenz fehlt.
Gespräche aus der Community
Welche Genres erwarten dich?
Community-Statistik
5 Bibliotheken
1 Merkzettel






