Daniela Dadieu , Susanne Friedmann Ein Kuss für David

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Inhaltsangabe zu „Ein Kuss für David“ von Daniela Dadieu

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  • Rezension zu "Ein Kuss für David" von Daniela Dadieu

    Ein Kuss für David
    HeikeG

    HeikeG

    18. April 2007 um 13:29

    Intime Einblicke in "Land" und Leute von Florenz Reiseführer und -berichte geben meist einen oberflächlichen Eindruck eines fremden Ortes wieder, wer mehr über "Land und Leute erfahren" möchte, muss auf die Erfahrungen von Menschen zurückgreifen, die einen tieferen Einblick bieten können. Susanne Friedmann ist eine von ihnen. Als Kunsthistorikerin und Leiterin von Studienreisen war sie häufig über längere Zeiträume in Florenz, was man ihren Texten auch anmerkt. Mit Charme und niveauvollen Pointen versteht sie es, ihren Lesern andere Seiten der wunderschönen Stadt Florenz näher zu bringen. Ich habe das Buch nicht gelesen, aber das Hörbuch - gelesen von Daniela Dadieu - ist mir ein wunderbarer Begleiter beim Träumen von "bella Italia" gewesen. Als "Flirt" im Sinne eines kurzen und flüchtigen Abenteuers kann man die einzelnen Erzählungen aufgrund der Länge bezeichnen, man erfährt viel "Intimes" über die Leute. Außerdem sind in den Erzählungen immer wieder historische Informationen enthalten, so manche findet sich in keinem Reiseführer. Auf jeder CD sind jeweils vier Erzählungen enthalten. Die Sprache ist sehr schön und variantenreich, Pointen sind niemals platt, sondern der Stadt angemessen niveauvoll. "Flirt" legt es nah: Häufig spielt Erotik eine Rolle, in Beziehungen, die Susanne Friedmann scharf beobachtet, vor ihrem eigenen kulturellen Hintergrund als Deutsche. Man kann es aber auch als Flirten des Zuhörers mit der Stadt interpretieren. Die Erzählungen sind meist in der Ich-Perspektive geschrieben. Mit reicher Ausschmückung, mit Metaphern und Adjektiven, wird das Beschriebene dem Hörer vor Augen geführt. Es sind gelesene Erzählungen, so gibt es keine unterschiedlichen Sprecher oder Geräusche, letztere nur zu Beginn (Straßenlärm oder Vogelgezwitscher) bei einigen Erzählungen. Folgende Erzählungen sind auf der CD vorhanden: 1. "Savonarola, Michelangelos David und ich. Florentiner Lebenskunst für Anfänger" Die Protagonistin, keine Touristin, sondern "stranieri" (Ausländer) erhält Einblick in sonst zwei verschlossene Welten. In die von Marida, ihrer Zimmerwirtin, und in die des Instituts. Schön, wie die Protagonisten ihre Mitmenschen detailliert beschreibt und mit historischen Figuren vergleicht. 2. "Der nackte Herr Professor. Die Sache mit dem Schinkenbrot" Zwei Welten prallen hier aufeinander: die feine kultivierte Art der Florentiner und die rustikale Natur vom Typ "Schinkenbrot" der Protagonistin. 3. "Pastorale Gefühle. Ein Tag auf dem Land" Die Protagonistin ist auf dem Land eingeladen. Detailliert werden Speisen und Dolci (Süßigkeiten) beschrieben und die Charaktere der Gastgeber. Es entsteht eher ein Bild, eine Vorstellung von den Menschen. 4. "Die schöne Gouvernante. Florenz, die Frau" Die Stadt wird verglichen mit einer schönen Gouvernante. Was macht eine Gouvernante? "Sie erzieht ihre Kinder in liebevoller Distanz zu natürlicher Anmut". Eine Gouvernante ist schön, kultiviert, ein wenig scharfzüngig. Florenz erzieht ihre Kinder ebenso. 5. "L'Úpoba in Boboli. Naturschutz auf Italienisch" Im Boboli-Garten wurde eine Informationstafel aufgestellt, um über die verschiedenen Vogelarten im Garten zu informieren. Andererseits werden im Mercato Singvögel als Spezialität angeboten, die Erzählerin kennt keinen Florentiner, die aus der Natur keinen kulturellen oder gar kulinarischen Nutzen ziehen möchten 6. "Die Professorin und ihr Kruzifix. Die Entdeckung eines Frühwerks von Michelangelo" Der Titel sagt im Prinzip alles, meines Erachtens ist diese Erzählung die schwächste. Erzählt werden Anekdoten einer Kunstprofessorin, die Michelangelos Holzkruzifix in Santo Spirito fand. 7. "Graziella und Fulvio. Zwei alte Etrusker im heutigen Florenz" Auch hier geht es um eine zwischenmenschliche Beziehung. Graziella, Mitte 60, befindet sich gerade im Übergang einer Entwicklung, die man im archäologischen Museum in Florenz nachvollziehen kann anhand der etruskischen Darstellungen von Frauen: Im 5. vorchristlichen Jahrhundert idealisiert jugendlich, im 1. vorchristlichen Jahrhundert schonungslos naturalistisch. Graziella befindet sich zwischen diesen Polen. 8. "Majolika im Januar. Über die Kehrseite der Medaille" Inhaltlich tanzt diese Erzählung ein wenig aus der Reihe. Wieder mit sehr schönen variantenreichen Adjektiven beschreibt die Autorin die Piazza Santissima Annunziata am Ospedale degli Innocenti. Der Tramontana im Januar schafft klare Luft, nur ein paar japanische Touristen sind in der Stadt. Die Farben sind kräftig... Die Erzählung regt zum Nachdenken an! Fazit: Die Texte sind keine Einführungen in die Stadt und ihre Leute. Meines Erachtens sollte man bereits in Florenz gewesen sein. Man muss die Stadt und ihren Flair mögen, um mit den Texten etwas anfangen zu können. Wenn man mit den genannten Straßennamen ein Bild verbinden kann, ist man "reif" für die CD. Dann eröffnen sich neue Einblicke in die Stadt und ihre Bewohner, die sonst dem Besucher versagt bleiben.

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