Daniela Krien Irgendwann werden wir uns alles erzählen

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Inhaltsangabe zu „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ von Daniela Krien

Sommer 1990, ein Bauerndorf nahe der deutsch-deutschen Grenze, die gerade keine mehr ist. Marie wird bald siebzehn, sie wohnt mit Johannes auf dem Hof seiner Eltern, in den "Spinnenzimmern" unterm Dach. Sie ist zart und verträumt, verkriecht sich lieber mit den Brüdern Karamasow, als in die Schule zu gehen. Auf dem Nachbarhof lebt der vierzigjährige Henner, allein. Die Leute aus dem Dorf sind argwöhnisch: Eine Tragik, die mit seiner Vergangenheit zu tun hat, umgibt ihn; gleichzeitig erregt seine charismatische Ausstrahlung Eifersucht. Ein zufälliger Blick eines Tages, eine zufällige Berührung an einem andern lösen in Maria eine Sehnsucht aus, die fremd und übermächtig ist und sie wie von höherer Gewalt geleitet in seine Arme treibt.

Gänsehaut, immer und immer wieder. Einen Nachwenderoman erwartet und einen Abstecher in die Hölle, die sich Liebe nennen kann, erhalten...

— Audiophile

Trotz unmöglicher Protagonistin spannender Roman.

— Ikopiko

Diese Autorin kann schreiben! So wird aus ein paar Wochen Dorfleben ein großes Drama mit fast antiken Ausmaßen.

— Buchhandlung_am_Schaefersee

Was für ein tolles Buch! Schon von Anfang an war ich gefesselt von ihrem besonderen Schreibstil und dieser einzigartigen Geschichte!

— aliviajohansson

Ein Fazit fällt mir schwer. Seit Ewigkeiten hatte ich schon nicht mehr so gar kein Gefühl nach dem Auslesen. Hier tat sich eine Leere auf...

— literaturELLE

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  • Wuchtig und hocherotisch!

    Irgendwann werden wir uns alles erzählen

    rkuehne

    17. May 2015 um 14:22

    Sprachlich wuchtig und elegant steckt Krien eine heftige Affäre einer 16-Jährigen Schülerin mit einem 40-Jährigen groben Pferdewirt in die Wendewirren der Mecklenburger Provinz. Der Roman liest sich in einem Rutsch durch, zwischen den ohnehin schon emotional heftigen Schlussstunden der DDR verfällt die 16-Jährige Maria, trotz glücklicher Beziehung mit ihrem Johannes, dem rauen Henner, der ihr weh tut, ohne den sie aber doch nicht kann. Beeindruckend und unbedingt lesenswert und in all seiner Erotik und Leidenschaft nie auch nur annähend plumb oder billig.

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  • Irgendwann werden wir uns alles erzählen

    Irgendwann werden wir uns alles erzählen

    Ikopiko

    02. April 2015 um 12:06

    Daniele Kriens Roman „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ lässt mich etwas ratlos zurück. Er beginnt so idyllisch. Maria wohnt bei ihrem Freund Johannes auf einem alten Bauernhof. Sie ist eine Träumerin, die einfach in den Tag hinein lebt. Die Schule schwänzt sie und liest stattdessen lieber Romane auf dem Dachboden. Gerade als sie beginnt, sich etwas in den Haushalt einzuleben und auch mal mit anzupacken, geschieht das Ungeheuerliche. Sie betrügt ihren Freund Johannes mit dem Bauern Henner. Dieser könnte ihr Vater sein und schlägt sie, aber es zieht sie immer wieder zu ihm hin. Ich weiß nicht, was ich mit Maria gemacht hätte, wenn ich sie gekannt hätte. Gepackt und geschüttelt wahrscheinlich. Zunächst lebt sie wie ein Schmarotzer in der Familie des Freundes, später belügt und betrügt sie diese Familie auch noch. Ich glaube, dieses naive Mädel ist prädestiniert dafür, „an den Falschen“ zu geraten. Obwohl ich die Protagonisten schrecklich fand, wollte ich doch unbedingt wissen, wie es weiter geht. Daher bekommt das Buch noch drei von fünf Punkten von mir.

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  • Ich bin nicht mehr die, die ich einmal war. Aber wer bin ich jetzt?

    Irgendwann werden wir uns alles erzählen

    Biene759

    14. October 2014 um 20:46

    Inhalt: "Es ist Sommer, heißer, herrlicher Sommer. Der Hof ist ein Dreiseithof. Schaut man geradeaus, sieht man eingezäunte Wiesen und den Bahndamm, und hinter den Schienen, in einiger Entfernung, doch klar erkennbar: den Henner-Hof." Maria wird siebzehn, sie wohn mit Johannes auf dem Hof seiner Eltern, in den "Spinnenzimmern" unterm Dach. Sie ist zwart und verträumt, verkriecht sich lieber mit den Brüdern Karamasow, als in die Schule zu gehen. Auf dem Nachbarhof lebt der vierzigjährige Henner, allein. Die Leute aus dem Dorf sind argwöhnisch: Eine Tragik, die mit seiner Vergangenheit zu tun hat, umgibt ihn, gleichzeitig ist er ein Mann, dessen charismatische Ausstrahlung Eifersucht erregt. Ein zufälliger Blick eines Tages, eine zufällige Berührung lösen in Maria eine Sehnsucht aus, die fremd und übermächtig ist und sie daher wie von höherer Gewalt geleitet in Henners Haus und in seine Arme treibt ... Meinung: Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt! Ich weiß nicht genau welches Buch das zuletzt geschafft hat. So bin ich förmlich durch die Seiten geflogen und hab das Buch viel zu schnell beenden müssen. Die Geschichte an sich ist wohl nichts Neues: ein junges Mädchen liebt einen älteren Mann. Sie beginnen eine Affäre. Ein tragisches Ende ist vorhersehbar. Und doch finde ich dieses Buch besonders. Und ich kann nicht sagen was genau es so besonders macht. Der Schreibstil der Autorin ist gewöhnungsbedürftig, man könnte wahrscheinlich sagen "einfach". Wörtliche Reden, Unterhaltungen gibt es in dem Buch nur sehr wenige. Aber das passt zu dem Buch. Ich glaub genau das macht dieses Buch aus. Die Geschichte wird von Maria in der ich-Perspektive erzählt. Trotz der einfachen Sprachgestaltung konnte ich mich gut in Maria hineinversetzen. Auch wenn ihre Affäre mit dem Henner noch so verwerflich sein mag, ich finde Maria sehr sympathisch und hab sie schnell ins Herz geschlossen. Für den Henner ist aus dem Mädchen eine junge Frau geworden. Maria wird im laufe des Sommers, des Buches, 17. Auf mich hat sie ehrlichgesagt älter gewirkt, reifer, aber naiv. Maria weiß, dass das was sie tut nicht richtig ist. Und sie fällt eine Entscheidung. Das Ende hat mich sehr frustriert. Aber wie oben schon gesagt, ein tragisches Ende ist vorhersehbar. Ich hoff wirklich meine Rezension liest sich nicht zu wirr. Ich möchte nur vom Inhalt nicht noch mehr verraten. Das Buch ist es wirklich Wert gelesen zu werden.

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  • Beziehung zu einem älteren Mann

    Irgendwann werden wir uns alles erzählen

    buecherwurm1310

    10. November 2013 um 14:28

    Marie, 16 Jahre alt, lebt seit kurzem bei ihrem Freund, der mit seiner Familie auf einem Bauernhof in der ehemaligen DDR wohnt. Sich in Büchern zu verlieren, gefällt Marie mehr als die Schule, daher schwänzt sie ständig. Auf dem Hof wird sie mehr und mehr eingespannt. Der nächstgelegene Hof gehört dem 40jährigen Henner. Einerseits ist dieser Mann Marie nicht ganz geheuer, andererseits zieht er sie an. So kommt es, dass Marie von Henner, der betrunken ist, brutal vergewaltigt wird. Das behält Marie aber für sich. Ständig denkt sie nun an Henner, bis sie es nicht mehr aushält und heimlich wieder zu ihm geht. Sie bietet ihm an ,alles mit ihr zu machen, was er will. Johannes kommt ihr dagegen sehr unreif vor. Sie lebt bei Johannesdenkt aber nur an Henner und geht wann immer möglich zu ihm. Sie träumt von einem Leben mit Henner, der aber will nichts davon wissen. Marie will Johannes alles erzählen. Da geschieht es Schlimmes... Ein kleines Buch, das von der Liebe eines jungen Mädchens zu einem älteren Mann erzählt. Nichts Spektakuläres.

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  • IRGENDWANN WERDEN WIR UNS ALLES ERZÄHLEN – ODER BESSER NICHT?

    Irgendwann werden wir uns alles erzählen

    literaturELLE

    23. October 2013 um 14:59

    Sommer 1990, ein heißer, herrlicher Sommer. Maria wird bald siebzehn und wohnt mit Johannes auf dem Hof seiner Eltern. Sie ist zart und verträumt, liebt Büchern mehr als die Schule. Nebenan lebt Henner, 40 Jahre, allein stehend. Doch es gibt etwas, das sie in seine Arme treibt … Vorweg; vom Hocker gerissen hat mich der Roman leider nicht, obwohl er für den Amazon-Autorenpreis (für neue Talente) nominiert wurde. Er konnte mich überraschen, mich sogar dazu bewegen, ihn bis zum Ende zu lesen. Aber Lese-Fesseln legte er mir keine an. Warum “überraschen”? Da ich ohne Vorwissen, um unbefangen lesen zu können, in den Roman einstieg , war ich zunächst enttäuscht – och nö, nicht wieder die 1989/1990-Wendemasche, hatte ich mich doch vor nicht allzu langer Zeit gerade durch “Luckenwalde” und die freien Bananen geackert. Doch die Enttäuschung wich schnell einer angenehmen Überraschung. Die Wende war Thema, ohne Thema zu sein und widerspiegelte sich nur in den verschiedensten, sie auslösenden Gefühlen der Beteiligten sowie Schauplätzen. Warum “ausgelesen”? Nun ja, ich gab dem Roman die Chance, sich zu erklären; mir zu zeigen, wohin die Reise geht. Der Stil tat sein übriges; es las sich weich und angenehm. Keine “Lese-Fesseln” und auf’m Hocker geblieben? Die Chance, sich zu erklären und mich auf eine Reise mitzunehmen, hat der Roman bei mir verpasst. Ich sehe keine Entwicklung bei Maria, bei allen anderen schon. Ich kann nicht mit ihr fühlen, leiden, weinen (Lachen kommt eher wenig bis gar nicht vor). Alles an ihr wirkt fremd, befremdlich auf mich. Auch Henner bleibt äußerlich farblos, sein Haus und Hof hingegen werden detailverliebt beschrieben. Allerdings empfinde ich für ihn immerhin etwas wie Ekel, Mitleid, Wut. Was treibt Maria an und immer weiter in seine Arme? Ist es Hörigkeit, die sie mit ihren 16/17 Jahren mit Liebe verwechselt? Ist es der fehlende Vater, den sie in Henner auf eine andere Art und Weise findet? Was erwartet sie sich von ihrem Leben? Nicht mehr als Bücher, Sex und Haushalt führen? Bis auf die beiden Alten, Frieda und Alfred, entwickeln sich alle Protagonisten im Laufe des Romans, selbst Marias Mutter; alle, außer Henner und Maria. Diese beiden scheinen die Zeit anhalten zu wollen. Das Leben jedoch kennt keine Haltestelle, außer einer… Ein Fazit fällt mir schwer. Seit Ewigkeiten hatte ich schon nicht mehr so gar kein Gefühl nach dem Auslesen. Hier tat sich eine Leere auf, die all die vielen, wohl geformten Worte und Bilder der Autorin nicht mit Leben füllen konnten. Schade. www.cat4net.de

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  • Verlosung & Diskussion: Welche Bücher werden die neuen Klassiker?

    muchobooklove

    Wir alle lieben die Klassiker unter den Büchern, die immer wieder von Generation zu Generation weitergegeben werden und die jeder kennt, egal wie alt man ist. Der Ravensburger Verlag hat mit Büchern wie "Die Welle" oder als "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" bewiesen, dass er immer wieder ein Gespür für Geschichten hat, die über Jahrzehnte hinweg Leser begeistern können. Aber welche aktuellen Bücher haben ebenfalls Potential, zu Klassikern zu werden? Wir haben aus dem interessanten Ravensburger Programm drei Bücher ausgewählt, die wir uns in Zukunft als Klassiker vorstellen können: Zebraland von Marlene Röder:  "So wurde „Zebraland“ für mich zu einem echten Leseabenteuer, da ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte, weil mich die Geschichte so fesselte. Gerade weil sie so authentisch wirkt." — Michaela G. Liverpool Street von Anne C. Voorhoeve: "Anne Voorhoeve hat ein bewegendes Mädchenportrait geschrieben und den Überlebenden des Nationalsozialismus eine Stimme verschafft. Großartig, wie sie die widerstreitenden Gefühle eines Kindes schildert."— Buecherstapel Wolfszeit von Nina Blazon: "Ich habe mit den Figuren mitgefiebert, mich in eine fremde Zeit ziehen lassen, der Entwicklung eines jungen Protagonisten zugesehen, einen kriminalistischen Fall mit aufgedeckt und am Ende auch noch eine kleine, aber (fast) kitschfreie Liebesgeschichte verfolgt. Was will das Leserherz mehr?!" — Mausezahn Ihr habt die Möglichkeit, diese Bücher zu gewinnen, denn wir verlosen gemeinsam mit dem Ravensburger Verlag 5 Buchpakete, in denen jeweils diese 3 Titel enthalten sind. Für die Chance auf eines der 5 Buchpakete, müsst ihr nur bis zum 3. Oktober einen Beitrag hier im Thema verfassen und mit den anderen Lesern darüber diskutieren, welche Kinder- oder Jugendbücher eurer Meinung nach zukünftig zu Klassikern werden könnten? Dabei würde uns besonders folgende Frage interessieren: Was macht ein Buch für euch zu einem Klassiker und was braucht dieses Buch, damit ihr es immer wieder in die Hand nehmt? Wir sind schon sehr gespannt auf eure Meinungen!

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    • 289
  • Und es war Sommer ...

    Irgendwann werden wir uns alles erzählen

    Stefan83

    Obwohl nie ein großer Freund der aktuellen deutschsprachigen Literatur, erregte Daniela Kriens Debütroman „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ schließlich dann doch selbst meine Aufmerksamkeit – nicht zuletzt auch deshalb, weil einige Buchhändlerkollegen den Titel in den höchsten Tönen lobten. Im Verbund mit dem gelungenen Cover (welches für mich zwar bei einem Kauf nie ausschlaggebend, aber oft in gewissem Maße entscheidungsfördernd ist) führte dies schließlich zum Kauf, der nun die Lektüre des Buches folgte, die letztlich kurzweilig vonstatten ging, jedoch auch keinerlei bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Vom Feuilleton (insbesondere weiblichen Rezensenten) äußerst wohlwollend besprochen und beurteilt, wollte bei mir bis zuletzt der Funke nicht so recht überspringen. Gerade die kraftvolle Sprache, ihr „Leuchten“ (Bettina von Arnim, Die Zeit) tritt meiner Ansicht nach viel zu selten zutage, um die Tragik der hier geschilderten „Amour fou“ hervorzuheben bzw. die Zerrissenheit und die Motive der Ich-Erzählerin zu betonen oder zu erklären. Diese heißt Maria, steht kurz vor ihrem siebzehnten Geburtstag und verbringt den Sommer des Jahres 1990, den letzten des Staates DDR, gemeinsam mit ihrem Freund Johannes auf dem Bauernhof seiner Eltern. Nahe an der ehemals deutsch-deutschen Grenze und doch weit weg von größeren Städten gelegen, ist hier die Zeit in vielerlei Hinsicht stehen, der sozialistische Einfluss aber weiterhin deutlich spürbar geblieben. Für Maria bedeutet das Leben auf dem Hof dennoch Freiheit. Sie genießt die Zeit auf den Feldern, schwänzt die Schule, liest mit Begeisterung die „Brüder Karamasow“, während Johannes seinerseits eine Liebe zur Photographie entwickelt. Für alle in der Familie scheinen sich nun immer neuere Möglichkeiten aufzutun. Doch während Johannes' Vater von einem Umbau seines Hofes samt eigenen Verkaufsraum träumt, lässt Maria sich stattdessen treiben. Zumindest so lange, bis sie den 40-jährigen Henner kennenlernt. Als saufender Eigenbrödler und Frauenheld verschrien, wird er vom Großteil des Dorfes gemieden. Seine derbe, ungehobelte Art stößt die Leute dabei genauso ab, wie das Paar riesiger Doggen, welches ihn bei seinen täglichen Ausritten begleitet. Gerade dieses Einzelgängertum ist es aber auch, dass die Neugierde in Maria weckt. Wie viele anderen Frauen, so ist auch sie fasziniert von diesem geheimnisvollen, schroffen Mann. So scheint es beinahe Schicksal zu sein, als sich die beiden eines Tages über den Weg laufen und eine einzige Berührung von ihm etwas in Maria auslöst, das neben den Ende ihre Beziehung zu Johannes auch das Ende des Kindseins bedeutet. Immer wieder zieht eine unerklärliche Sehnsucht sie zum Hennerhof, wo sie sich dem weit älteren Mann gänzlich hingibt und dabei gleichzeitig auf eine gemeinsame Zukunft hofft. Doch diese hält nicht nur für sie einige Überraschungen bereit … Nein, neu ist die Geschichte einer nach gewöhnlichen Maßstäben unvernünftigen Liebe innerhalb der Literatur wahrlich nicht. Ob Goethes „Wahlverwandtschaften“ oder die Sage von Tristan und Isolde – immer wieder standen Beziehungen im Mittelpunkt, die auf Grund der Gegensätzlichkeit, sei es im Alter oder im sozialen Status, keinerlei Aussicht auf Bestand hatten. Und hierin liegt auch nicht die Stärke des Romans, wenngleich es Krien zumindest phasenweise gelingt mittels drastischer Schilderungen die gewalttätige Intensität dieser hoffnungslosen Liebe vor dem Auge des Lesers zum Leben zu erwecken. Es sind sogar diese Passagen, in denen der sonst eher gefällige Rhythmus des Buches an Fahrt, die Sprache an Substanz gewinnt. Das ändert jedoch nichts daran, dass die Handlungen der Figuren es oftmals an Schlüssigkeit fehlen lassen. Während sich Henners animalischer Zorn und seine gewalttätige Einstellung zum Sex durch ein Leben in Frustration und die Zwänge des herrschenden Systems erklären lassen, bleiben die Handlungen Marias bis zuletzt schwer nachvollziehbar. Die frühe Trennung von ihrem Vater kann wohl kaum das treibende Element für ihr teils selbstzerstörerisches Verhalten sein, mit dem, sie trotz besseren Wissens, komplett auf Konfrontationskurs geht und dabei selbst eine Entdeckung durch ein Mitglied von Johannes' Familie in Kauf nimmt. Für mich bleibt ihr Handeln sowie ihre Kälte gegenüber dem Jugendfreund und seinen Angehörigen bis zum Schluss hin unverständlich. Teilweise drängte sich hier der Eindruck eines störrischen Teeangers auf, welcher auf Teufel komm raus gegen Widerstände ankämpfen will, die längst nicht mehr da sind. Sollte Krien dies beabsichtigt haben, würde dadurch wiederum die parallele Lektüre der „Brüder Karamasow“ als Stilmittel obsolet bzw. für die Deutung der Handlung überflüssig werden. Das „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ trotz des fehlenden psychologischen Feinschliffs zu punkten weiß, liegt schließlich an der gelungenen Wiederbelebung der Zeit des Mauerfalls. Die auf ihn folgenden Freiheiten, die Art und Weise wie die Familienmitglieder unterschiedlich darauf reagieren – all das hat Krien nicht nur historisch korrekt, sondern auf für „Wessis“ verständlich aufbereitet. Während die einen mit der Wiedervereinigung vor allem neue Hoffnungen verbinden, Möglichkeiten zur Weiterentwicklung sehen, endet in den Augen anderer eine Ära der stabilen Sicherheit. Wie ein jeder mit dem Wandel umgeht, ist, besonders hinsichtlich des immer größer werdenden Abstands zu diesen für Deutschland so entscheidenden Jahren, äußerst interessant zu lesen – und vielleicht dann am Ende auch der Grund, warum man Kriens Erstling im Regal stehen lassen sollte. „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ ließ sich schnell, gut und unterhaltsam lesen, hat mich aber auch zu keiner Zeit wirklich berührt. Dafür war die Handlung zu geradlinig und besonders das Ende letztlich zu ab- bzw. vorhersehbar. So bleibt ein handwerklich solides, kurzweiliges Buch für den Sommer, an dem Frauen sicher noch mehr Gefallen werden als Leser männlicher Zunft – das von den Kollegen angekündigte „große Leseerlebnis“ war es in jedem Fall (für mich) nicht.

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    • 3

    Stefan83

    21. July 2013 um 12:08
  • Rezension zu "Irgendwann werden wir uns alles erzählen" von Daniela Krien

    Irgendwann werden wir uns alles erzählen

    Ellen-Dunne

    09. January 2013 um 10:01

    Sommer 1990. Alles ist im Umbruch zwischen den beiden "Deutschlands". Auch in der 16jährigen Maria, die mit ihrem Freund Johannes bei dessen Eltern lebt, sich auf deren Bauernhof nützlich macht und ansonsten die Schule schwänzt und die Brüder Karamasow liest. Doch dann lernt sie den alleinstehenden, 24 Jahre älteren Henner vom Nachbarhof kennen ... Durch dieses Buch bin ich geflogen. Nicht nur, weil es kurz war und mich die von Beginn an düstere Liebesgeschichte so gefangen genommen hat. Auch die Sprache von Daniela Krien gefällt mir. Am Anfang mag sie schlicht, fast banal wirken, doch mit der Zeit entwickelt gerade diese Einfachheit eine große Kraft, die ich toll und sehr berührend fand. Auch, wenn mir die Figuren nicht sonderlich sympathisch waren und das - Achtung, Spoiler! - tragische Ende sowohl abzusehen als auch frustrierend war: Ein schönes Leseerlebnis, vor allem nach meinen zwei eher mittelprächtigen bzw. zwiespältigen letzten Büchern.

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  • Rezension zu "Irgendwann werden wir uns alles erzählen" von Daniela Krien

    Irgendwann werden wir uns alles erzählen

    Duffy

    10. December 2012 um 12:34

    Eine Liebesgeschichte aus der Wendezeit. 1990 wohnt Maria mit Johannes auf dem Hof seiner Eltern. Sie wird gerade 17 und hat sich mit Johannes, der nach der Wende den Beruf des Fotografen lernen will, arrangiert. Die große, aber ungleiche Liebe findet sie in dem Einzelgänger Henner vom Nachbarhof, der aber 23 Jahre älter ist und eine ganz besondere DDR-Geschichte hat. Diese Ungleichheit führt zu einigen Spannungen, dazu gehört natürlich auch das Verheimlichen dieser Liason, das in einem Dorf schon an der Tagesordnung ist. Schön beschreibt Daniela Krien hier die Landschaften, die Atmosphäre und auch das Aufkeimen von erster "ernsthafter" Liebe, die im Fall von Maria dann gleich so kompliziert sein muss. Der Roman ist hochgelobt und auch ein Bestseller geworden, aber nüchtern betrachtet ist es "nur" ein Liebesroman. Kein schlechter, aber die Autorin hat aus einer guten Ausgangsposition nicht das Beste herausgeholt. Sie bedient sich der ergiebigen Wendezeit, deutet interessante Verflechtungen an und verfolgt sie nicht weiter, weil sie sich offensichtlich nicht traut, in die Tiefe zu gehen. Das wirkt halbherzig, wenn man mit dem Politikum der Wiedervereinigung anfängt, dann darf man nicht so oberflächlich damit umgehen. Man muss sich entscheiden: Schreibt man einen Liebesroman unter Berücksichtigung der damaligen politischen Lage oder verlässt man das literarische Glatteis und schreibt einfach einen schönen Liebesroman. Krien hat den Spagat nicht geschafft und so ist denn auch das Ende irgendwie absehbar und kann zwar den ansonsten gelungenen Liebesroman nicht ganz zerstören (dazu ist sie sprachlich zu tief), bringt ihn aber ganz gefährlich in die Nähe einer Schmonzette. Da ist Luft nach oben.

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  • Rezension zu "Irgendwann werden wir uns alles erzählen" von Daniela Krien

    Irgendwann werden wir uns alles erzählen

    Golondrina

    05. November 2012 um 22:46

    Der letzte Sommer der DDR wird Marie in Erinnerung bleiben als der Sommer, in dem sie - 17jährig - eine Affäre mit einem 40 Jahre alten Mann hatte. Marie ist von ihrer Mutter geflohen auf den thüringischen Hof ihres Freundes Johannes, schwänzt die Schule, geht auf eine Demo, wenn Johannes hingeht, schaut sich die Verlockungen der neuen Konsumwelt an, wenn Johannes sie hinbringt und stürzt sich in die bereits erwähnte Liebesbeziehung - tja, eben weil sie von Henner aufgelesen wird. Dieses getrieben werden, nicht eigentlicher Akteur seines Lebens zu sein, ist für eine 17jährige nichts ungewöhnliches - so oder eben ein anderes Extrem. Und so ist die Auflösung bzw. das Ende der Geschichte auch nicht wirklich überraschend - auch hier ist Marie nicht die eigentlich Handelnde. Das war im Hinblick auf Marie zu erwarten, dennoch konnte die Autorin mir nicht glaubhaft versichern, warum sie dieses Ende wählt. Die Rahmenhandlung gibt da mehr her - wie erlebt Maries Umwelt die Veränderungen in der Gesellschaft, wovon träumen sie, was schleppen sie an Päckchen mit sich rum - all das ist wunderbar erzählt und verdient 3 Sterne. Die Geschichte der Hauptakteurin jedoch ist vor diesem Hintergrund so belanglos, das hätte irgendwo, irgendwann spielen können. Schade, hier hätte ich mir mehr erwartet.

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  • Rezension zu "Irgendwann werden wir uns alles erzählen" von Daniela Krien

    Irgendwann werden wir uns alles erzählen

    Ramona1987

    11. August 2012 um 14:14

    Die Geschichte wirkt geheimnisvoll, etwas düster aber gleichzeitig auffällig ruhig in der Sprache. Die Protagonistin erzählt von Liebes- bzw. vielmehr Sexmomenten, die Sprache ist enorm dezent aber absolut passend gewählt. Die Autorin hat sprachlich auf jeden Fall einen Wiedererkennungswert, es ist kein Einheitsbrei, wenn auch anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Ich habe mich häufig gefragt, ob sie damit einfach auch die Naivität der Protagonistin ausdrücken möchte, denn in den Handlungen kommt sie definitiv sehr naiv und unreif rüber. Ich bin eigentlich kein Fan von so sehr dünnen Büchern, aber hier fand ich es passend, da inhaltlich garnicht allzu viel passiert, aber es dennoch irgendwie immer etwas spannend bleibt. Irgendwie macht dieses Buch Lust auf mehr, obwohl man garnicht genau umschreiben kann, was einem an diesem Buch gut gefällt. Vielleicht ist es die düstere eher melancholische Atmosphäre oder aber die Geheimniskrämerei bzw. wenige kommunizieren der Figuren, was sich durch den Roman zieht. Vermutlich ist es aber auch die Art, wie die Autorin Dinge umschreibt, die Liebe zum Detail sowie das Erschaffen von lebendigen Charakteren, eben keine schwarz-weiß Figuren.

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  • Rezension zu "Irgendwann werden wir uns alles erzählen" von Daniela Krien

    Irgendwann werden wir uns alles erzählen

    pippilotta

    05. February 2012 um 21:44

    Der Roman " Irgendwann werden wir uns alles erzählen" von Daniela Krien spielt, in einem kleinen Dorf auf dem Land, in Zeiten des Umbruchs im Sommer 1990 kurz bevor es die DDR nicht mehr geben wird. Hauptprotagonistin ist die fast 17-jährige Maria, die zu ihrem Freund Johannes und dessen Eltern auf den Hof gezogen ist, dort nun lebt und langsam lernt sich auf dem Hof nützlich zu machen. Eines tages lernt sie den 40-jährigen Henner kennen, einen etwas merkwürdig anmutenden Eigenbrödler, der alleine mit seinen Pferden und Hunden auf dem Nachbarhof lebt. Es entwickelt sich eine innige Liebesbeziehung zwischen den beiden, die natürlich geheim gehalten werden muss, was nicht immer einfach ist. Daniela Krien hat einen sehr eigenen Schreibstiel, an den ich mich die ersten par Seiten erst einmal gewöhnen musste. Dennoch ist sie meiner Meihnung nach die Meisterin des Beschreibens. Beim lesen tauchte man förmlich in die von ihr beschriebene Landschaft ein, roch die frische Landluft und konnte die Sonne auf der Haut spüren. Auch in die Gefühlswelt von Maria konnte man vollkommen eintauchen. Die Spannung blieb das ganze Buch über konstant, ich konnte es kaum aus der Hand legen. Mit 234 Seiten ist es leider kein sehr dickes Buch. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der eine kleine Reise in die Vergangenheit und aufs Land machen will, Lust auf eine Liebesgeschichte hat die weiter weg von der Norm ist, eindrücklich und dennoch nicht kitschig.

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  • Rezension zu "Irgendwann werden wir uns alles erzählen" von Daniela Krien

    Irgendwann werden wir uns alles erzählen

    Buecherbaer

    20. January 2012 um 17:57

    Hier geht es um die verbotene Liebe zwischen Maria und Henner zu Zeiten der Wende. Maria, 17 Jahre alt, lebt bei ihrem Freund Johannes auf dem Hof. Sie geht nicht zur Schule, hilft gelegentlich auf dem Hof und sie liest sehr viel. Bis sie eines Tages Henner kennenlernt. Er ist gute 20 Jahre älter als sie und ihm gehört der Hof nebenan.Beide fangen eine ziemlich ungewöhnliche Affäre an.. Zum Anfang möchte ich was zum Schreibstil der Autorin sagen. Er war für mich ziemlich gewöhnungsbedürftig. Doch bereits nach einigen Seiten habe ich mich daran gewöhnt und er hat mir immer besser gefallen. Daniela Krien benutzt eine einfache und klare Sprache, die aber ziemlich ausdrucksstark ist. Die Kapitel wie auch die Sätze sind angenehm kurz. Mir persönlich hat das Buch leider weniger gut gefallen. Die Geschichte ist aus der Sicht von Maria geschrieben und es geht hauptsächlich um ihre Affäre mit Henner. Über die Veränderung der Menschen in der DDR zu Zeiten der Wende, erfährt man leider nur wenig. Für mich war Maria einerseits zu naiv und gutgläubig und andererseits sehr berechnend, wie sie doch alle angelogen und genau geplant hat, wie sie Henner wiedersehen kann. Auch waren mir ihr Verhalten teilweise zu unglaubwürdig. Besonders das Verhältnis der beiden fand ich ziemlich "abartig" - diese gewalttätigen Sexszenen wurden ja schon erwähnt. Hier wäre weniger auf jeden Fall mehr gewesen und dann hätte die Geschichte auf mich auch bestimmt einen ganz anderen Eindruck gemacht. Fazit: Toller Schreibstil - aber leider eine für mich nicht überzeugende und nicht nachvollziehbare Geschichte.

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  • Rezension zu "Irgendwann werden wir uns alles erzählen" von Daniela Krien

    Irgendwann werden wir uns alles erzählen

    sumsidie

    16. January 2012 um 11:39

    Der Sommer 1990 ist heiß. Selbst im ländlichen Mecklenburg führt das Ende der DDR zu zahlreichen Veränderungen während die 17-jährige Maria dem 40 jährigen Bauern Henner Hals über Kopf verfällt. Daniela Kriens Buch besticht durch die wohlgeformten Satzkonstruktionen und Ihrer Gabe Stimmungen einzufangen. Dafür benötigt sie keine umfassende Innenbeschau der zentralen Charaktere, sondern lässt sie eher durch Taten sprechen. Sowohl die Rückschau und Hoffnungen, die mit diesem politischen Wandel verbunden sind, als auch die kopflose Liebe Marias fühlen sich authentisch an und ziehen den Leser in seinen Bann. Ein erstaunlicher Debütroman!

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  • Rezension zu "Irgendwann werden wir uns alles erzählen" von Daniela Krien

    Irgendwann werden wir uns alles erzählen

    squirrel03

    12. January 2012 um 13:13

    Liebe, Familie, Tragik, Wende, deutsche Wiedervereinigung

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