Daniela Meisel

 3.8 Sterne bei 20 Bewertungen
Autorin von Gegen einsam, Die Seherin und weiteren Büchern.
Daniela Meisel

Lebenslauf von Daniela Meisel

Daniela Meisel wird am 08. September 1977 im niederösterreichischen Horn geboren und wächst in Baden bei Wien auf. An der Universität Wien studiert sie Biologie mit den Schwerpunkten Ethologie und Meereskunde und verfasst ihre Dissertation über das Verhalten und die Lebensweise von Octopoden des Mittelmeeres. Nach Auslandsaufenthalten in Südafrika und Kalifornien arbeitet sie an der Medizinischen Universität Wien. 2008 Umzug nach Linz, wo sie die Akademie für Literatur in Leonding besucht und für die oberösterreichischen Landesmuseen Kultur vermittelt. Heute schreibt und lebt sie mit ihrem Mann und den beiden Kindern in Baden bei Wien.

Alle Bücher von Daniela Meisel

Gegen einsam

Gegen einsam

 (15)
Erschienen am 01.02.2012
Die Seherin

Die Seherin

 (4)
Erschienen am 06.05.2010
Wovon Schwalben träumen

Wovon Schwalben träumen

 (1)
Erschienen am 27.08.2018
Gegen einsam: Roman

Gegen einsam: Roman

 (0)
Erschienen am 20.02.2012
Der Himmel anderswo

Der Himmel anderswo

 (0)
Erschienen am 01.02.2013
Opa Ottos Wunderwagen

Opa Ottos Wunderwagen

 (0)
Erschienen am 01.08.2013

Neue Rezensionen zu Daniela Meisel

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Rezension zu "Gegen einsam" von Daniela Meisel

Rezension zu "Gegen einsam" von Daniela Meisel
BianFoxvor 6 Jahren

Inhalt:

Dies ist die Geschichte zweier einsamer Menschen. Manuel ist durchschnittlich. Alles, was er tut oder ist, liegt im Bereich der Mittelmäßigkeit. Dies führt dazu, dass er weder genügend Beachtung noch Freunde findet. Eines Tages, als er in einer Ausstellung auf einer Infotafel erfährt, dass ein Mensch durchschnittlich zirka 18 000 Dinge besitzt, beschließt er einmal seiner Durchschnittlichkeit zu entkommen, indem er 32 000 Dinge besitzt.

Maja ist ebenfalls einsam. Einer tieferen Bindung zu einem Menschen unfähig, verbringt sie ihre Freizeit damit, WG-Zimmer zu besichtigen, um so unverbindlich mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Außerhalb dieses Hobbys gibt es wenig, was Maja Freude bereitet. Einziger Lichtblick ist für sie das alltägliche Treffen mit einer alten taubstummen Dame.

So seltsam die beiden Lebensentwürfe sind, so seltsam ist auch ihre zufällige Begegnung. Zunächst wissen sie beide nichts miteinander anzufangen, eher unterbewusst bauen sie schrittweise eine freundschaftliche Beziehung zueinander auf, die alles andere als einen gewöhnlichen Verlauf nimmt …

Bewertung:

Dies ist ein ungewöhnlicher Roman, der kaum in Worte zu fassen ist, da er in mir die seltsamsten Gefühlsregungen hervorruft, die so widersprüchlich sind, wie die Protagonisten und ihre Lebenssituation. Der Ort der Begegnungen ist die wunderbare Stadt Wien, die allein dem Roman ein außergewöhnliches Flair verleiht, der perfekte Rahmen für eine derartige Geschichte.

Beginnen wir mit Manuel, der sich für einen durchschnittlichen Menschen hält, der in seinem Leben nichts Außergewöhnliches erlebt, sich aber nichts Sehnlicheres wünscht, als einmal beachtet zu werden. So greift er in seiner Einsamkeit nach jedem Strohhalm. In seinem Fall ist es eine Sammlung einer großen Anzahl jedweder Gegenstände, die ihn bald kauf- und computersüchig werden lässt. Seiner Einsamkeit ausgeliefert, ist ihm sogar sein Tod gleichgültig. So findet er sich eines Tages im Krankenhaus wieder, nachdem er in seiner Wohnung ein Feuer entfacht hat.

Ganz anders stellt sich die Situation für Maja dar. Sie ist süchtig nach flüchtigen Begegnungen. So fährt sie von einer WG-Besichtigung zur nächsten, nur um die Bestätigung einer Zusage zu erhalten. Von der Familie getrennt, ist ihre einzige Freundin, die ältere taubstumme Dame Maria, die eine Art philosophische Künstlerin ist. Bei ihr findet Maja Trost und Halt.

Schließlich begegnen sich Maja und Manuel. Und wer glaubt, dass sie aufgrund ihrer Einsamkeit schnell zueinander finden, liegt falsch. Die Geschichte bleibt skurril, denn beide, in ihrer Einsamkeit gefangen, verhalten sich wie zwei Magnete, die einander abstoßen und anziehen, ohne sich jemals richtig zu berühren, körperlich als auch seelisch. Diese eigenartige Beziehung ist für den Leser oft beklemmend, merkt er doch, dass beide Protagonisten, die sich doch nichts weiter wünschen, als nicht mehr einsam zu sein, in ihrer Einsamkeit so sehr gefangen sind, dass sie auf den Gegenüber gar nicht mehr richtig eingehen können.

Dabei vermag Daniela Meisel auf einfühlsame Weise die Beziehung zu beschreiben. Dies gelingt ihr durch eine leise, weiche Sprache, die sich nicht über die Geschichte erhebt, sondern sie trägt, sodass der Leser in die Welt von Manuel und Maja eintauchen kann. Man erlebt den stillen Kampf beider, wie sie sich über ihr Dasein hinwegheben wollen, wie sie sich dabei gegenseitig, wenn auch unterbewusst unterstützen, wie sie sich Schritt für Schritt aus ihrer Lethargie befreien versuchen. Das Ende ist dann so wie die ganze Geschichte: außergewöhnlich gewöhnlich.

“Gegen einsam” kann in seiner Gesamtheit ein Stück weit als Gesellschaftskritik verstanden werden. Denn zwar spielt die Geschichte in Wien, könnte sich aber so auch in jeder anderen Metropole ereignen. Meisel sensibilisiert den Leser für die Probleme der modernen Gesellschaft, in der oft die Einsamkeit regiert, weil die Menschen keine Zeit mehr haben, sich mit ihren Mitmenschen zu beschäftigen, in der das Interesse für das Leben, die Gefühle und Gedanken anderer verschwindend gering ist. Und entgegen anderer Romane tut dies Daniela Meisel nich anklagend, sondern auf beeindruckend leise und gefühlvolle Weise.

Fazit:

Ein lesenswerter Roman über eine ungewöhnliche Verbindung zweier einsamer Menschen.

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Rezension zu "Gegen einsam" von Daniela Meisel

Rezension zu "Gegen einsam" von Daniela Meisel
dark_swanvor 6 Jahren

Gerade habe ich "Gegen einsam" beendet, das mich mehrmals (im Zug sitzend und lesend) fast zum Weinen gebracht hat, einen Roman über zwei Sonderlinge, die der Zufall zusammenwürfelt.

Nun - ich bin wirklich begeistert. Selten lese ich in der deutschsprachigen Literatur Texte, die Wert auf so viele (wunderbare) Details legen, die sich Zeit nehmen für die kleinen, feinen Beobachtungen.
Eine der Hauptfiguren sammelt beispielsweise Gegenstände, um irgendwann einmal viel mehr als die 17.000 Gegenstände zu besitzen, die ein durchschnittlicher Mitteleuropäer laut Statistik besitzt. Ganz einfach deshalb, weil er - wenigstens an einer einzigen Stelle in seinem Leben - überdurchschnittlich sein möchte. Das ist so absurd schön, das ist zum Seufzen. Und genauso funktioniert auch dieses Buch - es sammelt die winzigen, aber entscheidenden Details, die es aus dem Einheitsbrei hervorheben, die diese kleinen Aha-Erlebnisse bescheren, dieses: "Das kenne ich, das geht mir auch so." Nur hat man es eben noch nie auf so eine Weise gelesen, in so ein Bild gegossen.

Die Sprache ist schlank, teils atemlos, teils so zurückgenommen wie die ProtagonistInnen selbst. Nichts Überflüssiges und doch reich.

Das Grundthema, um das der Roman sich zusammenzieht, ist - wie der Titel schon verrät - Einsamkeit. Die durchpocht tatsächlich alles - von der ersten bis zur letzten Seite. Manchmal so dermaßen intensiv, dass man vor Mitgefühl aufschluchzen möchte. Doch - und das sei klar gesagt - es kommt nicht wie mit der Dampframme in den Boden gestampft daher. Dies ist kein Faust-in-den-Magen-Buch. Es ist melancholisch, nimmt sich aber zu gleichen Teilen Zeit für einen feinen Humor.

Was für ein wundervolles Buch! So bescheiden auf der einen Seite, doch löst es so viel Gefühl aus. Das mag auch daran liegen, dass Daniela Meisel ihre Figuren mit so viel Wärme und Zärtlichkeit gestaltet und behandelt. Man gewinnt sie sehr lieb und zittert richtig, dass ihnen nicht Schlimmes passieren möge.

Ich empfehle diesen Roman von Herzen gern weiter. Wer wie ich Bücher über Sonderlinge liebt, wer Freude an Zwischentönen und Zwischenzuständen hat und an jenen besonderen Details, die in vielen Büchern nicht vorkommen, weil diese sich in Allgemeinplätzen bewegen, trifft mit "Gegen einsam" die richtige Wahl. Ein wunderschönes Herbst/Winter-Buch!

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Rezension zu "Gegen einsam" von Daniela Meisel

Rezension zu "Gegen einsam" von Daniela Meisel
lunairevor 6 Jahren

Inhalt:
Manuel ist quasi der Inbegriff der Durschnittlichkeit: er ist durchschnittlich groß, durchschnittlich schwer und eigentlich liegt eigentlich bei allem genau im Durchschnitt, was dazu führt, dass er für seine Mitmenschen fast unsichtbar erscheint.
Ein durchschnittlicher Mitteleuropäer besitzt 17.000 Gegenstände. Von der Büroklammer bis zu seinem Auto. Manuel beschließt jedoch eines Tages seiner Mittelmäßigkeit dadurch zu entrinnen, indem er 32.000 Dinge besitzt...
Maja ist einsam und verbringt ihre Freizeit damit, sich als Studentin auszugeben und WG-Zimmer zu besichtigen. Auf diese Weise macht sie unverfängliche Bekanntschaften, trifft viele kuriose Leute und hört noch kuriosere Geschichten. Außerdem kann sie so jedes mal aufs neue auch selbst in eine andere Identität schlüpfen, wenn auch nur für kurze Zeit.
Manuel und Maja sind zwei seltsame Charaktere die irgendwann zufällig aufeinandertreffen. Zunächst wissen sie beide nichts miteinander anzufangen und halten den jeweils anderen für schräg, dennoch bauen sie irgendwie Schritt für Schritt eine zarte Freundschaft auf, die beider Leben verändert.

“Freundschaft entsteht aus dem Zusammentreffen zweier verbundener Seelen.”

Wie bereits angedeutet, ist "Gegen einsam" ein wirklich ungewöhnlicher Roman mit ungewöhnlichen Charakteren und einem fast schon schockierenden Ende. Es gibt keine große dramatische Liebesgeschichte oder eine fesselnde Story, man klebt nicht an diesem Buch, es hält einen Nachts nicht wach, weil man unbedingt weiter lesen muss. Ich konnte das Buch nach einem beendeten Kapitel getrost zur Seite legen und mich um andere Dinge kümmern, aber irgendwie habe ich dann doch immer wieder sobald ich Zeit hatte danach gegriffen und das Lesen wirklich genossen. Man kann sagen, dass es für mich wahrhaft entspannend war, dieses Buch zu lesen. Man begleitet die beiden Protagonisten durch ihr Leben, erfährt einiges aus ihrer Vergangenheit und erlebt, wie sie auf unterschiedliche und unbeholfene Art und Weise versuchen, der Einsamkeit zu entfliehen.

Wie die ganze Geschichte auch ist der Schreibstil von Daniela Meisel sehr schlicht, sie verwendet vorrangig kurze, prägnante und teilweise abgehackt wirkende Sätze, die dem Leser aber irgendwie in Erinnerung bleiben und die Story wunderbar stützen. Meisel schafft es mit wenigen Worten sehr viel zu sagen und den Leser so komplett in die Geschichte und das gefühlsleben der Charaktere eintauchen zu lassen.

Ein weiterer Bonuspunkt ist das überraschende Ende. Selten hat mich der Schluss eines Buches so unerwartet getroffen wie dieses hier und ich weiß bis jetzt noch nicht, was ich denn nun genau davon halten soll. Ich finde das Ende weder gut noch schlecht, dennoch beschäftigt es mich. Ich habe mir einige Alternativen dazu ausgemahlt, die Geschichte weiter gesponnen und mir echt überlegt, wie es anders hätte seien können. Dennoch habe ich nichts gefunden, was sich meiner Meinung nach besser als Schluss eignen könnte.

Ihr seht wahrscheinlich schon, dass sich trotz meiner Begeisterung für dieses Buch einiges widersprüchliches in mir ansammelt. Es lässt mich noch nicht ganz los und auch hier weiß ich nicht, ob dies nun positiv oder negativ ist.

Ich selbst sehe dieses Buch als meinen vorläufigen Geheimtip diesen Jahres, einfach weil es mich gerade im Nachhinein so fesselt (wahrscheinlich sogar mehr als während des Lesens) und ich das Lesen wirklich genießen konnte. Es ist eine schöne Geschichte um entspannt auf dem Sofa zu liegen und Kaffee zu trinken und dem eigenen Alltag einfach mal eine halbe Stunde warten zu lassen. Ich muss aber auch zugeben, dass ich mir gut vorstellen kann, dass viele dieses Buch als langweilig und eintönig empfinden werden, es passiert eben nix großes und es gibt keine Höhepunkte oder Spannungsmacher, aber wer Lust auf was Ruhiges für zwischendurch hat ( mit gerade mal 220 Seiten kann man das Buch getrost mal irgendwo "zwischen schieben") sollte unbedingt einen Blick auf das Buch werfen!

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Gespräche aus der Community

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Freu mich über eine Spiegelrezension zu "Gegen einsam". http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,830264,00.html
Zum Thema
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Zwei Menschen auf der Suche nach Glück. Beide auf ihre Weise einsam, beide von einer Sammelleidenschaft befallen. Doch während Manuel versucht seinem Leben durch das Erwerben von Gegenständen Bedeutung zu geben, bemüht sich Maja um immer neue Bekanntschaften. Durch einen Zufall treffen die beiden aufeinander und kommen trotz großer Differenzen nicht mehr voneinander los ...
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Letzter Beitrag von  DaniMvor 7 Jahren
Freut mich doppelt :-). Lg
Zum Thema
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Liebe LeserInnen, da in wenigen Tagen mein neuer Roman "Gegen einsam" bei Picus erscheint, ist es an der Zeit meine letzten eigenen Exemplare von "Die Seherin" (Arovell 2010) zu verlosen. Wer Lust auf den Roman hat, schreibt mir bitte ein mail mit seiner Adresse an: mail@danielameisel.com. Alles Liebe Daniela
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Letzter Beitrag von  DaniMvor 7 Jahren
Gerne. Ich wünsche gute Unterhaltung.
Zum Thema

Zusätzliche Informationen

Daniela Meisel wurde am 07. September 1977 in Horn (Österreich) geboren.

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