Sam Spade ist kein guter Mensch. Er schläft mit der Frau seines toten Partners, und als rauskommt, dass sie seinen Partner umgebracht hat, liefert er sie trotzdem aus. Nicht aus Gerechtigkeit. Aus Prinzip. Und das ist der ganze Unterschied. Hammett hat 1930 die Blaupause geschrieben, von der das gesamte Noir-Genre bis heute lebt: Der Ermittler, der zu viel versteht, um noch an irgendetwas zu glauben, und der trotzdem einen Kodex hat, den er selbst nicht erklären kann. Das Geniale ist der Falke selbst. Alle jagen ihn, alle lügen dafür, alle sterben dafür. Am Ende ist er aus Blei. Das ist nicht bloß ein Plottwist. Das ist Hammetts Kommentar zu allem, was Menschen begehren. Ich habe das Buch dreimal gelesen und jedes Mal gedacht: Die Szene, in der Spade die Flitcraft-Geschichte erzählt, ist die beste Szene im gesamten Genre. Ein Mann fällt fast ein Balken auf den Kopf, und er begreift, dass das Universum sich nicht für ihn interessiert. Hammett verpackt das in einen Absatz. Andere brauchen dafür ein ganzes Philosophie-Studium.
Dashiell Hammett

Lebenslauf
Alle Bücher von Dashiell Hammett
Der Malteser Falke
Der dünne Mann
Rote Ernte
Der gläserne Schlüssel
Der Fluch des Hauses Dain
Das große Umlegen und andere Detektivstories
Das Haus in der Turk Street
Das Dingsbums Küken
Neue Rezensionen zu Dashiell Hammett
Man könnte es kurz und knapp sagen: Dieser Roman ist kein Roman und auch kein wirklicher Krimi (aber voller bestechender Wendungen). Es ist eine schnoddrig-blutige Ein-Mann-Show, ein Actionfilm als Buch, in dem jeder Spruch sitzt, ein Haufen Klischees geschrammt und mit Vollgas abgehängt werden, Moral und Ambivalenz Luxusfragen sind und das Verlangen nach Tiefgang eine dumme Antwort auf beide, die am Ziel vorbeigeht. Soweit die Kurzfassung, nach der jeder Leser wahrscheinlich schon entscheiden kann, ob er es mit dem Buch probieren will oder nicht.
Dashiell Hammetts Roman hatte einige populäre Verehrer: André Gide (Tagebuch: "mit an Bewunderung grenzender Verblüffung Rote Ernte gelesen" und an anderer Stelle: "seine Dialoge könnten Hemingway als Vorbild dienen"), Somerset Maugham (der in Hammett einen großen Vertreter eines bodenlosen, aber spektakulären, unterhaltsamen Zynismus sah) und William Faulkner, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Sicher: Hammetts rasant-verwegene Inszenierung würde weder heute noch in Zukunft je einen Preis für irgendeine Form von ästhetischer Größe gewinnen. Doch sollte ihr im Gegenzug auch nicht zu schnell Belanglosigkeit vorgeworfen werden oder auch nur Lust an der Brutalität. Es liegt eine ganz spezielle Raffinesse und auch Stilsicherheit in diesem Buch; beides zusammen generiert so viel Tempo und Spannung, dass ein Spin, ein Drive entsteht, der der Leser in dieselbe Unsicherheit wirft, die auch alle Vorkommnisse der Handlung umgibt - man weiß verdammt noch mal nicht, was als nächstes passieren wird und trotzdem kommt es frontal auf einen zu.
Diese potenzierte Spannung wird noch verschärft durch die wirklich hervorragenden Wendungen, die Hammett dem Buch verpasst. Ein ums andere Mal werden wir hinters Licht geführt und schwanken auf der ohnehin undurchsichtigen Bühne der Handlungen im Glauben an dies oder jenes hin und her, bis uns Hammett die logische Wahrheit vor den Latz knallt. Der Knall geht fast sofort wieder unter in der nächsten plötzlichen Entwicklung.
Ich halte auch diese Art der Erzählkunst, die ich in rote Ernte hautnah erleben durfte, für eine gelungene Form literarische Ausdrucks, literarischer Unterhaltung, literarischer Wirkung. Sie ist nicht hochgeistig, dafür aber in vollen Zügen als Fiktion zu genießen, zumindest wenn man nichts gegen Schießeisen, Gangster, Film Noir Stil, hollywoodgegerbte Klischees und jede Menge Zynismus hat.
und ist trotzdem in seinem Genre des Hardboiles-Krimis noch topaktuell und lesenwert. Manchmal wünschte ich mir, dass es unter den modernen heutigen Krimiautoren wieder Mode oder gar ein Hype wird, einen klaren, schnörkellosen Schreibstil zu pflegen. Käme unserem Zeitgeist sogar zugute, denn immerhin schwindet von Jahr zu Jahr unsere Aufmerksamkeitsspanne und scharf pointiert zu schreiben, reduziert auf das allein Wesentliche, ließe Raum für eigene Phantasie, wenn man denn noch eigene hat und stiehlt uns nicht unsere knappe Zeit durch unnötiges Aufplustern von Plots und ihren Figuren.
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Dashiell Hammett wurde am 26. Mai 1894 in Maryland (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.
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