Die Achse des Blöden

von Dave Barry
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Die Achse des Blöden
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Flach. Erwartungen wurden über die volle Distanz enttäuscht.

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Inhaltsangabe zu "Die Achse des Blöden"

Um ein auch nur halbwegs anständiges Buch über etwas derart Komplexes wie die US-Regierung zu schreiben, muß man sich sehr lange in Washington DC aufhalten. Also beschloß ich gleich zu Beginn der Arbeit an diesem Buch, daß es kein auch nur halbwegs anständiges werden sollte. Ich faßte diesen Beschluß, weil ich mich in Washington nicht wohl fühle. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Washington ist eine schöne Stadt mit reichlich Statuen, Gebäuden und viel Kultur in Form von thailändischen Restaurants. Aber immer wenn ich dort bin, komme ich mir vor wie der einzige Mensch in der Stadt, der nie fürs Studentenparlament kandidiert hat. Dieses Gefühl hatte ich zum ersten Mal 1967, als ich, noch ein College-Student, bei den Vierteljahresheften des Kongresses ein Praktikum machte. Dabei handelt es sich um eine Illustrierte, die, wie der Name schon andeutet, wöchentlich erscheint. Ich hatte keine Ahnung, was in Washington zählt. Ich kam aus einem rein männlichen College. Welches Ansehen jemand genoß, hing ab von Faktoren wie: - Ist er ein guter Kumpel? - Leiht er mir seinen Wagen? - Bleibt er mein Freund, auch wenn meine Freundin seinen Wagen vollkotzt? Als ich nach Washington kam, stellte ich jedoch fest, daß es sogar unter jungen Leuten überhaupt keine Rolle spielte, ob jemand ein guter Kumpel war. Was hier zählte, war einzig und allein, in welcher Höhe am Washingtoner Totempfahl der Rangordnung man angesiedelt war. Ganz oben an diesem Totempfahl rangiert der Präsident, ganz unten, noch unter der Erde, die Öffentlichkeit. Dazwischen bilden Regierungsbeamte, Journalisten, Lobbyisten, Anwälte und andere Machtmenschen eine extrem komplexe Hierarchie mit Tausenden von auf das feinste abgestuften Rangunterschieden mit extrem subtilen Nuancen und Unterscheidungen, die nur der Washingtoner als solcher wahrnimmt und versteht. Ein Washingtoner weiß zum Beispiel, ob ein "Erster Stellvertretender Untersekretär" höher oder tiefer rangiert als ein "Beigeordneter Hauptstellvertreter des Sekretärsassistenten" oder etwa ein "Erster Stellvertreter des Stellvertretenden Sekretärsassistenten" oder womöglich ein "Stellvertreter des Stellvertretenden Sekretärs" oder auch ein "Erster Assistent des Stellvertretenden Untersekretärs" oder ein "Assistierender Personalleiter des Sekretärsassistenten". (Alles real existierende Stellen der Bundesbehörden.) Jedermann in Washington scheint jederzeit ganz genau zu wissen, welchen Status jemand besitzt. Ich habe keine Ahnung, wie sie das machen. Vielleicht treffen sie sich in regelmäßigen Abständen an einem geheimen Ort und beschnuppern sich gegenseitig am Hinterteil. Ich weiß nur: Als ich 1967 während meines Praktikums auf Parties ging, waren sie ganz anders als die College-Parties, die ich gewohnt war. Für mich waren Parties die Regel, bei denen es ganz normal war, zu vorgerückter Stunde seinen Bourbon aus einem Schuh zu trinken; es mußte noch nicht mal der eigene Schuh sein. Die Parties in Washington hingegen waren durchweg seriös. Zu Anfang waren alle total damit beschäftigt, ganz genau rauszukriegen, an welcher Stelle des Totempfahls alle anderen rangierten, und den restlichen Abend verbrachte man damit, sich bei jemandem einzuschleimen, der einen höheren Status hatte als man selbst. Ich habe es gehaßt. Vor allem weil sich nie jemand bei mir einschleimen wollte, denn Praktikanten rangieren natürlich fast so weit unten wie die Öffentlichkeit.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783821809335
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:170 Seiten
Verlag:Eichborn
Erscheinungsdatum:31.01.2003

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