Dave Eggers Bis an die Grenze

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Inhaltsangabe zu „Bis an die Grenze“ von Dave Eggers

Eine Mutter auf der Flucht – ein Roadtrip ans Ende der Zivilisation »Bis an die Grenze« ist ein berührender, warmherziger Roman, in dessen Zentrum Josie steht, eine alleinerziehende Mutter, die mitsamt ihren beiden Kindern aus den Zwängen ihres Vorstadtlebens flieht und sich in der Wildnis Alaskas neu zu finden sucht. Dave Eggers Porträt einer Frau, die hin- und hergerissen ist zwischen dem Wunsch nach Konformität und nach Freiheit, ist hochkomisch, wahrhaftig und ungemein aktuell. Josie, eine Zahnärztin, die ihre Praxis hat schließen müssen, bekommt Panik, als ihr Exmann darum bittet, die gemeinsamen Kinder seiner neuen Verlobten vorstellen zu dürfen. Sie packt die Kinder und flieht mit ihnen an den entlegensten Ort, der für sie ohne Pass erreichbar ist: Alaska. Die Reise in dem angemieteten, abgetakelten Wohnmobil durch die Wildnis rüttelt die Familie durcheinander. Der achtjährige Paul übernimmt die fürsorgliche Vaterrolle in der Familie, während die fünfjährige Ana Chaos und Zerstörung magisch anzieht. Was sich zunächst wie ein Abenteuerurlaub am Ende der Welt anfühlt, wird schnell zur verzweifelten Flucht, nicht zuletzt vor einem Lauffeuer, das in der Region ausgebrochen ist. Doch nicht nur das Feuer scheint Josie auf den Fersen zu sein, sie kämpft auch gegen die imaginären sowie realen Geister ihrer Vergangenheit und muss dafür bis an ihre Grenze gehen.

Die Geschichte lässt mich ratlos zurück. Was war das?

— Bücherfüllhorn-Blog

Ein Abenteuer mit einer mich vollkommen überzeugenden Hauptfigur, so voller Fehler und doch liebenswert. Folgt ihr bis an die Grenze.

— hannelore259

Grandios! <3 Hinreissend "echte" Protagonistin mit Ecken&Kanten - trotzdem lässt sich aus ihrer Weltanschauung viel lernen. Highlight 2017!

— Lyke

Ein ruhiger Roman, bei dem man, wenn man ihn auf sich wirken lässt, viel über das Leben erfährt.

— wandablue

Eine aufregende und aktuelle Reise bis an alle Grenzen

— Paularisierend

Das abrupte Ende hat mich ein wenig irritiert, aber Josie auf der Suche nach sich selbst hat mir gefallen.

— pandora84

Bizarr

— Marie1971

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— LinaLiestHalt

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— Diana182

ein von mir erwarteter spannender Roadtrip endet im Nichts irgendwo in Alaska.

— locke61

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  • Die Geschichte lässt mich ratlos zurück. Was war das?

    Bis an die Grenze

    Bücherfüllhorn-Blog

    20. October 2017 um 19:17

    Wirklich packen konnte mich die Geschichte leider nicht. Sie hatte eine melancholische Grundstimmung, die sich durch das ganze Buch zog. Mit dazu trug der Charakter und die Gedanken der Hauptprotagonistin Josie bei, die ausgelaugt ist, einen Burn-Out und zudem depressive Stimmungen hat. Nicht zu vergessen, ihre tägliche Ration Alkohol in Form von Wein. Ihre Gedanken sind sehr verschlungen, ihr Gehirn steht niemals still, sie kann aus wirklich allem was sie hört, sieht und denkt ein Thema über ein paar Seiten erdenken und hat somit einfach Längen erzeugt, die mich weniger interessierten und die ich gerade am Schluss einfach nur noch überflogen habe, weil sie nicht wichtig waren. Josie lebt wie in einem nebulösen Traum, einem unguten Druck-Traum. Sie geht passiv durch die Welt, vieles passiert ihr einfach, sie wehrt sich nicht, ist wie gelähmt. Ich hielt des Öfteren die Luft an und hoffte, dass alles gut wird. Eine Mutter, die alles richtig machen will, dennoch läuft alles anders als geplant, es läuft aus dem Ruder. Eine Mutter, die gesellschaftlich im Abseits steht, deren Leben bergab ging. Also die Geschichte ist alles andere als lustig oder hochkomisch, wie es irgendwo zu lesen stand. Einen Roadmovie würde ich es auch nicht nennen, aber da habe ich wohl meine eigene Definition. Ich glaube, ich habe im ganzen Buch einmal geschmunzelt, kein einziges Mal laut gelacht. Manche Begebenheiten fand ich ironisch, andere skurril und dadurch subtil witzig.   Mit der Hauptprotagonistin Josie schwankte ich zwischen Sympathie und irgendwas anderen. Sie konnte mich nicht ganz für sich einnehmen, leider. Die beiden Kinder hingegen sind sowas von süß und unschuldig und machen alles mit, was ihre Mutter ihnen „vorsetzt“, das ist so vertrauensvoll, dass man fast heulen könnte. Sie sind mir ans Herz gewachsen, wie eigen sie auch sein mochten.   Der Schreibstil und Erzählton sind wunderbar, wunderschön zu lesen. Ausführlich, detailverliebt. Ich weiß nicht, ob man die Geschichte vom Erzählstil lostrennen kann, aber ich empfinde es hier so, dass die Geschichte mich nicht mitnehmen konnte, mir der Erzählton und Schreibstil aber sehr gut gefallen haben.   Im Endeffekt habe ich auch nicht kapiert, wohin die Geschichte gehen sollte. Eine Flucht aus dem Alltag, eine Flucht vor sich selbst? Eine Auszeit? Alleinerziehende Mütter? Folgen einer Trennung? Einige Pressestimmen auf der Amazon-Seite sind für mich fragwürdig, nicht nachvollziehbar. So wird wohl jeder etwas anderes in der Geschichte finden oder sehen.   Sicherlich trägt Hauptprotagonistin Josie einen Packen Schuldgefühle mit sich rum, aber die lösen sich nicht Alaska in Luft auf. Zudem lässt die das Wohnmobil verlottern, und betritt Eigentum, das ihr nicht gehört. Für mich war das unverständlich und ich konnte es nicht nachvollziehen. Und am Ende ist nach einem Telefonat alles gut? Wie alles gut wurde irgendwie während dieser Reise? Sicherlich gibt es einige gut Ansätze, die ich gerade als Mutter gut verstehen kann, aber manche Begebenheiten waren haarsträubend und unglaubwürdig.   Alles in allem: Der wunderschöne Schreibstil und Erzählton können leider nicht über die Längen hinweghelfen. Die Geschichte ist skurril und melancholisch. Sie lässt mich ratlos zurück. Was war das?

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  • Bis an die Grenze mit Josie

    Bis an die Grenze

    Lyke

    Mit „Bis an die Grenze“ habe ich nun schon meinen zweiten Roman von Dave Eggers beendet und bin wieder einmal restlos begeistert. Sein neues Buch ist so ganz anders als „The Circle“ und auf eine gewisse Art und Weise doch auch wieder nicht – und das ist das faszinierende an diesem Autor. In jedem Buch erkennt man seine Stimme, in jedem Buch erzählt er eine Geschichte, die aufrütteln soll; die unserer Gesellschaft den Spiegel vorhält und sagt: „Schaut was passiert, wenn ihr nicht aufpasst!“ In diesem Fall geht es um Josie. Josie, die ihre Zahnarztpraxis in Ohio verloren hat. Josie, die ihren Mann oder besser gesagt den Erzeuger ihrer Kinder verloren hat. Josie, die in der Hektik des Alltags den Zugang zu ihren Kindern verloren hat und Josie, die in gewisser Weise sich selbst verloren hat. Ja, das ist ziemlich viel Josie. Dave Eggers mutet den Lesern hier einiges zu - man taucht in Josies hektische Gedankenwelt ein, erlebt mit ihr Höhen und Tiefen und begleitet sie und ihre beiden Kinder Ana und Paul auf einer irrwitzigen (Achterbahn-)Fahrt (der Gefühle) durch die wilde und unberechenbare Natur Alaskas. Josie ist keine einfache Person und für viele sicherlich keine Sympathieträgerin und doch fand ich sie einfach nur hinreissend! Auf der einen Seite ist sie verunsichert, ausgelaugt, gelangweilt, überfordert, macht Fehler, hat Angst, kämpft mit Schuldgefühlen, ist aufgekratzt und dann wieder zu Tode betrübt... und auf der anderen Seite aber auch so liebenswert, fürsorglich, witzig, spontan und ungemein philosophisch. Ist das nicht zutiefst menschlich?! Geht es uns nicht allen manchmal so, dass wir einfach abhauen, alles hinter uns lassen wollen? Was hindert uns daran? Der langweilige Job? Die vermeintlichen Sicherheiten, die wir uns aufgebaut haben? Die Verpflichtungen, die wir im engen Korsett der Gesellschaft uns selbst und anderen gegenüber haben? Dave Eggers stellt diese Fragen mit seinem wunderbaren Schreibstil, der Dinge gnadenlos ehrlich auf den Punkt bringt und dabei seinen trockenen Humor nicht zu kurz kommen lässt. Er verklärt die Flucht in die Natur nicht, sondern verdeutlicht vielmehr ihre Unberechenbarkeit und Wildheit durch das Feuer, das in Alaska wütet. Auch in Josie wüten Feuer, wütende Dämonen und Erinnerungen aus der Vergangenheit, die sie bis an die Grenze treiben. Und doch wird mit jeder Seite, die wir sie begleiten, deutlich, dass die Erfahrungen in und mit der Natur sie herausfordern, verändern und ungeahnte Kräfte in ihr freisetzen. Sobald sie in der Natur ist, löst sich etwas in Josie, sie beginnt zu philosophieren und lässt ihren Gedanken freien Lauf – und das ist großartig! Ganz nebenbei deckt sie dadurch so manchen Unsinn unserer modernen Lebenswelt auf und führt dem Leser vor Augen, worauf es eigentlich ankommen sollte: „Bei der Erziehung von Kindern ging es nicht darum, sie zu perfektionieren oder sie auf beruflichen Erfolg vorzubereiten. Was für ein hohles Ziel! [...] Das normale verbrecherische Streben der gesamten modernen Menschheit sah so aus: ‚Gib meinem Kind einen Ikea-Schreibtisch und lass es zwölf Stunden am Tag dran sitzen und irgendwas tippen. Das ist gleichbedeutend mit Erfolg für mich, mein Kind, unsere Familie, unser ganzes Geschlecht.‘ Sie würde das nicht erstreben. Sie würde ihren Kindern das nicht zumuten. [...] Es ging nur darum, sie [die Kinder] in einem Moment in der Sonne mit Liebe zu umgeben.“ (s. 243) Wie Eggers so viel Zwischenmenschliches, so viel Widersprüchliches und so viel Gesellschaftskritisches mit nur einer verrückt liebenswerten Protagonistin erschaffen kann, finde ich sagenhaft. Für mich war diese Reise mit Josie mein persönliches Lesehighlight 2017 und ich kann sie jedem empfehlen, der mutig genug ist, mit ihr gemeinsam die Welt zu hinterfragen.

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    • 11
  • Selbstzweifel, Alkohol und beeindruckende Kinder

    Bis an die Grenze

    emma_vandertheque

    24. August 2017 um 22:21

    Josie schnappt sich ihr Erspartes und ihre beiden Kinder und haut ab. Sie will weg, ganz weit weg! Weg von ihrem Ex, der sich seit Jahren scheinbar wieder daran erinnert, dass er Kinder hat, weg von ihrer Vergangenheit, ihren Schuldgefühlen, weg von den Rechtanwälten, die sie um ihre Zahnarztpraxis bringen werden. Sie will raus aus den alten Zwängen, sich neu erfinden, und geht auf die Suche nach sich selbst. Mit 3000 Dollar Bargeld in der Tasche und einem gemieteten, klapprigen Wohnmobil reist sie mit ihren beiden Kindern nach Alaska, denn für eine Auslandsreise bräuchte sie die Zustimmung ihres Exmanns, aber gerade von ihm fühlt sie sich verfolgt. Von ihm, ihrer Vergangenheit, von allen, denen sie einmal Unrecht getan hat. „Bis an die Grenze“ beschreibt die Flucht einer Frau, die mit ihrem Leben nicht mehr klar kommt, sich gerne ganz neu erfinden würde und doch weiß, dass sie vor ihrer Vergangenheit und ihrer Verantwortung, auch ihrer Kinder gegenüber, nicht wegrennen kann. Der „Urlaub“ wird zu einer Reise zu sich selbst, teilweise so egozentrisch, dass es sie blind macht für die realen Gefahren, die auf sie und ihre Kinder warten. Ein Buch, das mich ziemlich ratlos zurück lässt, auch wenn ich es gerne gelesen habe .Dave Eggers kann wunderbar mit Worten Bilder erschaffen und ich werde sicher noch mehr von ihm lesen!

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  • Ein Roadtripp durch Alaska

    Bis an die Grenze

    Buchraettin

    24. August 2017 um 00:36

    Ein junge Frau, Zahnärztin, 2 Kinder. Sie ist zusammen mit ihrem beiden Kindern und einem Wohnmobil in Alaska unterwegs. Ohne Wissen des Ehemannes. Der hat eine andere Frau kennengelernt. Josie, so heißt die Frau. Sie nimmt den Leser mit auf diesen Roadtripp quer durch Alaska und lässt den Leser teilhaben an den Erlebnissen ebenso wie an den Erinnerungen an ihr vergangenes Leben.Es ist wie eine Art Flucht aus dem Leben. Das wird schon auf den ersten Seiten des Buches und den Äußerungen von Josie deutlich. Sie erzählt nicht aus der Ich – Perspektive, aber dennoch konnte ich beim Lesen hautnah bei ihr sein. Das Gefühl, dass sie ausgebrannt wirkt, vom Job, den Schulden, Kindererziehung, der Ehe, das bekommt der Leser zu spüren. Alles hinter sich lassen, das will sie und das bekommt der Autor auch durch den Stil der Geschichte sehr gut zum Leser transportiert.Mir kam das Lesen manchmal ein wenig atemlos vor. Bandwurmartige Sätze, in denen ihre Anspannung deutlich wird, als sie sich an ihr früheres Leben erinnert. Ich spürte beim Lesen ihre Emotionen, das hat mir sehr gut gefallen. Es ist ein sehr bildhafter Stil, der bei mir auch das Kopfkino aktiviert.Auch ihre Kinder sind wichtige Figuren in diesem Buch. Auch hier werden die Figuren lebendig beim Lesen durch die vielfältige und tiefe Beschreibung der Szenen. Die beiden werden aber auch sehr gut charakterisiert. Ana, die schwierige Tochter. Paul, der Sohn, der schon zu sehr  erwachsen und vernünftig wirkt für ein Kind. Ich habe das Gefühl über lebendige Personen zu lesen. Das ist ein Detail, das mich fasziniert bei Romanen und das ich total gern mag.Ich denke aber, der Stil schon sehr anschaulich und manchmal auch sehr in die Tiefe. Es gibt viele kleine Szenen, Rückblenden und Erinnerungen die vielleicht manchmal ein wenig lang sind, die dennoch fesseln. Aber ich glaube, diesen Stil muss man mögen.Für mich ist auch ein Reiz des Buches, das es in Alaska spielt. Ich finde, es ist ein faszinierendes Land mit einer großartigen Landschaft und Natur. Das inspiriert mich immer, mir noch ein Sachbuch oder einen Reiseführer dazu zu holen.Mir waren einige Szenen in Bezug auf die Erinnerungen etwas zu viel oder zu lang erzählt, da hätte ich das gern ein wenig straffer erzählt bekommen. Es ist eine Geschichte zu Eintauchen in diesen Roadtripp und das Leben von Josie, an der der Leser teilhaben kann durch die intensive und detailreiche Schilderung. Mir gefällt der Stil des Autors sehr gut und werde bestimmt wieder zu einem Buch von ihm greifen.Erwähnen muss ich noch, ich liebe diese kleinen Buchdetails, wie bei diesem Buch ist auch ein Lesebändchen enthalten.Es ist eine Art Suche zu sich selbst. Mir manchmal etwas zu detailliert und ein wenig zu lang, gerade in den Erinnerungsszenen, aber dennoch fesselnd zu lesen und mit lebendigen Figuren.

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  • Lebenskrise in der Wildnis

    Bis an die Grenze

    derMichi

    24. July 2017 um 18:14

    Der Fluch großer Literatur ist es allzu oft, dass der Durchschnittsleser keinen Zugang zu ihr findet und sich die Botschaft scheinbar nur Eingeweihten offenbart. Eine Tatsache die Eggers in "Der Circle" elegant umgangen hat, nur um dann mit dem Nachfolgeroman "Eure Väter, wo sind sie? Und die Propheten, leben sie ewig?" wieder in künstlerisches Experimentieren zurückzufallen - viel Botschaft, wenig Sinn fürs Publikum. "Bis an die Grenze" wartet zumindest am Anfang, ohne sich unnötig anzubiedern, mit allerhand lebensechten Situationen auf, die einen abenteuerlichen Selbstfindungstrip versprechen.Der englische Originaltitel "Heroes of the Frontier" verdeutlicht, dass Josie sich einmal mehr dem amerikanischen Traum stellen will. Nach der gescheiterten Pseudoidylle mit einem Versagertyp als Ehemann und Patienten, die sich gegen ihre durchaus erfolgreiche Praxis wenden, soll es nun also die letzte Wildnis der Vereinigten Staaten sein, in der sie und ihre Kinder das Leben neu kennenlernen. Wobei schnell klar wird, dass Josie ihre überstürzte Flucht nicht weit geplant hat. Immer wieder sind es die Kinder, die nicht nur mehr Selbstständigkeit erlernen, sondern auch für ihre Mutter da sein müssen, wenn es der nicht gelingt für die Bedürfnisse der beiden zu sorgen. Damit erweisen sich Paul und Ana als die heimlichen Stars der Handlung, die eben jene Entwicklungen durchmachen, die man Josie auch gewünscht hätte.Für sie kann man durchaus Verständnis entwickeln, Sympathie leider nur wenig. So einzigartig ihr Charakter zweifellos gestaltet wurde, so distanziert erscheint sie oft. Scheinbar ohne Rücksicht auf Verluste stürzt sie sich in Situationen, die sie und ihre kleine Familie teilweise in erhebliche Gefahr bringen, stellt emotionale Zustände in den Vordergrund und das, obwohl nicht alles davon unbedingt nötig gewesen wäre. Vielleicht ist das der größte Twist des Buches, nämlich dass alles eigentlich gar nicht so schlimm ist, wie es anfangs klingt. Wenn der Autor nicht gerade in komplexen Sätzen vom Seelenleben seiner Hauptprotagonistin erzählt, dann nimmt der Roman allerdings stellenweise ordentlich Fahrt auf und ist genauso sehr Abenteuer wie Drama. Eggers versucht sich hier an einem Befreiungsschlag gegen gesellschaftliche Konventionen und Erwartungshaltungen, den man der Figur rückblickend meistens auch gönnt. Je mehr nach und nach von Josies Schicksal enthüllt wird, desto klarer wird das Bild. Eine sachliche Dekonstruktion diverser Gefühlszustände, weit weniger aufgeregt als es bis zur Hälfte den Anschein hat. Auch wenn das Ende nicht für jeden vollends befriedigend sein mag, ist es doch schön zu sehen, wie Josie, Paul und Ana (wieder) zusammenwachsen und sich ein ums andere Mal gegen die Widrigkeiten der Welt behaupten. Originaltitel: "Heroes of the Frontier"Seitenzahl: 496Format: 13,1 x 20,8 cmVerlag: Kiepenheuer & Witsch

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  • Roman über das Leben mit hinreißender Protagonistin!

    Bis an die Grenze

    wandablue

    20. June 2017 um 21:39

    Roman über das Leben mit hinreißender Protagonistin!Dave Eggers ist ein großartiger Schriftsteller. Das vorweg. Vielseitig. Ich lese jetzt den dritten Roman von ihm und keiner ist wie der andere. Und alle super. Unvorhersehbare Autoren finde ich genial. Hat man Eggers bezüglich seines Romans „The Circle“ eine automatisierte Protagonistin vorgeworfen (Mae), hat Josie jetzt jede Menge Individualität!"Bis an die Grenze" ist ein Roadmovie. Das habe ich vorher nicht gewusst. Roadmovies mag ich nämlich nicht besonders. Ich dachte, ich kriege Alaska. Landschaft. Leute. Krieg ich auch, aber nicht in erster Linie. In erster Linie kriege ich Josie. Und mit Josie haben die meisten LeserInnen so ihre Schwierigkeiten, wie ich an den Rezensionen sehe. Wenn man sich auf Josie nicht einlassen kann, kann man „Bis an die Grenze“ nicht mögen. Vordergründig ist Josie etabliert. Sie ist vierzig und eine mehr oder weniger gute Zahnärztin mit eigener Praxis. Sie hat sich also etwas aufgebaut. Sie bekommt ihre beiden Kinder, also Beruf und Familie zwar unter den Hut, irgendwie, aber von perfekt organisiert kann keine Rede sein. Das merkt man schon daran, wie sie den Ausführungen eines befreundeten Kollegen über seine Bilanzen, das Hin- und Herrechnen auf die Zukunft hin, befremdet lauscht: Josie weiß nur so ungefähr, was auf dem Konto ist, überschätzt in aller Regelmässigkeit ihre Einnahmen, während sie die Ausgaben unterschätzt. Doch bis zu einem bestimmten Punkt läuft es einigermassen.In der Wahl eines Lebensgefährten hat Josie kein gutes Händchen bewiesen, Carl ist anspruchsvoll, lebt auf ihre Kosten und hat einige echt unangenehme Eigenschaften. Das weiß Josie genau und macht sich über ihn keine Illusionen, lacht innerlich über ihn. Dennoch schafft sie es nicht, Forderungen an das Zusammenleben zu stellen, geschweige denn, sie durchzusetzen oder ihm einen Tritt zu geben, „Fott mit dir!“. Nein, das kann sie nicht. Schon, wenn alles normal läuft, ist Josie mit ihrem Leben überfordert, so nimmt sie gerne ein Schlückchen, um die Praxis, die Patienten und die undankbaren Mitarbeiter zu ertragen. Und Carl. Was wird erst sein, wenn etwas aus dem Ruder läuft?Sicher läuft etwas aus dem Ruder. Das tut es immer. Josie kriegt die diversen Krisen, die alle auf einmal auf sie zuzurennen scheinen, nicht unter die Füße, und so erscheint ihr die Aussicht, alles hinzuschmeißen und wegzulaufen, verlockend. Gedacht, getan. Denn Josie ist impulsiv. Sie schnappt ihre Kinder und ein Wohnmobil und schon ist sie auf und davon. So beginnt ein Roadtrip durch Alaska. Obwohl sich der ganze Roman um die Protagonistin Josie handelt, die jedoch keineswegs sympathisch ist oder rational handeln würde oder sich in der üblichen Form um ihre Kinder kümmert, kommen Land und Leute nicht zu kurz. Die Leserschaft befindet sich richtig in Alaska. Straßen, Bäume, Wildnis, Einsamkeit, Waldbrände. Elche. Kauzige Typen. Dave Eggers beschreibt die Natur wunderbar, dabei beiläufig. Josie hat trotz ihres sozialen Berufs nicht viel Menschenkennntnis. Und Josie ist ziemlich unvorbereitet aufgebrochen und Josie hat Angst. Und die Angst betäubt sie weiter mit Alkohol. Wenn Josie nicht aufpasst (oder nicht genug trinkt), dringen Fetzen der Erinnerung in ihr Bewusstsein. Und Josie passt nicht immer auf. So erfährt der Leser, was so alles schief gelaufen ist in ihrem Leben. Unterwegs passieren die merkwürdigsten Dinge. Und Josie benimmt sich auch immer merkwürdiger und, liebe LeserInnen, Josie weiß das. Aber sie kann nichts dagegen tun, eine gewisse Lethargie hat sich über sie gelegt. Irgendwie aber kommt sie immer wieder aus der Bredouillie, einmal habe ich echt Angst um sie, weil ich denke, sie hat jemanden umgebracht. Und das hätte leicht sein können, Josie schrammt mit ihren Kindern immer haarscharf an einer Katastrophe vorbei. Als Josie endlich die letzte Kontrolle verloren hat, das letzte bisschen Sicherheit und Berechenbarkeit weggebrochen ist, erkennt sie eine wichtige Lektion: „Mut ist einfach eine Form von Weitergehen.“ Und so lebt Josie den Augenblick und verliert die Angst davor, dass sie das Unvorhergesehene, das das Leben in jedem Augenblick mit sich bringen kann, vielleicht nicht gebacken bekommt und vertraut auf ihr Improvisationstalent, das die LeserInnen während der Reise bereits hinlänglich kennen gelernt haben, Josie bisher aber nicht als ihre eigentliche Stärke erkannt hat. Warum behaupte ich, Josie sei hinreißend, da die meisten LeserInnen sie nicht einmal ausstehen können? Weil der Autor sie mit so vielen Facetten ausgestattet hat. Sie ist so echt. Solche Menschen gibt es. Verunsicherte. Die erst lernen müssen, auf sich und das Leben zu vertrauen. Sämtliche Protagonisten leben. Und wie. Alle sind glaubhaft dargestellt. Auch der altkluge Paul. Solche Kinder gibt es ebenfalls. Die mit acht den Haushalt schmeißen und ein Partnerersatz sind. (Keiner hat gesagt, dass das „gut“ ist). Der englische Titel des Romans „Heroes of the Frontier“ ist mit „Bis an die Grenze“ sehr gut übertragen und doppelbödig. Einmal ist Alaska die Grenze von Josies Welt, das Ende der Vereinigten Staaten und andererseits geht auch Josie mit ihren Kindern bis an die Grenze. Bisweilen unerträglich für die Leserschaft. Fazit: Fantastische Personenzeichnungen inmitten von Alaskas Weite, was will man mehr? Kategorie: Anspruchsvolle LiteraturVerlag: Kiepenheuer & Witsch, 2017

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    • 7
  • Eher bemühte Geschichte

    Bis an die Grenze

    sursulapitschi

    29. May 2017 um 10:11

    Mir hat Der Circle wirklich gut gefallen, deshalb musste ich ein neues Buch von Dave Eggers unbedingt lesen, auch wenn es jetzt schon einige kritische Stimmen dazu gibt. Dave Eggers hat einen tollen Erzählstil. Er schafft Atmosphäre, vermittelt plastisch Situationen und kommentiert sehr humorvoll. Das tut er auch hier.Allerdings ist dieses Buch ganz und gar nicht Der Circle. Es gehört deutlich in ein anderes Genre.Hier geht es um Josie, eine Frau Anfang 40, die Zahnärztin ist, zwei Kinder hat und ihr Leben überdenkt, als der Vater ihrer Kinder eine andere Frau heiraten will. Sie bricht alle Brücken ab, mietet ein klappriges Wohnmobil und fährt mit ihren Kindern nach Alaska. Diese Reise ist abenteuerlich, birgt viele Gefahren, lässt Josie aber auch ihr bisheriges Leben überdenken. In vielen Rückblenden erfährt man, was so alles schief gelaufen ist.Soweit ist die Idee sehr hübsch. Der Anfang des Buches hat mir wirklich gefallen. Nur werden die Rückblenden mit der Zeit immer ausschweifender, was vielleicht Josie hilft, ihre Lage zu überdenken, den Leser aber zunehmend langweilt. In der Gegenwart lässt sie sich treiben, was auch nicht weiter verwerflich wäre, würde Josie nicht gelegentlich einfach ihr Hirn ausschalten. Sie ist 40 und hat zwei kleine Kinder dabei, ist aber wohl die halbe Zeit betrunken und folgt jedem Impuls. Sie bricht ohne Hemmungen in leerstehende Hütten ein, vernascht schon mal einen geheimnisvollen Fremden und kommt in jeder nur denkbaren Form vom Wege ab. Ihren Kindern kommt sie dabei näher, das ist schön. Man kann sich nur an dieser Stelle nicht mehr so recht für Josie freuen, weil man zu sehr mit fremdschämen beschäftigt ist. Dafür, dass wir uns so ausführlich mit Josies Lebenskrise beschäftigt haben, bleibt das Ende dann erstaunlich offen. Ja, sie hat etwas gelernt, aber ihre Situation ist die gleiche. Da hätte man dann schon gerne noch etwas mehr erfahren. „Bis an die Grenze“ ist ein Buch, das viele interessante Gedanken zum Sinn des Lebens liefert, die aber in eine recht bemühte Geschichte um eine Protagonistin mit zweifelhafter Glaubwürdigkeit gepackt wurden. Es hat mich nicht allzu sehr gelangweilt, aber auch nicht allzu sehr erfreut.

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    • 4
  • Abenteuerliche Flucht durch Alaska

    Bis an die Grenze

    Isador

    07. May 2017 um 12:41

    Die Protagonistin Josie wurde von Carl, ihrem Partner und Vater ihrer beiden Kinder Paul und Ana verlassen, da er eine andere Frau kennengelernt hat. Josie musste vor kurzem aufgrund der Klage einer Patientin ihre Zahnarztpraxis verkaufen. Gleichzeitig wird sie für den Tod eines jungen Patienten verantwortlich gemacht. Als Carl nun die Kinder mitnehmen möchte, um sie der Familie seiner neuen Partnerin vorzustellen, wird Josie alles zuviel und sie ergreift die Flucht nach Alaska, dem am weitesten entfernten Ort, den sie ohne Pass erreichen können.  In Alaska angekommen, mietet sie ein altes Wohnmobil und fährt einfach querfeldein. Das einzige Ziel, das sie sich setzt, ist der Besuch bei ihrer Schwester Sam. Doch auch dort merkt sie, dass sie nicht bleiben möchte und kann, und reist weiter. Während der Reise erfährt der Leser Josies Lebensgeschichte, die viele weniger schöne Episoden hatte. Währenddessen wird die Flucht immer chaotischer und Josie bringt sich und ihre Kinder in viele unschöne und gefährliche Situationen. Mich hat diese Geschichte sehr gefesselt. Die Landschaften und die handelnden Personen sind so gut beschrieben, dass man sich als Leser regelrecht in die Geschichte hineinversetzt fühlt. Ich habe mit Josie mitgelitten und konnte mich sehr gut in sie hineinfühlen, wie sie aufgrund ihrer Kurzschlusshandlungen immer tiefer in einen Abwärtsstrudel gerät, und habe mitgefiebert und mitgelitten. Meiner Meinung nach hat die Reise die ganze Familie ein gutes Stück weitergebracht und ich habe das Gefühl, dass es nach dem offenen Ende der Geschichte für die drei aufwärts gehen wird. Ich vergebe diesem Buch 4 Sterne, da es den Leser nachdenklich werden und mitfühlen lässt und ihn genauso wie Josie manchmal an die Grenze bringt.

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  • Eine Geschichte, dich mich nicht erreichen konnte

    Bis an die Grenze

    monerl

    03. May 2017 um 08:35

    Ich weiß nicht genau, was ich erwartet hatte, als ich diese Geschichte unbedingt lesen wollte. In meiner Vorstellung jedenfalls sollte sich ein (Flucht)Abenteuer entfalten, an dem ich passiv teilnehmen würde und das mich hochkomisch, wie angepriesen, unterhalten und berühren würde. Doch an diesem Roman ist absolut NICHTS hochkomisch, nicht einmal ein bisschen komisch!  Im Focus steht Josie, alleinerziehende Mutter, arbeitslose Frau ohne familiären Halt und ohne Selbstvertrauen. In ihr manifestiert sich eine riesige Angst, dass Carl, ihr Ex-Lebensgefährte und Vater ihrer Kinder, der nach so vielen Jahren Abstinenz im Leben der Kinder, jetzt, durch seine neue Beziehung und dem Wunsch zu heiraten, wieder in das Leben der Kinder treten will und ihr damit die Kinder wegnehmen könnte. Paul und Ana sollen Zeit mit ihm und bei ihm verbringen und seine Verlobte kennenlernen. Das will Josie auf keinen Fall und flieht Hals über Kopf! Da sie keine Arbeit mehr hat, ist es leicht alle Zelte abzubrechen und mir nichts dir nichts, so weit wie möglich mit den Kindern zu fliehen und unterzutauchen.  Josie ist keine Sympathieträgerin. Grundsätzlich muss sie das auch nicht sein, damit eine Story als gut und glaubwürdig angesehen werden kann. Doch ohne einen sympathischen Protagonisten muss die Geschichte und der Schreibstil umso besser sein, damit ich als Leser "am Ball bleiben" möchte. Und genau hier trennten sich mein Wunsch / meine Erwartung an das Buch und die Ausführung des Autors.  Dave Eggers konnte mir Josies Handeln kaum näher bringen. Ich konnte weder nachvollziehen, warum sie mit Carl eine Beziehung eingegangen war noch warum sie sich mit ihm Kinder gewünscht hat. Auch wenn wir nur Josies Sicht der Dinge erfahren, zeigt mir diese nicht deutlich, warum sich in Josie diese immense Angst vor Carl und dem Verlust ihrer Kinder an ihn gebildet hat.  Paul und Ana sind keine durchschnittlichen Kinder. Aber auch diese rührten kaum an meinem Herz und meinen Gefühlen für sie. Letztendlich schwappte ein kleiner, kaum erwähnenswerter Funke für Paul auf mich über. Er ist ein Kind, das eher eine echte Stütze für seine Mutter sein muss, denn ohne die Hilfe von Paul, auch im Umgang mit Ana, wäre Josies Alltag und Familienleben noch zerrütteter als sowieso schon.  Josies Vergangenheit und Kindheit war für mich der einzig interessante Punkt der Geschichte. Hier hätte ich mir einen intensieveren und ausführlicheren Handlungsstrang gewünscht. Josies Kampf mit den "imaginären und realen Geistern ihrer Vergangenheit" waren mir im Einzelnen zu verdreht (für alle, die das Buch gelesen haben, Stichwort: Musical). Der Roadtrip nach und durch Alaska, Josies Flucht vor ihrem Leben, ihren Ängsten und Sorgen und auch ein stückweit vor sich selbst, auf der sie nicht nur sich an ihre Grenzen bringt, sondern auch die Kinder, konnte mich leider nicht erreichen. Josie überschreitet vielfach eine rote Linie als Mutter und wird ihrer Verantwortung Paul und Ana gegenüber nicht gerecht.  Dabei konnte ich mir meine Frage, was genau Dave Eggers mit diesem Buch ausdrücken wollte, nicht beantworten. Falls es eine Kritik an der Gesellschaft gegenüber alleinerziehenden Müttern ist, die viel zu oft von Partnern, Vätern, Schulen, Nachbarn, Mitmenschen, Behörden und dem Staat alleingelassen und angeprangert werden und die sich für ihre Kinder und ein einigermaßen gutes Leben zerreißen müssen, dann konnte ich dies dem Inhalt des Buches nicht entnehmen.  Aufgezeigt bekommen habe ich eine schwache Frau, die nie für sich einstand, nie ihre Wünsche entsprechend artikuliert und sich zu keiner Zeit entsprechende Hilfe geholt hat. Eine Frau, die kopflos die Flucht ergreift, keine Zukunft vor Augen hat und sich und die Kinder in Lebensgefahr bringt.  Zuletzt konnte mich leider auch der Schreibstil des Autors nicht für sich einnehmen. Hin und wieder wurde zwar subtile Spannung aufgebaut, ich erwartete ein imposantes Geschehen, das aber nicht eintraf und alles verpuffte. Am Ende blieb eine ganz große Enttäuschung. Fazit: Ein Klappentext, der mich absolut überzeugte und große Neugier weckte, die das Buch im Endeffekt leider nicht erfüllen konnte.____________________________________________________________________https://monerls-bunte-welt.blogspot.de/2017/05/buchvorstellung-bis-die-grenze.html

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    • 6
  • Eine Mutter auf der Flucht vor sich selbst

    Bis an die Grenze

    Paularisierend

    02. May 2017 um 22:28

    Die Idee des Buches hat mir sehr gut gefallen: Eine Außreißerin, die ihre Kinder einpackt und nach Alaska auf einen Selbstfindungstrip flieht. Doch so einfach ist es wohl nicht. Josie ist eine komplizierte Protagonistin, die immer wieder fragwürdige Entscheidungen trifft und die man eigentlich nicht so richtig versteht.Auch ihre Kinder sind ähnlich verkorkst. Der Älteste Sohn Paul muss mit seinen acht Jahren schon viel Verantwortung übernehmen und übernimmt größtenteils auch die Erziehung seiner kleinen Schwester Ana mit. Ana ist dabei eine Gefahr für sich und die Menschheit und ist doch eher Verahltensauffällig.Josies Vergangenheit wird Stück für Stück beleuchtet und gibt ein klein wenig Aufschluss über die Beweggründe zu dieser Flucht.In der Kindheit von den Eltern vernachlässigt und der Vater ihrer Kinder ist eher Belastung als Stütze. Auch beruflich ist sie gescheitert und hat ihre Zahnarztpraxis bei einem Rechtsstreit verloren.Da Josie selbst sehr instabil ist, trifft sie durchweg fragwürdige Entscheidungen und kann nirgends richtig Wurzeln schlagen und schleppt ihre Kinder mit auf diese Reise quer durchs Land.Die Geschichte regt einen viel zun Nachdenken an, da Josie wirklich immer wieder an die Grenzen des Erträglichen geht und man sich fragt ob das Ganze denn zu etwas führen kann.Der Schreibstil passt finde ich sehr gut dazu, die Geschichte lässt sich leicht lesen.Ich bin ein wenig zwiegespalten was meine Meinung angeht, während des lesens war ich nicht so begeistert, da Josie nunmal sehr anstrengend war und ich ihr Verhalten nicht nachvollziehen konnte. Trotzdem hat mich die Geschichte berührt und zum Grübeln gebracht über die Rolle einer Mutter.

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  • Roadtrip zur Selbstfindung

    Bis an die Grenze

    Buecherwurm1973

    29. April 2017 um 23:33

    Josie (40) lebt vom Vater Carl ihrer Kinder Paul (8) und Ana (5) getrennt. Sie musste ihre Zahnarztpraxis schliessen, weil sie von einer Patientin verklagt worden ist. Nachdem Carl sie bittet, die Kinder seiner neuen Lebenspartnerin vorstellen zu dürfen, ist sie vollends überfordert und flüchtet nach Alaska. Mit einem verlotterten Wohnwagen cruist sie durch Alaska. Zuerst ändert sich nichts. Sie trinkt viel zu viel Wein und lebt in den Tag hinein. Begegnungen mit anderen Menschen enden immer im Fiasko, auf die Josie mit überhasteter Flucht reagiert. Jedoch gegen Ende kann man sagen, dass sie eine Entwicklung durchgemacht hat. Der Leser begleitet Josie mit ihren Kindern. In manchen Situationen möchte man sie schütteln und sie zu Vernunft zu bringen. Anderseits möchte man sie in den Arm nehmen. Ich mochte die Gedankenmonologe von Josie sehr. Sie geben ein Einblick in ihren Lebenslauf und ihre Lebenssituation. Da beweist sie, dass sie durchaus eine humorvolle Person ist, die einen Sinn für Ironie hat. Dadurch reflektiert sie sich endlich selbst. Einige Fehler werden ihr bewusst und sie weiss auch, wie es eigentlich richtig laufen müsste. Das Buch endet mit einem glücklichen Moment und man denkt, dass sich die Probleme von Josie   im Nichts auflösen. Ich mag solche Enden nicht. Gottseidank ändert sich dies mit dem letzten Satz, der alles wieder infrage stellt. Denn auch im wirklichen Leben wird nicht mit einem glücklichen Moment alles wieder gut. Mich beschäftigt das Buch auch lange nach Beendigung immer noch. Das heisst, dass Dave Eggers etwas in mir bewegt hat. „Bis an die Grenze“ wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben.

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  • Zwischen den Extremen

    Bis an die Grenze

    Larischen

    29. April 2017 um 12:16

    Josie steht mehr oder weniger vor den Trümmern ihres bisherigen Lebens. Ihre Ehe ist in die Brüche gegangen, ihre Zahnarztpraxis musste sie aufgeben und um ihre Kinder konnte sie sich -zumindest nach Ansicht der anderen Mütter - auch nicht ausreichend kümmern. Aus dem stereotypen Idealleben einer amerikanischen Familie ist für Josie ein Alptraum geworden.Als ihr Exmann Carl, der sich sonst recht wenig für seine Kinder interessiert, plötzlich mit seiner neuen Freundin auf neue Familie machen möchte, verliert Josie endgültig die Nerven. Sie schnappt sich ihre beiden Kinder Ana und Paul und verschwindet mit dem letzten Bargeld nach Alaska. Für Josie beginnt eine aufregende Reise durch Alaska, wo gerade schwere Waldbrände wüten. Und mittendrin ist Josie, die mit ihren beiden Kindern in einen alten Wohnwagen vor der Realität flieht.Dave Eggers Roman "Bis an die Grenze" hat tatsächlich auch mich an meine Grenzen gebracht, allerdings eher an die Grenzen meiner Geduld mit Josie. Diese ist nämlich alles andere als eine Sympathieträgerin und ich habe mich über ihr verantwortungsloses Verhalten tierisch aufgeregt. Gleichzeitig hatte ich aber großes Mitleid mit ihr. Beim Lesen bin ich zwischen diesen beiden Extremen permanent hin und her geschwankt. Ins Herz geschlossen habe ich dafür Josies Kinder - den viel zu erwachsenen Paul und den Wildfang Ana. Beide sind unglaublich tolle Kinder, was bei ihren Eltern wirklich erstaunlich ist.Der Roman war mein erster von Dave Eggers und hat mich etwas unentschlossen zurückgelassen. Ich kann nicht sagen, dass ich mich gelangweilt habe oder der Schreibstil holprig war, aber wirklich begeistert hat mich das Buch dennoch nicht. Ich möchte den Humor sehr und habe mich besonders über die kleine Ana köstlich amüsiert. Ich hatte mich aber gefreut, wenn man noch etwas mehr über Josies Vergangenheit erfahren hätte. Dave Eggers portraitiert mit diesem Buch allerdings auch die Gesellschaft sehr gut. Josie und ihr komplettes Verhalten sind ein Produkt der (amerikanischen) Gesellschaft. So schafft Eggers es, dass man auch über sich selbst nachdenkt, denn ganz so weit von den eigenen Erfahrungen ist Josie vielleicht gar nicht. Das heißt natürlich nicht, dass jeder auch gleich wie Josie reagiert, ihre Geschichte regt allerdings dazu an, diese gesellschaftlichen Anforderungen zu überdenken.Was ich sonst in Rezensionen selten anspreche, aber hier einfach tun muss: Das Cover des Buches ist großartig! Das silbernen Cover macht ordentlich was her und sieht sehr hochwertig aus. Sowas schönes hatte ich wirklich schon lange nicht mehr in der Hand - ein echtes Schmuckstück im Bücherregal!Dave Eggers Roman "Bis an die Grenze" ist kein Buch, das man einfach wegbliest. Trotz der schwierigen Protagonistin schafft Eggers es aber, dass der Leser sich mit den im Buch aufgeworfenen Problemen und Schwierigkeiten identifiziert und sich über seine eigenen eingespielten Handlungsweisen und Reaktionen Gedanken gemacht. "Bis an die Grenze" ist kein einfaches Buch, doch es lohnt sich, sich damit auseinander zu setzen.

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  • Bizarr

    Bis an die Grenze

    Marie1971

    27. April 2017 um 20:53

    Josie hat ihre Beziehung beendet, ihre gutgehende Praxis verloren und hadert mit Gott und der Welt. Als der Vater ihrer Kinder dann auch noch heiratet, hält sie nichts mehr und sie macht sich mit ihren zwei Kindern auf den Weg nach Alaska zu ihrer Halbschwester. Manchmal liest man Bücher und findet keinen Zugang. Vielleicht liegt es daran, dass das Buch von einem Autor geschrieben wurde, die Hauptprotagonistin eine Frau ist und er eigentlich keine Gelegenheit auslässt, sie als schlechte Frau und schlechte Mutter darzustellen (so habe ich es leider empfunden...). Vielleicht liegt es daran, dass die Protagonisten mir einfach nicht sympathisch sind. Ich weiss es nicht. Jedoch möchte ich mit aller Ehrlichkeit dann auch sagen, dass ich leider rückblickend dieses Buch nicht positif bewerten kann. Glücklicherweise sind auch Bücher Geschmackssache und ich bin sicher, dass andere Leser weniger streng urteilen werden.

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  • Josies Flucht vor dem Leben

    Bis an die Grenze

    bookgirl

    26. April 2017 um 15:52

    Inhalt Als die Probleme der Zahnärztin Josie Überhand nehmen, flieht sie mit ihren Kindern nach Alaska. Dort angekommen mietet sie zunächst einen alten klapprigen Wohnwagen und trinkt gerne mal einen über den Durst, wenn sie am Waldrand parkt und die Kinder schlafen. Doch nicht nur der Wohnwagen droht auf den nächsten Metern zusammenzubrechen, auch in Josies Leben ist so einiges in die Brüche gegangen. Ihre Ehe ist am Ende und ihr Ex möchte den Kindern seine neue Verlobte vorstellen, ihre Praxis muss sie schließen, da sie von einer Patientin verklagt wird und auch der Druck, den die Gesellschaft alleinerziehenden Eltern aufbürdet setzen Josie immens zu. Wird sie es schaffen in Alaska ihr Glück zu finden? Meine Meinung "Bis an die Grenze" hat so vielversprechend geklungen, dass ich mich auf den Roadtrip nach Alaska gefreut habe. Doch schnell wird klar, dass Josies Erinnerungen mehr Raum einnehmen, als das auf der Reise erlebte. Der über die Jahre angestaute seelische Ballast fährt mit und wird ganz gerne mal mit einem Glas Pinot versucht zu verarbeiten. Hat man als Leser die Hoffnung, dass es mit dem voranschreiten der Reise besser wird, muss man jedoch schnell feststellen, dass auch in Alaska nicht jeder offen und freundlich auf Josie und ihre Kinder reagiert. Die Missgeschicke der Reise häufen sich und Josie bringt Ana und Paul nicht nur einmal in eine gefährliche Situation. Bei Josie kommt man manchmal nicht umhin zu denken, dass das Glück scheinbar wirklich mit den Doofen ist, denn sie übersteht Waldbrände und Gewitter, tut wirklich unüberlegte Dinge und ist am Ende auf wundersame Weise dennoch geläutert. Auf eindringliche Weise beschreibt Eggers die innere Zerrissenheit seiner Hauptfigur. Das hat oft etwas bedrückendes, verwirrtes, manchmal aber auch witziges. Ich hätte Josie gerne manchmal geschüttelt, weil sie für mein Empfinden zu oft die Flucht ergriffen hat, sobald es Probleme gab. Sie ist damit nicht nur ein schlechtes Vorbild für ihre Kinder, sondern auch selber sehr kindlich in ihrem Verhalten. Doch es gab auch anrührenden Stellen im Buch, die mir ganz besonders gut gefallen haben. Dies waren jene, bei denen die kleine Familie unvermutet Erfahrungen macht, mit denen nicht zu rechnen war. So geschehen, als die drei von außen einer Hochzeit zusehen und ein älterer Herr plötzlich statt sie zu verscheuchen an sie herantritt, um sie einzuladen. Für mich ist dies mit die stärkste Szene, in einer bisweilen verworrenen und dröge erzählten Geschichte. Josie kommt am Ende zu dem Schluss: Es ist nötig, dass "man sehr häufig fortgehen muss". Und: "In Bewegung liegt Sinn." Ob das so stimmt, bezweifel ich ehrlich gesagt. Bewegung an sich ist sicher nicht verkehrt, aber eins muss man bei einer Flucht immer bedenken: man nimmt sich überall hin mit und kann vor sich selber nur schwerlich fliehen. Und auch wenn sich das von Josie festgestellte zunächst wie ein glücklicher Moment anfühlt, macht Eggers dieses wieder mit seinem letzten Kapitel zunichte. Es besteht nur aus einem Satz, der jedoch alles wieder infrage stellt und das Ende für mich zu offen lässt. Ich hätte kein Happy End gebraucht, weil dieses zu unglaubwürdig gewesen wäre, aber so ganz mit leeren Händen dazustehen, gefällt mir auch nicht. Fazit "Bis an die Grenze" hat so vielversprechend geklungen und ich hätte mich über einen Roadtrip, der seine Protagonistin wachsen lässt und den Leser mit auf eine spannende Reise mitnimmt gefreut. Leider ist jedoch nicht nur Josie, sondern auch der Autor bei seiner Erzählung vom Weg abgekommen.

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  • Ich bin zwiegespalten ...

    Bis an die Grenze

    LinaLiestHalt

    25. April 2017 um 18:30

    Eine Mutter flieht: Josie schnappt sich in einer Kurzschlussreaktion ihre beiden Kinder und nimmt sie mit in die entfernteste Ecke des Landes, die man ohne Reisepass noch erreiche kann - Alaska! In einem gemieteten Wohnmobil reist die kleine Familie durchs Land und begegnet auf ihrem Weg vielen sonderbaren und besonderen Menschen... die Fahrt, welche als Flucht vor dem alltäglichen Leben, das aus den Fugen geraten ist, beginnt, wird auch bald zur Flucht vor einem Lauffeuer, welches in der Region ausgebrochen ist.Auf den neuen Roman von Dave Eggers war ich sehr gespannt. Eine junge, gescheiterte und überforderte Zahnärztin, die bei der Nachricht, dass der Vater ihrer Kinder eine andere heiraten will, durchdreht. Die Wildnis Alaskas scheint genau der richtige Hintergrund für eine Flucht und ein Weg zu sich selbst zurück zu sein.Vom Ansatz her fand ich die Überfoderung Josies als Mutter und im Job sehr gut dargestellt, auch wenn viele ihrer Probleme nicht so schwerwiegend zu sein scheinen,als  dass sie einen einigermaßen stabilen Charakter aus der Bahn geworfen hätten. Aber Josie ist labil, ihr Sohn ift schon zu reif und bestrebt, der Mutter Verantwortung abzunehmen. Oftmals will man sie als Leser einfach nur schütteln, weil sie zu konfus ist, um die Dinge ruhig und überlegt anzugehen.Die meiste Zeit fand ich den Roman auch sehr zäh zu lesen. Die vielen Begegnungen erschöpfen und auch die Rückblicke sind nicht sehr fesselnd, die meisten Figuren auch nicht sehr sympathisch.Subjektiv betrachtet konnte mich der Roman nur minder von sich überzeugen, allerdings ist die Kulisse klasse und das Thema ein Wichtiges. Das Ende stimmte mich dann doch noch versönlich und so bereue ich es nicht, dieses Eggers gelesen zu haben.

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