David Abbott Die späte Ernte des Henry Cage

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Inhaltsangabe zu „Die späte Ernte des Henry Cage“ von David Abbott

Es ist, als habe sich ein Fluch über das Leben von Henry Cage gelegt. Hatte er sich den Ruhestand nach langem, erfolgreichem Berufsleben als Manager einer florierenden Werbeagentur nicht redlich verdient? Doch Cage fühlt sich wie am Ende einer langen Liebe und realisiert, dass auch seine Lieben verheerend endeten. Getrennt von seiner Frau Nessa führt er ein zurückgezogenes Leben im Londoner Familienhaus, spielt abends Jazz und sammelt Romane des frühen 20. Jahrhunderts in Erstausgaben. Komfortabel? Nein. Ein kalter, einsamer Albtraum, der im Licht der nachfolgenden Ereignisse wie ein Idyll erscheint. David Abbott über ›Die späte Ernte des Henry Cage‹: 'Henry Cage ist ein Mann, der etwas aus dem Takt der Zeit gekommen ist, und er erlebt eine elende Reihe von unglücklichen Vorkommnissen – aber ist das schlicht Pech? Oder erntet er, was er gesät hat?'

Es ist so schad um diese wunderbare Geschichte und den angenehmen Schreibstil... meines Erachtens wär hier mehr zu holen gewesen!

— Marjuvin
Marjuvin

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    Die späte Ernte des Henry Cage
    Marjuvin

    Marjuvin

    28. February 2016 um 11:12

    Inhaltsangabe bei Lovelybooks: Es ist, als habe sich ein Fluch über das Leben von Henry Cage gelegt. Hatte er sich den Ruhestand nach langem, erfolgreichem Berufsleben als Manager einer florierenden Werbeagentur nicht redlich verdient? Doch Cage fühlt sich wie am Ende einer langen Liebe und realisiert, dass auch seine Lieben verheerend endeten. Getrennt von seiner Frau Nessa führt er ein zurückgezogenes Leben im Londoner Familienhaus, spielt abends Jazz und sammelt Romane des frühen 20. Jahrhunderts in Erstausgaben. Komfortabel? Nein. Ein kalter, einsamer Albtraum, der im Licht der nachfolgenden Ereignisse wie ein Idyll erscheint. David Abbott über ›Die späte Ernte des Henry Cage‹: 'Henry Cage ist ein Mann, der etwas aus dem Takt der Zeit gekommen ist, und er erlebt eine elende Reihe von unglücklichen Vorkommnissen – aber ist das schlicht Pech? Oder erntet er, was er gesät hat?' Rezension (Vorsicht Spoiler):Autoren und Autorinnen dürfen mich quälen, mich erschrocken oder zutiefst betroffen zurücklassen,... aber nur, wenn es der Geschichte dient. Dieses grauenhafte Ereignis zu Beginn hat mich völlig fertig gemacht (wahrscheinlich auch, weil ich selbst einen kleinen Sohn habe und mir vorgestellt habe, wie es wäre...). Nun... ich dachte zu Beginn des Buches, dass dieses Ereignis der Geschichte den Rahmen geben würde. Also als Schlüsselerlebnis zu Beginn und dass es am Ende erneut aufgegriffen werden würde. Ab Mitte des Buches hatte ich jedoch bereits den Verdacht, dass Herr Abbott es nicht schaffen würde bis zum Ende des Buches alle Stränge wieder sinnvoll zusammen zuführen und den Rahmen zu schließen. Ich mochte den Schreibstil und auch die zum Teil sehr einfühlsame Geschichte, gepaart mit dem Schrecken, den der obsessive junge Mann verbreitete. Meines Erachtens hat jedoch der Handlungsstrang der attraktiven Maude nicht zur Handlung beigetragen und wäre verzichtbar. Genauso wie der grauenhafte Tod von Hal, zumal es einen mit dem Gefühl zurücklässt, dass "die späte Ernte" von Mr. Cage dahingehend nicht schlüssig ist. Es macht mich traurig, diesem Buch nun doch so wenig Sterne zuzuerkennen - weniger wäre mehr gewesen!

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  • Sehr berührend

    Die späte Ernte des Henry Cage
    bookie2010

    bookie2010

    01. October 2013 um 21:55

    Die letzten Sätze des Romans lassen einen hoffen, dass das Leben von Protagonist Henry doch noch eine gute Wendung nimmt. Ich habe das Buch bereits zugeklappt, als ich mich unvermittelt an den erschütternden Prolog des Buches erinnere.
    Ein grandioses, berührendes Buch, unbedingt weiter zu empfehlen.

  • Rezension zu "Die späte Ernte des Henry Cage" von David Abbott

    Die späte Ernte des Henry Cage
    TA_Wegberg

    TA_Wegberg

    20. September 2012 um 14:01

    Ein furioser, überaus fesselnder Auftakt: Der Großvater Henry erscheint zur Beerdigung seines achtjährigen Enkels, an dessen Unfalltod er mitschuldig ist. Wie kann ein Mensch mit einer solchen Erfahrung weiterleben? Wie wird das sein Verhältnis zum Sohn und zur Schwiegertochter beeinflussen? Können sie ihm verzeihen? Oder bleibt ein Riss, der zur nachhaltigen Entfremdung führt? Schade, dass Abbott keine einzige dieser Fragen beantwortet, sondern stattdessen ganz unvermittelt vier Jahre zurückgeht. Nun gut, denkt der Leser etwas irritiert, aber angesichts der spannenden Einleitung geduldig, dann werden wohl jetzt die Ereignisse aufgerollt, die zu dem tragischen Unfall geführt haben. Erneut Fehlanzeige. Wir erfahren eine Menge über Henry Cage, den vorzeitig in den Ruhestand genötigten Werbeexperten, und seine Schilderung ist auch verhältnismäßig differenziert. Außerdem werden unzählige Nebenfiguren und -handlungen eingeführt, von denen die meisten sang- und klanglos wieder verschwinden. Lediglich der Bösewicht Colin erhält viel Raum zur Entfaltung seiner schurkischen Persönlichkeit, die allerdings trotzdem sehr eindimensional bleibt. Alles Übrige wird nur mal kurz angespielt, als scrolle Abbott durch eine iPod-Playlist: eine unvollendete Affäre mit einer viel jüngeren Frau, die berufliche Karriere der krebskranken Exfrau Nessa, die rätselhafte Beziehung zwischen Nessa und Jack, die Machenschaften des Werbefritzen Ed Needy, das Leben und Treiben von Colins Freundin Eileen, die Gedankenwelten der Putzfrau Peggy Abraham. Nichts kommt zu einem befriedigenden Abschluss, das meiste bricht schon ab, bevor der Refrain zu hören ist. Am Ende kommt es zum Showdown zwischen Colin und Henry. Der junge Halunke kommt ums Leben, Henry wird des Mordes angeklagt, dann aber freigesprochen und entschließt sich nach ein paar Wochen, zu seinem Sohn zu ziehen. Und was ist nun mit dem Enkel? Wie konnte es zu diesem Unfall kommen? Wie geht Henry mit dieser neuerlichen Last um? Wird er daran zerbrechen, nachdem er schon so viel durchgemacht hat? Fragen über Fragen – schließlich hat man Henry nach 240 Seiten ein wenig ins Herz geschlossen, auch wenn er ein relativ dröger und berechenbarer älterer Herr ist. Aber keine der Erwartungen, die das fantastische erste Kapitel dieses Romans geweckt hat, wird erfüllt. Nicht mal der Titel findet seine Entsprechung, denn auch auf eine Ernte wartet man vergebens. Was für eine Verschwendung!

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  • Rezension zu "Die späte Ernte des Henry Cage" von David Abbott

    Die späte Ernte des Henry Cage
    Bücherfee1979

    Bücherfee1979

    23. January 2012 um 11:01

    Herzzerreissende Geschichte. Im Bereich Belletristik das beste was ich in den letzte 5 Jahren lesen durfte.

  • Rezension zu "Die späte Ernte des Henry Cage" von David Abbott

    Die späte Ernte des Henry Cage
    Malima

    Malima

    Henry Cage ist ein sehr erfolgreicher Manager in einer sehr gut laufenden Werbeagentur. Von seinen jungen MItinhabern wird er in den Vorruhestand "gezwungen" und anstatt diesen geniessen zu können, zur Ruhe kommen zu können, gerät sein Leben aus den Fugen. Es ist, als hätte sich Alles und Alle gegen ihn verschworen und die Suchenach Sicherheit wird ein schmerzhaftes und für uns Leser ergreifendes Erlebnis. Ein Buch über einen Mann, der erst begreift, was er besitzt, als er es verloren hat. Super Buch für Männer im mittleren Alter!

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    • 2
  • Rezension zu "Die späte Ernte des Henry Cage" von David Abbott

    Die späte Ernte des Henry Cage
    mehrsonntag

    mehrsonntag

    08. October 2011 um 13:37

    Eine große Liebe und ein großer Mann. Viele große Worte; ein großartiges Buch! Henry Cage kommt langsam in das Alter, in dem man leicht tüddelig und vergesslich wird. Das Alter, in dem man aus seiner eigenen Firma gedrängt wird um Jüngeren Platz zu machen, ein Alter, in dem man die Entscheidungen nicht mehr durchsetzen kann und den eigenen Philosophien aufgrund der neuen, schnelllebigen Zeit keine Akzeptanz mehr entgegengebracht wird. In einer umwerfend ehrlichen und durchweg herzlichen, um sich greifenden Sprache schreibt David Abbott über das Leben, die Liebe und das Älterwerden. Über den Moment, in dem man feststellt, nicht mehr für alles gebraucht und schon lange nicht mehr nach der eigenen Meinung gefragt zu werden. "Henrys Erfahrung nach machte Wut nur selten schön. Sie machte vielleicht die Wangen rosig und verlieh den Augen Glanz, doch wurden diese Vorzüge meist durch ein Vorrecken des Kinns und ein hässliches Verzerren des Mundes zunichtegemacht. In diesem Fall jedoch hatte die Wut nichts dergleichen getan. Die junge Frau sah blendend aus." Nessa und Henry haben sich getrennt, weil Nessa einen Liebhaber hatte, der ihr andere Dinge bot, etwas anderes als die bodenhaftende Beständigkeit, das Vertrauen, das ihre Ehe geprägt und ausgemacht hat. Sie lieben sich noch immer. Auf dem Heimweg von einer Silvesterparty zur Jahrtausendwende wird Henry von einem alkoholisierten Gewalttäter drangsaliert und verletzt. Dieser wird ihm in den kommenden Monaten des öfteren mit seltsamen und teilweise ungeheuerlichen Taten das Leben erschweren. Nessa liegt im Sterben, sie hat ihren Kampf gegen ihre Krankheit gekämpft, jetzt jedoch verlassen sie die Kräfte. Lange Jahre hatten sie und Henry nur wenig Kontakt, nun bittet sie ihren noch immer geliebten Mann, zu ihr zu kommen. "Weißt du, als wir noch zusammen waren, habe ich mir häufig gewünscht, er wäre anders. Jetzt wünsche ich mir nur, dass er hier wäre" Ergreifend und bewegend. Stimmungsvoll und berührend. Mehr kann ich nicht sagen.

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  • Melancholisch, gefühlvoll - ein tolles Debüt

    Die späte Ernte des Henry Cage
    Stefan83

    Stefan83

    06. October 2011 um 13:33

    Ein braunes, verwelktes Blatt vor schwarzem Hintergrund. Blasse Lettern im Stile einer Grabsteinbeschriftung. Die äußere Aufmachung von David Abbotts Debütroman „Die späte Ernte des Henry Cage“ in der dtv-Ausgabe wirkt zwar stimmig und passt letztlich auch zum Inhalt, verfehlt aber ihren Auftrag als Eye-Catcher vollkommen. Mehr als ein potenzieller Leser wird wohl an diesem unscheinbaren Buch vorbeigegangen sein und dadurch ein außergewöhnliches und vor allem bewegendes Erstlingswerk verpasst haben, mit dem sich der bereits 1938 geborene Abbott gleich auf Anhieb in die erste Liga der britischen Autoren geschrieben hat. Ob ihm ein ähnlicher Erfolg wie in Großbritannien auch hier in Deutschland beschienen sein wird, darf ebenfalls bezweifelt werden. Und das ist mehr als schade, denn „Die späte Ernte des Henry Cage“, das mir als Leseexemplar in die Hände gefallen ist, gehört zu der Kategorie von selten gewordenen Büchern, welche nicht nur zu unterhalten wissen, sondern gleichzeitig auch emotional berühren und nachhaltig in Erinnerung bleiben. Das ist in diesem Fall umso erstaunlicher, da es sich um eine Geschichte aus dem Leben handelt. Ohne größere künstlerische Kniffe, ohne literarische Spielereien – aber mit viel Gefühl. Im Mittelpunkt der Handlung steht der titelgebende Henry Cage, ein erfolgreicher und geachteter Geschäftsmann aus der Werbebranche, der jahrelang seine ganze Energie in den Aufbau seines Wirtschaftsunternehmens gesteckt hat, bis er nun, mit 58 Jahren, als Ruheständler wieder draußen steht. Sein Weggang war dabei nicht ganz freiwillig, vielmehr hatten seine Partner ihn mit einer hohen Abfindung versehen und abgeschoben. Henry und seine Art Geschäfte zu machen, sei nicht mehr zeitgemäß, seine antiquierten Ansichten Bremsblock für den Fortschritt der Firma. Ein Mann der jahrelang den Takt vorgegeben hat, findet sich nun als Auslaufmodell wieder. Henry hat einige Probleme, dies zu akzeptieren. Außerdem wird ihm klar, dass er all die Jahre, in denen er beruflich die Weichen gestellt hat, privat absolut vergeudet hat. Den Betrug seiner Frau Nessa konnte er ihr nie verzeihen. Zu seinem Sohn Tom, dem er alles andere als ein guter Vater war. und dessen Frau Jane, hat er seit Jahren keinen Kontakt. In dieser Phase der Niedergeschlagenheit beginnt Henry darüber nachzudenken, ob es im Leben nicht so etwas wie eine zweite Chance gibt. Bald erhält die Antwort: Nessa lädt ihn zu sich nach Miami ein und auch Tom meldet sich bei seinem Vater. Sollte es wirklich möglich sein, dass Henry den Weg zurück ins Leben findet? Was dieser kurze Ausschnitt aus der Inhaltsbeschreibung bewusst verschweigt, ist der schwere Schicksalsschlag, den Henry Cage direkt zu Anfang erleidet. Und das dieser kühl beschriebene Anfang, der trotz der eher nüchternen Sprache nichts, aber auch gar nichts von seinem Schrecken verliert, gleichzeitig das Ende markiert, ist ein stilistischer Kniff, den man gar nicht genug loben kann. Es ist ein Beginn, welcher den Leser buchstäblich ins kalte Wasser wirft, um ihn dann wieder langsam ins Trockene zu ziehen und rückblickend von den Ereignissen zu erzählen, welche sich im Vorfeld des schrecklichen Dramas ereignet haben. Abbott schafft es hier neugierig auf eine Geschichte zu machen, dessen Ausgang man bereits kennt. Spannung dort zu erzeugen, wo unsere Vorkenntnis uns eigentlich Langeweile diktieren müsste. Henry Cage ist ein auf sich bezogener Mensch. Nicht wirklich böswillig oder bösartig, aber doch so stetig um sich selbst kreisend, so wenig in der Lage, empathisch über seinen Schatten zu springen und dabei doch kaum wirklich durchsetzungsfähig, dass es für den Leser schwierig ist, mit ihm eine innere Beziehung zu knüpfen. Zwar steckt Cage voller Emotionen, doch seine Unfähigkeit, Gefühle zu zeigen schreckt ab. Gleichzeitig aber macht sie auch neugierig, denn es ist dieser Makel, der ihn für uns verständlich und glaubhaft, ja, so durchweg menschlich macht. Das Falsche zur falschen Zeit zu tun – es ist nachvollziehbar, da es wohl jedem schon einmal so gegangen ist. So lässt sich auch darüber diskutieren, ob das, was ihm widerfährt, die gerechte Strafe für seine Verfehlungen oder einfach Schicksal ist. Entscheidungen zu treffen, bedeutet in jedem Fall Dinge ins Rollen zu bringen, Ereignisse auszulösen. Und nicht selten bedingt ein Ereignis wiederum das andere. David Abbott entwirrt nur langsam die Lebensfäden von Henry Cage, der immer wieder von seiner Vergangenheit eingeholt wird und mit voller Wucht die vertanen Chancen und verpassten Gelegenheiten spüren muss. Es ist eine Lektion über das Leben, das einem zwar hin und wieder einen neuen Versuch gewährt, es aber uns selbst überlässt, ob und wie wir diesen nutzen. Dabei verkommt „Die späte Ernte des Henry Cage“ aber nicht zu einer simplen Abrechnung mit einem gedankenlosen Egozentriker. Vielmehr ist es ein Entwicklungsroman eines alternden Mannes, der seine Fehler nicht zu sehen, sondern auch zu fühlen beginnt. Und der Leser fühlt mit ihm. Auch deshalb weil Abbotts Sprache trotz ihrer schlichten Eleganz mit einer Eindringlichkeit daherkommt, der man sich nicht entziehen kann und die dabei genügend Raum für persönliche Empfindungen lässt. Wie er all das, die herzzerreißende Geschichte und die wundervollen, lebendigen Figuren, zu einem großen Ganzen zusammenfügt, ist großes Kino. Da verzeiht man dem Autor auch gern die ein oder andere offensichtliche Wendung im Plot. Der Schluss könnte dann fast ein kitschiges, hoffnungsvolles Happy End sein, wenn, ja wenn man nicht wüsste, dass der Beginn des Buches chronologisch dem Finale folgt. Insgesamt ist „Die späte Ernte des Henry Cage“ ein melancholischer, intensiver Roman im Stile der klassischen Tragödie, der ohne Dramatik oder Gefühlsduselei die Geschichte eines fehlerbehafteten Menschen erzählt. Ein Buch, das sich jeder Moral enthält und dem Leser trotzdem einiges mit auf den Weg gibt. Für mich eine der Entdeckungen des Jahres 2011.

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  • Rezension zu "Die späte Ernte des Henry Cage" von David Abbott

    Die späte Ernte des Henry Cage
    murrhoff

    murrhoff

    Kann man professionelle Schreiber von Buchkritiken verklagen? Und den Kaufpreis des Buches zurückverlangen? Spiegel online lobte dieses Buch über alle Maßen und schilderte einen durchaus verheißungsvollen, dramatischen Plot. Ich kaufte das Buch und entdeckte: Dieser Plot beschränkt sich auf die ersten 15 Seiten, den Rest hatte der Kritiker allerhöchstens überflogen... Mein Tipp: Macht nicht meinen Fehler. Dieses Buch ist furchtbar. Der Abbott kann definitiv nicht schreiben, keine Charaktere erschaffen, keine nachvollziehbaren Handlungsmotive herleiten. Das beste Beispiel: Sein Held, jener Henry Cage aus dem Titel, erleidet im Alter viele harte Verluste und innere wie äußere Beschädigungen, die er teilweise sogar selbst hervorruft. Im Subtext möchte Abbott uns das als schicksalhaft verkaufen, als "späte Ernte" eines irgendwie falschen Lebens. Aber dieses Schicksal und dieses Leben gibt es gar nicht – der Cage war ein recht angenehmer, wenn auch zeitlebens etwas unemotionaler Typ. Aber definitiv keiner, der zwangsläufig auf dieses furchtbare Altersschicksal zusteuern musste. Es gibt also keinen psychologischen Grund für dessen Story – und damit keinen für das ganze Buch (entsprechend wirr und völlig an den Haaren herbeigezogen sind die unvermittelt auftauchenden Neben-Figuren und deren Aktivitäten). Doch – einen Grund für das Buch gibt es: Abbott hatte "Saturday" von Ian McEwan gelesen, und es hat ihm (zu Recht) gefallen. "Ach", dachte Abbott, der frühere Werber, "das kann ich auch". Seinen müden, uninspirierten Abklatsch (von dtv mit extrem viel Weißraum und Senioren-Typo-Größe aufgeblasen) kann man jetzt also kaufen – oder es sein lassen. Wie gesagt: Ich empfehle das Letztere.

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  • Rezension zu "Die späte Ernte des Henry Cage" von David Abbott

    Die späte Ernte des Henry Cage
    Merleperle

    Merleperle

    25. May 2011 um 02:13

    Eines der besten Bücher, die ich in letzter Zeit habe lesen dürfen!! Wenn es 10 Sterne gäbe, hätte ich die und mehr mit Freuden gegeben. Absolut herausragend in Sprache, Plot und Dramaturgie. Und wie schön, dass der Autor dem Leser nicht nur den literarischen und psychologischen Stoff gibt, sondern den Roman auch noch mit einer Portion Crime und Drama spickt. Es ist ein schreckliches Drama ohne Happyend und der Leser bleibt verzweifelt zurück, so verzweifelt, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt habe. Die Kunst des Autoren ist es, dass er uns einen Protagonisten vorstellt, mit dem wir zuerst Mitleid haben, ihn dann aber kennenlernen müssen und ihn schlicht nicht mögen können. Ein Hauptfigur, die uns zutiefst unsympathisch ist und die all die Schicksalschläge wohl verdient haben muß. Dann führt Abbott uns aber wieder so nah an ihn ran, dass wir uns Henry verbunden fühlen und mit ihm leiden und meinen, ihn zu verstehen und hoffen, dass alles für ihn gut ausgehen mag. Am Ende denkt man: Egal - ob er ein Scheißkerl ist oder war - das wünsche ich meinem schlimmsten Feind nicht! Aber wenn man das Buch zugeklappt hat, denkt man: Er wollte kein Arschloch mehr sein - der arme Scheißkerl!

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  • Rezension zu "Die späte Ernte des Henry Cage" von David Abbott

    Die späte Ernte des Henry Cage
    Ailis

    Ailis

    14. May 2011 um 12:08

    Henry Cage war ein erfolgreicher und geachteter Geschäftsmann. Seine ganze Energie hatte er jahrelang in den Aufbau seines Wirtschaftsunternehmens gesteckt, bis er nun, mit 58 Jahren, als Ruheständler wieder draußen steht. Sein Weggang war nicht freiwillig, vielmehr hatten seine Partner ihn mit einer hohen Abfindung versehen und abgeschoben. Henry und seine Art, Geschäfte zu machen, sei nicht mehr zeitgemäß und schade dem Unternehmen. An diesem Umstand, nicht mehr zeitgemäß zu sein, hat Henry lange zu knabbern. Denn schnell wird ihm bewusst, dass er die Jahre, in denen er beruflich noch als zeitgemäß galt, privat absolut vergeudet hat. Seine Frau Nessa hat ihn betrogen und er war nicht in der Lage, ihr zu verzeihen. Zu seinem Sohn Tom und dessen Frau Jane hat er keinen Kontakt und auch als Tom noch klein war, war Henry alles andere als ein guter Vater. Und in dieser Phase der Niedergeschlagenheit beginnt Henry darüber nachzudenken, ob es im Leben nicht so etwas wie eine zweite Chance gibt, denn Nessa lädt ihn zu sich nach Miami ein und auch Tom meldet sich bei seinem Vater. Sollte es wirklich möglich sein, dass Henry den Weg zurück ins Leben findet? "Die späte Ernte des Henry Cage" ist David Abbotts Debütroman. Abbott selbst gilt als einer der bedeutendsten Werbeexperten in Großbritannien, zu den Kunden seiner Werbeagentur zählten unter anderem Firmen wie Ikea und Volvo. Er weiß also, wovon er spricht, wenn er seinen Protagonisten Teil der großen Wirtschaft sein lässt. Die Geschichte Henry Cages ist eine Lektion über das Leben, das einem zweite Chancen gewährt, es aber uns selbst überlässt, ob und wie wir sie nutzen. Sie lehrt uns aber auch, dass nicht das ganze Leben zu einer Spazierfahrt wird, sobald wir diese Möglichkeiten, etwas wieder gut zu machen, ergreifen - es werden dennoch weitere Steine im Weg liegen, das hört nie auf. "Die späte Ernte des Henry Cage" ist zugleich ein Mut machender und ein tieftrauriger Roman, der jedoch nie Gefahr läuft, ins Kitschige abzudriften. David Abbott erzählt die Geschichte seines Helden mit ruhigen und mitfühlenden Worten, ohne je dramatisch oder gefühlsduselig zu werden. Dieses Buch ist wie eine sanfte Mahnung, immer bemüht zu sein, das Beste aus seinem Leben zu machen - für sich selbst, aber auch für all jene, die wir lieben.

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  • Rezension zu "Die späte Ernte des Henry Cage" von David Abbott

    Die späte Ernte des Henry Cage
    Zebrafink

    Zebrafink

    01. May 2011 um 21:04

    Gut geschrieben ist der Roman von David Abbott. Er zieht einen auch regelrecht in seinen Bann, aber am Ende bleiben zuviele Fragen offen. Henry Cage scheint am tiefsten Punkt seiner Existenz wirklich die Lehre seines Lebens gezogen zu haben und sein Leben positiv zu wandeln, aber warum musste sein Enkel sterben. Der Roman soll positiv anmuten, zerstört aber mit dem am Anfang des Romans beschriebenen Tod seines Enkel alles. Ich habe immer darauf gewartet, wie er dieses Schicksal auch noch meistert. Dies wird aber nie geklärt. Das Ende war für mich sehr unbefriedigend und enttäuschend. Wahrscheinlich wieder mal ein Roman, den ich nicht verstanden habe.

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  • Rezension zu "Die späte Ernte des Henry Cage" von David Abbott

    Die späte Ernte des Henry Cage
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    14. April 2011 um 16:01

    Der schonungslose Weg der Auflösung des Lebens Einen der Schlüsselsätze zum Verständnis des Buches hat Tom, der Sohn der Hauptfigur Henry Cage, irgendwann einmal in einem Buch markiert. Kurz vor der Mitte der Geschichte um Henry Cage kann man lesen: „Es ist, als habe Gott seine Hand geöffnet und dich für eine Weile darauf tanzen lassen, um sie dann ganz fest zu schließen – so fest, dass du noch nicht mal schreien konntest.“ Auch Henry. Still. Am Anfang der Geschichte. Zumindest den größten Teil des Buches über aber noch nicht, obwohl das innere Schreien sich ankündigt und vielfach beginnt, sich Bahn zu brechen. Nachdem Abbot einen klaren, kühl beschriebenen, Anfang gesetzt hat, der trotz der eher nüchternen Sprache nichts, aber auch gar nichts von seinem fundamentalen Schrecken verloren hat, eröffnet er auf den gut 360 Seiten des Buches die Geschichte Henry Cages, die im Vorfeld der letzten Jahre des Dramas zu Anfang des Buches sich ereignet hat. Eine Geschichte langsamer, aber spürbarer, im Raume stehender Auflösung des Lebens des Protagonisten. Ehedem erfolgreicher Unternehmensberater mit eigener Firma, Ehemann und Vater eines Sohnes. Von seinen Partnern einiges vor der Zeit mit höflichen Worten und harter Haltung in den Vorruhestand geschickt. Getrennt von Nessa, seiner Frau. Diese hatte eine kurzlebige, eher belanglose Affäre, doch Henry kann hier nicht über seinen Schatten springen. Getrennt lange innerlich auch von seinem Sohn Tom. Es hat nicht gut funktioniert zwischen den Beiden, was nicht an Tom lag. Henry ist einfach ein auf sich bezogener Mensch. Nicht böswillig oder bösartig, aber doch so stetig um sich kreisend, so wenig in der Lage, empathisch über seinen Schatten zu springen und dabei doch kaum wirklich durchsetzungsfähig, dass es einfach schwierig ist, mit ihm, der in Riten und Gewohnheiten lebenden Gummiwand, eine intensive, innere Beziehung zu knüpfen. Er selbst würde das alles eher als „Nervenstärke“ benennen. Als er aber erfährt, dass er seit vier Jahren bereits einen Enkel hat, als er sich seiner Frau wieder nähert (zu spät für dieses Leben), mit seinem Sohn und seiner Schwiegertochter ins Verhältnis tritt, da sind längst die Weichen dafür gestellt, dass Gott den Tanz beendet und die Faust sich beginnt, fest zu schließen. Eine wahrlich späte, furchtbare Ernte, die Abbot ruhig, klar und, vor allem, emotional höchst mitnehmend in seiner Geschichte ausbreitet. Und doch ist der Roman keine einfache Abrechnung mit einem gedankenlosen Egozentriker, sondern ein Entwicklungsroman eines alternden Mannes, der seine Fehler beginnt, nicht nur zu sehen, sondern auch zu spüren. Eine Chance für all die Seinen, bei aller Bitterkeit und allem Schmerz, sich ihm anders nähern zu können, wie auch er sich anders nähern kann. Mit Irrungen und Wendungen, mit nicht nur einem Toten auf dem Weg. Es ist ein harter Weg, den Henry Cage zu gehen hat und auf dem vielfache Entschuldigungen von ihm gefordert sein werden. Ob es auch eine Entschuldung für ihn gibt? Das bleibt zu guter letzt durchaus auch der Phantasie des Lesers überlassen, denn einfach so endet das Buch nicht, da wird einiges noch offen bleiben an Lebensweg. Ein genau beobachtetes, den Figuren intensiv nachgehendes Stück Literatur fast in Form einer klassischen Tragödie ist David Abbot mit seinem ersten Roman gelungen, dessen Lesen sich überaus lohnt.

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  • Rezension zu "Die späte Ernte des Henry Cage" von David Abbott

    Die späte Ernte des Henry Cage
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    25. March 2011 um 20:00

    Mit wunderbar eindringlicher Sprache und unheimlicher Vorstellungskraft erzählt David Abbott von einem Leben, das zum emotionalen Scheitern verurteilt ist. Henry Cage scheint alles verloren zu haben, was ihm einmal wichtig war. Seine Frau hat ihn betrogen und verlassen. Auch der Bruch mit seinem Sohn ist für Henry ein schwerer Schicksalsschlag. Nun verliert er auch noch seine Arbeit. Von einem Psychopathen wird er am Silvesterabend inmitten einer Menschenmenge wegen einer Bemerkung ins Gesicht geschlagen – und leider kreuzen sich die Wege der beiden Herren immer wieder. Henry wird in einen Strudel der Ereignisse gezogen. Und der ist alles andere als erfreulich für ihn. Doch Henry erhält eine zweite Chance, sein Leben zum Besseren zu wenden. Ob er sie nutzen wird? “Die späte Ernte des Henry Cage” ist ein herzzerreißendes Buch. Es ermahnt uns zu vergeben und aufzupassen, nicht das Wichtigste im Leben zu versäumen.

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