David Albahari

 3.6 Sterne bei 17 Bewertungen
Autor von Götz und Meyer, Mutterland und weiteren Büchern.
David Albahari

Lebenslauf von David Albahari

David Albahari ist ein 1949 geborener serbischer Autor und Uebersetzer. Er studierte in Belgrad englische Literatur und Sprache und uebersetzte viele bekannte englischsprachige Autoren in seine Muttersprache. Seine Kurzgeschichten und Romane wurden mehrfach ausgezeichnet und in mehrere Sprachen uebersetzt. Seit 1994 lebt Albahari mit seiner Frau in Kanada.

Alle Bücher von David Albahari

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Götz und Meyer

Götz und Meyer

 (4)
Erschienen am 23.05.2005
Die Ohrfeige

Die Ohrfeige

 (3)
Erschienen am 01.01.2010
Mutterland

Mutterland

 (4)
Erschienen am 18.05.2004
Ludwig

Ludwig

 (2)
Erschienen am 01.01.2011
Der Bruder

Der Bruder

 (2)
Erschienen am 01.03.2015
Fünf Wörter

Fünf Wörter

 (1)
Erschienen am 01.03.2005
Tagelanger Schneefall

Tagelanger Schneefall

 (1)
Erschienen am 15.09.1997
Das Tierreich

Das Tierreich

 (0)
Erschienen am 08.02.2017

Neue Rezensionen zu David Albahari

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Rezension zu "Götz und Meyer" von David Albahari

Rezension zu "Götz und Meyer" von David Albahari
Hallogenvor 8 Jahren

Bücher von David Albahari sind oft anstrengende Lektüre, weil es wie bei den anderen großen jüdischen Schriftstellern Serbiens (Aleksandar Tisma und Danilo Kis) um die Aufarbeitung und den Umgang mit der Erinnerung geht, weil versucht wird, so viel wie möglich festzuhalten, und niemand in der Lage ist, festzustellen, was nach dem Massenmord von Jasenovac und den hier beschriebenen Wahnsinnstaten der Deutschen bewahrenswert ist. Was die Lektüre aber ungemein erschwert, ist nicht so sehr die Trostlosigkeit, die viele dieser Werke (etwa "Das Buch Blam" oder "Garten, Asche") ausstrahlen, denn die ist mehr als verständlich, sondern die Art und Weise, in der es präsentiert wird:

Wie auch "Tagelanger Schneefall", der Exil-Roman Albaharis, ist dieses Buch komplett ohne Absätze geschrieben. Das verleitet sehr schnell dazu, alles zu überfliegen. Man kommt kaum zum innezuhalten und reflektiert somit auch nicht, was man da liest. Es fiel mir immer dann auf, wenn ich nach einer Pause weitergelesen habe, und erst eine Weile brauchte, um die Stelle wiederzufinden. Das ist schade, denn Albahari zeigt hier einen Lehrer, der als einer von wenigen aus seiner Familie den Holocaust überlebte, und nun - fast fünf Jahrzehnte später - seinen Schülern klarmachen will, was es heißt, wenn man in ein Konzentrationslager aufbricht, und welche grausam-zynische Tötungsmechanismen die Deutschen auch hier ausprobierten. Diese Gaswagen, die alle Menschen im Frachtraum des Fahrzeugs mittels der Autoabgase töten, fuhren - von dem KZ aus - durch die Straßen der Stadt, während sich die Fahrer langweilten und vermutlich an zahllosen ahnungslosen Passanten vorbeifuhren. Ihm geht es vor allem um die Täter, um deren Schutzmechanismen, mit denen sie sich bemühten, sich nicht die Hände dreckig zu machen, während Zentimeter hinter ihnen bis zu 100 Menschen auf einmal starben. Dieser Genozid, der im Fall von Belgrad zirka 5.000 Frauen, Kinder und Alte betraf, ist angesichts der gewaltigen Opferzahlen des Zweiten Weltkriegs vielleicht übersehen worden, doch was es für einen einzelnen Menschen bedeutet, das zeigt Albahari hier in seinem gewohnten Stil zwischen Realität und Fiktion schwankend, und doch dichtet er nichts hinzu.

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Rezension zu "Mutterland" von David Albahari

Rezension zu "Mutterland" von David Albahari
Aldawenvor 8 Jahren

Der Ich-Erzähler, vor einigen Jahren aus seiner serbischen Heimat vor dem ausbrechenden Bürgerkrieg nach Kanada geflüchtet, greift dort zu einem Stapel Tonbänder, den er mitgebracht hat. Entstanden sind diese Bänder kurz nach dem Tod seines Vaters, und seine inzwischen gleichfalls verstorbene Mutter erzählt darauf ihr Leben. Das Abhören der Bänder trägt den Erzähler zum einen in seinen Erinnerungen zurück, zum anderen überlegt er ständig, wie er es literarisch verwerten kann und diskutiert dies auch regelmäßig mit seinem schriftstellernden Freund Donald. In der Auseinandersetzung mit dem Leben und den Ansichten seiner Mutter muß der Erzähler auch seine eigene Position definieren.

Die Erinnerungen der Mutter wären sicher interessant gewesen, hätten sie einen bedeutenderen Anteil an diesem – wohl zumindest in Teilen autobiographischen – Roman. Leider unterbricht Albahari seine eigene Erzählung ständig mit zwei Dingen, die mich vor allem auch wegen der Häufigkeit ihres Vorkommens in diesem schmalen Band wirklich genervt haben. Da ist zum ersten sein Kokettieren mit dem Satz „Wenn ich doch nur schreiben könnte, dann ...“ – ja, wenn er so fest davon überzeugt ist, es nicht zu können, dann soll er es doch lassen rollen

Zum zweiten waren es die permamenten Rückgriffe auf das, was sein Freund Donald wohl zu etwas sagt oder meint oder vielleicht auch nur meinen könnte. Ich glaube ohne weiteres, daß die Versetzung in ein anderes Land, durch die einem die Muttersprache und damit ein beträchtlicher Teil der Ausdrucksfähigkeit geraubt wird, nicht einfach ist, aber dieses Verhalten, fast in Form eines vorauseilenden Gehorsams bloß keine Meinung anzunehmen, die der Donalds widersprechen könnte, das ging mir doch zu weit. (Im übrigen habe ich auch spätestens nach der zweiten Erwähnung die Lage des Restaurants auf der Flußinsel, in dem er sich mit Donald trifft, hinreichend begriffen, eine weitere gefühlt dutzendfache Wiederholung war wirklich nicht nötig.)

Durch diese „gestalterischen“ Mittel bleibt leider der serbische Teil der Erzählung weitestgehend auf der Strecke, die paar Schlaglichter, die die Tonbandaufnahmen der Mutter zu liefern vermögen, sind leider nicht mehr als eben das: Schlaglichter. Zusammenhänge, die die Geschichte dieser Region oder auch nur deren Auswirkungen auf eine normale Familie erhellen könnten, werden so nicht deutlich. Schade, hier wurde viel Potential verschenkt.

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Rezension zu "Ludwig" von David Albahari

Rezension zu "Ludwig" von David Albahari
Ein LovelyBooks-Nutzervor 9 Jahren

„So ist es immer: Immer sind die am lautesten, die lieber schweigen sollten, während diejenigen schweigen, deren Worte einem guttäten.“

Ludwig ist der Roman, eine 150 Seiten starke Tirade auf einen verhassten besten Freund, den Autor und ewig Besseren, mit dem der Erzähler hier ganz objektiv abrechnen will. Die beiden leben und schreiben in Belgrad. Doch vordergründig wichtig ist nur die Beziehung der beiden und das, was sie auseinander getrieben hat. Aber genau das bleibt für den Leser während der Lektüre anfangs eher im Trüben, denn hier erzählt einer, der sehr viel und sehr genau zu beschreiben hat, was ihn so unendlich verrückt macht.
Allein irgendwann wird klar, worum es hier geht: Ludwig hat ihm die Idee für einen Roman geklaut, einen Roman, den der Erzähler konzipiert und immer wieder verfeinert hat während er seinen Einfall für dieses grandiose Buch, diese Idee der Ideen, seinem besten Freund immer wieder vorführte, diesem unwissenden Leser, der sich für nichts anderes als sich selbst und das bisschen realistische Genre der Literatur interessierte, das er selbst kannte.
Der Streitmonolog des Ich-Erzählers, der keinen Namen nennt, breitet sich jedoch nicht nur über Ludwig aus. Seine Hasstirade erreicht die Grenzen der Stadt Belgrad und steht darüber hinaus für das gesamte Land Serbien, für die Kultur, den Journalismus, ja den Menschen im Allgemeinen. Dabei springt der Erzählrahmen hin und her und reiht Gedankenstrom an Gedankenstrom, so wie einer erzählt und redet, der etwas loswerden muss und sichtlich erregt ist. Aber das, so der Ich-Erzähler, ist er natürlich nicht. Er will nur seine Geschichte um ihn und Ludwig einmal genau darlegen. Hass empfindet er für seinen ehemals besten Freund nicht. Nein, er betrachtet das alles äußerst objektiv. Meint er damit die zwei Gesichter, die sein Freund hat und die ihn schier wahnsinnig machen?
Der Erzähler, der von Ludwig nur S genannt wurde, ein Buchstabe, der in seinem Namen nicht einmal vorkommt, spricht immer wieder von zwei Ludwigs, die er gekannt hat. Dabei ist Ludwig im schriftstellerischen wie im lebenspraktischen Sinne das genaue Gegenteil des Erzählers. Ludwig ist mit seinen Romanen zur Leitfigur Belgrads geworden, wo er, der Freund, nur im Schatten seiner steht. Aber im alltäglichen Leben sprengt Ludwig die Grenzen des Möglichen. Seine Wohnung ist ein einziges Chaos, auch das Schreiben beherrscht er nicht alleine, denn der Erzähler hat ihm, in den Zeiten der großen Freundschaft, die Endfassung geschrieben. Ludwig scheint das komplette Gegenteil des Erzählers zu sein und ergänzt durch seine explizite Darstellung somit die Ahnung des Lesers um die Identität desjenigen, der diese Geschichte erzählt.
Die Abrechnung mit dem geistigen Leben erscheint in manchmal schier unendlichen, durch kleine Kommata getrennten Aufzählungen, die selbst dem Leser die Luft zum Atmen nehmen und ihn in den Sog dieser prosaischen Tirade ziehen.
„[Ein] wohlgesinnter Ausländer etwa, der nur ein, zwei höchstens drei Tage in Belgrad verweilt und dem es daher egal ist, ob Belgrad ein urbanes oder ein provinzielles Pflaster ist. Deshalb lächelt er, wenn er den wandernden Flohmarkt in der Fußgängerunterführung bei Zeleni Venac besucht, und macht mit seiner digitalen Kamera sogar ein paar Schnappschüsse, die er später auf seinen Computer laden und allen als eine lustige Erinnerung an die Eingeborenen vom Balkan zeigen wird.“
Die bemerkenswerten Wendungen und Vergleiche amüsieren dabei genau so wie die sich wiederholenden, aber durch andere Sichtweisen auf denselben Aspekt variierenden Szenen. Dabei blickt der Erzähler immer wieder über den freundschaftlichen Tellerrand und integriert intertextuelle Anspielungen und literarische Verweise in diese „brillante Suada über Betrug, Verrat und die Eifersucht des Erfolglosen“, wie der Eichborn Verlag das Buch bewirbt.
„Ich meinte, eine Stimme zu hören, die mich fragte, wozu ich das alles täte. Ich drehte mich um. Im Zimmer war niemand. Die Stimme war aber hartnäckig, und um sie zum Schweigen zu bringen, antwortete ich, ich wisse es nicht. Ha, sagte die Stimme, haha.“
Kleine, aber stete Einsprengsel deuten die geordnete, oder doch durchaus wirre?, Verrücktheit des Erzählers an und bestätigen sich natürlich in der Erzählsituation des schildernden Ichs schon widerspiegelt. Kann man einer von sich in einer endlosen Reihe erzählenden Person denn überhaupt trauen, ist der, der nur aus seiner Sicht erzählen kann, nicht sowieso schon verdächtig und zieht durch besondere Statements und klare Stellungnahmen nicht schon den Verdacht auf sich, diese Anschauung selbst zu brechen? Wie oft spricht man in der Runde davon, dass man strikte Diät halte und denkt dabei noch an den kleinen, winzig kleinen Schokoriegel, den man vor dem Verlassen des Hauses schnell verspult hat, den Kaugummi hinterher, merken muss es ja niemand.
Genau dieses Augenzwinkern fordert die Erzählhaltung in dem neuen Roman von David Albahari, der schon mit drei anderen Romanen im Eichborn Verlag für Aufsehen gesorgt hat und in sich in Serbien außerdem als Übersetzer von Pynchon, Nabokov und Coover einen Namen gemacht hat, was die eher schräge Tendenz des Erzählens seinerseits noch einmal bekräftigt.
Wie das „Fahle Feuer“ von Nabokov, das Albahari in seinem Roman „Ludwig“ erwähnt, „das als Kommentar zu einem langen Gedicht konzipiert war“, ist der vorliegende Text ein Kommentar auf das Schreiben und Geschrieben werden und unterhält dabei so glänzend, das man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte.

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David Albahari wurde am 14. März 1948 in Pec (Serbien) geboren.

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