David Albahari Ludwig

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Inhaltsangabe zu „Ludwig“ von David Albahari

Ein hintergründig-bissiger Blick auf den Literaturbetrieb und die Eitelkeiten von SchriftstellernDie langjährige Freundschaft zweier Schriftsteller ist zerbrochen. Der Erzähler sieht sich von seinem Freund Ludwig grausam hintergangen: Seine Idee für ein Buch der Bücher, für sein Meisterwerk, die er Ludwig Abend für Abend vorgetragen hat, soll dieser gestohlen und unter eigenem Namen veröffentlicht haben. Doch ist dies die ganze Wahrheit?

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  • Rezension zu "Ludwig" von David Albahari

    Ludwig
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    03. October 2009 um 23:06

    „So ist es immer: Immer sind die am lautesten, die lieber schweigen sollten, während diejenigen schweigen, deren Worte einem guttäten.“ Ludwig ist der Roman, eine 150 Seiten starke Tirade auf einen verhassten besten Freund, den Autor und ewig Besseren, mit dem der Erzähler hier ganz objektiv abrechnen will. Die beiden leben und schreiben in Belgrad. Doch vordergründig wichtig ist nur die Beziehung der beiden und das, was sie auseinander getrieben hat. Aber genau das bleibt für den Leser während der Lektüre anfangs eher im Trüben, denn hier erzählt einer, der sehr viel und sehr genau zu beschreiben hat, was ihn so unendlich verrückt macht. Allein irgendwann wird klar, worum es hier geht: Ludwig hat ihm die Idee für einen Roman geklaut, einen Roman, den der Erzähler konzipiert und immer wieder verfeinert hat während er seinen Einfall für dieses grandiose Buch, diese Idee der Ideen, seinem besten Freund immer wieder vorführte, diesem unwissenden Leser, der sich für nichts anderes als sich selbst und das bisschen realistische Genre der Literatur interessierte, das er selbst kannte. Der Streitmonolog des Ich-Erzählers, der keinen Namen nennt, breitet sich jedoch nicht nur über Ludwig aus. Seine Hasstirade erreicht die Grenzen der Stadt Belgrad und steht darüber hinaus für das gesamte Land Serbien, für die Kultur, den Journalismus, ja den Menschen im Allgemeinen. Dabei springt der Erzählrahmen hin und her und reiht Gedankenstrom an Gedankenstrom, so wie einer erzählt und redet, der etwas loswerden muss und sichtlich erregt ist. Aber das, so der Ich-Erzähler, ist er natürlich nicht. Er will nur seine Geschichte um ihn und Ludwig einmal genau darlegen. Hass empfindet er für seinen ehemals besten Freund nicht. Nein, er betrachtet das alles äußerst objektiv. Meint er damit die zwei Gesichter, die sein Freund hat und die ihn schier wahnsinnig machen? Der Erzähler, der von Ludwig nur S genannt wurde, ein Buchstabe, der in seinem Namen nicht einmal vorkommt, spricht immer wieder von zwei Ludwigs, die er gekannt hat. Dabei ist Ludwig im schriftstellerischen wie im lebenspraktischen Sinne das genaue Gegenteil des Erzählers. Ludwig ist mit seinen Romanen zur Leitfigur Belgrads geworden, wo er, der Freund, nur im Schatten seiner steht. Aber im alltäglichen Leben sprengt Ludwig die Grenzen des Möglichen. Seine Wohnung ist ein einziges Chaos, auch das Schreiben beherrscht er nicht alleine, denn der Erzähler hat ihm, in den Zeiten der großen Freundschaft, die Endfassung geschrieben. Ludwig scheint das komplette Gegenteil des Erzählers zu sein und ergänzt durch seine explizite Darstellung somit die Ahnung des Lesers um die Identität desjenigen, der diese Geschichte erzählt. Die Abrechnung mit dem geistigen Leben erscheint in manchmal schier unendlichen, durch kleine Kommata getrennten Aufzählungen, die selbst dem Leser die Luft zum Atmen nehmen und ihn in den Sog dieser prosaischen Tirade ziehen. „[Ein] wohlgesinnter Ausländer etwa, der nur ein, zwei höchstens drei Tage in Belgrad verweilt und dem es daher egal ist, ob Belgrad ein urbanes oder ein provinzielles Pflaster ist. Deshalb lächelt er, wenn er den wandernden Flohmarkt in der Fußgängerunterführung bei Zeleni Venac besucht, und macht mit seiner digitalen Kamera sogar ein paar Schnappschüsse, die er später auf seinen Computer laden und allen als eine lustige Erinnerung an die Eingeborenen vom Balkan zeigen wird.“ Die bemerkenswerten Wendungen und Vergleiche amüsieren dabei genau so wie die sich wiederholenden, aber durch andere Sichtweisen auf denselben Aspekt variierenden Szenen. Dabei blickt der Erzähler immer wieder über den freundschaftlichen Tellerrand und integriert intertextuelle Anspielungen und literarische Verweise in diese „brillante Suada über Betrug, Verrat und die Eifersucht des Erfolglosen“, wie der Eichborn Verlag das Buch bewirbt. „Ich meinte, eine Stimme zu hören, die mich fragte, wozu ich das alles täte. Ich drehte mich um. Im Zimmer war niemand. Die Stimme war aber hartnäckig, und um sie zum Schweigen zu bringen, antwortete ich, ich wisse es nicht. Ha, sagte die Stimme, haha.“ Kleine, aber stete Einsprengsel deuten die geordnete, oder doch durchaus wirre?, Verrücktheit des Erzählers an und bestätigen sich natürlich in der Erzählsituation des schildernden Ichs schon widerspiegelt. Kann man einer von sich in einer endlosen Reihe erzählenden Person denn überhaupt trauen, ist der, der nur aus seiner Sicht erzählen kann, nicht sowieso schon verdächtig und zieht durch besondere Statements und klare Stellungnahmen nicht schon den Verdacht auf sich, diese Anschauung selbst zu brechen? Wie oft spricht man in der Runde davon, dass man strikte Diät halte und denkt dabei noch an den kleinen, winzig kleinen Schokoriegel, den man vor dem Verlassen des Hauses schnell verspult hat, den Kaugummi hinterher, merken muss es ja niemand. Genau dieses Augenzwinkern fordert die Erzählhaltung in dem neuen Roman von David Albahari, der schon mit drei anderen Romanen im Eichborn Verlag für Aufsehen gesorgt hat und in sich in Serbien außerdem als Übersetzer von Pynchon, Nabokov und Coover einen Namen gemacht hat, was die eher schräge Tendenz des Erzählens seinerseits noch einmal bekräftigt. Wie das „Fahle Feuer“ von Nabokov, das Albahari in seinem Roman „Ludwig“ erwähnt, „das als Kommentar zu einem langen Gedicht konzipiert war“, ist der vorliegende Text ein Kommentar auf das Schreiben und Geschrieben werden und unterhält dabei so glänzend, das man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte.

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