David Ballantyne

 4.2 Sterne bei 10 Bewertungen

Alle Bücher von David Ballantyne

David BallantyneSydney Bridge Upside Down
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Sydney Bridge Upside Down
Sydney Bridge Upside Down
 (10)
Erschienen am 24.07.2015
David BallantyneThe Cunninghams
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The Cunninghams
The Cunninghams
 (0)
Erschienen am 01.04.1987

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Rezension zu "Sydney Bridge Upside Down" von David Ballantyne

Anders als erwartet
Buchperlenblogvor 5 Monaten

Inhalt

Ein Sommer in den 60er Jahren, in der Abgeschiedenheit Neuseelands. Harry Baird lebt in Calliope Bay, einem Ort mit nur noch fünf bewohnten Häusern. Er bekommt Besuch von seiner wunderschönen Cousine Caroline, die den Männern des kleinen Örtchens den Kopf zu verdrehen scheint. Auch Harry kommt gegen ihren Zauber nicht an, verliert den Anschluss an seine Freunde und gleitet immer weiter ab in einen merkwürdigen Reigen von unkontrollierten Begebenheiten. Wer ist schuld an dem Tod zweier Menschen im Dorf?

Rezension

Die Geschichte wird von Harry Baird erzählt, wirklich erzählt. Denn er beginnt mit dem Tod seines besten Freundes, gleitet dann jedoch in der Zeit zurück und erzählt von den Tagen und Wochen davor. Selbst aufmerksame Leser könnte dieser Umstand etwas verwirren, mir ging es zumindestauf den ersten Seiten so. Harry erzählt relativ emotionslos von seinem kleinen Bruder Cal, sowie seinem Freund Dibbs, den er immer nur abwertend "Kleiner" nennt, die er beide der Ordnung halber verprügelt.. Trotzdem sind sie eine eingeschworene Bande, die zusammenhält, vielleicht aus Mangel an Alternativen. Doch als Caroline ankommt, ändert sich die Konstellation. Harry entdeckt die Vorzüge des anderen Geschlechts, bleibt lieber bei ihr, als mit seinen Freunden in der geheimen Höhle zu hocken und heinlich gedrehte Zigaretten zu rauchen. Nur das alte verlassene Schlachthaus verliert seine Anziehungskraft nicht. Die Tage vergehen, die Jugend gleitet dahin.

Doch immer wieder wird die Idylle unterbrochen von Harrys Albträumen, die verwirrend intensiv beschrieben werden, die verschlüsseln und verdecken, aber doch die Schlüsse zulassen, dass Harry in der Lage ist, jemandes Tod zu verantworten. Oder sind es nur Albträume?

Ich mochte die Atmosphäre des Buches sehr gern, den Sommer in Neuseeland, die Abgeschiedenheit, die Merkwürdigkeit der einzelnen Charaktere. Die Geschichte ließ mich frustriert zurück, sie endet abrupt, beschreibt einen weiten Bogen in die Zukunft, ohne die Vergangenheit zu klären und lässt somit viel Spielraum für eigene Interpretationen.

Fazit

Eine etwas seltsame Geschichte, die in ihrer scheinbaren Unausgegorenheit glänzt und in sich rund wird. Keine Alltagsgeschichte und vermutlich keine Geschichte für jedermann, aber intensiv genug, um einen Sommer in den 60er Jahren, eine heimliche Begehrung und tödliche Vergehen heraufzubeschwören.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Handlung★★★★☆ ( 4 / 5 )

Charaktere★★★★☆ ( 4 / 5 )

Sprache★★★★☆ ( 4 / 5 )

Emotionen★★★★☆ ( 4 / 5 )

=4 ★★★★

 

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sydneysider47s avatar

Rezension zu "Sydney Bridge Upside Down" von David Ballantyne

Ein neuseeländischer Klassiker
sydneysider47vor 2 Jahren

Als Neuseeland im Jahr 2012 Gastland der Buchmesse in Frankfurt war und ich diese Buchmesse besuchte, wurde ich auf folgendes Buch aufmerksam gemacht:

 

Sydney Bridge Updside Down

Autor: David Ballantyne.

Da ich selbst schon Neuseeland besucht habe und mich das Buch interessierte, habe ich es gelesen.

 

Der Sommer, der in Harrys Leben alles veränderte – oder: die Handlung

 Der Ich-Erzähler Harry ist 13 Jahre alt und lebt mit seinem Bruder Cal und seinem Vater in Calliope Bay, einem kleinen Ort in Neuseeland. Die Mutter ist in die Stadt gezogen – wann sie wiederkommt, ist unklar.

 Während dieses Sommers, der einen drastischen Wendepunkt in Harrys Leben bringen wird, erforscht Harry mit seinem Freund Dibbs und auch Bruder Cal die Umgebung. Da gibt es beispielsweise eine stillgelegte Fleischfabrik. Dort ist es nicht ungefährlich, denn es gibt dunkle Stellen, Treppen, scharfe Kanten und mehr.

 Immer wieder taucht das Nachbarskind Susan Prosser auf. Schlank ist sie, und sie erzählt von ihrem Papagei, der sprechen kann. Harry beneidet sie darum, dass sie Briefkontakt zu seiner (also Harrys) Mutter hat. Besonders gut leiden kann er sie nicht.

 Eines Tages kommt Harrys Cousine Caroline zu Besuch. Sie ist älter als Harry, sie ist sehr hübsch – und es gibt nicht nur einen Mann, der mit ihr gern enger befreundet wäre. Auch Harry verliebt sich in sie. Zudringlich ist Wiggins, der Fleischer, und Harry möchte seine Cousine vor ihm schützen.

 Immer wieder taucht Sam Phellps auf. Ein alter Mann mit einem vernarbten Gesicht. Er hat ein Pferd, namens „Sydney Bridge Upside Down“. Mit Gelegenheitsjobs hält er sich über Wasser und sorgt für sein Pferd. Viele wissen nicht, was sie von Sam Phellps halten sollen – auch nicht, als mehrere dramatische Ereignisse geschehen.

 

Ein gutes Buch – oder: meine Leseerfahrung

 Normalerweise verzichte ich in meinen Rezensionen auf Zitate – aber der erste Satz des Romans, den der Verlag auch in seiner Produktbeschreibung zitiert, erzeugt Spannung, weckt das Interesse beim Leser und macht Andeutungen darüber, was die Leser bei der Lektüre des Buches erwartet:

 "Am Rande der Welt lebte ein alter Mann, sein Pferd hieß Sydney Bridge Upside Down. Er hatte ein Gesicht voller Narben, und das Pferd war ein alter, lahmer Klepper, und ich beginne mit dem Mann und seinem Pferd, weil sie immer irgendwie dabei waren in jenem Sommer, als hier oben an der Küste die schrecklichen Dinge passierten."

 Wow – was für ein fulminanter Anfang! Ich erfahre, dass das das Buch aus der Ich-Perspektive verfasst ist. Ich höre von einem Pferd, der dem Roman den Namen gab – und ich weiß sofort, dass das Buch in Neuseeland spielt und nicht in Australien. Das Wort „Sydney“ im Buchtitel hat nichts mit der gleichnamigen Stadt im australischen Bundesstaat New South Wales zu tun, sondern mit einem Pferd in Neuseeland.

 Natürlich will ich auch wissen, um welche schrecklichen Dinge es sich handelt, die Harry erst einmal nur erwähnt. Deswegen lese ich das Buch weiter.

 Ich mag den Schreibstil des Autors, ich mag zuerst auch Harry und Cal und Dibbs. Caroline, Harrys Vater und alle übrigen Personen sind nur Randfiguren in dem Buch.

 Allerdings erscheint mir Harry während der Lektüre immer suspekter. Er deutet während seiner Erzählungen schlimme Dinge an, erklärt diese aber nicht immer sofort. Das ist aber vielleicht auch typisch für einen 13-jährigen Jungen Er sagt etwas, was er weiß, weil er es für einen Moment nicht für sich behalten kann. Will man als Zuhörer nähere Details wissen, bekommt man auf einmal keine weiteren Informationen mehr – sondern erst ziemlich spät.

 Und der Leser merkt auch, dass einige der schlimmen Ereignisse nicht einfach so passiert sind – sie waren keine Zufälle, sondern geplant. Mehr darf ich nicht sagen, um nicht zuviel zu verraten. Am Schluss des Buches haben sich jedenfalls einige Dinge drastisch verändert.

 Bis man aber als Leser zu dem Schluss kommt, packte mich bei der Lektüre doch ab und an etwas Langeweile – das lag an Dingen, die Harry erzählt und die ich persönlich nicht wichtig finde für die Handlung. Aus Sicht eines 13-jährigen Jungen mögen sie wichtig sein – meinen Lesefluss bremsten sie jedoch immer wieder.

 Diese fehlende Spannung und das Vorwegnehmen von Ereignissen, die erst ziemlich spät genauer erklärt werden, veranlassen mich, dem Buch einen Stern abzuziehen. Aber ansonsten habe ich das Buch gerne gelesen. Denn es vermittelt mir auch ein Bild über das Leben einer Kleinstadt in Neuseeland in den 1960er-Jahren. Man lebte bescheiden, man lebte für sich – und man entdeckte seine nähere Umgebung.

 

Mein Fazit

 Der neuseeländische Klassiker „Sydney Bridge Updside Down“ ist ein Buch in einem schönen Schreibstil, das das Leben eines 13-jährigen Jungen in einer neuseeländischen Kleinstadt in einem Sommer in den 1960er-Jahren zeigt.

 Von mir gibt es 4 Sterne und eine Weiterempfehlung.

 P.S.: Diese Rezension erschien in ähnlicher Form schon bei Ciao.de im Jahre 2014.

Kommentare: 1
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Devonas avatar

Rezension zu "Sydney Bridge Upside Down" von David Ballantyne

coming-of-age auf hohem literarischem Niveau
Devonavor 2 Jahren

Dieser völlig zu Recht als „einer der größten neuseeländischen Romane“ und „einzigartiger Klassiker der Weltliteratur“ bezeichnete Roman von David Ballantyne erschien bereits im Jahr 1968, der Autor selbst verstarb im Jahr 1986. Erstmals in Deutsch erschien das Buch 2012 bei Hoffmann und Campe. Ich habe mich eingangs auch für den dazugehörigen Klappentext entschieden, der meiner Meinung nach  perfekt zum Buch passt, anders als die wesentlich kürzere Beschreibung der Taschenbuchausgabe von dtv.

Aufmerksam auf den Roman wurde ich durch den ungewöhnlichen Titel. Wer nennt sein Pferd „Sydney Bridge Upside Down“? Und wieso? Darüber gibt das Buch keine Auskunft und hat man sich einmal in die Geschichte vertieft, stehen völlig andere Dinge im Vordergrund. Der alte Mann und sein Pferd sind die einzige verlässliche Konstante in einer Handlung, die vom Ferienidyll in den Ernst des Lebens abdriftet. Der alte Mann und das Pferd sind da – wie sie schon immer dagewesen sind und auch da bleiben werden.

Der Ich-Erzähler Harry nimmt den Leser mit in einen Feriensommer im neuseeländischen Calliope Bay, der zunächst in bester Tom-Sawyer-und-Huckleberry-Finn-Manier beginnt, was den Leser an eigene Ferien in der Kindheit erinnern mag und einen einzigartigen Sog in die Geschichte hinein entwickelt. Da ist viel freie Zeit, in der Harry und sein Freund -verfolgt vom nervenden kleinen Bruder- über die Insel ziehen und die typischen Dummheiten 13-Jähriger veranstalten: heimlich rauchen, herum klettern in der alten und maroden Fleischfabrik. All die Dinge, die Erwachsene verbieten, die man aber trotzdem tut, weil man die unendliche Freiheit des Lebens und natürlich der Ferien auskosten will.

Harry erzählt nicht chronologisch, er springt munter in der Zeit hin und her und langsam mischen sich all die Dinge in seine Ferienidyll-Erzählungen, die er wohl gar nicht erzählen wollte und die ihn spürbar psychisch belasten, denn des Öfteren überkommt ihn eine „große Wut und Unbeherrschtheit“. Die Mutter, die die Familie „über die Ferien“ in die ferne Stadt verlassen hat, der Vater, der ihr verzweifelt täglich schreibt, weil er die Hoffnung nicht aufgibt, dass sie zurückkehrt. Er ist eigentlich ein guter Vater: er liebt seine Söhne, spickt seine Erziehung aber aus Überforderung mit dem Weggehen der Frau und vielleicht auch, weil er es selber nie anders kannte, desöfteren mit einer kräftigen Tracht Prügel. Falls er die Jungen erwischt: er ist ein Krüppel und kann ihnen nur nachhinken.

Das weiß auch Susan Prosser: die kleine Streberin aus der Nachbarschaft, die keiner mag, die den Jungen bei ihren Abenteuerausflügen gelegentlich hinterherspioniert und Harry damit erpresst, seiner Mutter zu schreiben, um ihr zu sagen, dass er seinen kleinen Bruder verprügelt hat. Oder vielleicht dem Vater für eine weitere Tracht Prügel für Harry. Die Ankunft des neuen Lehrers, den auf Anhieb keiner leiden mag und der die Kinder im nächsten Schuljahr unterrichten wird, erinnert Harry daran, dass der alte Lehrer der war, mit dem seine Mutter fortging. Der über die Ferien zu ihnen aufs Land verschickten Cousine Catherine ist er in unschuldiger, kindlicher Leidenschaft zugetan, bis er mitansehen muss, dass die Spiele, die Catherine mit Mr. Wiggs, einem unsympathischen Weiberheld, spielt, so gar nicht kindlich sind und weit, weit über das hinausgehen, was sie mit Harry und seinem Bruder morgens zu Hause spielt: nackt durch die Wohnung hüpfen und Blödsinn machen.

Und während der alte Mann und Sdyney Bridge Upside Down immer unbeteiligt am Ort der Ereignisse zu sein scheinen, passieren die „schrecklichen Dinge“. Mit Susan Prosser und Mr. Wiggs. Harrys Erzählungen werden düsterer, abgründiger, der Leser wird genarrt: was erzählt der Junge? Die Wahrheit? Das, was er glaubt, es sei die Wahrheit? Oder doch nur handfeste Lügen? Erzählt er ALLES oder verschweigt er Dinge? Die Mutter schreibt einen letzten Brief, in dem sie ankündigt, nicht zurück zu kehren, was Harrys Seelenzustand nur noch mehr verschlimmert.

David Ballantyne spielt grandios mit der Fantasie des Lesers, stürzt ihn in den Zwiespalt, in Harry nur ein harmloses Kind oder einen ausgemachten kleinen Halunken zu sehen. Der Autor tut dem Leser auch nicht den Gefallen, diesen Zwiespalt am Ende aufzulösen. Wie im Klappentext bereits angedeutet, ist „Sydney Bridge Upside Down“ ein „Märchen ohne Erlösung“. Dass der Leser sich von einem derartigen Ende nicht hilflos und veralbert zurück gelassen fühlt, sondern noch lange seinen Empfindungen nachspürt, unterscheidet in diesem Fall Weltliteratur von beliebiger Unterhaltungsliteratur. Dieser Roman ist ganz große Erzählkunst, denn was  auch immer in diesem Sommer auf Calliope Bay gewesen sein mag: dem Leser ist klar, dass das wohl nur der alte Mann und sein Pferd wissen. Und vielleicht ist er sogar froh darüber und findet, dass die Wahrheit genau dort gut aufgehoben ist.

Fazit: Coming-of-Age auf hohem literarischem Niveau, ein Roman der auf immer im Gedächtnis bleibt. Kann man nur weiter empfehlen.

www.buchimpressionen.de

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