David Bezmozgis Die freie Welt

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Inhaltsangabe zu „Die freie Welt“ von David Bezmozgis

Sommer 1978: Wie für viele Juden aus der Sowjetunion wird Rom für die Krasnanskys aus Riga zum Wartesaal, ein Vorzimmer zur freien Welt. Großvater Samuil ist allerdings immer noch Kommunist bis ins Mark. Dass er den eigenen Cousin dem NKWD ausgeliefert hat, macht ihm kein schlechtes Gewissen. Und eigentlich findet er es auch völlig richtig, dass er nun selbst als Verräter denunziert und aus der Partei ausgeschlossen wurde. Seine Söhne dagegen wissen, warum sie emigrieren wollten. Während Karl mit Ikonenschmuggel und anderen krummen Geschäften reich werden will, lässt sich Alec durch die Tage treiben, ohne Ehrgeiz, ohne Ziel und ohne tiefere Interessen – außer für hübsche junge Frauen. «Die Freie Welt» ist ein bewegender, witziger Roman, der die Kämpfe des 20. Jahrhunderts im Spiegel einer sehr menschlichen Familie zeigt.

Gelungene grenzen- und generationenübergreifende Familiengeschichte.

— Lesemanie
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  • Rezension zu "Die freie Welt" von David Bezmozgis

    Die freie Welt
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    27. November 2012 um 08:25

    In einer von autobiographischen Reminiszenzen nicht freien Geschichte, erzählt der jüdische Autor David Bezmozgis von der jüdisch-lettischen Familie Krasnansky aus Riga, die 1978 aus der Sowjetunion ausreist, noch ohne im Westen ein genaues Ziel zu kennen. David Bezmozgis hat als damals achtjähriger Junge im Jahr 1980 Ähnliches erlebt, als er mit seiner Familie aus Lettland nach Kanada auswanderte. Anders als viele Autoren, die den Schwerpunkt ihrer Auswanderungsgeschichten, seien sie nun von Juden erzählt oder von anderen, auf die schwierige Ankunft und die problematische Integration am neuen Zufluchtsort legen, geht es bei David Bezmozgis Roman um jene fünf Monate, die die Familie Kransnansky in ihrem Transitland Italien an einem Ort in der Nähe von Rom verbringt. Weil die Cousine in Chicago, die doch versprochen hatte, für die Familie zu bürgen - eine notwendige Bedingung für die Einwanderung in die USA - von ihrem Versprechen nichts mehr wissen will, sitzt die Familie in Italien fest. Kanada, ihre zweite Option, zögert mit der Einreisebewilligung, weil der Großvater Samuel, ein dogmatischer Altkommunist, nicht gesund ist. Da bliebe noch Israel als Möglichkeit. Doch die kommt für die Familie, die als sowjettreue Bürger eher antizionistisch zu denken gelernt haben, obschon sie sich als Juden sehen, eher nicht in Frage. Die Menschen dieser Familie haben ein zum Teil schon langes Leben hinter sich, das Bezmozgis in wechselnden Schlaglichtern beleuchtet. Die Großeltern, die beiden Söhne mit ihren Frauen und zwei Kinder haben Erniedrigendes erfahren, vor und vor allen Dingen während ihrer Ausreise aus der Sowjetunion, die insbesondere der Großvater nach wie vor glühend verehrt. Sie eint, dass sie alle, ob jung oder alt, eine ungewisse Zukunft haben. Und so finden sie sich, in einem Lager in Ostia bei Rom zusammen mit anderen jüdischen Menschen und Familien in einer Situation wieder, die sie zwar als vorläufig ansehen können, von der sie aber nicht wissen, wie lange sie dauern wird. Dieser Druck stellt neben dem für sie völlig unbekannten Glamour westlicher Kultur und des hemmungslosen Konsums die größte Herausforderung dar. Die alte Heimat haben sie hinter sich gelassen, eine neue noch nicht gefunden. Und so sind sie vor allen Dingen auf ihre innerfamiliäre Bindungskraft angewiesen. Mit viel hintersinnigem und feinem Humor erzählt David Bezmozgis von dieser Familie in einer für sie schwierigen und stellenweise auch gefährlichen Übergangssituation, mit der die jüngeren Familienmitglieder anders umgehen, als die alten, dafür aber auch in ziemlich dubiose Situationen geraten. Während sie in Italien auf die endgültige Weiterreise warten (sie wird sie schlussendlich nach Kanada bringen, wo Bezmozgis aber ihre Geschichte enden lässt) beschreibt der Autor in zahlreichen Rückblenden das Leben der Familienmitglieder in der Sowjetunion und zeichnet von ihr ein kleines Abbild des Landes, das sie gerade, unterschiedlich motiviert, verlassen haben. David Bezmozgis gelingt es hervorragend, die tragischen und stellenweise regelrecht komischen Erlebnisse von ehemaligen jüdischen Sowjetbürgern einzufangen an einem Ort, an dem sie nicht bleiben können und wollen. Die teilweise melancholischen Erinnerungen an die alte Heimat mischen sich mit einer immer stärker werdenden Sehnsucht nach einem neuen Ort, wo man sich geborgen und vor allen Dingen sicher fühlen kann. Bezmozgis Buch ist in einem Atemzug zu nennen mit Olga Grjasnowas Debütroman „Der Russe ist einer der Birken liebt“ , Hanser 2012, deren Figuren, obwohl sie hochintelligent und extrem beweglich sind, es nicht schaffen, ihre Lebenskraft und Kreativität umzusetzen, irgendwo anzukommen und Wurzeln zu schlagen.

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  • Rezension zu "Die freie Welt" von David Bezmozgis

    Die freie Welt
    Boris

    Boris

    David Bezmozgis ist ordentlicher Erzähler. Er nimmt seinen Leser an die Hand und führt ihn sicher durch seine Geschichte, die Ende der 70iger Jahre in Rom spielt, aber auch zurückführt in die Wirrungen der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, in den baltischen Staaten, die dann zur UDSSR wurden, auch in die Ukraine. Die Geschichte der Familie Krasnansky, einer jüdischen Familie, auf der Suche nach einer neuen Heimat, bin ich gerne gefolgt. Ein "neuer" Philip Roth, wie auf dem Klappentext zitiert, ist Bezmozgis natürlich noch lange nicht. Dieser Vergleich liegt zu nahe: Juden, Sex spielt auch eine wichtige Rolle. Aber: der Wille zu "Unkorrektheit", die Roth auszeichnet, die Risikobereitschaft, die Schamlosigkeit, davon ist Bezmozgis noch sehr weit entfernt. Die Bücher von Philip Roth tun mir weh, reißen etwas auf, verstören mich. "Der freie Wille" ist ein "ordentliches" Buch. Ich freue mich trotzdem auf mehr....

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  • Rezension zu "Die freie Welt" von David Bezmozgis

    Die freie Welt
    Clari

    Clari

    16. February 2012 um 10:46

    Warten auf eine bessere Welt! Die Familie Krasnansky, die aus drei Generationen besteht, sucht aus dem Baltikum den Weg in die freie Welt. Sie sind auf der Flucht vor den Russen, die ihre jüdischen Mitbürger wie in vielen Ländern der Welt verfolgen und vertreiben. Man weiß ja, dass das Baltikum von 1940 bis 1990 von den Russen okkupiert war. Jetzt, 1978, gilt es, sich auf dem Weg über Wien nach Rom durchzuschlagen und irgendwo ein Plätzchen als vorübergehende Bleibe zu finden. Der Vater von Karl und Alec, Samuel und seine Frau Emma, sind noch ganz dem alten Leben in der Sowjetunion verhaftet. Samuel war und ist überzeugter Kommunist. Sein Sohn Karl, dessen Frau Rosa und die beiden Söhne finden in einer kleinen Wohnung mit den Großeltern Unterschlupf. Man teilt sich zu mehreren Bad und Küche. Samuels jüngerer Sohn Alec sucht unterdessen abseits der Großfamilie eine Bleibe. Er findet sie mit seiner aktuellen Frau Polina bei Sjomka, ebenfalls einem Exilrussen. Die zentrale Frage dreht sich um mögliche Einwanderungsländer. Damit hat es seine Tücken, denn jedes Land hat eigene Einwanderungsbedingungen. Amerika, Australien oder Kanada sind im Gespräch. Doch auch Israel wird von den Großeltern in Betracht gezogen. In seiner Geschichte zeichnet Bezmozgis das Leben auf der Flucht mit den Eigenheiten jedes Protagonisten in einer Welt, in der nichts sicher und die Zukunft nur vage vorstellbar ist. Man hat aber nicht nur diese unsichere Zukunft vor sich, sondern jeder hat auch schon ja nach Alter ein Leben hinter sich. So schweifen die Erinnerungen zurück zu den Zeiten des Krieges, zu frühen Liebesaffären, und man denkt an das karge Leben im Osten und an die mühseligen Versuche, den bösartigen Pogromen zu entgehen. Ein vielschichtiges und lebensnahes Bild jüdischen Lebens ersteht vor dem geistigen Auge des Lesers. Man begreift, wie hart das Leben und Überleben von Juden war, die in aller Welt immer wieder Misstrauen und Ablehnung ertragen mussten. Zugleich wird mit Humor an den Zusammenhalt gemahnt, mit dem allein man überleben konnte. Beziehungen, gute wie schlechte, Verwandtschaftsverhältnisse aber auch gegenseitiger Hass konnten einem das Leben erleichtern oder erschweren. Die Existenz spielt zwischen einem Gestern und Morgen, und die Gegenwart ist voll gepackt mit allem, was einem im Leben auch sonst so passieren kann: betrogene Liebe, Alter und Tod. Teils melancholisch und teilweise komisch sind die Erinnerungen durchmischt mit der Sehnsucht nach einem Ort der Geborgenheit und Heimat. Davon aber ist man auf der Zwischenstation in Rom noch weit entfernt. Eine anrührende und aufschlussreiche Geschichte ist dem Autor gelungen, die wieder einmal tiefe Einblicke in das jüdische Leben in der Diaspora vermittelt. Man wünscht den Protagonisten die ganze Zeit Erfolg bei der Heimatsuche und einem Leben in Würde!

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