David Bielmann

 4.4 Sterne bei 25 Bewertungen
Autor von Flucht eines Toten, Freedom Bar und weiteren Büchern.

Alle Bücher von David Bielmann

Freedom Bar

Freedom Bar

 (9)
Erschienen am 27.02.2016
Gastspiel

Gastspiel

 (3)
Erschienen am 10.11.2016
Im Schatten der Linde

Im Schatten der Linde

 (2)
Erschienen am 14.03.2018
Der Besuch der Russin

Der Besuch der Russin

 (0)
Erschienen am 10.11.2016
Flucht eines Toten

Flucht eines Toten

 (11)
Erschienen am 06.07.2011

Neue Rezensionen zu David Bielmann

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19angelika63s avatar

Rezension zu "Freedom Bar" von David Bielmann

Alltagshelden und ihre Sehnsüchte
19angelika63vor 2 Jahren

Klappentext
Der junge Bert Bucher sieht sich als künftiger Rockstar. Da kommt ihm der Tod seiner Großmutter gerade gelegen, so kann er in ihre leer stehende Wohnung n Freiburg ziehen und seine Karriere vorantreiben. Ein Vorhaben, das bald von der schönen Studentin Lana gestört wird.
Johann B. Grab ist Inhaber einer Buchhandlung und sehnt sich zurück in die Welt ohne Internet. Seine griechische Frau hingegen wünscht sich ein Kind, und der zeugungsunfähige Johann ist bereit, zu diesem Zweck einen Mann für sie zu suchen.
Henry Schweizer wohnt in seiner Bar, die er zu seinem persönlichen Sehnsuchtsort gemacht hat. Hier verwässern sich Sorgen im Rausch, abstruse Ideen reifen zu Taten heran und Verliere werden zu Gewinnern.


"Dabei war es doch gerade der Rückblick, der den Dingen Tiefe verlieh, der einem erlaubte, Ereignisse zu verstehen und einzuordnen. Erst der Rückblick machte eine bestimmte Zeit richtig interessant, machte aus dem Alltag Kultur, und erst die Fähigkeit zurückzublicken machte aus dem Menschen ein  intelligentes Wesen." (Seite 85)

Das Debüt von David Bielmann "Freedom Bar" hat mich verzaubert. Zuerst dachte ich, ach ja ein paar Leutchen, die sich in einer Bar treffen und sich ihren Frust von der Seele reden. Doch dieses Buch kann viel mehr.

Es verzaubert mit einer Geschichte über Menschen, die alle in einem Haus in Freiburg leben. Im Keller ist eine Bar, darüber ein Buchhandlung und darüber wiederum Wohnungen. Die Menschen, die dort leben sind Menschen wie Du und ich. Menschen mit Problemen, Sehnsüchten , Hoffnungen und Träumen. Sie alle sind auf der Suche, die einen finden ... die anderen nicht. Aber das ist noch nicht alles was diese Buch ausmacht. Es ist diese Feinfühligkeit, diese Sensibilität, dieses kleine bisschen  Melancholie, mit denen David Bielmann seine Protagonisten und ihre Geschichte zeichnet ... das macht das Buch zu etwas besonderem.

"Unter den sieben Milliarden Menschen, die derzeit auf der Welt lebten, gab es zu jeder Sekunde Tausende, die gerade enttäuscht worden waren, sich eine Träne von der Wange wischten und Trost beim Mond suchten. (.. .) Was immer man auch tat, was immer auch geschah, man war nicht allein, und vielleicht, dachte er weiter, während er in den Sternenhimmel sah, war die Sehnsucht sogar das einzige Gefühl, das man auf sämtlichen Planeten kannte." (S. 147)

An einer Stelle im Buch ist mein Herz besonders aufgegangen, da sie mir aus dem Herzen spricht und vielleicht auch eine kleine Ode an uns Buchhändler*innen ist  ...

"Buchhändlerin? >Ist das nicht etwas ... na ja, langweilig?<, fragte Bert vorsichtig. >Nicht, wenn man Buchhandlungen als Paradies betrachtet.< Ihre Augen begannen zu leuchten. > Hast du dir schon einmal überlegt, was sich so alles in einer kleinen Buchhandlung drin befindet? Wie viele Menschen da zusammen kommen, wie viel gedacht und gesagt und gefühlt wird, wie viele Reisen und Küsse und Morde stattfinden, wie viele Welten da erschaffen worden sind? Eine Buchhandlung ist ein Universum, in dem man sich frei durch Raum und Zeit bewegen kann. Gibt es etwas Schöneres?<" (Seite 137)

... für mich ist dies kein Beruf, sondern die Erfüllung meines Traums. Und damit sind wir wieder bei den Protogonisten des Buches.

"Jeder braucht doch ein bisschen Hoffnung, ein paar Träume. Auch wenn sie dann nicht in Erfüllung gehen, es reicht doch schon, wenn man sie nur im Kopf hat. Wenn man sie nicht vergisst. Sonst geht man ja kaputt, verstehst du?'" (S. 184)

Vielen Dank lieber David Bielmann für dieses wundervolle Debüt, dem ich ganz viele Leser*innen wünsche.

Unbedingt lesen!!!

Kommentare: 3
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raven1711s avatar

Rezension zu "Freedom Bar" von David Bielmann

Tolles Debüt
raven1711vor 2 Jahren

Klappentext:
Der junge Bert Bucher sieht sich als künftiger Rockstar. Da kommt ihm der Tod seiner Großmutter gerade gelegen, so kann er in ihre leerstehende Wohnung in Freiburg ziehen und seine Karriere vorantreiben. Ein Vorhaben, das bald von der schönen Studentin Lana gestört wird.
Johann B. Grab ist Inhaber einer Buchhandlung und sehnt sich zurück in eine Welt ohne Internet. Seine griechische Frau hingegen wünscht sich ein Kind, und der zeugungsunfähige Johann ist bereit, zu diesem Zweck einen Mann für sie zu suchen.
Henry Schweizer wohnt in seiner Bar, die er zu seinem persönlichen Sehnsuchtsort gemacht hat. Hier verwässern sich Sorgen im Rausch, abstruse Ideen reifen zu Taten heran und Verlierer werden zu Gewinnern.

Meinung:
Der Klappentext fasst den Inhalt bereits ziemlich gut zusammen, ohne zuviel zu verraten. Der junge Musiker Bert Bucher versucht ein berühmter Musiker zu werden, leider fehlt es ihm aber noch an Engagements und Menschen, die seine Musik zu schätzen wissen. Da seine Großmutter kürzlich verstorben ist, zieht er kurzfristig in ihre Wohnung, um sich um die Wohnungsauflösung zu kümmern und seinen musikalischen Spielraum weiterzuentwickeln. Im Erdgeschoss desselben Gebäudes betreibt Johann B. Grab ein Wissensarchiv, das er, dem Internet und seiner Informationsfülle geschuldet, zu einer Buchhandlung erweitern musste und mit Lektoratsarbeiten am Leben erhält. Seine Frau Maria wünscht sich sehnlichst ein Kind, aber Johann ist zeugungsunfähig. Deshalb denkt er ernsthaft darüber nach einen anderen Mann für Maria zu finden, um ihr den Wunsch zu erfüllen. Und im Keller des Gebäudes befindet sich die Freedom Bar, in der der Wirt Henry seine Träume hineingesteckt hat. Immer wieder treffen diese drei unterschiedlichen Menschen und einige Nebenfiguren aufeinander und beeinflussen deren jeweiliges Leben nachhaltig.
David Bielman hat hier mit viel feinsinnigem Humor seine Figuren erschaffen. Ausgestattet mit genügend Hintergrundinformationen bekommen die Protagonisten so sehr viel Tiefe und wirken in ihren Handlungen und Verhaltensweisen unheimlich nah, menschlich und authentisch. Egal ob Bert, Johann oder Henry, in jeder Figur kann man etwas von sich selber finden und sich mit deren Träumen, Hoffnungen und Ängsten auseinandersetzen. Aber auch die Nebenfiguren sind gut ausgearbeitet und runden die Geschichte wunderbar stimmig ab.
Herr Bielman hat einen großartigen und eingängigen Schreibstil, der mich vom ersten Satz an eingefangen hat. Die Geschichte ist spannend und unterhaltsam aufgebaut und umgesetzt. Geschickt verwebt der Autor hier die Lebenswege seiner Figuren und treibt somit die Handlung durch diese Verwicklungen und Treffen voran. Viel zu schnell ging dieser kurzweilige Roman, der in der dritten Person erzählt wird, vorbei und mit einem wehmütigen (weil das Buch schon aus war), aber guten Gefühl habe ich das Buch beendet.
Vielen Dank an den Autor und den Riverfield Verlag für das Rezensionsexemplar.

Fazit:
Ein tolles Debüt - David Bielmann verknüpft hier mit viel erzählerischem Geschick die Lebenswege seiner drei Hauptfiguren und schafft somit einen wundervollen, stimmigen Roman über Freiheit und Sehnsucht, der mich sehr berührt hat.
Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.

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renies avatar

Rezension zu "Freedom Bar" von David Bielmann

Eine Liebeserklärung an das Leben
renievor 3 Jahren

Freiburg - ein kleines Städtchen in der Schweiz. In der Lausannegasse Nr. 43 steht ein Haus, das im Keller die Freedom Bar beherbergt. Im Erdgeschoss gibt es einen Buchladen. In weiteren Stockwerken befinden sich eine Anwaltskanzlei sowie eine Mietwohnung. Dieses Haus ist der Dreh- und Angelpunkt für die Geschichte um die 3 Protagonisten
Heinrich alias Henry Schweizer - Betreiber der Freedom Bar.
Johann Grab - Buchhändler, der sein Glück mehr schlecht als recht mit der Buchhandlung "Wissensarchiv" versucht.
Bert Buch - erfolgloser Musiker und Songschreiber, der die Mietwohnung in der Lausannegasse Nr. 43 von seiner kürzlich verstorbenen Oma übernommen hat.
Obwohl diese 3 Charaktere in unmittelbarer Nähe zueinander wohnen, haben sie anfangs herzlich wenig miteinander zu tun. Erst im Verlauf der Geschichte kreuzen sich ihre Lebenswege immer häufiger und ihre Schicksale werden miteinander verwoben.
Alle 3 haben eines gemeinsam: Sie sind tragisch-komische Helden. Das Leben hat es bis jetzt weder gut noch schlecht mit ihnen gemeint. Doch wie so oft ist man selten zufrieden mit dem, was man hat. So sehnen sich die Drei nach einem anderen und besseren Leben.

"Es gab Leute, die stets das Ausgefallene suchten, Leute, die befürchteten, zum Durchschnitt zu gehören, der Alltagsmonotonie anheimzufallen, und dann mit verrückten Aktionen irgendetwas tun wollten, und sei es vielleicht nur, um sich die Macht über sein eigenes Leben zu beweisen: Kündigungen aus dem Bauch heraus, plötzliche Reisen ohne Rückflugticket, ein neues außergewöhnliches Hobby, neue etwas spezielle Freunde, Fallschirm- und Seitensprünge." (S. 83)

Henry träumt von einem Leben in Amerika. Amerika ist für ihn das Sinnbild für grenzenlose Freiheit und Unabhängigkeit. Eine erste Chance nach Amerika zu gehen, hat er vor einigen Jahren bereits verpasst. Jetzt versucht er seinen Traum in den 4 Wänden seiner Freedom Bar zu leben.

Johann betreibt seit Ewigkeiten die Buchhandlung "Wissensarchiv". Da er eher Idealist als Geschäftsmann ist, hält er sich mit seiner Buchhandlung mehr schlecht als recht über Wasser. Er hat den Traum, seine Buchhandlung zu einer Quelle des Wissens zu machen, sozusagen "Google" in gedruckter Form. Aber man ahnt es, in Zeiten von Internet und Google, ist an die Umsetzung seines Traumes nicht zu denken. So sitzt er tagtäglich in seiner Buchhandlung und es scheint, dass er sich mit seiner Erfolglosigkeit abgefunden hat. Auch im Privaten läuft es nicht so, wie er gerne hätte. Johann ist zwar glücklich mit Maria verheiratet. Doch die Ehe blieb bisher kinderlos. An Maria liegt es nicht. So scheint Johann an allen Fronten zu versagen: erfolglos im Beruf und Probleme, seinen Mann zu stehen. Es scheint, als ob er sich mit seiner Loser-Rolle abgefunden hat. Nur eines ist ihm wichtig: Maria glücklich zu machen.

Nachdem Berts Oma gestorben ist, übernimmt er ihre Wohnung. Er macht gerade eine Findungsphase durch. Antriebslos, ohne Job, ist er mit der Frage beschäftigt, welche Richtung er auf seinem Lebensweg nehmen soll. Sein Herz schlägt für die Musik. Er träumt von einer Karriere als Rockstar und Songwriter. Dabei besitzt er leider nur wenig Talent. Die Versuche, seine Musik auf der Straße oder bei YouTube zu performen, bringen leider nicht die gewünschte Reaktion seiner Zuhörerschaft. Und dann verliebt sich Bert auch noch - natürlich unglücklich! Ja, auch Bert ist vom Leben gebeutelt: kein Job, kein Talent, keine Perspektive, unglücklich verliebt. Tragisch!

"'Jeder braucht doch ein bisschen Hoffnung, ein paar Träume. Auch wenn sie dann nicht in Erfüllung gehen, es reicht doch schon, wenn man sie nur im Kopf hat. Wenn man sie nicht vergisst. Sonst geht man ja kaputt, verstehst du?'" (S. 184)

David Bielmann zeichnet seine Protagonisten als Verlierertypen, die naiv und träumerisch durch das Leben gehen. Dabei hat man permanent das Gefühl, dass er seine Protagonisten mit einem Augenzwinkern beschreibt. Man schließt sie sehr schnell ins Herz. Die Drei haben ihre Träume und Sehnsüchte von einem anderen und besseren Leben. Und davon weichen sie in keiner Sekunde ab. Man wünscht ihnen, dass es ihnen doch endlich gelingen möge, sich ihre Träume zu erfüllen.

Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven erzählt. Anfangs fragt man sich, welche Verbindung die 3 Charaktere miteinander haben - abgesehen von der räumlichen Nähe. Aber David Bielmann schafft es mit viel Sprachwitz und sehr fantasievoll Spuren auszulegen, die dem Leser den Weg zum weiteren Handlungsverlauf weisen. Man lässt sich dabei gern von ihm führen. Denn durch seinen lebhaften Sprachstil und der Tragik-Komik gerät der Leser in einen mitreißenden Lesefluss. Man will dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen.

"... Unter den sieben Milliarden Menschen, die derzeit auf der Welt lebten, gab es zu jeder Sekunde Tausende, die gerade enttäuscht worden waren, sich eine Träne von der Wange wischten und Trost beim Mond suchten. ... Was immer man auch tat, was immer auch geschah, man war nicht allein, und vielleicht, dachte er weiter, während er in den Sternenhimmel sah, war die Sehnsucht sogar das einzige Gefühl, das man auf sämtlichen Planeten kannte." (S. 147)

Fazit:
" ... eine wunderbare Liebeserklärung an das Leben." So steht es im Klappentext und charakterisiert diesen Roman punktgenau. Man muss nicht in die Ferne schweifen, um eine tolle Geschichte zu erzählen. Denn die tollsten Geschichten schreibt das Leben. Es bedarf nur weniger Zutaten: Menschen und ihre Träume. Wenn diese Geschichte dann noch in einer beeindruckenden Sprache erzählt wird, die nur so vor Sprachwitz sprudelt, stellt man schnell fest, dass man ein Buch erwischt hat, an das man sich immer wieder gern erinnern wird. "Freedom Bar" ist solch ein Buch und macht unweigerlich Lust auf mehr aus der Feder von David Bielmann.

© Renie

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Zusätzliche Informationen

David Bielmann wurde am 28. Juni 1984 in Rechthalten (Schweiz) geboren.

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