David Foenkinos Charlotte

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Inhaltsangabe zu „Charlotte“ von David Foenkinos

»Das ist mein ganzes Leben« – mit diesen Worten übergibt Charlotte einem Vertrauten 1942 einen Koffer voller Bilder. Sie erzählen ihre viel zu kurze Geschichte: von der Kindheit im Berlin der 20 Jahre, dem frühen Tod der Mutter, dem Zugang zu Berlins Künstlerkreisen durch die neue Frau des Vaters, dem Studium an der Kunstakademie, dem Leben als Malerin. Und dann: Flucht vor den Nationalsozialisten nach Südfrankreich, Leben im Exil, aber auch Liebe und Hochzeit. Nur ihre Bilder überleben – und damit ihre Geschichte, die David Foenkinos anrührend erzählt. Charlotte ist das Porträt eines verheißungsvollen Lebens, das viel zu früh beendet wurde.

Ein Meisterwerk - intensiv, menschlich, nachdenklich

— Beust

Ein wunderbares Portrait eines viel zu kurzen Lebens.

— ulrikerabe

Das ist ein wunderbares Buch über das Leben charlotte salomons. Sehr gut geschrieben, informativ, gefühlvoll, mitreißend.

— Cinderella11k

Sprachgewaltig und beindruckend. Ein Lesegenuss!

— Code-between-lines

Ein wunderbares Buch. Alles ist stimmig. Das Layout, die Sprache, der Inhalt. Ein echter Schatz im Bücherregal!

— SATZZEICHEN

Ein Meisterwerk!

— himbeerbel

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  • Malen gegen den Wahnsinn

    Charlotte

    SATZZEICHEN

    13. July 2017 um 14:50

    Charlotte. Ein kurzer, knapper Titel. Das Cover mit dem faszinierenden Gesicht, nur angeschnitten, der Kopf nicht komplett zu sehen. Dann dieser Blick, intensiv und ernst, der einen überall hin zu verfolgen scheint. Charlotte. Auch der Name meiner ältesten Tochter. Noch ein Grund, dass dieses Buch mich wie auf magische Weise anzieht und ich es unbedingt haben möchte. Ich kenne den Autor, David Foenkinos, nicht, und auch Charlotte Salomon, die Protagonistin des Romans, sagt mir bis dato nichts. Dass es sich bei dem Buch um einen Spiegel-Bestseller handelt, ist mir ebenfalls entgangen – und so bin ich im besten Sinne unbedarft und unvoreingenommen. Das Buch nimmt mich ab der ersten Seite gefangen. Nein, noch davor. Bereits die vorangestellte Bemerkung des Autors packt mich und zerrt mich an Bord: "Der folgende Roman beruht auf dem Leben der deutschen Malerin Charlotte Salomon. Sie war sechsundzwanzig und schwanger, als sie ermordet wurde. Ihr autobiografisches Werk Leben? Oder Theater? ist die Quelle, auf die ich mich hauptsächlich beziehe." Sechsundzwanzig und schwanger. Das ganze Leben vor sich, ein neues Leben in sich. Und dann wird sie ermordet! Charlotte Salomon ist Jüdin, eine begabte junge Künstlerin, die in Berlin lebt. Sie flieht vor Hitlers Regime nach Südfrankreich und entkommt den Klauen des Bösen dennoch nicht. Ein schreckliches Schicksal, wie man es aus dem Dritten Reich kennt. Und doch ist da noch so viel mehr. Hier geht es um eine junge Frau, die abseits aller Weltpolitik auch so schon ein schweres Päckchen zu tragen hat. Den Namen Charlotte trägt sie nicht ohne Grund: Die geliebte Schwester ihrer Mutter Franziska hieß bereits so. Die kleine Charlotte soll mit ihrem Namen an diese geliebte Schwester erinnern, die auf tragische Weise viel zu jung verstorben ist. Selbstmord. Franziska verkraftet diesen Verlust nie, es kommt ihr vor, als habe ihre Schwester sie betrogen – wie konnte sie sie nur so alleine lassen. Obwohl Franziska aus Liebe, wie sie behauptet, heiratet und die kleine Charlotte bekommt, wird sie nicht glücklich. Ihr Leben ist eine Katastrophe, ihr Zustand verschlimmert sich, sie versucht sich umzubringen. Die Umwelt ist alarmiert, bewacht sie – doch es nützt alles nichts. Franziska springt aus dem Fenster und stirbt. Charlotte Salomon ist noch kein Teenager, als all das passiert. Doch alleine ist sie bereits länger, das Interesse an der kleinen Tochter verschwand, bevor die Mutter tatsächlich starb, nämlich als sich der psychische Zustand verschlechterte. Einen fatalen Satz jedoch gab sie dem kleinen Mädchen mit auf den Weg: "Ihre Mutter habe versprochen, ihr zu schreiben. Sobald sie im Himmel oben angekommen ist." Es dauert qualvolle Wochen, bis die kleine Charlotte begreift, dass sie niemals einen Brief von ihrer Mama aus dem Himmel bekommen wird. Als es ihr klar wird, ist sie der Mutter fürchterlich böse. Irgendetwas an diesem Buch fasziniert mich nicht nur, es irritiert mich. Ich brauche einige Zeit, bis ich merke, was es ist: Es ist zum einen dieser Flattersatz, der das Seitenlayout bestimmt. Als sei es eine Gedichtesammlung und kein Roman. Viele Absätze zerfleddern außerdem das Erscheinungsbild und bringen Unruhe hinein. Und dann ist da zum anderen dieser merkwürdige Wechsel des Erzählstils. Mal scheint die Mutter Franziska zu berichten, mal die kleine Charlotte. Und plötzlich tritt auch noch der Autor selbst in Erscheinung, als Ich-Erzähler. Mitten im Erzählfluss, mitten im „Sich-in-Charlotte-Einfühlen“ kommt ein abrupter Perspektivenwechsel. Das klingt dann folgendermaßen: "Am Fürstin-Bismarck-Lyzeum wird hinter ihrem Rücken getuschelt. Sie hat ihre Mutter verloren, wir sollen nett zu ihr sein. Sie hat ihre Mutter verloren, sie hat ihre Mutter verloren. Die breiten Treppenaufgänge des Gebäudes haben etwas Beruhigendes. Etwas Schmerzstillendes. Charlotte ist froh, jeden Tag zur Schule gehen zu können. Auch ich bin diesen Weg etliche Male gegangen. Ich wollte auf den Spuren der kleinen Charlotte wandeln. Ihrer Fährte folgen, hin und zurück." Es verwirrt mich, dass der Autor sich einfach so in diesen Roman einbringt, wo er doch zwischendurch immer wieder versucht, eine Atmosphäre zu erschaffen, in die der Leser eintauchen kann. Es stört den Lesefluss, es ist ungewöhnlich. Doch dann, auf Seite 73, kommt endlich die lange fällige Erklärung, die allem plötzlich einen Sinn gibt : "Ich saß immer da und wollte dieses Buch schreiben. Aber wie? Durfte ich selbst darin vorkommen? Konnte ich aus Charlottes Geschichte einen Roman machen? Welche Form sollte das Ganze annehmen? Ich schrieb, löschte, kapitulierte. Ich brachte keine zwei Zeilen zu Papier. Nach jedem Satz geriet ich ins Stocken. Es ging einfach nicht weiter. Das war körperlich beklemmend. Ich verspürte beständig das Verlangen, eine neue Zeile zu beginnen. Um durchatmen zu können. Irgendwann begriff ich, dass ich das Buch genau so schreiben musste." Was für eine grandiose Passage! Spätestens in dem Moment geht mir auf, dass ich einen wahren Schatz in Buchform vor mir liegen habe. Ein echter Held ist dieser Autor, der seine Zweifel dem Leser nicht vorenthält, sondern sie ihm grundehrlich und unverblümt mitteilt. So erhält dieses Buch einen ganz und gar eigenen Stil, es entwickelt sich aus einem Manko ein Meisterwerk. Charlotte Salomons Lebensweg ist vorgezeichnet, man weiß, wie er enden wird, noch bevor man die erste Seite aufschlägt. Und dennoch liest man begierig, jedes Wort, jeden abgehackten Satz, jede zerfledderte Seite – denn Foenkinos schafft es gerade durch seinen außergewöhnlichen Stil, den berühmten Sog zu entwickeln, den ein wirklich gutes Buch ausmacht. Man möchte das allzu bekannte Schicksal jüdischer Menschen im Dritten Reich abwenden können, man will, dass wenigstens diese eine Person ihr Happy End bekommt. Doch sie bekommt es nicht und man weiß es – die ganze Zeit. Und dennoch bleibt man bis zuletzt voll unsinniger Hoffnung. Für mich katapultiert sich dieses Buch aus dem Nichts an die Spitze meiner persönlichen Lese-Highlights-Liste des Jahres 2017.

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  • ein viel zu kurzes Leben

    Charlotte

    ulrikerabe

    30. June 2017 um 20:18

    David Foenkinos porträtiert in seinem Buch Charlotte das viel zu kurze Leben der Malerin Charlotte Salomon.Charlotte, geboren 1917 in Berlin, wächst in gutbürgerlichen Verhältnissen in einer assimilierten jüdischen Familie auf. Umschattet ist ihr junges Leben vom Tod, Die Mutter stirbt als Charlotte noch ein Kind war. Erst viel später erfährt Charlotte, dass es Selbstmord war. Nicht nur die Mutter, auch schon die Tante wählte vor Jahren den Freitod, sowie einige andere Mitglieder der Familie mütterlicherseits.Der Vater, ein angesehener Arzt, nimmt die Sängerin Paula zu seiner zweiten Frau, die von Charlotte nahezu verehrt wird. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten erhält Paula Auftrittsverbot, der Vater Berufsverbot. Die talentierte Charlotte schafft es trotz ihrer jüdischen Herkunft auf die Schule für angewandte Kunst. Als sie aber einen Preis, der ihr verliehen werden sollte, nicht annehmen darf, verlässt sie die Schule. Enttäuscht vernichtet sie ihre Zeichnungen. „Nie wieder Kunstakademie!“, ringt sie hervor.Als die Großeltern nach Südfrankreich emigrieren, ergreifen die Eltern die Möglichkeit, Charlotte zu diesen zu schicken. Unglücklich verlässt Charlotte Deutschland, ihren Vater und Paula, ihren Liebhaber Alfred, einen Mann, den sie niemals vergessen kann.In der L‘Ermitage, einem von einer Amerikanerin geleiteten Waisenhaus, findet Charlotte ein neues zuhause. Sie fasst großes Vertrauen zu Ottilie Moore, der Amerikanerin und zu dem Arzt Moridis.Doch auch im Exil kann Charlotte nicht glücklich sein. Die Großmutter beginnt aufgrund der weltpolitischen Lage den Verstand zu verlieren, bis sie sich auch in den Tod stürzt. Zwischen dem Tod der Tante und dem der Mutter liegen 13 Jahre, zwischen dem der Mutter und der Großmutter ebenfalls. „Charlotte stellt eine Rechnung an…1953 wird sie sich umbringen. Wenn sie es denn so lange durchhält.“Nachdem sie dem Internierungslager Camp de Gurs entkommt , beginnt sie wieder zu malen, ihr Lebenswerk "Leben? Oder Theater?" entsteht.Nachdem sie einigermaßen sicher in dem von den Italienern besetzten Teil Frankreichs lebt, heiratet Charlotte den Österreicher Alexander, der ebenso ein Vertriebener ist, obwohl sie ich nicht liebt, wird schwanger. Als Deutschland nach der Kapitulation Italiens ganz Frankreich besetzt hält, wird das Ehepaar verraten und deportiert. Charlotte Salomon stirbt Ende 1943 in Auschwitz.Niemand weiß, was aus dieser herausragenden Künstlerin geworden wäre, wenn die Zeiten andere gewesen wären. „C‘est toute ma vie!“ - Das ist mein ganzes Leben, sagt Charlotte als sie dem Arzt Moridis ihr Lebenswerk übergibt. Charlottes Leben dauerte gerade einmal 26 Jahre. David Foenkinos schafft mit seinem Roman ein überaus beindruckendes und bedrückendes Bild dieser jungen Frau. In kurzen, aber dafür umso eindringlicheren Abschnitten umreißt er die Stationen in Charlotte Salomons Leben. Fast poetisch liest sich das Buch zeitweise. Stellenweise gibt Foenkinos aber auch Einblick, wie er sich an das Schreiben dieses Buches gemacht hat, schildert Begegnungen mit Menschen, die ihm Auskunft über Charlotte geben oder hätten geben können, beschreibt die Orte auf Charlottes Lebensweg, wie sie heute sind, und schildert mit Augenzwinkern, welches Verhältnis er zu Jonathan Safron Foer hat.„Es ging einfach nicht weiter.Das war körperlich beklemmend.Ich verspürte das Verlangen eine neue Zeile zu beginnen.Um Durchatmen zu können.Irgendwann begriff ich, dass ich dieses Buch genau so schreiben musste.“Diese Gefühle sind auch für den Lesenden spürbar, trotz der kleinen Passagen ist das Buch invasiv und hinterlässt große Nachdenklichkeit.

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  • Charlotte - Als würde man ein Gedicht lesen

    Charlotte

    ahukader

    29. May 2017 um 09:25

    Der Autor David Foenkinos, geboren am 28. Oktober 1974 ist ein französischer Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur. Sein Buch Charlotte, erschienen 2014 in Frankfreich wurde mit Prix Renaudot und dem Prix Goncourt des lycéens ausgezeichnet. Seine Bücher werden in rund 40 Sprachen übersetzt und Charlotte verkaufte sich schon allein nur in Frankfreich rung eine halbe Million Mal. Zur Charlotte Salomon  Charlotte Salomon war eine jüdische Malerin, die in Auschwitz mit 26 Jahren umgebracht wurde. Ihre Lebenswerk Leben? Oder Theater entstand binnen 18 Monaten. In diesen 18 Monaten zeichnete sie über 1000 Gouachen, von denen sie 769 Bilder aussuchte und an einen Freund gab, der es für sie aufbewahren sollte. Nach ihrem Tod und dem Krieg überreichte man ihr Werk ihren Eltern. Sie hatte ihr komplettes Leben wie ein Theaterstück aufgezeichnet. Ausgestellt wird dieses Werk im Joods Historisch Museum in Amsterdam. Klappentext Berlin in den 1930ern: Bei der großbürgerlichen Familie Salomon verkehren gefeierte Sänger, Literaten und berühmte Wissenschaftler. Bis die Nazis dem illustren Treiben ein Ende bereiten, und damit auch dem Traum der begabten Tochter Charlotte, als Künstlerin Karriere zu machen.Verzweifelt flieht die junge Frau zu den Großeltern nach Südfrankreich, um zu leben und zu lieben - und wie im Rausch Hunderte von Bildern zu malen, die ihre eigene bewegte Geschichte erzählen.  Das Buch David Foenkinos führt uns mit kurzen Sätzen, die auf dem ersten Blick einem Gedicht ähneln durch das Leben Charlottes.  Die Heirat ihrer Eltern, ihre Geburt. Wie sich die Mutter Franziska das Leben nimmt. Mit wirklich ziemlich knappen Sätzen, die einen doch erschüttern.  Charlottes Vater heiratet ein zweites mal die Opernsängerin Paula Lindberg. Paula Lindberg spielt eine große Rolle in Charlottes Leben. Sie mag sie sehr.  Der nächste wichtige Mensch für Charlotte ist Alfred Wolfsohn, der Gesangspädagoge von Paula Lindberg. Nachdem er mehrmals im Hause Salomons ist, verliebt sich Charlotte in ihn und sie treffen sich heimlich.  Als der Krieg unerträglich wird, zwingen die Eltern Charlotte wegzugehen. Somit emigriert sie zu ihren Großeltern mütterlicherseits nach Villefranche. Albert verabschiedet sie am Bahnsteig mit den Worten "Mögest du nie vergessen, dass ich an dich glaube", an denen sie ihr ganzes Leben lang fest hält.  Nach der Emigration nach Frankreich erlebt Charlotte noch den Tod ihrer Großmutter. Sie wirft sich vor ihren Augen aus dem Fenster. Dort erfährt sie auch zum ersten Mal, dass ihre eigene Mutter nicht an einer Krankheit gestorben ist. Genauso wenig ihre Tante Charlotte, nach der sie benannt ist. Charlotte Salomon macht nach dem Tod ihrer Großmutter viel mit ihrem Großvater durch. Es geht soweit, dass der Großvater bei einer Übernachtung in einer Pension möchte, dass sie sich zu ihm legt. In Tagen von Krieg wäre das ja nicht schlimm. Charlotte geht weg und schließt sich für 18 Monate in einer Pension ein und zeichnet in dieser Phase wie eine Wahnsinnige über 1000 Gouachen und somit ensteht Leben? Oder Theater?  Nachdem sie die ausgesuchten Gouachen ihrem Arzt Dr. Moridis gibt, kehrt sie zurück, um auf ihren Großvater aufzupassen. Nach dem Tod des Großvaters heiratet sie Alexander Nagler. Als sie im fünften Monat schwanger ist, werden sie und ihr Mann verraten. Charlotte Salomon wird nach Auschwitz gebracht und nach 10 Tagen ihrer Ankunft dort vergast. Meine Gedanken Ich finde dass das Buch gut gelungen ist. Sonst hätte es auch nicht zwei Auszeichnungen bekommen. Sehr interessant fand ich die Stellen, an dem der Autor seien Recherchen erzählt. Mitten im Leben von Charlotte können wir dann solche Sätze lesen wie: "In Villefranche-sur-Mer erinnert man sich lebhaft an sie. 1968 wurde ihr großartiges Landhaus abgerissen. Um einer Luxusvilla Platz zu machen. Im Garten wurde ein riesiger Swimmingpool gebaut. [...] Wie komme ich da hinein? Gar nicht. Das einst so gastliche Haus ist heute abgeriegelt." Wie schon am Anfang bemerkt liest man dieses Buch runter, wie als würde man ein Gedicht lesen. Der Autor zeigt mir, dass kurze knappe Sätze sehr wichtig sein können und dass es nicht immer langen Erklärungen braucht. An dieser Stelle möchte ich mich beim Penguin Verlag bedanken, der mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. - so many books, so little time.

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  • Leben? Oder Theater?

    Charlotte

    katharose

    23. April 2017 um 19:54

    Biografie über das kurze Leben der Berliner Künstlerin Charlotte Salomon (1917-1943) Charlotte hatte kein leichtes Leben – stets vom Tode überschattet verliert sie ihre Mutter sehr früh. Doch erst spät wird sie erfahren, dass es ein Selbstmord war. In Zeiten, wo sich der kommende Nationalsozialismus mehr und mehr andeutet, spürt Charlotte nach und nach schließlich das Bedürfnis Künstlerin zu werden und schafft es, obwohl nur eine Hand voll Juden an der Universität angenommen werden dürfen, ihre Leidenschaft zu studieren. Dort, unter Künstlern und Musikern, lernt sie bald einen Mann kennen, der etwas zuvor unbekanntes in ihr regt. Ich gebe zu, ich kannte Charlotte Salomon zuvor nicht, doch der französische Autor Foenkinos hat es geschafft, mich mit seiner Begeisterung anzustecken. Zunächst sei gesagt: Dieses Buch liest sich ganz besonders. Aufgebaut wie ein Gedicht, beim kurzen Blick über die Seiten glaubt man, es sei in Versen – doch halt, er schreibt in kurzen, prägnanten Parataxen. Im Zuge des Lesens begründet Foenkinos auch seine Entscheidung diese Biografie auf so außergewöhnliche Weise zu verfassen. Was zunächst etwas gewöhnungsbedürftig ist, entpuppt sich schnell als sicheres Stilmittel, Dinge klar auf den Punkt zu bringen, schmerzhafte Worte direkt auszusprechen und mitten ins Herz zu treffen. Schon mit dieser Besonderheit zog mich das Buch an, doch der Inhalt schlägt wie eine Bombe zu. Charlottes trauriges Schicksal, vom schrecklichen Tod ihrer Mutter, über die heimliche Liebe und das bittere Exil in Frankreich, zu ihrem größten künstlerischen Erfolg, und letztendlich ihrem grausamen Tod in Auschwitz. Keine leichte, aber unglaublich bewegende Lektüre. Nun stellt sich eine wichtige Frage: Ist es Charlottes Biografie, die einen schon bewegt, wenn man sie kurz googelt, oder ist es tatsächlich Foenkinos, der einen das Herz aus dem Leibe reißt? Natürlich ist es auch die Biografie, aber die spezielle Weise, sich Charlotte zu nähern und sich ihr nah zu fühlen, macht das Buch so lesenswert. So beschreibt Foenkinos in seinen knappen prosaischen Versen nicht nur Charlottes Interaktionen, sondern auch, wie er ihrem Weg folgt – nach Berlin und Frankreich, wie er sie kennengelernt hat. Hie eine Brise Humor, da großer Herzschmerz. Das Buch „Charlotte“ strotzt vor Leben und fasziniert, ja brachte mein Herz zum Klopfen, so dass ich dieses kurze (aber nicht zu kurze!) Büchlein in einer Nacht durchlas. Wer sich dieses wortstarke, aber auch schmerzhafte Buch zu Gemüte ziehen will, dem empfehle ich, vorher einen Blick in den Zyklus „Leben? Oder Theater?“ zu werfen, in dem sie mit musikalischen, prosaischen und vor allem malerischen Elementen ihr Leben dokumentiert. Leider liegt hier meines Erachtens nach auch die Schwäche in der Biografie: Die Malerei, die besonderen künstlerischen Charakteristika ihrer Werke bleiben unbekannt – so viel, wie von „Leben? Oder Theater?“ gesprochen wird, so wenig erfährt man eigentlich über die Technik, über Themen und Motive. Ich hätte gerne mehr über die Künstlerin Charlotte erfahren, wo ich nun so viel zum Menschen kenne – natürlich kann man das nicht ganz trennen, aber ein bisschen Tiefe in diesem Aspekt hätte dem Buch noch ein Sahnehäubchen aufgesetzt. Zu guter letzt das Cover: Eine Teilabbildung von Charlottes Selbstporträt, sie blickt zur Seite, aber nur fast, aus den Winkel ihrer Augen starrt sie einen geheimnisvoll an: Wer ist diese Frau? Schlicht, effektiv und passend. Ein großes Dankeschön an den Penguin Verlag, der mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Fazit: Wie ein Stoß direkt in mein Herz und meine Faszination traf mich David Foenkinos Biografie zu Charlotte Salomon. Sprachlich sehr schlicht und trotzdem ergreifend geschrieben, geht man mit Charlotte auf eine schrecklich traurige, aber auch insprierende Lebensreise.

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  • Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017

    Warum Lesen glücklich macht

    GrOtEsQuE

    Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017 Achtung - es handelt sich nicht um eine Leserunde sondern eine Challenge zum SUB-Abbau!!! Es werden keine Bücher verlost. Ich habe es nur als Leserunde erstellt, damit das Ganze etwas übersichtlicher wird.Ich möchte mich 2017 mehr dem SUB-Abbau widmen, daher habe ich mir überlegt eine Challenge zu erstellen. Die Regeln möchte ich so einfach wie möglich halten - es soll ja auch Spaß machen und nicht in Stress ausarten.Es wird jeden Monat ein anderes Motto geben. Für die zum Monatsmotto passenden Bücher, gibt es jeweils einen Extrapunkt. Das Monatsmotto werde ich immer Ende des Vormonats im entsprechenden Unterthema bekannt geben. Den Extrapunkt kann man mehrmals im Monat sammeln, wenn man genügend passende Bücher für das Motto hat.Jeder der mitmachen möchte, postet bitte im Unterthema Sammelbeiträge seinen Sammelbeitrag. Ich werde dann jeden Monat hier im Startbeitrag die Punkte aktualisieren. Bei den einzelnen Sammelbeiträgen ist mir eigentlich nur wichtig, dass in der ersten Zeile die Gesamtpunktzahl steht, ansonsten kann jeder seinen Beitrag so gestalten wie er möchte - entweder nur die Punkte aufschreiben oder auch das gelesene Buch benennen.Man kann jederzeit noch einsteigen - einfach einen Sammelbeitrag posten und los gehts!!! Rezensionen sind keine Pflicht. Es gelten alle Bücher, die in 2017 beendet werden, man kann also ruhig auch die in 2016 angefangen erst in 2017 beenden. Die Punkteverteilung sieht wie folgt aus: Für jedes gelesene Buch gibt es einen Punkt. Für jedes gelesene Buch, was vor 2017 auf dem SUB gelandet ist, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 400 Seiten hat, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 600 Seiten hat, gibt es zwei Extrapunkte. Für jedes gelesene Buch, was zum Monatsmotto passt, gibt es einen Extrapunkt. Für Comics und Mangas werden nur die Hälfte der Punkte vergeben. Hörbucher zählen auch. Bei den Extrapunkten für die Seiten einfach an dem "echten" Buch orientieren. Wenn es sich um die gekürzte Fassung des Hörbuchs handelt, dann ein dreiviertel der Seiten. (Also mal angenommen das Buch hat 400 Seiten und du hast die gekürzte Fassung des Hörbuchs, zählt es nur für 300 Seiten, also kein Extrapunkt.) Bereits früher gelesene Bücher zählen auch, aber hier gibt es den vor-2017-auf-dem-SUB-gelandet-Punkt nicht, da die Bücher ja nicht mehr zum SUB gehören. Im besten Fall kann man also 5 Punkte pro Buch erhalten. Wer noch Fragen hat, kann sie im Unterthema für Fragen stellen. Nun hoffe ich auf eine rege Teilnahme und wünsch uns schon mal viel Spaß :-) Teilnehmer --- Gesamtpunktzahl --- zuletzt aktualisiert 20.10.2017: _Jassi                                           ---  77 Punkte AmberStClair                             ---   69 Punkte (Gesamtpunkte angeben) Arachn0phobiA                         ---   259 Punkte Astell                                           ---    9 Punkte BeeLu                                         ---   92 Punkte Bellis-Perennis                          ---  691 Punkte Beust                                          ---   352 Punkte Bibliomania                               ---   233 Punkte Buecherkaetzchen                   ---   48 Punkte Buchgespenst                         ---  444,5 Punkte ChattysBuecherblog                --- 285 Punkte Buchperlenblog (CherryGraphics)  ---   154,5 Punkte Code-between-lines                ---  154 Punkte DieBerta                                    ---   ?  Punkteeilatan123                                 ---   80 Punkte Eldfaxi                                       ---   52 Punkte Farbwirbel                                ---   46 Punkte fasersprosse                            ---    35 PunkteFrau-Aragorn                           ---   216 Punkte Frenx51                                     ---  103 Punkte glanzente                                  ---   94 Punkte GrOtEsQuE                               ---   84 Punkte hannelore259                          ---   78 Punkte hannipalanni                           ---   181 Punkte Hortensia13                             ---   148 Punkte Igelchen                                    ---   26 Punkte Igelmanu66                              ---  191 Punkte janaka                                       ---   118 Punkte Janina84                                   ---    95 Punkte jasaju2012                               ---   20 Punkte jenvo82                                    ---   135 Punkte kalestra                                    ---   33 Punkte Kattii                                         ---   88 Punkte Katykate                                  ---   121 Punkte Kerdie                                      ---   239 Punkte Kleine1984                              ---   145 Punkte Kuhni77                                   ---   129 Punkte KymLuca                                  ---   110 Punkte LadyMoonlight2012               ---   29 Punkte LadySamira090162                ---   285 Punkte Larii_Mausi                              ---    63 PunkteLeif_Inselmann                       ---   40,5 Punkteleseratte89                               ---   50 Punkte Leseratz_8                                ---   18 Punktelisam                                          ---   257 Punkte louella2209                            ---   69 Punkte lyydja                                       ---   94 Punkte mareike91                              ---    47 Punkte MissSnorkfraeulein                  ---  44 Punkte MissSternchen                          ---  55 Punkte mistellor                                   ---   181 Punkte Mone97                                    ---   55 Punktemy_own_melody                     ---   18 Punktenaevia                                        ---   17 Punktenatti_Lesemaus                        ---  148 Punkte Nelebooks                               ---  245 Punkte niknak                                       ----  313 Punkte nordfrau                                   ---   143 Punkte PMelittaM                                 ---   242 Punkte PollyMaundrell                         ---   34 Punkte Pucki60                                        --- 37 Punkte QueenSize                                 ---   132 Punkte readergirl                                   ---    5 Punkte Readrat                                      ---   67 Punkte SaintGermain                            ---   139 Punkte samea                                           --- 76 PunkteSandkuchen                              ---   241 Punkteschadow_dragon81                  ---   92 Punkte Schmiesen                                  ---   195 Punkte Schokoloko29                            ---   35 Punkte Somaya                                     ---   315 Punkte SomeBody                                ---   189,5 Punkte Sommerleser                           ---   215 Punkte StefanieFreigericht                  ---   236,5 Punkte tlow                                            ---   165 Punkte Veritas666                                 ---   151 Punkteverruecktnachbuechern         ---   97 Punktevielleser18                                 ---   131 Punkte Vucha                                         ---   151 Punkte Wermoeve                                 ---   17 Punkte widder1987                               ---   69 Punkte Wolly                                          ---   184 Punkte Yolande                                       --   189 Punkte

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    himbeerbel

    10. March 2017 um 15:07

    „Der folgende Roman beruht auf dem Leben der deutschen Malerin Charlotte Salomon. Sie war sechsundzwanzig und schwanger, als sie ermordet wurde. Ihr autobiografisches Werk Leben? Oder Theater ist die Quelle, auf die ich mich hauptsächlich beziehe.“Dies teilt der Autor mit, bevor er uns einem Roman überlässt, dessen Textgestaltung schon ungewöhnlich ist. Jeder, der meist kurzen Sätze beginnt in einer neuen Zeile, so dass es eher scheint, als habe man hier Lyrik statt eines Romans in Händen. Die fast schon abgehackt wirkende Erzählweise und die im Präsens erzählte Geschichte Charlottes lässt einen beim Lesen zunächst stocken, erzeugt aber nachfolgend immer mehr den Eindruck, als berichte der gelegentlich in der Ich-Form auftauchende Autor in aufgeregter Weise über die ihn stark bewegende Biografie dieser Künstlerin.„Konnte ich aus Charlottes Geschichte einen Roman machen?Welche Form sollte das Ganze annehmen?Ich schrieb, löschte, kapitulierte.Ich brachte keine zwei Zeilen zu Papier.Nach jedem Satz geriet ich ins Stocken.Es ging einfach nicht weiter.Das war körperlich beklemmend.Ich verspürte beständig das Verlangen, eine neue Zeile zu beginnen.Um durchatmen zu können.Irgendwann begriff ich, dass ich das Buch genau so schreiben musste.“ (S. 73/74)Und so fliegt man aufgrund des Erzählstils geradezu durch dieses Buch, in dem eindringlich das Leben Charlottes zu einem Roman geformt und gefühlvoll untermalt wird, dabei aber glücklicherweise nicht ins Rührseelige abdriftet. „Das ist mein ganzes Leben“ – mit diesen Worten übergibt Charlotte einem Vertrauten 1942 einen Koffer voller Bilder. Sie erzählen ihre viel zu kurze Geschichte: von der Kindheit im Berlin der 20 Jahre, dem frühen Tod der Mutter, dem Zugang zu Berlins Künstlerkreisen durch die neue Frau des Vaters, dem Studium an der Kunstakademie, dem Leben als Malerin. Und dann: Flucht vor den Nationalsozialisten nach Südfrankreich, Leben im Exil, aber auch Liebe und Hochzeit. Nur ihre Bilder überleben – und damit ihre Geschichte, die David Foenkinos anrührend erzählt. Charlotte ist das Porträt eines verheißungsvollen Lebens, das viel zu früh beendet wurde.„Charlotte, mon obsession.Ich habe an den Schauplätzen ihres Lebens gesucht.Im Traum, in der Wirklichkeit.Nach den Farben in ihren Bildern.Mir gefielen die verschiedenen Gesichter von Charlotte, denen ich begegnete.Es waren viele Gesichter.Am wichtigsten bleibt für mich jedoch ihr Werk, Leben? Oder Theater?In dem sie durch den Filter der Kunst auf ihr Leben schaut.Um ihre Sicht der Dinge zu verzerren.“ (S. 186)Und so blickt uns auf dem Buchcover ein Ausschnitt aus dem Selbstporträt Charlotte Salomons (Gouache, um 1940) an, das eine gewisse Traurigkeit ausstrahlt und mich ebenso in den Bann zu ziehen vermag, wie der Schreibstil und die Geschichte, die dieser Roman erzählt. Ich mochte das Buch nicht mehr aus der Hand legen und kann es nur wärmstens empfehlen. „Charlotte“ von David Foenkinos ist für mich ein echtes Lesehighlight und wird in meinem Bücherregal einen Ehrenplatz bekommen.

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  • Leserunde zu "Das geheime Leben des Monsieur Pick" von David Foenkinos

    Das geheime Leben des Monsieur Pick

    DVA_Verlag

    Hallo liebe Leserinnen und Leser,eine Bibliothek, die von Verlagen abgelehnte Manuskripte sammelt? Klingt erstmal wie eine Idee aus einem Märchen … Es gibt sie aber wirklich: die Richard Brautigan Library an der Westküste der USA. Der französische Bestsellerautor David Foenkinos („Nathalie küsst“, „Charlotte“ u. v. m.) fand diese Idee so bezaubernd, dass er sie zum Ausgangspunkt für seinen neuen Roman „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ machte: Das mysteriöse Manuskript, um das sich in diesem französischen Bestseller alles dreht, sorgt für einen Riesenwirbel von der Bretagne bis nach Paris. Seid ihr neugierig geworden? Dann bewerbt auch doch als Testleser, tauscht euch mit anderen über den Roman aus und schreibt am Schluss eine Rezension. Wir stellen dafür 15 gedruckte Exemplare und 10 E-Pubs zur Verfügung, um die ihr euch bis zum 6. März 2017 bewerben könnt (selbstverständlich könnt ihr bei der Leserunde aber auch mit einem eigenen Buch mitmachen.) Diesmal gibt es keine Frage zu beantworten – denkt euch einfach was aus, warum gerade ihr ein solches Buch gewinnen solltet  Bitte schreibt bei eurer Bewerbung unbedingt dazu, ob ihr lieber ein gedrucktes Buch oder ein E-Book im EPUB-Format möchtet bzw. ob es euch egal ist! Wir freuen uns auf den Austausch mit euch! Karin vom DVA-Team Worum geht’s? Im bretonischen Finistère, am wind- und wellenumtosten „Ende der Welt“, gibt es eine ganz besondere Bibliothek. Sie sammelt Bücher, die nie erscheinen durften. Eines Tages entdeckt dort eine junge Pariser Lektorin ein Meisterwerk, und der Roman wird zum Bestseller. Der Autor, Henri Pick, war der Pizzabäcker des Ortes. Seine Witwe beteuert, er habe zeit seines Lebens kein einziges Buch gelesen und nie etwas anderes zu Papier gebracht als die Einkaufslisten – ob er ein geheimes Zweitleben führte? Diese verrückte Geschichte spornt viele Menschen an, selbst Neues zu wagen: Paare trennen sich, Liebende finden unerwartet zueinander, und so manche Gewissheit wird auf den Kopf gestellt. Ein französisch-charmanter Roman über die Liebe, verlorene Träume und den Mut, sein Leben in die Hand zu nehmen. Leicht, beschwingt und voller Witz. Wer ist der Autor? David Foenkinos, 1974 geboren, lebt als Schriftsteller und Drehbuchautor in Paris. Seit 2002 veröffentlicht er Romane, darunter den Millionenbestseller „Nathalie küsst“, der auch als Film mit Audrey Tautou das Publikum begeisterte. Seine Bücher werden in rund vierzig Sprachen übersetzt. Der vielfach ausgezeichnete Roman „Charlotte“ hat sich allein in Frankreich rund eine halbe Million Mal verkauft, wurde auch in Deutschland zum Bestseller und wird derzeit verfilmt. "Das geheime Leben des Monsieur Pick" war in Frankreich monatelang auf der Bestsellerliste.

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    • 451
  • Eine etwas andere Biografie über eine Künstlerin

    Charlotte

    tination

    14. December 2016 um 21:08

    Das Buch: erzählt das Leben von der Zeichnerin Charlotte Salomon vor und während des zweiten Weltkrieges. Das fängt bei der Kindheit und Jugend an und endet mit einem jähen Tod. Immer wieder wird sie aus ihrer Traumwelt gerissen, doch das Zeichnen hilft ihr alles zu vergessen.Fazit: Es ist ein ungewöhnliches Buch. Das erste, was dem Leser auffällt sind die Sätze. Jeder Satz bekommt eine eigene Zeile gutgeschrieben. Das mag dem einen am Lesefluss stören, doch es passt zu der Stimmung. So kurz wie Charlottes Leben war, so kurz kommen die Abschnitte herüber. Und so wird es doch passend.Was leider nicht so passend war, waren die Bemerkungen des Autors. Zum Glück nicht zu oft schweift der Autor ab vom Leben Charlottes und teilt uns seine Recherchen zu diesem Buch mit. So reist er nach Berlin, besucht Orte, die auch Charlotte mochte und interviewt Zeitzeugen in Frankreich, die Charlotte wirklich oder nur vom Hörensagen kannten. Das kam doch zu selbstdarstellerisch herüber. Schade.Charlotte selbst wird dem Leser sehr nahegebracht. Obwohl man doch zu dem eigentlichen Akt, wo sie ihr Leben zeichnet, kaum etwas erfährt. Das, was der Nachwelt erhalten blieb, wird hier nur nebensächlich erwähnt. Im Vordergrund stehen hier eher die Familienverhältnisse und die Interaktionen untereinander. Doch auch diese sind durchaus interessant und ungewöhnlich.Zusammenfassend ist dies eine Biografie mit ungewöhnlichen Elementen für das Genre. Auch wenn man nichts über diese Künstlerin weiß, ist es durchaus interessant. Ohne große historische Fakten wird hier ein Schicksal während des Nationalsozialismus nähergebracht. Man muss nichts von Kunst verstehen, aber man versteht hier die Künstlerin.https://booksoftination.wordpress.com/2016/12/14/david-foenkinos-charlotte/

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  • Autor beweist Mut einen anderen Stil zu wagen

    Charlotte

    Cuentame

    25. April 2016 um 17:11

    Ich habe mir dieses Buch gekauft, weil ich den Autor persönlich auf der Buchmesse getroffen habe und bereits vorher davon gehört habe. Nachdem ich es gelesen habe, kann ich sagen, dass es nicht umsonst ein Bestseller geworden ist. Der Inhalt:Charlottes Kindheit und Jugend wir von mehreren Selbstmorden in der Familie überschattet. Ihre Tante Charlotte, nach der sie später auch benannt wird, begeht in jungen Jahren Selbstmord. Darauf folgt einige Jahre später Charlottes Mutter, Franziska. Von der Trauer um ihre beiden Töchter übermannt bringt sich Jahre später auch Charlottes Großmutter um. Doch Charlotte scheint aus den tragischen Verlusten eine gewisse Stärke zu ziehen und kämpft sich unermüdlich durchs Leben in einer Zeit, in der Juden nach und nach aus dem öffentlichen Leben gedrängt und hartnäckig verfolgt werden. Charlotte gelingt durch ihr unbeschreibliches künstlerisches Talent die Aufnahme an der Kunstakademie, doch gegen ihre arischen Kommilitonen kommt sie nicht an und ihr wird ein wichtiger Kunstpreis aberkannt. Kurz nachdem sie ihre erste große Liebe Alfred kennen lernt, bitten sie ihr Vater und ihre Stiefmutter, zu den Großeltern nach Südfrankreich auszuwandern. Schweren Herzens macht sich Charlotte auf zu ihren Großeltern, doch in ihren Gedanken ist sie immer noch bei Alfred und beginnt ihre Gefühle in ihrer Kunst zum Ausdruck zu bringen. Dort schreibt sie auch ihr Werk "Leben? Oder Theater?", in dem immer wieder Alfred vorkommt. Nachdem Charlotte beide Großeltern verloren hat und die "Säuberungsaktionen" der Nazis weiter voranschreiten, nährt sich Charlotte langsam dem Österreicher Alexander an, Schließlich verlieben sich die beiden, Charlotte wird schwanger und die beiden heiraten schließlich - und geben somit auch ihre Adresse preis. Kurze Zeit später werden sie verraten und werden ins Konzentrationslager Auschwitz gebracht. Kurze Zeit danach wird sie umgebracht. Meine Meinung:Da ich bereits vorher auf einer Lesung des Autors war, wusste ich, dass dieses Buch außergewöhnlich ist. Unter anderem weil der Roman zeilenweise geschrieben ist. Nach jeder Zeile wird dem Leser eine Pause zum Nachdenken gewährt. Durch die prägnante und starke Schreibweise ist der Stil durchaus gerechtfertigt, da das Geschilderte mit unter brutal ist. Zum anderen bringt der Autor seine ganz persönlichen Eindrücke mit ein, die er bei der Recherche durch persönliche Gespräche mit Nachfahren, Besichtigung der Schauorte usw. gewonnen hat. Durch den sehr persönlichen Bezug gewinnt der Roman eine emotionale Tiefe und zieht den Leser in seinen Bann. Auch im Buch selbst wirft der Autor die Frage auf, ob er das Recht hat, sich selbst zu erwähnen, da er normalerweise gar nicht zu spüren ist - vor allen Dingen in biografischen Werken, in denen es nicht um den Autor selbst geht. Der Mut, den David Foenkinos,hier bewiesen hat, hat mich nachhaltig beeindruckt. Starke Protagonistin, starker Autor!Ganz klare Leseempfehlung von mir.   

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  • Zeile für Zeile ...

    Charlotte

    juergen_schmidt

    Beim Aufschlagen des Buches glaubt man zunächst ein Songbuch von Bob Dylan vor sich liegen zu haben: Der Roman sieht aus wie ein endloses Gedicht. Lauter Einzeiler mit Satzende springen einem ins Gesicht. Was soll das? Der Autor erklärt später im Buch dazu, dass er beim Schreiben „beständig das Gefühl verspürte“, eine Zeile neu zu beginnen. Irgendwann begriff er, „dass ich das Buch genau so schreiben musste.“ Eine mutige Entscheidung, die Biographie der jungen Malerin Charlotte Salome (geb. 16.04.1917) optisch so ungewöhnlich zu erzählen. Aber keine Bange: Die anfängliche Verwirrung hält nicht lange an, zu schnell gewöhnt man sich an die gekonnte, einfühlsame und sehr persönliche Erzählweise von David Foenkinos, dem französischen Autor, aus dessen Feder auch „Natalie küsst“ stammt. Foenkinos erzählt dabei auch, wie er durch eine Berliner Bekannte auf Charlotte aufmerksam wurde. Bereits beim Betrachten ihrer expressionistischen Bilder, in denen sie Momente ihres allzu kurzen Daseins hinterlassen hatte, verschlug es dem Schriftsteller die Sprache. 1942 muss sie einem Bekannten einen Koffer mit den Bildern und den Worten, darin sei ihr ganzes Leben, gegeben haben. So kurz Charlottes Leben auch gewesen war, es war dennoch ereignisreich und schicksalshaft. In ihrer Familie gab es eine geradezu zwanghafte Sucht zum Suizid. Neben anderen Verwandten hatte sich auch ihre Mutter sowie deren Schwester in die Tiefe gestürzt. So lernte die kleine Charlotte ihren eigenen Namen auf dem Grabstein der gleichnamigen Tante lesen. Später heiratete ihr Vater, ein ehrgeiziger Arzt, eine bekannte jüdische Sängerin. Für eine kurze Zeit herrschte reges Leben in der Berliner Wielandstraße 15, wo Künstler und andere Größen des gesellschaftlichen Lebens ein- und ausgingen. Mit Unterstützung des Professors Bartning wurde Charlotte 1933 noch als Jüdin an der Staatsschule für Freie und Angewandte Kunst aufgenommen, doch auch dieses Glück dauerte nicht lange an: „Scharenweise ekeln sich die Menschen vor den jüdischen Kunstwerken. Die Bücher sind bereits verbrannt, jetzt werden Bilder bespuckt.“ Ein bewegendes Buch über eine außergewöhnliche, Kraft ausstrahlende, sensible Künstlerin, die mit 26 Jahren im KZ sterben musste. Einfühlsam geschrieben und nicht minder gekonnt übersetzt von Christian Kolb.          

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    • 3

    juergen_schmidt

    25. March 2016 um 07:47
  • Starkes Portrait einer Künstlerin

    Charlotte

    Arbutus

    Ein sehr bewegendes Buch. David Foenkinos hat einen biographischen Roman über die jüdische Künstlerin Charlotte Salomon geschrieben. Sie entdeckt ihre Berufung als Künstlerin, als es eigentlich schon zu spät ist - als die Nazis den Juden bereits sämtliche Bildungsmöglichkeiten untersagt haben. Aber für die junge in sich gekehrte Charlotte macht die Kunstakademie dank ihrer außergewöhnlichen Begabung zunächst eine Ausnahme. Charlotte ist ein komplizierter Mensch; ihre Gefühlswelt steht unter dem Stern eines düsteren Familiengeheimnisses, das man jahrelang vor der jungen Frau verborgen hat. All dies macht die Beziehung zu dem mindestens genauso komplizierten Gesangslehrer Alfred nicht gerade leichter, den sie abgöttisch liebt. Doch die beiden können nicht wirklich zu einander kommen. Wie ein dunkler Schatten liegen Kriegstrauma und Todesahnung über der Beziehung. Ein depressives Buch. Manche Dinge erschrecken mich beim Lesen. Alfred stürzt sich auf die Musik: um zu überleben. So wie eine Selbstmörderin sich in den Tod stürzt. Ich finde diesen Vergleich grenzwertig. Und doch so treffend an dieser Stelle. Aber in meinem Musikerherzen rebelliert alles dagegen. Und stellt die Frage nach der Legitimität, so etwas zu vergleichen. Auch wenn es allgemein in der Literatur nicht legitim ist, die Legitimität von irgendetwas infrage zu stellen. Aber man ist bereit, diesem Autor einiges zu verzeihen. Zu außergewöhnlich, ja begnadet ist sein Stil. Sätze wie Pinselstriche. Wie zufällig aufs Papier geworfen, und doch so passend, tief und präzise. Der Text ist gedruckt wie in einem Gedichtband. Dabei handelt es sich um Prosa. Dadurch wirkt es weniger wie eine Erzählung, sondern wie unmittelbar Erlebtes. Der Autor durchbricht die Erzählung gelegentlich durch plötzliche Gegenwart-Einschübe, in denen er von seinen Recherche-Fahrten berichtet. Die davon Zeugnis geben, wie nah er sich an die Fersen seiner Protagonistin geheftet hat. Und wie mühsam und schmerzvoll diese Suche ist. Das Buch handelt von dem Hass, der die Macht ergreift, von Flucht und Exil, von Überlebenswillen und Hoffnungslosigkeit, von Liebe und Angst. Von kleinen Lichtblicken in einer dunklen deutschen Vergangenheit, gezeichnet aus dem spannenden Blickwinkel eines unvoreingenommenen Franzosen. Und von einer hierzulande nahezu unbekannten genialen Künstlerin, die es wert ist, wiederentdeckt zu werden. Das Buch bekommt von mir fünf Sterne; dennoch spreche ich keine uneingeschränkte Leseempfehlung aus. Sensible Menschen, die zu Melancholie und Depressionen neigen, lassen möglicherweise besser ihre Finger davon. Allen anderen sei die Lektüre aber wärmstens ans Herz gelegt!

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    • 5
  • Charlotte Salomon - Malerin

    Charlotte

    Buecherschmaus

    David Foenkinos wählt einen ganz persönlichen Zugang zum Leben der 1943 in Auschwitz ermordeten jüdischen Malerin Charlotte Salomon. Durch eine Ausstellung deren Werks "Leben? Oder Theater?", die er zufällig besucht, ist er tief beeindruckt, ja geradezu besessen nicht nur vom künstlerischen Schaffen, sondern auch vom tragischen Leben Salomons. 1917 in Berlin in großbürgerlichen Verhältnissen geboren, steht ihr Leben unter keinem sehr glücklichen Stern. Als sie acht Jahre alt ist, bringt sich ihre Mutter um. Eine Tatsache, die der kleinen Tochter nicht verraten wird, man spricht von einer schweren Grippe. Ist der Selbstmord in dieser Familie doch wie ein böser Fluch. Bereits die Schwester, der Onkel, die Tante haben ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt und sollten nicht die Letzten bleiben. Eine Lüge, um die Tochter zu schützen also. Zunächst wendet sich auch alles zum Guten. Der Vater findet in der berühmten Sängerin Paula eine neue Frau und diese ist Charlotte sehr zugetan. Auch diese liebt und bewundert sie. In deren Gesangslehrer Alfred Wolfsohn findet sie als junge Frau eine erste, ein wenig einseitige Liebe. Doch die Zeiten sind gegen sie. Bereits sehr früh emigrieren die Großeltern nach Südfrankreich. Doch Albert Salomon und seine Frau Paula wollen das Land trotz zunehmender Repressalien und Bedrohungen nicht verlassen. Es ist ihre Heimat, der Spuk wird schnell vergehen. Wir kennen das. Billy Wilder soll gesagt haben: »Die Optimisten kamen nach Auschwitz, die Pessimisten nach Beverly Hills.« Charlotte gelingt es wegen ihrer Begabung und dank Fürsprechern noch 1935 in die Kunstakademie aufgenommen zu werden. Öffentliche Anerkennung bleibt ihr aber versagt. Nach der Verhaftung des Vaters in Folge der Reichspogromnacht 1938 und seiner Internierung in Sachsenhausen, der er nur durch intensive Bittgesuche seiner Frau, die auch in der neuen Regierung noch ihre Bewunderer hat, entgehen kann, wird Charlotte, die noch minderjährig ist und keinen Pass benötigt, zu den Eltern nach Südfrankreich geschickt. Hier verlebt sie kurz eine schöne Zeit, bevor das Schicksal erneut zuschlägt. Kriegsbeginn, Selbstmord der Großmutter, kurzzeitige Inhaftierung mit dem Großvater im französischen Internierungslager Gurs, Besatzung der bisher Freien Zone durch Deutschland und Italien, Tod des Großvaters. Noch einmal tut sich ein kleines Fenster zum Glück auf, als Charlotte in einem wahren Schaffensrausch ihr einzigartiges Werk "Leben? Oder Theater?" schafft - fast 1000 Gouachen, ergänzt mit Texten und Musikanweisungen, "Ein Singespiel", das ihr ganzes Leben nacherzählt, und 1943 den österreichischen Flüchtling Alexander Nagler heiratet und von ihm schwanger wird. Doch sie wird denunziert und gleich nach ihrer Ankunft in Auschwitz ermordet. Im fünften Monat schwanger und gerade einmal 26 Jahre alt. Soweit die gut dokumentierten Fakten über ihr Leben. Doch wie geht David Foenkinos mit diesem Material um? Er ist von Charlotte Salomons Schicksal tief berührt, von ihrer Person und ihrem Schaffen nahezu besessen. "Charlotte, mon obsession." sagt er einmal selbst. Ein sachlich biografischer Ansatz ist von daher ausgeschlossen. Aber auch ein fiktionalisierter Roman scheint ihm unangemessen. Er schafft daher eine ganz eigene Form. Er erzählt in Hauptsätzen, gibt ihnen je eine Textzeile und setzt das Ganze wie eine Art Prosagedicht. Eine zunächst recht ungewohnte Erzählweise, der leicht etwas Maniriertes anhaften könnte. Zugleich geht er ganz nahe an seine Protagonistin heran, schlüpft in sie hinein, okkupiert sie geradezu. Das hat etwas Heikles und hin und wieder wird es auch zu viel und grenzt ein wenig an Anmaßung. Sätze wie "Charlotte seufzt." oder auch Schilderungen ihrer Liebesbeziehungen oder letztlich auch der Gang in die Gaskammern Ausschwitz. Über weite Teile funktioniert das Ganze aber, sowohl bezüglich der Erzählperspektive als auch des Stils. Auch dass David Foenkinos den Leser am Recherche- und Schreibprozess teilhaben lässt, ist interessant. Charlotte Salomons Leben berührt. Das Buch macht neugierig auf diese fast unbekannte Künstlerin und ihr spannendes Werk. Ich habe sehr viel nachgeschlagen und mich in "Leben? Oder Theater?" vertieft, dass komplett online einzusehen ist. Und damit ist sie ein Stückweit dem Vergessen entrissen. Kein kleines Verdienst dieses Romans.

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    • 2
  • Leben? Oder Theater?

    Charlotte

    YukBook

    01. February 2016 um 11:39

    So hieß eines der bedeutendsten Werke der Malerin Charlotte Salomon. Der französische Schriftsteller David Foenkinos war so überwältigt von diesem gemalten Theaterstück sowie von ihren übrigen Gemälden, dass er den Drang verspürte, ein Buch über sie zu schreiben. Er begab sich auf Spurensuche der in Berlin geborenen und in Ausschwitz ermordeten Künstlerin, bereiste die Orte, an denen sie gelebt hatte, unter anderem Villefranche-sur-Mer bei Nizza. Seine literarische Annäherung an die Malerin in seinem Buch "Charlotte" ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Zum einen ist es fast in Gedichtform geschrieben. Jeder Satz beginnt in einer neuen Zeile und verdichtet die Handlung, dass man das Gefühl hat, kein Wort ist zu viel. Irritierend ist, dass im Laufe der Geschichte der Erzähler stellenweise ganz plötzlich in Erscheinung tritt und seine Spurensuche beschreibt. Den Einsatz dieser Stilmittel fand ich äußerst gelungen, da er deutlich macht, wie aufgewühlt und fassungslos er angesichts seiner Erkenntnisse und Entdeckungen über die Künstlerin war. So findet man in diesem Roman viele starke Momente, zum Beispiel als Charlotte bewusst wird, dass sie malen muss, um nicht verrückt zu werden, oder die immer wiederkehrende Sehnsucht nach ihrem Vater, der von seinen medizinischen Forschungen besessen ist und sie vernachlässigt. Umso intensiver entwickelt sich Charlottes Beziehung zu ihrer Stiefmutter Paula, einer begehrten Sängerin, die sie vergöttert und ganz für sich vereinnahmt. Bei der Schilderung der Naziherrschaft genügen einige kurze, prägnante Szenen, um das ganze Ausmaß des Grauens erahnen zu lassen. Auch das Liebesverhältnis zwischen Charlotte und dem Gesangslehrer Alfred Wolfsohn werden sehr eindringlich beschrieben. Eine sehr lesenswerte Biografie, die nicht nur zeitgeschichtliche Hintergründe, sondern auch die Seelenlandschaft der Malerin auf eindrucksvolle Weise erforscht. 

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  • Künstlerin, nicht nur Opfer und Obsession

    Charlotte

    Aspasia

    In “Charlotte” erzählt Foenkinos das Leben von Charlotte Salomon. Sie war eine deutsch-jüdische Malerin, getötet 1943 in Auschwitz. Um ihre Geschichte zu erzählen, hat Foenkinos am Zeilenende verharrt. Er hat eine Pause gemacht und in der nächsten Zeile neu begonnen. So wie ich jetzt. Zeile um Zeile. Warum hat er das gemacht? Prosatexte in Versform, die gab es schon vorher. Einzigartige Sätze nach denen man atmen muss. Aber sind seine Sätze so? Sind seine Sätze einzigartig? Paula macht sich Sorgen. Das Glück lässt sie alles vergessen. Der junge Mann hat einen Knüppel in der Hand und einen Hund an seiner Seite. Kritiker sagen es ist Lyrik in Prosaform. “Die Poesie ist eine redende Malerei”, sagt Plutarch. Foenkinos bestaunte ihr Werk “Leben? Oder Theater?” im Museum. Malerei, Text, Musikangaben. Ein Singspiel. Ich konnte nicht in Worte fassen, was in mir vorging. Er denkt über ihre Malerei: Es stellte sich sofort so etwas wie Vertrautheit ein. Alles war da.  Und leuchtete in schillernden Farben. Es ist ihr künstlerisches Vermächtnis, das er so beschreibt. Sie hat es im Exil in Südfrankreich gemalt.  Sie übergab, das, was sie ihr Leben nannte, einem Freund, bevor es vorbei war. Er sieht Deutschland in ihren Bildern. All das, was mich seit Jahren beschäftigte. Warburg und die Malerei. Deutsche Literatur. Musik und Wahnsinn. Er mag Berlin, das Bauhaus, die deutsche Sprache und Musik. Warum? Es gibt kein weil, es gibt bloße Anziehung. Seine Obsession mit Deutschland kulminiert in Charlotte. Ganz Fan besucht Foenkinos alle Orte, an denen sie je war. Ihr Geburtshaus von außen. Die Schule von innen. Die Villa in Villefranche von außen. Das Apartment in Nizza von innen. Wie ein Tourist auf den Spuren von… reist er ihr nach. Sein Blick bleibt stets bewunderndes Erstaunen. Er erfährt, dass sie und ihr Ehemann denunziert wurden, man weiß, von wem. Ich bin überrascht. Nun ja. Weiß nicht, was ich davon halten soll. So geht es mir mit diesem Roman. Der für mich eine Nacherzählung ist.  Eine phantasievolle Personenbeschreibung. Eine Hommage an Lotte ist es nicht. Lotte war eine spannende Künstlerin und verdient Ehre für ihr Werk. Lotte war ein Opfer dieser Unmenschen, aber das ist keine Ehre. Ich musste oft an Frida Kahlo denken, als ich Charlotte las. Frida war das Opfer eines Verkehrsunfalls, aber das sagt nichts über ihre Kunst. Fridas Werk ist alle Ehren wert. Foenkinos Bewunderung treibt ihn bis nach Auschwitz. Sein Ehrgeiz macht vor ihrem letzten Gang nicht halt. Reglos steht sie inmitten der anderen. Sie scheint sich aus der Zeit zu winden. Und ist doch immer noch da. Lotte war auch vor Foenkinos Charlotte noch da. Ihr Werk von knapp 1000 Seiten hat überlebt. Sie hatte schon Ausstellungen in Europa. Es gibt Bücher über sie. Keine Millionen wussten von ihr, doch schon die sehr Kunstinteressierten. Er hat ihr Leben seinem Publikum bekannt gemacht, das ist jetzt sein Verdienst. Mir ist das nicht genug. Lotte hätte einen literarischen Roman verdient als Künstlerin und Mensch. Wenn das Ganze mehr als seine Teile ist, dann sollte Lotte Salomon doch mehr sein als Opfer und Obsession.

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    • 5
  • Ein ganzes Leben

    Charlotte

    JoBerlin

    Das erste was ins Auge fällt sind die knappen Worte. Die kurzen Sätze. So will er ihr Leben schildern. Detailreich, doch ohne Ornament. Einfühlsam, doch ohne Pathos. Charlotte Salomon wächst im Berlin der 20er und 30er Jahre im großbürgerlichen Charlottenburg auf. Wissenschaftler, Intellektuelle, Künstler sind häufig zu Gast. Ihre Jugend ist jedoch nicht unbeschwert, in der Familie liegt ein Hang zu Depression und Selbstmord. Auch Charlottes Mutter hat sich das Leben genommen. „Der Weg der Überlebenden ging über das Schweigen“ beschreibt David Foenkinos dieses Familientrauma. Doch Charlotte entdeckt die Malerei als ihre Ausdrucksform, kann sich als eine der letzten Jüdinnen an einer Kunstakademie einschreiben, einen Preis für ihre Bilder darf sie schon nicht mehr entgegen nehmen. Schließlich verlässt sie Berlin und geht nach Frankreich ins Exil. Bald herrscht auch dort der deutsche Terror. Charlotte geht weiter. Ins innere Exil. So entsteht ihr Lebenswerk, ihre Geschichte in Bildern, sie nennt es „LEBEN? ODER THEATER?“. Es ist ein autobiografisches Gesamtkunstwerk: Text, Musik und hunderte von Illustrationen. “Sie haben etwas Naives und zugleich Kraftvolles“ urteilt Walter Benjamin. „Ihre Bilder sprudeln vor Energie und Ideen“ sagt David Foenkinos. Er begegnete ihr Anfang der 2000er Jahre. Zunächst bei Streifzügen durch Berlin-Charlottenburg, diese Schilderungen erinnern an den großen Flaneur Berlins, Franz Hessel. Und dann war sie da. Persönlich. In einer Ausstellung. „Und leuchtete in schillernden Farben“. Und es war um ihn geschehen. Überwältigt.Verliebt. Besessen. Wie konnte er diese starken Gefühle für sich künstlerisch verarbeiten? Foenkinos lässt uns am Schaffensprozess teilhaben. Wie er gerungen hat. Um den Inhalt, um die Form. Und es ist ihm gelungen: Durch den einfachen, knappen Stil, durch das Gespräch mit seinen Lesern wird dieses Buch zu einem Erlebnis. Sehr nah, sehr glaubhaft, sehr gut. Wir stehen mit ihm vor der Berliner Wohnung, wir reisen mit ihm nach Frankreich, wir gehen ihre Wege. In diesem sehr starken letzten Buchabschnitt erzählt er noch einmal von seiner Suche nach ihr. Da steht sie mit einem Koffer. Voller Bilder. Und übergibt alles einem Vertrauten. „C’est tout ma vie“ sagt sie. Denn sie werden nun doch noch von der Welt gejagt. Sie und ihr Mann werden nach Auschwitz verschleppt und ermordet. Ob nun Roman, Biografie oder Bericht einer großen Leidenschaft ist für die Bewertung des Textes unerheblich. Es ist David Foenkinos eigenes und wohl persönlichstes Projekt: Die Künstlerin Charlotte Salomon soll nicht im Grau der Zeit verblassen. Er will sie uns zurückholen. In ihren leuchtenden Farben. Ins Hier und Jetzt und Immer. „Das wahre Maß des Lebens ist die Erinnerung“ – dieses Benjamin-Zitat könnte über Charlottes Werk stehen, sagt Foenkinos. Es passt genauso gut zu seinem.

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